Fieber richtig messen: Ein umfassender Leitfaden für genaue Ergebnisse

Fieber ist ein häufiges Symptom vieler Krankheiten und dient als wichtiges Warnsignal unseres Körpers. Es zeigt an, dass das Immunsystem aktiv ist und gegen eine Infektion oder Entzündung ankämpft. Doch um die Bedeutung dieser Körperreaktion richtig einschätzen zu können, ist eine präzise Fiebermessung unerlässlich. Eine ungenaue Messung kann zu Fehlinterpretationen führen und die Entscheidung über weitere Schritte – sei es die Einnahme von fiebersenkenden Mitteln oder der Besuch beim Arzt – erheblich beeinflussen. In diesem Leitfaden erfahren Sie, welche Messmethoden am zuverlässigsten sind, wie Sie diese korrekt anwenden und welche Faktoren die Genauigkeit der Messung beeinflussen können.

Was ist Fieber und warum ist präzise Messung wichtig?

Normalerweise liegt die Körperkerntemperatur eines Menschen zwischen 36,5 °C und 37,4 °C. Spricht man von erhöhter Temperatur, bewegt sich der Wert zwischen 37,5 °C und 38 °C. Fieber beginnt ab einer Körpertemperatur von 38 °C. Höhere Werte signalisieren dem Körper, dass er alle Kräfte mobilisiert, um Erreger abzuwehren. Eine exakte Fiebermessung ist entscheidend, um den Krankheitsverlauf zu verfolgen und bei Bedarf schnell handeln zu können. Besonders bei Säuglingen und Kleinkindern können schon geringe Temperaturerhöhungen auf ernsthafte Erkrankungen hinweisen. Die Wahl der richtigen Messmethode und deren korrekte Anwendung sind daher von größter Bedeutung für die Gesundheit.

Die verschiedenen Messmethoden im Detail

Es gibt verschiedene Methoden, um Fieber zu messen, die sich in ihrer Genauigkeit und Anwenderfreundlichkeit unterscheiden. Jede Methode hat ihre spezifischen Vor- und Nachteile, die es zu kennen gilt, um die zuverlässigsten Ergebnisse zu erzielen.

1. Rektale Messung (im Po) – Der Goldstandard

Die rektale Messung gilt als die genaueste Methode zur Bestimmung der Körperkerntemperatur. Das liegt daran, dass der Po dem Körperkern am nächsten ist und die Temperatur dort am wenigsten von äußeren Einflüssen verfälscht wird. Gerade bei fiebrigen Patient:innen, deren Kreislaufreaktionen zu kalten Händen und Füßen führen können, während der Körper versucht, seine Kerntemperatur aufrechtzuerhalten, liefert diese Methode die verlässlichsten Werte.

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Anwendung:
Fetten Sie die Thermometerspitze mit einer geeigneten Creme, wie beispielsweise Vaseline oder einer speziellen Gleitcreme, dünn ein. Zum Messen sollte man am besten entspannt auf dem Rücken oder auf der Seite liegen. Führen Sie das Thermometer circa ein bis zwei Zentimeter vorsichtig in den After ein. Bei Säuglingen genügt oft schon ein halber bis ein Zentimeter. Während des Messvorgangs muss das Thermometer unbedingt festgehalten werden, um ein unbeabsichtigtes Herausgleiten oder -pressen zu verhindern und die Verletzungsgefahr zu minimieren. Sobald das akustische Signal des Digitalthermometers ertönt, können Sie das Fieberthermometer wieder herausziehen. Der angezeigte Wert kommt dem im Körperinneren am nächsten und sollte als Referenzwert dienen. Nach jeder Anwendung ist eine gründliche Reinigung und Desinfektion des Thermometers unerlässlich.

2. Aurikuläre Messung (im Ohr) – Schnell und praktisch

Die Messung im Ohr erfolgt mithilfe eines Infrarot-Ohrthermometers, das die Temperatur über den äußeren Gehörgang am Trommelfell erfasst. Diese Methode ist besonders bei älteren Kindern und Erwachsenen beliebt, da sie schnell und vergleichsweise komfortabel ist.

Anwendung:
Ziehen Sie zum Messen das Ohr leicht nach hinten und oben, um den Gehörgang zu begradigen und die Sonde optimal auf das Trommelfell auszurichten. Führen Sie nun die Messsonde vorsichtig in den Gehörgang ein, bis sie gut abschließt, um die Temperatur zu erfassen. Es ist wichtig, unmittelbar vor der Messung nicht auf dem Ohr gelegen zu haben oder das Ohr zu reiben, da dies das Messergebnis verfälschen kann. Auch Ohrenschmalzablagerungen können die Genauigkeit beeinträchtigen. Die Temperatur im Ohr ist etwa 0,3 bis 0,5 Grad Celsius niedriger als die rektal gemessene Temperatur.

Einschränkungen:
Bei Kindern unter drei Jahren sollte diese Messmethode mit Vorsicht angewendet oder gänzlich vermieden werden, da die Gefahr einer Verletzung des empfindlichen Gehörgangs besteht. Zudem ist die korrekte Platzierung der Sonde für ein genaues Ergebnis entscheidend und erfordert etwas Übung.

3. Orale Messung (unter der Zunge) – Eine gängige Option

Die orale Fiebermessung ist eine weitere gängige Methode, die mit einem digitalen Fieberthermometer unter der Zunge durchgeführt wird.

Anwendung:
Platzieren Sie das Fieberthermometer unter der Zunge, idealerweise in einer der beiden Wärmetaschen links oder rechts des Zungengrundes. Achten Sie während des Messvorgangs darauf, dass die Lippen fest geschlossen sind, um zu verhindern, dass kalte Luft das Ergebnis beeinflusst. Nach dem akustischen Signal können Sie den Wert ablesen. Der angezeigte Wert ist in der Regel etwa 0,4 Grad Celsius niedriger als der rektal gemessene.

