Wissenschaftsfotografie: Angela Albis preisgekrönter Blick auf Haie und Fische

Haie und Fischschwarm

Die Verschmelzung von Wahrheit, Schönheit und einer einzigartigen Perspektive hat Angela Albi den Hauptpreis eines renommierten Wissenschaftsfotografie-Wettbewerbs eingebracht. Ihre beeindruckende Aufnahme von Haien, die durch einen Schwarm Fische mäandrieren, wurde beim Royal Society Photographic Competition 2024 als „Gesamtsieger“ ausgezeichnet. Dieses Bild ist nicht nur ein Zeugnis der Ästhetik der Natur, sondern auch ein tiefgründiger Einblick in das faszinierende Tierverhalten und die komplexe Dynamik von Raubtier-Beute-Interaktionen. Die Forschung, aus der dieses preisgekrönte Foto hervorgegangen ist, ist Teil des Fachbereichs Kollektives Verhalten am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie (MPI-AB) und des Exzellenzclusters Kollektives Verhalten an der Universität Konstanz, was die Expertise und Autorität dieser Arbeit unterstreicht.

Die Faszination der Unterwasserwelt aus der Luft

Auf den Malediven, einem Archipel aus atemberaubenden Korallenatollen im Indischen Ozean, schwebt an einem frühen Morgen des Jahres 2024 eine Drohne sieben Meter über einem Korallenriff. Am nahegelegenen Sandstrand beobachtet der Drohnenpilot, August Paula, den kleinen Bildschirm seiner Fernbedienung, der ihm die Aufnahmen der Drohnenkamera zeigt. Was er sieht, ist kristallklares Wasser, eine spiegelglatte Oberfläche und nicht einen einzigen blendenden Lichtpunkt. All dies vereint sich zu einer erstaunlich perfekten Ansicht des Unterwasserdramas, das ihn und seine Forscherkollegen aus Deutschland an diesen abgelegenen Ort geführt hat. Diese fortschrittliche Drohnenfotografie ermöglicht es, Verhaltensweisen zu dokumentieren, die vom Land aus unsichtbar bleiben würden.

Drohnenforschung auf den Malediven

Die Wissenschaftler sind auf den Malediven, um junge Schwarzspitzen-Riffhaie und die Schwarmfische zu beobachten, die sowohl ihren Schutz als auch ihre Beute darstellen. Als Jungtiere verbringen die Haie Zeit zusammen in flachen Sandbänken, wo sie durch riesige Fischschwärme schwimmen; gelegentlich jagen sie die Fische auch als Nahrung. Da Fischschwärme mehrere hundert Meter lang sein können, zeichnen die Wissenschaftler die Hai-Fisch-Interaktionen mit einer Kamera auf, die an einer Drohne befestigt ist. Diese Drohne fliegt bis zu 35 Meter über dem Wasser, um die gesamte Szene zu erfassen und einen umfassenden Überblick über das Schwarmverhalten zu ermöglichen.

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Die Entdeckung des preisgekrönten Moments

Irgendwann nach Paulas Drohnenflug sichtete Teammitglied Angela Albi, eine begeisterte Fotografin, das Filmmaterial des Tages, um es für die Analyse vorzubereiten. Doch Albi sah etwas Besonderes in den Daten. Mitten im Video entstand eine beeindruckende Komposition aus dem Zusammenspiel von Haien und Fischen. Albi nahm einen Standbild des Moments auf, und das daraus resultierende Bild wurde heute zum „Gesamtsieger“ des 2024 Royal Society Publishing Photography Competition gekürt. Dieses Bild, das “Die Jagd von oben” genannt wird, ist ein perfektes Beispiel dafür, wie Wissenschaftsfotografie nicht nur dokumentieren, sondern auch ästhetisch ansprechend sein kann.

Haie und FischschwarmHaie und FischschwarmDas preisgekrönte Foto 'Die Jagd von oben' von Angela AlbiDas preisgekrönte Foto 'Die Jagd von oben' von Angela Albi

Wissenschaft trifft Kunst: “Die Jagd von oben”

„In diesem Einzelbild wechselt ein Hai ganz links plötzlich vom ruhigen Schwimmen innerhalb des Schwarms zur Initiierung einer Jagd, seine Körperhaltung hebt sich deutlich von den anderen ab“, erklärt Albi, Postdoktorandin in der Abteilung für Kollektives Verhalten am MPI-AB. Was diese Angriffe auslöst, ist noch unbekannt. Daher analysiert Albi Videos, um Jagdgeschehnisse und die kollektive Reaktion der Fische zu untersuchen. „Mithilfe von maschinellem Lernen und fortschrittlicher Videoanalyse verfolgen wir, wie Haie jagen und wie ihre im Schwarm lebende Beute reagiert, um die komplexen Dynamiken der Raubtier-Beute-Interaktion in der Natur aufzudecken.“ Diese Forschung trägt wesentlich zum Verständnis des Tierverhaltens bei.

Analyse von Raubtier-Beute-Interaktionen

Die detaillierte Analyse dieser Interaktionen ist entscheidend, um die ökologischen Prozesse und die Evolution des Verhaltens in marinen Ökosystemen zu verstehen. Die einzigartigen Perspektiven, die die Wissenschaftsfotografie bietet, sind dabei unerlässlich. Sie ermöglichen es den Forschern, Muster zu erkennen und Hypothesen zu formulieren, die mit herkömmlichen Beobachtungsmethoden schwer zu erfassen wären. Die Arbeit von Angela Albi und ihrem Team am Max-Planck-Institut ist ein leuchtendes Beispiel für angewandte Meeresbiologie, die innovative Techniken nutzt, um grundlegende Fragen der Natur zu beantworten.

