Das korrekte Messen der Körpertemperatur ist entscheidend, um den Gesundheitszustand präzise einschätzen zu können. Fieber ist ein wichtiges Warnsignal des Körpers, und eine exakte Messung hilft dabei, die Schwere einer Erkrankung zu beurteilen und gegebenenfalls die richtigen Schritte einzuleiten. Doch nicht jede Messmethode ist gleich zuverlässig. Gerade bei fiebrigen Patient:innen kann die gemessene Temperatur je nach Methode stark von der tatsächlichen Körperkerntemperatur abweichen.
Warum ist die genaue Messung der Körperkerntemperatur so wichtig?
Bei einer Infektion oder Erkrankung, die Kreislaufreaktionen hervorruft, konzentriert sich der Körper auf seinen „Kern“ – also die lebenswichtigen Organe im Körperinneren. Dies führt oft dazu, dass die weiter vom Herzen entfernten Extremitäten, wie Hände und Füße, schlechter durchblutet werden und sich kälter anfühlen. Die tatsächlich relevante Temperatur für die Diagnose ist jedoch die Körperkerntemperatur. Orte, die dem Körperkern am nächsten sind, liefern daher die genauesten Messergebnisse. Hierfür gibt es verschiedene bewährte Methoden, die jeweils ihre eigenen Vor- und Nachteile mit sich bringen.
Die Methoden im Detail: Vor- und Nachteile der Fiebermessung
Die Wahl der richtigen Methode zur Fiebermessung hängt oft von der Situation, dem Alter der Person und dem gewünschten Grad der Genauigkeit ab. Es ist wichtig, die Technik jeder Methode zu verstehen, um verlässliche Werte zu erhalten.
Rektale Messung (im Po) – Der Goldstandard
Die rektale Messung liefert das genaueste Ergebnis und gilt als Referenzmethode zur Bestimmung der Körpertemperatur. Sie ist besonders zuverlässig, da der Messort dem Körperkern sehr nahe ist und äußere Einflüsse minimiert werden.
Durchführung:
Fetten Sie die Thermometerspitze mit einer geeigneten Creme, wie Vaseline, ein. Die Person sollte am besten auf dem Rücken oder auf der Seite liegen. Führen Sie das Thermometer circa zwei Zentimeter vorsichtig in den After ein. Während des Messvorgangs ist es wichtig, das Thermometer festzuhalten, um ein Herausgleiten oder -pressen zu verhindern. Sobald das akustische Signal ertönt, können Sie das Fieberthermometer wieder herausziehen und den angezeigten Wert ablesen. Dieser Wert kommt dem im Körperinneren am nächsten.
Vorteile: Höchste Genauigkeit.
Nachteile: Kann als unangenehm empfunden werden.
Aurikuläre Messung (im Ohr) – Schnell und praktisch
Die Messung im Ohr mit einem Ohrthermometer ist eine beliebte und schnelle Methode, insbesondere bei Erwachsenen und älteren Kindern. Sie erfasst den Temperaturwert über den äußeren Gehörgang am Trommelfell, das die Temperatur des Hypothalamus (Gehirnbereich, der die Körpertemperatur reguliert) gut widerspiegelt.
Durchführung:
Ziehen Sie zum Messen das Ohr leicht nach hinten und oben (bei Erwachsenen) oder nach hinten und unten (bei Kleinkindern), um den Gehörgang zu begradigen. Führen Sie nun die Messsonde vorsichtig in den Gehörgang ein, bis er gut abgedichtet ist, um die Temperatur zu erfassen. Unmittelbar vor der Messung sollten Sie nicht auf dem Ohr gelegen haben oder einen Ohrenschmalzpfropf haben, da dies das Messergebnis verfälschen kann. Die Temperatur im Ohr ist in der Regel etwa 0,3 bis 0,5 Grad niedriger als die rektal gemessene.
Wichtig: Bei Kindern unter drei Jahren sollte diese Messmethode mit Vorsicht angewendet werden, da die Gefahr einer Verletzung des Ohres besteht und der Gehörgang noch sehr eng ist, was die Genauigkeit beeinträchtigen kann.
Vorteile: Schnell, komfortabel, hygienisch (mit Schutzkappen).
