Das deutsche Bildungssystem ist bekannt für seine Vielfalt und die hohe Qualität seiner akademischen und beruflichen Ausbildungswege. Eine aktuelle Betrachtung des Handlungsfeldes “Beruflich-Akademische Bildung” zeigt jedoch ein gemischtes Bild: Während in einigen Bereichen beachtliche Fortschritte erzielt wurden, stagnieren andere oder verzeichnen sogar Rückschritte. Insgesamt erreicht der Sektor einen Wert von 46 von 100 möglichen Punkten. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Weiterentwicklung, um Deutschlands Position als führender Bildungs- und Wirtschaftsstandort zu sichern und weiter auszubauen. Die Integration von praktischen Erfahrungen und der Zugang zu Hochschulen für alle qualifizierten Personen stehen dabei im Fokus der bildungspolitischen Debatten und Entwicklungen.
Duales Studium: Ein deutsches Erfolgsmodell auf Wachstumskurs
Das duale Studium hat sich in der letzten Dekade zu einem echten Erfolgsmodell entwickelt und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Die Zahl der Studienanfänger in dualen Studiengängen hat sich von 15.740 im Jahr 2010 auf beeindruckende 29.923 im Jahr 2020 fast verdoppelt. Damit stellen dual Studierende mittlerweile etwa 6,1 Prozent aller Erstsemester dar – ein deutlicher Anstieg um 2,6 Prozentpunkte im Vergleich zu 2010. Insbesondere Bundesländer wie Hamburg und Thüringen haben den Ausbau des dualen Studiums massiv gefördert und herausragende Wachstumsraten erzielt: In Hamburg stieg die Anzahl von 39 auf 1.091, in Thüringen von 105 auf 2.500.
Dieser Trend spiegelt die Attraktivität des dualen Ansatzes wider, der die Vorteile einer akademischen Ausbildung mit direkter Praxiserfahrung in Unternehmen verbindet. Studierende profitieren von einer engen Verzahnung von Theorie und Anwendung, einer oft finanziell abgesicherten Studienzeit und exzellenten Berufseinstiegsperspektiven. Dies macht das duale Studium zu einem wichtigen Instrument für die Fachkräftesicherung in vielen Branchen. Statistisch gesehen beginnen Männer mit 6,7 Prozent häufiger ein duales Studium als Frauen mit 5,6 Prozent. Regionale Unterschiede sind ebenfalls signifikant: Im Saarland ist mehr als jede dritte Studienanfängerin oder jeder dritte Studienanfänger in einem dualen Studium eingeschrieben, in Baden-Württemberg mehr als jede oder jeder sechste und in Thüringen fast jede oder jeder zehnte. Insgesamt beträgt der Anteil dualer Studiengänge an allen Studiengängen etwa 7,9 Prozent, ein Zuwachs von 2,6 Prozentpunkten seit 2010.
Für jene, die eine Karriere im Schnittstellenbereich von Wirtschaft und Technologie anstreben, bietet beispielsweise ein betriebswirt informatik duale Studiengänge spannende Perspektiven. Durch die direkte Anwendung des Gelernten im Unternehmen sammeln die Studierenden wertvolle Erfahrung, die auf dem Arbeitsmarkt hoch geschätzt wird.
Hochschulzugang ohne Abitur: Neue Chancen und bewährter Erfolg
Parallel zur Entwicklung des dualen Studiums haben sich auch die Möglichkeiten für Studierende ohne allgemeine Hochschulreife positiv entwickelt. Im Jahr 2020 waren knapp 14.000 Erstsemester ohne Abitur immatrikuliert, was 2,9 Prozent aller Studienanfänger entspricht. Obwohl die ursprünglichen Zielvorgaben von 21.750 Erstsemestern und einem Anteil von 5,0 Prozent nicht vollständig erreicht wurden, ist die Tendenz eindeutig positiv. Diese Entwicklung trägt dazu bei, Bildungschancen zu erweitern und das Potenzial von Fachkräften mit beruflicher Vorbildung besser zu nutzen.
