Das Dreitagefieber, auch bekannt als Exanthema subitum oder Roseola infantum, ist eine häufige, aber in der Regel harmlose Viruserkrankung, die vor allem Säuglinge und Kleinkinder im Alter von sechs Monaten bis zwei Jahren betrifft. Plötzlich auftretendes, hohes Fieber, das nach wenigen Tagen von einem charakteristischen Hautausschlag gefolgt wird, verunsichert viele Eltern. Doch was genau steckt hinter dieser Infektionskrankheit und wie können Sie Ihr Kind am besten unterstützen? Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten des Dreitagefiebers, um Ihnen als Eltern Sicherheit zu geben.
Was genau ist das Dreitagefieber?
Das Dreitagefieber ist eine hochansteckende, durch Viren verursachte Erkrankung. Der Auslöser ist meist das humane Herpesvirus Typ 6 (HHV-6), seltener Typ 7 (HHV-7). Obwohl es sich um eine ansteckende Krankheit handelt, ist sie in den allermeisten Fällen gutartig und hinterlässt keine bleibenden Schäden. Besonders häufig sind Kinder im Alter von sechs bis 24 Monaten betroffen. Eine Ansteckung kann das ganze Jahr über erfolgen. In seltenen, schweren Verlaufsformen können Komplikationen wie eine Lungen-, Leber- oder Gehirnentzündung auftreten, dies betrifft jedoch meist Kinder mit einem geschwächten Immunsystem.
Dreitagefieber bei Erwachsenen und Babys
Bei Erwachsenen ist eine Erstinfektion mit dem Dreitagefieber selten, da die meisten Menschen die Krankheit bereits im Kindesalter durchgemacht haben. Sollte es dennoch dazu kommen, äußert sich die Infektion oft mit grippeähnlichen Symptomen. Bei Babys unter drei Monaten ist eine Ansteckung ebenfalls unwahrscheinlich, da sie in den ersten Lebensmonaten durch mütterliche Antikörper geschützt sind.
Ursachen des Dreitagefiebers
Das humane Herpesvirus Typ 6 (HHV-6) ist der Hauptverursacher des Dreitagefiebers bei Kindern, insbesondere bei denen im neunten Lebensmonat. Nach der akuten Infektion verbleibt das Virus – wie alle Herpesviren – lebenslang inaktiv im Körper. Eine Reaktivierung ist möglich, aber selten. Der Mensch ist das einzige bekannte Reservoir für HHV-6. Die Übertragung erfolgt primär über Speichel, aber auch Tröpfcheninfektionen durch Sprechen, Niesen oder Husten sind möglich. Seltener kann die Ansteckung auch über Bluttransfusionen oder Organtransplantationen erfolgen. Bei Kindern im zweiten Lebensjahr ist häufiger das Herpesvirus Typ 7 (HHV-7) die Ursache. Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Symptome, kann bis zu 17 Tage betragen.
Symptome des Dreitagefiebers: Ein zweistufiger Verlauf
Die Symptome des Dreitagefiebers sind charakteristisch und treten typischerweise in zwei Phasen auf: zuerst das Fieber, dann der Hautausschlag.
Plötzliches, hohes Fieber
Das erste und auffälligste Symptom ist ein plötzlich auftretendes, hohes Fieber, das Temperaturen von 39°C bis 41°C erreichen kann. Dieses Fieber hält in der Regel drei bis vier Tage an und fällt danach rapide ab. Das regelmäßige Messen der Körpertemperatur ist wichtig, um den Verlauf zu beobachten. Eltern sollten stets auf die Symptome achten und Fieber richtig messen.
Der typische Hautausschlag
Unmittelbar nach dem Abklingen des Fiebers entwickelt sich ein heller, roter und fleckiger Hautausschlag. Dieser Ausschlag kann flach oder leicht erhaben sein, manchmal sind die Flecken von einem blassen Hof umgeben. Innerhalb weniger Stunden breitet sich der Ausschlag meist über Brust, Bauch, Rücken, Arme und Beine aus. Gesicht und Kopfhaut bleiben dabei oft verschont. Juckreiz tritt beim Dreitagefieber-Ausschlag in der Regel nicht auf. So schnell wie er gekommen ist, verschwindet der Ausschlag oft innerhalb weniger Stunden oder Tage wieder spurlos. Bei manchen Kindern ist der Ausschlag nur sehr schwach ausgeprägt oder bleibt sogar ganz aus.
Fieberkrämpfe als Begleiterscheinung
Bei etwa 30 Prozent der betroffenen Kinder kann es während des hohen Fiebers zu einem Fieberkrampf kommen. Obwohl ein Fieberkrampf für Eltern beängstigend sein kann, ist er in den allermeisten Fällen harmlos und hinterlässt keine bleibenden Schäden. Er äußert sich durch Bewusstseinsverlust und krampfartige Zuckungen von Armen und Beinen. Nach einem Fieberkrampf sollte zur Sicherheit immer ein Kinderarzt aufgesucht werden.