Nachteile: Weniger genau als rektale Messung, erfordert korrekte Positionierung, nicht für Säuglinge geeignet.
Axillare Messung (unter der Achsel) – Bequem, aber ungenau
Die Messung unter der Achsel ist die wohl beliebteste und unkomplizierteste Methode, aber leider auch die ungenaueste. Die Temperatur kann hier um bis zu zwei Grad von der tatsächlichen Körperkerntemperatur abweichen. Dies liegt daran, dass die Haut unter der Achsel bei Fieber, wenn der Körper seine Energie auf den Kern konzentriert, besonders schlecht durchblutet ist.
Durchführung:
Schieben Sie den Messfühler des Fieberthermometers tief in die Achselhöhle und klemmen Sie es fest mithilfe des Oberarms ein. Es ist wichtig, dass die Achsel trocken ist und das Thermometer direkten Hautkontakt hat. Halten Sie den Arm während der Messung ruhig. Nach dem akustischen Signal können Sie den Wert ablesen.
Vorteile: Sehr einfach und angenehm.
Nachteile: Am ungenauesten, nicht zur zuverlässigen Fieberdiagnose geeignet.
Orale Messung (unter der Zunge) – Eine Alternative mit Einschränkungen
Die orale Messung kann eine Option sein, sofern bestimmte Voraussetzungen beachtet werden. Sie liefert Werte, die näher an der Körperkerntemperatur liegen als die axillare Messung, aber immer noch geringer sind als rektale Werte.
Durchführung:
Platzieren Sie das Fieberthermometer tief unter der Zunge, idealerweise in einer der Wärmetaschen rechts oder links des Zungengrundes. Achten Sie während des Messvorgangs darauf, dass die Lippen fest geschlossen sind, um äußere Lufteinflüsse zu minimieren. Nach dem akustischen Signal können Sie den Wert ablesen. Dieser Wert ist etwa 0,4 Grad niedriger als rektal gemessen.
Wichtig: Circa 30 Minuten vor der Messung sollte nichts Kaltes oder Warmes getrunken werden, da dies das Ergebnis massiv verfälschen kann. Ungünstig ist es auch, dort zu messen, wenn man eine verstopfte Nase hat und hauptsächlich durch den Mund atmet, da der kalte Luftzug die Temperatur ebenfalls falsch niedrig erscheinen lässt.
Vorteile: Relativ komfortabel, genauer als axillär.
Nachteile: Beeinflussbar durch Essen/Trinken und Mundatmung, nicht für kleine Kinder geeignet.
Wo misst man am besten? Altersgerechte Empfehlungen
Die Wahl der besten Messmethode hängt stark vom Alter der zu messenden Person ab:
- Bei kleinen Kindern (unter drei Jahren) ist die rektale Messung im Po weiterhin die Methode der Wahl. Sie ist am zuverlässigsten und die Verletzungsgefahr ist bei korrekter Durchführung gering.
- Bei Erwachsenen und älteren Kindern ist die aurikuläre Messung im Ohr eine gute, schnelle und praktische Alternative, in dem Wissen, dass der angezeigte Wert etwas niedriger sein kann als die tatsächliche Körperkerntemperatur. Achten Sie hier auf die richtige Anwendung.
Methoden wie die axillare oder orale Messung können für ein erstes Screening dienen, sollten aber bei Verdacht auf Fieber immer durch eine präzisere Methode bestätigt werden.
Fazit: Präzision zählt für Ihre Gesundheit
Die genaue Messung der Körpertemperatur ist ein fundamentaler Schritt zur Erkennung und Überwachung von Fieber. Indem Sie die Unterschiede zwischen den Methoden verstehen und die jeweils geeignetste für die Situation wählen, tragen Sie maßgeblich zu einer verlässlichen Einschätzung des Gesundheitszustandes bei. Vertrauen Sie auf die Präzision der rektalen oder aurikulären Messung, um ein klares Bild zu erhalten. Bei Unsicherheiten bezüglich der Fieberhöhe oder des Gesundheitszustandes ist es immer ratsam, ärztlichen Rat einzuholen. Ihre Gesundheit ist es wert, genau hingeschaut zu werden!