Entgegen anfänglicher Befürchtungen bezüglich möglicher hoher Abbruchquoten hat sich gezeigt, dass Studierende ohne Abitur äußerst erfolgreich sind. Ihre Abbruchraten sind vergleichsweise niedrig, was auf eine hohe Motivation und oft auch auf relevante praktische Erfahrungen zurückzuführen ist, die sie in das Studium einbringen. Im Jahr 2020 erreichte der Anteil der Studienabsolventen ohne Abitur an allen Absolventen mit 2 Prozent den angestrebten Zielwert. Dies bestätigt die Qualität der Vorbildung und die Eignung dieser Studierendengruppe für ein akademisches Studium. Der Zugang zum Studium über alternative Wege, wie etwa eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung oder eine höhere fachschule, spielt eine immer größere Rolle im deutschen Bildungssystem und fördert die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung.
Herausforderungen im Praxisbezug und bei der Beschäftigungsfähigkeit
Trotz der Erfolge in den Bereichen duales Studium und Hochschulzugang ohne Abitur zeigen sich im Hinblick auf den Praxisbezug der akademischen Bildung und die Beschäftigungsfähigkeit von Studierenden leider nur sehr verhaltene Fortschritte. Die neuesten verfügbaren Datenpunkte aus dem Jahr 2018 offenbaren, dass die Werte bei der Beurteilung des Praxisbezugs von Lehrveranstaltungen sowie der Berufs- und Praxisbezogenheit des Studiums insgesamt stagnieren. Auch die Einschätzung der Möglichkeit, praktische Erfahrungen im Studium zu erwerben, entspricht vielerorts noch nicht den bereits für 2013 gesetzten Zielen. Dies deutet darauf hin, dass die Integration von praktischen Elementen in vielen traditionellen Studiengängen noch optimiert werden muss.
Besonders besorgniserregend sind deutliche Rückschritte beim Anteil der Studiengänge mit Pflichtpraktikum sowie bei der von Unternehmen wahrgenommenen Beschäftigungsfähigkeit von Studienabsolventen und -absolventinnen. Dies unterstreicht eine Diskrepanz zwischen den Anforderungen des Arbeitsmarktes und den vermittelten Kompetenzen in einigen akademischen Programmen. Um diese Lücke zu schließen, sind verstärkte Anstrengungen seitens der Hochschulen und Unternehmen notwendig. Dies könnte durch eine engere Zusammenarbeit bei der Gestaltung von Curricula, der Förderung von Praktika und Projekteinsätzen sowie der Implementierung innovativer Lehrmethoden geschehen, die den Erwerb praxisrelevanter Fähigkeiten stärker in den Vordergrund rücken.
Fazit und Ausblick
Die Entwicklung der beruflichen und akademischen Bildung in Deutschland ist von beeindruckenden Fortschritten in einigen Bereichen geprägt, insbesondere beim dualen Studium und dem Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte. Diese Erfolge sind ein Beleg für die Dynamik und Anpassungsfähigkeit des deutschen Bildungssystems. Gleichzeitig zeigen die stagnierenden Werte beim Praxisbezug und der Beschäftigungsfähigkeit, dass es weiterhin Handlungsbedarf gibt. Um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Hochschulabsolventen zu sichern und den Anforderungen eines sich wandelnden Arbeitsmarktes gerecht zu werden, ist eine strategische Weiterentwicklung unerlässlich.
Es gilt, die Stärken des Systems – wie die Verzahnung von Theorie und Praxis im dualen Studium – weiter auszubauen und gleichzeitig neue Wege zu finden, um den Praxisbezug in allen akademischen Bildungsangeboten zu stärken. Eine kontinuierliche Evaluierung und Anpassung der Studieninhalte sowie eine engere Kooperation zwischen Bildungseinrichtungen und der Wirtschaft sind entscheidend für den zukünftigen Erfolg. Deutschland muss seine Bemühungen fortsetzen, um eine qualitativ hochwertige, praxisorientierte und zugängliche Bildung für alle zu gewährleisten. Entdecken Sie die vielfältigen Bildungschancen, die Deutschland zu bieten hat, und gestalten Sie Ihre berufliche Zukunft aktiv mit!