Weitere mögliche Symptome
Zusätzlich zu Fieber und Hautausschlag können weitere Symptome auftreten, wie geschwollene Augenlider, gerötete Trommelfelle, Erbrechen, Durchfall oder geschwollene Halslymphknoten. Bei Säuglingen kann sich die Fontanelle (die weiche Stelle am Kopf) vorwölben. Auch nach Abklingen der akuten Symptome sind die Kinder oft noch einige Tage angeschlagen und quengelig. Viele Infektionen verlaufen auch so mild, dass sie von den Eltern gar nicht bemerkt werden.
Ist das Dreitagefieber ansteckend?
Ja, das Dreitagefieber ist hochgradig ansteckend. Der Erreger, das Herpesvirus, wird hauptsächlich über den Speichel übertragen. Eine Ansteckung durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen) ist ebenfalls möglich. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit liegt zwischen 5 und 15 Tagen. Nach einer durchgemachten Infektion mit dem Dreitagefieber ist man in der Regel ein Leben lang immun gegen eine erneute Ansteckung mit demselben Virustyp.
Diagnose des Dreitagefiebers
Bei hohem Fieber bei Kindern sollte umgehend ein Kinderarzt aufgesucht werden. Die Diagnose des Dreitagefiebers stützt sich in erster Linie auf die Anamnese, also die ausführliche Befragung der Eltern zu Beginn, Verlauf und Höhe des Fiebers sowie zum Auftreten des Hautausschlags. Unterstützend kann eine Blutuntersuchung durchgeführt werden. Während der Fieberphase kann die Anzahl der weißen Blutkörperchen erhöht sein, die nach Abklingen des Fiebers wieder sinkt. Spezifische Antikörpertests (IgM- und IgG-Antikörper gegen HHV-6) können die Diagnose sichern.
Kann man Dreitagefieber mehrmals bekommen?
Normalerweise erwirbt man nach einer durchgemachten Infektion eine lebenslange Immunität. Nur in sehr seltenen Ausnahmefällen, beispielsweise bei stark geschwächtem Immunsystem durch Medikamente (z.B. nach Organtransplantationen), kann es zu einer Zweitinfektion kommen.
Behandlung des Dreitagefiebers
Die Behandlung des Dreitagefiebers zielt darauf ab, die Symptome zu lindern. Das Wichtigste ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um Austrocknung zu vermeiden. Fiebersenkende Maßnahmen wie Wadenwickel oder fiebersenkende Medikamente (z.B. Paracetamol oder Ibuprofen in altersgerechter Dosierung) können eingesetzt werden, um das Fieber zu senken und das Wohlbefinden des Kindes zu verbessern. Fiebersenkende Maßnahmen sollten stets nach ärztlicher Absprache erfolgen.
Krankheitsverlauf und Prognose
Der Krankheitsverlauf des Dreitagefiebers ist in der Regel mild und selbstlimitierend. Nach Abklingen des Fiebers erholen sich die Kinder rasch. Fieberkrämpfe sind zwar beängstigend, aber ungefährlich und hinterlassen keine Dauerschäden. Bis zum zweiten Lebensjahr haben fast alle Kinder das Dreitagefieber – bemerkt oder unbemerkt – durchgemacht. Da es keine spezifischen antiviralen Medikamente oder Impfungen gegen HHV-6 gibt, ist die Behandlung rein symptomatisch.
Abgrenzung zu ähnlichen Krankheiten
Obwohl das Dreitagefieber typische Symptome aufweist, kann es insbesondere für Eltern schwierig sein, es von anderen Kinderkrankheiten mit Fieber und Hautausschlag zu unterscheiden. Eine klare Abgrenzung ist wichtig.
Masern (Morbilli)
Masern beginnen oft mit Schnupfen, Husten und Lichtscheu, bevor das Fieber und der charakteristische Hautausschlag auftreten. Der Ausschlag breitet sich typischerweise vom Gesicht über den Körper aus und die Flecken laufen oft zusammen.
Röteln (Rubella)
Röteln äußern sich meist milder, mit erkältungsartigen Symptomen und einem feinfleckigen Hautausschlag, der im Gesicht beginnt. Typisch sind auch geschwollene Lymphknoten im Nackenbereich.
Scharlach (Scarlatina)
Scharlach geht oft mit Halsschmerzen und einer belegten Zunge einher. Der Hautausschlag ist feinpünktchenartig, beginnend in den Leistenregionen und breitet sich dann aus. Eine “Himbeerzunge” ist ein typisches Zeichen.
Windpocken (Varizellen)
Windpocken äußern sich durch einen stark juckenden Hautausschlag, der sich von zentral nach außen ausbreitet. Es treten Bläschen auf, die sich verkrusten. Charakteristisch ist das Auftreten von verschiedenen Stadien des Ausschlags nebeneinander (“Sternenhimmel”).
Das Dreitagefieber zeichnet sich durch den plötzlichen Beginn des hohen Fiebers aus, dem erst danach der Hautausschlag folgt. Dies ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu vielen anderen Kinderkrankheiten. Bei Unsicherheiten ist jedoch immer der Rat eines Arztes einzuholen.