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Die Bedeutung des Royal Society Fotowettbewerbs

Der Fotowettbewerb der Royal Society würdigt wunderschöne Bilder, die wissenschaftliche Phänomene festhalten. Eine Jury aus Wissenschaftlern und Fotografen wählt einen Gewinner und Zweitplatzierten in fünf Kategorien aus, von denen einer zum Gesamtsieger gekürt wird. Albis Foto „Die Jagd von oben“ gewann die Kategorie „Verhalten“ sowie den gesamten Wettbewerb, der Fotos von Eiskappen, Galaxien und Skorpionaugen umfasste. Das Siegerfoto wird auf dem Titelblatt der Zeitschrift Biology Letters erscheinen, was seine Relevanz und seinen wissenschaftlichen Wert weiter unterstreicht. Albi selbst sagt: „Ich bin meinem ganzen Team dankbar. Jedes Mitglied hat dazu beigetragen, diese unerwartete Ansicht eines Verhaltens einzufangen, das normalerweise außerhalb unserer Reichweite liegt. Es ist mir auch eine große Ehre, durch die Royal Society die Möglichkeit zu haben, die Schönheit und Vielfalt des Tierverhaltens mehr Menschen zugänglich zu machen.“

Das SAFT-Team: Pionierarbeit in der Meeresforschung

Angela Albi ist Teil eines Teams von Wissenschaftlern des MPI-AB und der Universität Konstanz, die seit 2023 auf den Malediven arbeiten. Das Team, das sich SAFT (Sharks and Fish Together) nennt, umfasst neben Albi und Paula auch Luke Costello, Tristan Walter und Iain Couzin, der Direktor am MPI-AB und Professor an der Universität Konstanz ist. Das SAFT-Team arbeitet mit dem lokalen Marine Research and High Education Center (MaRHE) zusammen, das Unterstützung und Expertise für den Zugang zu den vielen kleinen Inseln auf den Malediven bietet. Diese Kooperationen sind entscheidend für die Durchführung erfolgreicher Meeresforschung in abgelegenen Gebieten.

Herausforderungen der Feldforschung

Die Tage auf den Koralleninseln sind dem Auffinden und dann dem Aufzeichnen von Fisch- und Haischwärmen gewidmet, was laut Albi kein Spaziergang am tropischen Strand ist. „Die Schwärme zu finden, kann sehr schwierig sein, da sie normalerweise vom Ufer aus nicht zu sehen sind.“ Die Wissenschaftler fliegen Drohnen aus, um die Gewässer zu erkunden, oder sie folgen Hinweisen von lokalen Mitarbeitern, die Anzeichen großer Fischschwärme gesehen haben. Die Filmbedingungen sind ebenfalls selten postkartenreif: „Es kann regnen oder sehr windig sein“, sagt sie, „sodass die Drohnen oft nicht fliegen können.“ An guten Flugtagen geben sich die Wissenschaftler die beste Chance für eine klare Aufnahme, indem sie in engen Zeitfenstern kurz nach Sonnenaufgang und kurz vor Sonnenuntergang filmen, was die Reflexion der Sonne auf dem Wasser reduziert.

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Team von vier Personen am StrandTeam von vier Personen am StrandAlbi und Paula als Teil des SAFT-Teams auf den MaledivenAlbi und Paula als Teil des SAFT-Teams auf den Malediven

Wissenschaft und die Leidenschaft für Fotografie

Für Albi ist die Feldforschung zu gleichen Teilen wissenschaftlich und künstlerisch. „Ich liebe Fotografie, egal ob analog oder digital, über oder unter Wasser“, sagt sie. Die in Italien geborene Wissenschaftlerin begann vor einigen Jahren zu fotografieren und experimentierte mit einem Freund in einer einfachen Dunkelkammer, um Lochkamerafotos zu entwickeln. Seitdem hat sie sich in der digitalen Kunst weiterentwickelt und spielt mit verschiedenen Techniken. Eine aktuelle Lieblingsmethode ist die Chronofotografie, mit der sie faszinierende Sequenzen von Tieren in Bewegung erstellt – ein passendes Werkzeug für eine Forscherin des Tierverhaltens. „Wo immer ich hingehe, habe ich meine Kamera dabei. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, eine Aufnahme zu verpassen.“ Ihre Hingabe zur Wissenschaftsfotografie ist offensichtlich und treibt sie an, sowohl wissenschaftlich als auch künstlerisch Grenzen zu überschreiten.

Fazit: Wenn Wissenschaft und Schönheit sich begegnen

Angela Albis preisgekröntes Foto ist mehr als nur ein schönes Bild; es ist ein Fenster in die komplexe Welt des Tierverhaltens und ein Zeugnis für die Kraft der Wissenschaftsfotografie. Ihre Arbeit und die des gesamten SAFT-Teams auf den Malediven zeigen, wie Engagement, innovative Technologie und eine tiefe Leidenschaft für die Natur zu bahnbrechenden Erkenntnissen in der Meeresbiologie führen können. Die Herausforderungen der Feldforschung unterstreichen den unermüdlichen Einsatz dieser Wissenschaftler, deren Arbeit uns nicht nur ein besseres Verständnis unserer Umwelt ermöglicht, sondern auch ihre oft verborgene Schönheit offenbart. Mögen ihre Entdeckungen uns alle inspirieren, die Natur mit neuen Augen zu sehen und ihren Schutz zu unterstützen.