Gin, dieser klare und aromatische Wacholdergeist, ist zwar eng mit der englischen Geschichte verbunden, doch seine Ursprünge liegen überraschenderweise in den Niederlanden. Dort soll ihn der niederländische Professor Sylvius im 16. Jahrhundert entwickelt haben, ursprünglich als kostengünstiges und wirksames Heilmittel gegen Nierenleiden. Ob seine Patienten tatsächlich geheilt wurden, ist nicht überliefert. Sicher ist jedoch, dass wir ihm für die Kreation dieses faszinierenden Destillats dankbar sein müssen, das heute in unzähligen Varianten genossen wird, sei es pur, als klassischer Gin Tonic oder in vielfältigen Kaltgetränken. Die einzigartige Kombination aus Wacholder, Koriander, Angelikawurzel, Lavendel und anderen Botanicals macht Gin zu einem vielseitigen Begleiter für jede Gelegenheit.
Die Faszinierende Geschichte des Gins
Die ersten Erwähnungen eines Wacholderdestillats reichen bis ins 11. Jahrhundert zurück. Doch als eigentlicher Erfinder des Gins gilt der bereits erwähnte Professor Sylvius von der Universität Leiden. Er wollte ein Diuretikum herstellen, das sowohl wirksam als auch erschwinglich war. Die Mischung aus Getreidedestillat und Wacholderbeeren schien ihm ideal.
Seine Popularität als alkoholisches Getränk verdankt der Gin den englischen Soldaten. Während des Achtzigjährigen Krieges in den Niederlanden kämpften sie gegen die Spanier und lernten den Wacholdergeist kennen. Vor den Schlachten konsumierten die Soldaten Gin, um sich Mut anzutrinken – so entstand der Beiname „Dutch Courage“ (holländischer Mut), der bis heute in der englischen Sprache verwurzelt ist.
Den größten Aufschwung erlebte Gin in England unter der Herrschaft von Wilhelm III. von Oranien, der selbst aus den Niederlanden stammte. In dieser Zeit war die Qualität des Gins oft noch mangelhaft, da billiger Terpentin anstelle von echtem Wacholderöl verwendet wurde. Dennoch erfreute sich das Getränk, insbesondere unter den ärmeren Bevölkerungsschichten, so großer Beliebtheit, dass seine Herstellung und sein Verkauf in den Jahren 1736 und 1751 durch die sogenannten Gin Acts reguliert werden mussten. Erst im 19. Jahrhundert, mit der Erfindung der Säulendestillation, begann die Produktion von qualitativ hochwertigerem Gin. Diese neue Methode, die in London entwickelt wurde, brachte der Welt auch einen völlig neuen Getränketyp: den heute als Dry Gin bekannten Wacholdergeist. Dieser ist gegenwärtig die am weitesten verbreitete und beliebteste Gin-Sorte weltweit.
Von der Botanik ins Glas: Die Gin-Herstellung
Die Herstellung von Gin variiert je nach dem gewünschten Typ des alkoholischen Getränks. Grundsätzlich lassen sich zwei Hauptmethoden unterscheiden, die zu den ikonischen Genever und Dry Gin führen.
Genever – Der Ursprüngliche
Die Herstellung des holländischen Gins, Genever genannt, ähnelt stark der Whiskyproduktion. Sie beginnt mit der Destillation von fermentiertem Getreidemalz, wobei Gerste am häufigsten verwendet wird. Nach der ersten Destillation folgt eine zweite, bei der bereits eine Mischung aus Wacholderöl, Kräutern und Gewürzen hinzugefügt wird. Das Ergebnis ist ein Alkohol mit einer relativ niedrigen Konzentration, weshalb oft eine weitere Destillation notwendig ist.
Der zweimal destillierte Genever, häufig als „Double Gin“ bezeichnet, reift anschließend in Eichenfässern. Dieser Reifeprozess verleiht ihm einen volleren und komplexeren Geschmack. Generell lässt sich sagen, dass Genever-Gins tendenziell kräftiger und malziger im Geschmack sind als Dry Gins, was wohl auch ein Grund für die breitere Beliebtheit des letzteren ist.
Dry Gin – Die Moderne Ikone
Auch die Herstellung von Dry Gin beginnt mit der Destillation von Getreide. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch im zweiten Destillationsschritt. Dabei wird ein durchlässiger Korb oder Sack, gefüllt mit Wacholderbeeren, Koriander und weiteren Botanicals, über der Brennblase aufgehängt. Die heißen Alkoholdämpfe strömen durch diese aromatische Mischung, nehmen die Essenzen der Botanicals auf, kondensieren am oberen Ende des Brennkessels und tropfen anschließend zurück. Auf diese Weise entsteht der trockene Gin, der im Vergleich zum traditionellen Genever leichter und frischer schmeckt, da er im Gegensatz dazu nicht in Fässern reift. London Dry Gin ist hierbei eine geschützte Bezeichnung für Gins, bei denen alle Aromen ausschließlich durch Destillation mit natürlichen Botanicals hinzugefügt werden und keine künstlichen Zusatzstoffe nach der Destillation erlaubt sind.
Gin genießen: Pur oder im Cocktail?
Gin, als klarer und vielseitiger Brand, findet breite Anwendung in gemischten Getränken. Einer der bekanntesten Cocktails ist zweifellos der Martini, der neben Gin auch trockenen Wermut enthält. Weitere beliebte Cocktails, in denen Gin die Hauptrolle spielt, sind der Long Island Iced Tea, der Singapore Sling oder der Negroni.
Eine der populärsten und zeitlosen Kombinationen ist der klassische Gin & Tonic. Die Entstehung dieses Drinks ist von einer interessanten Geschichte begleitet: Ursprünglich wurde er im 19. Jahrhundert als Medizin gegen Malaria serviert, da das Chinin im Tonic Water eine prophylaktische Wirkung hatte. Auch als Basis für ein erfrischendes Flügerl Getränk zeigt Gin seine Vielseitigkeit.
Doch Gin kann auch pur auf Eis genossen werden. Das Schmelzen des Eises verdünnt das kräftige Destillat zwar leicht, was jedoch dem Geschmackserlebnis keineswegs schadet, sondern die Aromen oft sogar sanfter hervorhebt.
Zu den bekanntesten Gin-Marken weltweit zählen Beefeater, Bombay Sapphire, Tanqueray und Gordon’s, die jeweils für ihren unverwechselbaren Charakter und ihre lange Tradition stehen.
Fazit
Von seinen bescheidenen Anfängen als medizinisches Elixier bis hin zu seiner heutigen Rolle als global gefeierte Spirituose hat Gin eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Ob Sie sich für die malzige Tiefe eines Genevers oder die knackige Frische eines Dry Gins begeistern, die Welt des Gins bietet eine unendliche Vielfalt an Aromen und Genusserlebnissen. Tauchen Sie ein in die reiche Geschichte und die kunstvolle Herstellung dieses faszinierenden Getränks. Entdecken Sie Ihre Lieblingssorte und lassen Sie sich von der Welt der Botanicals verzaubern!