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Wichtig: Circa 30 Minuten vor der Messung sollte nichts Kaltes oder Warmes getrunken werden, um das Ergebnis nicht zu verfälschen. Auch eine verstopfte Nase, die zu Mundatmung führt, kann das Ergebnis durch den kalten Luftzug fälschlicherweise niedrig erscheinen lassen.

4. Axillare Messung (unter der Achsel) – Die ungenaueste Methode

Die Messung unter der Achsel ist die beliebteste, aber leider auch die ungenaueste Methode zur Fieberbestimmung. Die gemessene Temperatur kann hier um bis zu zwei Grad Celsius von der tatsächlichen Körperkerntemperatur abweichen.

Begründung der Ungenauigkeit:
Wie eingangs erwähnt, konzentriert sich der Körper bei einer Infektion auf seine Kerntemperatur und reduziert die Durchblutung in weiter entfernten Körperregionen, wie den Achseln. Die Haut ist dort besonders schlecht durchblutet, was zu einer deutlich niedrigeren Temperatur führt als im Körperinneren. Je schlechter es einem geht und je mehr sich der Körper anstrengen muss, um den Kern zu durchbluten, desto größer wird diese Abweichung.

Anwendung:
Schieben Sie den Messfühler des Fieberthermometers tief in die Achselhöhle und klemmen Sie es fest mithilfe des Oberarms ein. Es ist wichtig, dass das Thermometer guten Hautkontakt hat. Nach dem akustischen Signal können Sie den Wert ablesen. Aufgrund der hohen Fehlertoleranz wird diese Methode für eine präzise Fieberdiagnose nicht empfohlen, kann aber unter Umständen als erste grobe Screening-Methode dienen, wenn andere Messungen nicht möglich sind.

5. Stirnthermometer und andere Methoden

Neben den klassischen Messmethoden gibt es auch Stirnthermometer, die die Temperatur kontaktlos oder mit leichtem Kontakt an der Stirn messen. Diese sind besonders praktisch für Babys und Kleinkinder, da sie die Messung im Schlaf ermöglichen. Allerdings sind Stirnthermometer in der Regel weniger präzise als die rektale oder aurikuläre Messung und eignen sich eher für eine erste Einschätzung als für eine genaue Fieberdiagnose. Streifenthermometer, die auf die Stirn geklebt werden, sind für eine zuverlässige Fiebermessung gänzlich ungeeignet.

Welches Thermometer für wen?

Die Wahl des richtigen Thermometers hängt stark vom Alter der Person und der gewünschten Messgenauigkeit ab:

  • Säuglinge und Kleinkinder (unter 3 Jahren): Die rektale Messung ist der Goldstandard und liefert die zuverlässigsten Ergebnisse. Digitale Thermometer sind hierfür ideal.
  • Kinder (ab 3 Jahren) und Erwachsene: Die aurikuläre Messung (im Ohr) ist eine schnelle und komfortable Alternative, die gute Ergebnisse liefert, vorausgesetzt, das Thermometer wird korrekt angewendet. Auch die orale Messung ist eine Option, wenn die oben genannten Bedingungen (keine heißen/kalten Getränke, keine Mundatmung) beachtet werden.
  • Für eine erste Einschätzung: Stirnthermometer können nützlich sein, wenn eine schnelle, unkomplizierte Messung gewünscht ist, aber für eine genaue Diagnose sollte eine präzisere Methode gewählt werden.
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Wann ist Fieber zu hoch? Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Die Interpretation der gemessenen Temperatur ist ebenso wichtig wie die Messung selbst. Während leicht erhöhte Temperaturen oft keinen Grund zur Sorge geben, erfordert hohes Fieber oder Fieber in bestimmten Patientengruppen besondere Aufmerksamkeit.

Allgemeine Richtwerte:

  • Erhöhte Temperatur: 37,5 °C – 38 °C
  • Mäßiges Fieber: 38,1 °C – 39 °C
  • Hohes Fieber: über 39 °C

Wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten:

  • Säuglinge unter 3 Monaten: Jedes Fieber über 38 °C erfordert sofortige ärztliche Abklärung.
  • Fieber über 39 °C: Besonders wenn es von weiteren Symptomen wie starker Kopf- und Gliederschmerz, Nackensteifigkeit, Hautausschlag, Atemnot oder starken Bauchschmerzen begleitet wird.
  • Fieber, das länger als 2-3 Tage anhält: Auch ohne weitere schwerwiegende Symptome.
  • Fieber bei chronisch kranken Menschen oder immungeschwächten Personen.
  • Fieberkrämpfe: Bei Kindern sind Fieberkrämpfe ein Notfall und erfordern sofortige medizinische Hilfe.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die genaueste Fiebermessung bei kleinen Kindern, die jünger als drei Jahre sind, rektal im Po erfolgt. Bei Erwachsenen und älteren Kindern ist die aurikuläre Messung im Ohr eine gute Wahl, wobei man die leichte Temperaturabweichung im Vergleich zur rektalen Messung berücksichtigen sollte. Unabhängig von der gewählten Methode ist die korrekte Anwendung des Thermometers entscheidend für verlässliche Ergebnisse. Achten Sie auf die Hygiene, befolgen Sie die Anweisungen des Herstellers und zögern Sie nicht, ärztlichen Rat einzuholen, wenn Sie unsicher sind oder das Fieber besorgniserregend hoch ist oder lange anhält. Eine präzise Fiebermessung ist der erste Schritt zu einer effektiven Krankheitsbewältigung und zum Schutz der Gesundheit Ihrer Liebsten.