Das Deutsche bietet vielfältige Möglichkeiten, Sätze zu formulieren. Eine zentrale Rolle spielen dabei das Aktiv und das Passiv. Während das Aktiv den Handelnden in den Vordergrund stellt, rückt das Passiv die Handlung selbst oder deren Ergebnis in den Fokus. Diese Unterscheidung ist besonders in akademischen Texten relevant, wo eine präzise und neutrale Ausdrucksweise gefragt ist. Die korrekte Anwendung des Passivs ermöglicht es beispielsweise, verallgemeinernde Formulierungen mit “man” oder die Ich-Perspektive zu vermeiden.
Die Wahl zwischen Aktiv und Passiv beeinflusst maßgeblich die Klarheit und den Stil eines Textes. Im Aktiv steht die Person oder Sache im Mittelpunkt, die eine Handlung ausführt. Das Passiv hingegen lenkt die Aufmerksamkeit auf das, was getan wird oder das Ergebnis einer Handlung.
- Aktiv: “Die Schüler schreiben den Test.” Hier liegt der Fokus auf den Schülern als Handelnden.
- Passiv: “Der Test wird geschrieben.” Hier steht die Handlung des Schreibens im Vordergrund.
Neben dem allgemeinen Vorgangspassiv existiert auch das Zustandspassiv, das den Zustand nach Abschluss einer Handlung beschreibt: “Der Test ist geschrieben.” Dies verdeutlicht das Ergebnis der Tätigkeit.
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Bildung des Passivs im Deutschen
Die Bildung des Passivs ist im Deutschen relativ einfach strukturiert. Sie erfolgt durch die Kombination des Partizip II des Hauptverbs mit einer konjugierten Form des Hilfsverbs “werden”.
Beispiel:
“Das Kind malt die Bilder.” (Aktiv)
wird zu
“Die Bilder werden vom Kind gemalt.” (Passiv)
Im Passivsatz vertauschen sich die Rollen: Das Objekt des Aktivsatzes wird zum Subjekt des Passivsatzes, und das Subjekt des Aktivsatzes wird oft zum Objekt (eingeleitet durch “von” oder “durch”).
Satzbau und Modalverben im Passiv
Wenn ein Aktivsatz in einen Passivsatz umgewandelt wird, ändert sich die Satzstruktur grundlegend:
| Aktiv | Subjekt | Prädikat | Objekt |
|---|---|---|---|
| Paul tut Dinge. | Paul | tut | Dinge. |
| Passiv | |||
| Dinge werden von Paul getan. | Dinge | werden | von Paul |
Besondere Beachtung verdienen Passivkonstruktionen mit Modalverben wie “müssen”, “können” oder “dürfen”. In solchen Fällen wird das Modalverb konjugiert und das Hilfsverb “werden” bleibt im Infinitiv am Satzende stehen:
“Ich muss den Computer reparieren.” → “Der Computer muss repariert werden.”
Vermeidung von “Man” und der Ich-Perspektive
Das Passiv bietet eine effektive Möglichkeit, Formulierungen mit “man” oder die Ich-Perspektive zu umgehen, was in wissenschaftlichen Arbeiten oft erwünscht ist.
Beispiel:
“Man berechnet die Wurzel mit dem Taschenrechner.” → “Die Wurzel wird mit dem Taschenrechner berechnet.”
“Ich werde die Literatur in Kapitel 3 analysieren.” → “Die Literatur wird in Kapitel 3 analysiert.”
Das unpersönliche Passiv
In Fällen, in denen ein Aktivsatz kein direktes Objekt besitzt, das zum Subjekt des Passivsatzes werden kann, wird das unpersönliche Passiv verwendet. Hier tritt das Pronomen “es” an die Stelle des Subjekts.
Beispiel:
“Man spielt hier nicht.” → “Es wird hier nicht gespielt.”
Wird ein anderes Satzglied an den Satzanfang gestellt, entfällt das “es”:
“Hier wird nicht gespielt.”
Passiv in verschiedenen Zeitformen
Die verschiedenen Zeitformen des Passivs werden durch die entsprechende Konjugation von “werden” gebildet, während das Partizip II des Hauptverbs unverändert bleibt.
| Zeitform | Form von “werden” (3. Pers. Sg.) | Beispiel Passiv |
|---|---|---|
| Präsens | wird | Der Apfel wird gegessen. |
| Perfekt | ist … worden | Der Apfel ist gegessen worden. |
| Präteritum | wurde | Der Apfel wurde gegessen. |
| Plusquamperfekt | war … worden | Der Apfel war gegessen worden. |
| Futur I | wird … werden | Der Apfel wird gegessen werden. |
| Futur II | wird … worden sein | Der Apfel wird gegessen worden sein. |
Zeitformen des Zustandspassivs
Das Zustandspassiv lässt sich nur in drei Zeitformen bilden: Präsens, Präteritum und Futur I. Hierbei wird die entsprechende Form von “sein” mit dem Partizip II kombiniert.
