Ein aktiver Weg zur Integration: Das Projekt „Sprache AKTIV“

In einer zunehmend vernetzten Welt spielt die sprachliche Integration eine entscheidende Rolle für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Das Projekt „Sprache AKTIV“, initiiert von der AWO, widmet sich genau dieser Herausforderung, indem es Angehörige von Drittstaaten gezielt unterstützt. Es richtet sich insbesondere an Lernende, die über eine begrenzte, unterbrochene oder gar keine Schulbildung (kurz: LbuS) verfügen und daher spezifische Förderbedarfe aufweisen. Ziel ist es, diesen Personenkreisen einen maßgeschneiderten Zugang zum Spracherwerb und zur Entwicklung von Alltagskompetenzen zu ermöglichen.

Die Angebote von „Sprache AKTIV“ sind darauf zugeschnitten, Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Integrations- oder Spezial-Berufssprachkursen (A2 oder B1) sowie jene zu erreichen, die diese Kurse bereits besucht, jedoch das angestrebte Sprachniveau nicht erreicht haben. Im Kern geht es darum, sprachliche Barrieren abzubauen und die Grundlage für eine erfolgreiche Integration in Deutschland zu schaffen. Das Engagement in solchen Projekten unterstreicht die Bedeutung eines flexiblen und zugänglichen Bildungssystems, wie es der Bildungsföderalismus in Deutschland zu gewährleisten versucht.

Der Name des Projektes – „Sprache AKTIV“ – ist dabei Programm und spiegelt die zugrunde liegende Philosophie wider. Das Wort „aktiv“ entstammt dem Lateinischen (activus < agere/actum) und bedeutet „in Bewegung setzen, treiben, handeln, tätig sein“. Die Teilnehmer sollen durch den Ausbau ihrer sprachlichen Fähigkeiten und Alltagskompetenzen eine umfassende Handlungsfähigkeit im täglichen Leben erlangen. Darüber hinaus steht „AKTIV“ als Akronym für die inhaltliche Ausrichtung des Projekts: Alltagsbezug, Kompetenzerweiterung, Teilhabe, Interaktion und Verantwortungsübernahme. Diese Säulen bilden das Fundament für einen ganzheitlichen und praxisorientierten Lernansatz.

Zielgruppe und Vision: Wer profitiert von „Sprache AKTIV“?

Die primäre Zielgruppe des Projekts „Sprache AKTIV“ sind Angehörige aus Drittstaaten, die häufig spezifische Herausforderungen im Zweitspracherwerb mitbringen. Insbesondere Lernende mit geringer oder unterbrochener Schulbildung (LbuS) benötigen oft einen anderen didaktischen Ansatz und intensivere Unterstützung als Teilnehmer mit einem formal gefestigten Bildungshintergrund. Herkömmliche Sprachkursstrukturen können diese individuellen Bedürfnisse oft nicht ausreichend abdecken, was zu Frustration und mangelndem Lernerfolg führen kann.

Weiterlesen >>  Deutschland entdecken: Eine unvergessliche Reise durch Kultur, Geschichte und Natur

„Sprache AKTIV“ setzt hier an, indem es genau diese Lücken schließt und einen Rahmen schafft, in dem jeder Lernende sein volles Potenzial entfalten kann. Die Vision ist es, nicht nur Sprachkenntnisse zu vermitteln, sondern auch das Selbstvertrauen und die Fähigkeiten zu stärken, die für eine aktive und selbstbestimmte Teilnahme am gesellschaftlichen und beruflichen Leben in Deutschland notwendig sind. Durch die gezielte Förderung wird den Teilnehmern geholfen, bürokratische Hürden zu überwinden, im Berufsleben Fuß zu fassen und soziale Kontakte zu knüpfen.

Kernbausteine für umfassenden Spracherwerb

Das Projekt „Sprache AKTIV“ gliedert sich in verschiedene Module, die auf unterschiedliche Bedürfnisse und Lernsituationen zugeschnitten sind, um eine maximale Flexibilität und Effizienz zu gewährleisten. Diese Kerninhalte bilden das Gerüst für den sprachlichen Fortschritt und die Kompetenzerweiterung der Teilnehmer.

Flexible Lerngruppen-Module

Innerhalb der Lerngruppen-Module bietet „Sprache AKTIV“ verschiedene Formate an:

  • Wochen-Module: Diese richten sich speziell an die Teilnehmer des „AWO-Kompetenzwerks Arbeit und Sprache“ und bieten eine kontinuierliche und intensive Sprachförderung im Rahmen eines festen Wochenplans.
  • Tages-Module: Diese flexibleren Angebote werden beispielsweise in Sprachcafés oder anderen Gruppierungen realisiert und ermöglichen es auch Personen mit eingeschränkter Zeitverfügbarkeit, am Projekt teilzunehmen und ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.
  • Module „Projektorientierter Unterricht“: Hier werden eigene Kursgruppen gebildet, die sich auf praxisnahe Projekte konzentrieren. Dieser Ansatz fördert nicht nur die Sprache, sondern auch die Problemlösungskompetenz und die Teamfähigkeit der Lernenden. Solche strukturierten Lernpfade können eine wichtige Grundlage für weiterführende Bildungswege bilden, ähnlich wie die Angebote an einer Höhere Fachschule berufliche Qualifikationen vertiefen.

Diese vielfältigen Modulformate stellen sicher, dass die Teilnehmer die Möglichkeit haben, einen Lernweg zu finden, der am besten zu ihren individuellen Lebensumständen und Lernstilen passt.

