Warm Film: Einblicke in die queere Repräsentation im serbischen Kino

Die Entdeckung und Darstellung von queeren Identitäten in der Filmgeschichte ist ein Thema, das lange Zeit wenig Beachtung fand. Dragan Jovićević, ein serbischer Filmkritiker und nun Filmemacher, widmet sich dieser Lücke in seinem Dokumentarfilm “Warm Film”. Mit einer sorgfältigen Mischung aus Archivmaterial, persönlichen Erzählungen und scharfer kritischer Analyse bietet Jovićević einen Film, der ebenso eine kulturelle Auseinandersetzung wie ein Plädoyer für Sichtbarkeit ist.

Die Entstehung von “Warm Film”

Die Motivation hinter “Warm Film” entstand nicht aus einem anfänglichen Plan, sondern aus einer überraschenden Entdeckung: Dragan Jovićević stellte fest, dass es über Jahrzehnte hinweg kaum bis keine explizit queeren Filme im serbischen Kino gab. Diese Erkenntnis führte ihn zu der Frage, wie queere Menschen in der Vergangenheit, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg und in der Ära des frühen jugoslawischen Films, dargestellt wurden oder eben nicht. Seine Forschung erweiterte sich, um die Entwicklung von Filmgenres nach Kriegszeiten zu untersuchen, insbesondere im Kontext der jugoslawischen Kriege in den 1990er Jahren, deren Spuren sich auch in der Cinematographie widerspiegelten.

Besonders reizvoll für Jovićević war die unerwartete Natur seiner Entdeckungen. Die Möglichkeit, versteckte queere Momente in Filmen zu finden, die teilweise ein halbes Jahrhundert oder älter waren, selbst wenn diese nicht beabsichtigt waren, erwies sich als eine Quelle der Freude und des Humors während der Filmarbeit.

Einblicke in das Archiv

Während seiner Recherchen identifizierte Jovićević rund 65 Filme, die Aspekte queerer Repräsentation aufweisen, auch wenn diese subtil oder unbeabsichtigt waren. Die Auswahl der für den Film verwendeten Werke war ein sechsjähriger Prozess, der zwei Jahre allein im Schnittraum beanspruchte. Jovićević wählte Filme aus, die das Phänomen aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchteten und versuchten, eine ausgewogene Darstellung zu erreichen, indem er Charaktere wie Männer in Perücken, echte homosexuelle Figuren und sogar schwule Schurken berücksichtigte. Letztendlich fanden 37 Filme ihren Weg in den fertigen Film.

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Schlüsselmomente der serbischen Filmgeschichte

Drei Momente stachen in Jovićevićs Untersuchung besonders hervor:

  • Die 1980er Jahre: Der Film “Špijun u haljinama” (Spion in High Heels) wird als ein absolut queerer Film hervorgehoben. Er handelt von einem hartgesottenen Polizisten, der eine schwule Gang verfolgen muss und wird als erstaunliche, wenn auch auf eine vulgäre Weise, queere Komödie beschrieben. Jovićević erwägt sogar ein Remake dieses Films.
  • Die 1990er Jahre: Želimir Žilniks Film “Mramorna koza” (Marble Ass) wird für seine Darstellung der queeren Subkultur gelobt. Der Film bot einen Einblick in eine offene Szene, in der queere Menschen frei existieren konnten, und beleuchtete die wichtige Rolle, die Transgender-Frauen damals in der Belgrader Gesellschaft spielten.
  • 2009: “Život i smrt Porno Bande” (Das Leben und Sterben einer Porno-Gang) bot eine gänzlich andere Perspektive auf Queerness, die als gewalttätig, aber sehr roh und wahrheitsgetreu beschrieben wird, was die damalige Realität widerspiegelt.

Widerstände und Anerkennung

Die Entstehung von “Warm Film” war nicht ohne Hürden. Zu Beginn griff eine Boulevardzeitung das Projekt an, noch bevor Jovićević genau wusste, wie der Film aussehen würde. Diese anfängliche negative Berichterstattung wandelte sich jedoch nach der großen Premiere in Belgrad, als dieselbe Zeitung den Film als eines der größten Dokumentarfilme bezeichnete.

Der Film erhielt sowohl in Serbien als auch international positive Kritiken und gewann Preise bei Festivals in Turin und auf dem KASHISH-Filmfestival in Indien, einem der größten queeren Filmfestivals der Welt. Die Reaktionen aus verschiedenen Kulturen, insbesondere die berührenden Kritiken aus Indien, die Jovićević mithilfe von Google Translate las, überraschten ihn positiv.

Die Zukunft queerer Stimmen im serbischen Kino

Dragan Jovićević hofft, dass “Warm Film” einen Einfluss auf die Zukunft des serbischen Kinos haben wird. Er beobachtet, dass die neue Generation von Regisseuren, die gerade ihr Studium abgeschlossen haben, sich dem Thema Queerness auf eine ganz andere, normalisierte Weise nähert. In verschiedenen Kommissionen für neue Filmprojekte liest er Drehbücher, in denen queere Elemente selbstverständlich sind. Dies lässt ihn hoffen, dass sich die Rezeption queerer Themen im Film ändern wird, auch wenn er anerkennt, dass es immer noch eine Generation geben wird, die queere Filme ablehnt.

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