| Zeitform | 3. Pers. Sg. von “sein” | Beispiel Passiv |
|---|---|---|
| Präsens | ist | Der Apfel ist schon gegessen. |
| Präteritum | war | Der Apfel war schon gegessen. |
| Futur I | wird … sein | Der Apfel wird schon gegessen sein. |
Nicht passivfähige Verben
Einige Verben können nicht im Passiv verwendet werden. Für diese Fälle ist eine alternative Satzkonstruktion erforderlich. Dazu gehören:
- Reflexive Verben: wie “sich putzen”, “sich interessieren”, “sich langweilen”.
- Falsch: “Die Zähne werden sich dreimal täglich geputzt.”
- Verben, die den Perfekt mit “ist” bilden: wie “gehen”, “wachsen”, “kommen”.
- Falsch: “Zur Schule wird von den Kindern gegangen.”
- Verben, die Wissen betreffen: wie “wissen”, “kennen”, “erfahren”.
- Falsch: “Mein Vater wird von meinen Freunden gekannt.”
- Verben, die “haben” oder “bekommen” bedeuten: wie “besitzen”, “erhalten”, “kriegen”.
- Falsch: “Ein Kind wird von der Frau bekommen.”
Übungen zu Aktiv und Passiv
Um das Verständnis zu vertiefen, können die folgenden Übungen helfen. Es ist zu beachten, dass deutsche Satzstrukturen oft Varianz zulassen, sodass nicht jede Lösung exakt mit den vorgegebenen Antworten übereinstimmen muss.
Bilde den Passivsatz aus dem Aktivsatz:
- Gestern haben sie dich im Kino gesehen. → Du bist gestern von ihnen im Kino gesehen worden.
- Kurz zuvor hatte Deutschland die Weltmeisterschaft gewonnen. → Kurz zuvor war die Weltmeisterschaft von Deutschland gewonnen worden.
- Die Taucher werden die Tiefen in 30 Minuten verlassen. → Die Tiefen werden von den Tauchern in 30 Minuten verlassen werden.
- Die Mutter gab dem Kind noch einen guten Rat. → Dem Kind wurde noch ein guter Rat von der Mutter gegeben.
Bilde den Aktivsatz aus dem Passivsatz:
- Die meisten Trends werden von der Gesellschaft in einigen Jahren vergessen worden sein. → Die Gesellschaft wird die meisten Trends in einigen Jahren vergessen haben.
- Die meisten Smartphones werden von multinationalen Konzernen in Asien hergestellt. → Multinationale Konzerne stellen die meisten Smartphones in Asien her.
- Mehr Strom als jetzt wurde nie von den Menschen verbraucht. → Die Menschen verbrauchten nie mehr Strom als jetzt.
- Das Museum ist gestern von mehreren Gruppen besucht worden. → Mehrere Gruppen haben gestern das Museum besucht.
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Häufig gestellte Fragen
Welche Verben können nicht in das Passiv gesetzt werden?
Einige Verben, darunter reflexive Verben (“sich waschen”), Verben, die den Perfekt mit “ist” bilden (“gehen”), Verben des Wissens (“wissen”) und solche, die “haben” oder “bekommen” bedeuten, sind nicht passivfähig.
Was ist der Unterschied zwischen dem Vorgangs- und dem Zustandspassiv?
Das Vorgangspassiv beschreibt eine Handlung (“Das Fenster wird geöffnet.”), während das Zustandspassiv das Ergebnis einer abgeschlossenen Handlung darstellt (“Das Fenster ist geöffnet.”).
Wie wird das Passiv im Deutschen gebildet?
Das Passiv wird durch die Kombination des Partizip II des Hauptverbs mit einer Form des Hilfsverbs “werden” gebildet. Das Objekt des Aktivsatzes wird zum Subjekt des Passivsatzes.
Wann wird das Passiv im Deutschen verwendet?
Das Passiv wird eingesetzt, wenn der Fokus auf der Handlung oder dem Geschehen liegt und der Handelnde unwichtig oder unbekannt ist.
Wenn Sie diese Quelle zitieren möchten, nutzen Sie bitte die folgende Angabe: Barnehl, H. (2024, 03. Juni). Die Bildung und Verwendung von Aktiv und Passiv. Scribbr. Abgerufen am 12. Januar 2026, von https://www.scribbr.ch/wissenschaftliches-schreiben-ch/aktiv-passiv/