Weiterlesen >>  Konjunktiv I und II: Bildung und Verwendung in der deutschen Grammatik

Individuelle Begleitung: Mehr als nur Sprachunterricht

Über die Gruppenangebote hinaus erkennt „Sprache AKTIV“ die Bedeutung individueller Unterstützung. Die langjährige Erfahrung im Zweitspracherwerb hat gezeigt, dass persönliche Lernschwierigkeiten oder spezifische Förderbedarfe im Rahmen des regulären Unterrichts oft nicht ausreichend adressiert werden können. Daher ergänzen zwei wesentliche Säulen das Projekt: individuelles Sprachcoaching und sozialpädagogische Beratung.

Maßgeschneidertes Sprachcoaching

Das individuelle Sprachcoaching ist ein zielgerichtetes Instrument, um Lernende bei ihren persönlichen und spezifischen Anliegen passgenau zu unterstützen. Hier können individuelle Lernhemmnisse, Ausspracheprobleme oder grammatische Schwierigkeiten, die im Gruppenunterricht zu kurz kommen, gezielt bearbeitet werden. Dieses persönliche Mentoring schafft einen geschützten Raum für Fragen und Übungen, die den Lernprozess maßgeblich beschleunigen und festigen. Es ermöglicht eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache und hilft, Unsicherheiten abzubauen. Die gezielte Förderung ermöglicht es den Teilnehmern, wie bei einem 5 Tage Bildungsurlaub, sich voll und ganz auf ihre persönliche Weiterentwicklung zu konzentrieren.

Stärkung durch sozialpädagogische Beratung

Die sprachliche Unterstützung wird durch eine umfassende sozialpädagogische Beratung abgerundet. Diese Beratung kümmert sich um alle Belange, die den Projektverlauf und die Teilnahme betreffen. Dazu gehören beispielsweise Lernhemmisse, Konflikte innerhalb der Gruppe oder im persönlichen Umfeld, mangelnde Kompetenz bei der Terminorganisation (was zu häufigem Fehlen führen kann) oder auch Probleme mit der Kinderbetreuung, insbesondere in Ferienzeiten.

Die sozialpädagogische Beratung zielt darauf ab, die Rahmenbedingungen für das Lernen und den Lernprozess zu optimieren. Sie fungiert als wichtige Schnittstelle, um frühzeitig Schwierigkeiten zu erkennen und geeignete Lösungen zu finden. Bei Bedarf erfolgt auch eine Verweisberatung an andere spezialisierte Stellen, um eine ganzheitliche Unterstützung zu gewährleisten. Dieser Ansatz stellt sicher, dass externe Faktoren den Lernerfolg nicht beeinträchtigen und die Teilnehmer sich voll auf ihren Spracherwerb konzentrieren können.

Weiterlesen >>  SDG Bildung: Fortschritte, Herausforderungen und der Weg zur Qualitätsbildung

Nachhaltigkeit durch Wissenstransfer und Ressourcenentwicklung

Ein zentrales Anliegen von „Sprache AKTIV“ ist es, über die direkte Förderung der Teilnehmer hinaus einen nachhaltigen Beitrag zur Sprachförderung in Deutschland zu leisten. Dies geschieht durch die Qualifizierung von Lehrkräften und die Entwicklung von zugänglichen Lehrmaterialien.

Fortbildungen für DaZ-Lehrkräfte

Im Rahmen des Projektes werden spezielle Fortbildungen für Deutsch als Zweitsprache (DaZ)-Lehrkräfte konzipiert und durchgeführt. Diese Fortbildungen legen den Fokus auf die Besonderheiten der Zielgruppe der LbuS und vermitteln didaktische Methoden für eine an deren Bedürfnisse angepasste Unterrichtsgestaltung. Solche Qualifizierungsmaßnahmen sind entscheidend, um die Qualität der Sprachförderung flächendeckend zu erhöhen. Die Fortbildungen stehen allen DaZ-Lehrkräften offen, was einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit der Projektarbeit leistet und das gesammelte Wissen über die Projektlaufzeit hinaus verbreitet. Die Möglichkeit, solche Weiterbildungen, oft sogar in Form von Sonderurlaub für Fortbildung, wahrzunehmen, ist für die Professionalisierung der Lehrkräfte essenziell.

Erstellung von Materialien und Empfehlungen für die Arbeit mit der Zielgruppe

Zum Abschluss des Projekts wird eine umfassende Sammlung von Materialien und Methoden sowie praxisorientierten Empfehlungen für die Arbeit mit der genannten Zielgruppe erstellt. Diese wertvollen Ressourcen werden DaZ-Lehrkräften und anderen interessierten Akteur*innen zur Verfügung gestellt. Dadurch wird sichergestellt, dass die Erkenntnisse und bewährten Praktiken von „Sprache AKTIV“ auch über das Projektende hinaus genutzt werden können, um die Sprachförderung für Lernende mit geringer Schulbildung effektiv zu gestalten.

Kontakt und weitere Informationen

Für detailliertere Informationen zum Projekt „Sprache AKTIV“ und den aktuellen Ankündigungen zu Fortbildungen für DaZ-Lehrkräfte besuchen Sie bitte unsere spezielle Seite im AWO-Workspace: https://awo-bielefeld.social/s/amif-projekt-sprache-aktiv/

Wir laden Sie herzlich ein, Teil dieses wichtigen Integrationsprojekts zu werden oder es als Multiplikator zu unterstützen.

Kontaktinformationen:

Mercatorstraße 10
33602 Bielefeld

Rosa Ferber-Brull
Mobil: 0172 131 92 62
E-Mail: r.ferber-brull@awo-bielefeld.de