Die Allianz Lebensversicherungs-AG, ein integraler Bestandteil der renommierten Allianz Gruppe, steht wie andere Anbieter im Lebensversicherungssektor vor erheblichen Herausforderungen. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten infolge der Inflation und allgemeiner finanzpolitischer Unsicherheiten stellt sich die Frage nach der anhaltenden Attraktivität von Lebensversicherungen für deutsche Verbraucher. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Situation, prüft die Kritikpunkte und bietet Perspektiven für bestehende und potenzielle Versicherungsnehmer.
Die Allianz Lebensversicherung im Überblick
Die Allianz Lebensversicherungs-AG mit Hauptsitz in München ist ein etabliertes Unternehmen, das eine breite Palette von Produkten anbietet, darunter Risikolebensversicherungen, Rürup-Renten, private Rentenversicherungen und Riester-Renten. Mit rund 11,6 Millionen verwalteten Verträgen und einer Versicherungssumme von etwa 435 Milliarden Euro gehört sie zu den größten Akteuren auf dem deutschen Markt.
Zinswende und ihre verzögerte Wirkung auf Kunden
Die jüngste Anhebung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank hat auf den ersten Blick positive Signale für Versicherungsnehmer gesendet, die jahrelang mit sinkenden Garantieverzinsungen konfrontiert waren. Jedoch wird es voraussichtlich noch einige Jahre dauern, bis sich diese Zinserhöhung spürbar auf die Überschussbeteiligung auswirken wird. Versicherungsunternehmen nutzen diese Phase primär zur Stärkung ihrer eigenen finanziellen Stabilität. Die hohe Inflation hat zudem dazu geführt, dass viele bestehende Verträge real eine negative Rendite aufweisen. Dies wird auch dadurch begünstigt, dass Versicherer oft Staatsanleihen halten, deren Wert mit steigenden Zinsen sinkt. Diese Entwicklung hat bereits zu Insolvenzen von Lebensversicherern geführt [cite:1, cite:2].
Überdurchschnittliche Stornoquote bei der Allianz
Mit einer Stornoquote von 2,7 % liegt die Allianz leicht über dem deutschen Durchschnitt von 2,55 % [cite:3, cite:4]. Dies wirft die Frage auf, warum Kunden häufiger ihre Verträge vorzeitig beenden.
Kritik an Kostenstrukturen und Kundennutzen
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) kritisiert Lebensversicherer wiederholt wegen zu hoher Kosten und eines daraus resultierenden geringen Kundennutzens. Bei zahlreichen Unternehmen wurden überhöhte Kosten und eine hohe Rate vorzeitiger Kündigungen festgestellt. Dies kann bis zu Vertriebsverboten führen, und einige Versicherer haben bereits reagiert, indem sie Rückzahlungen zusagten oder Produkte vom Markt nahmen.
Rechtswidrige Kürzung von Riester-Renten und anhaltende Gerichtsverfahren
Verbraucherzentralen klagten erfolgreich gegen Lebensversicherer, darunter auch die Allianz, wegen nachträglicher Herabsetzung von Rentenfaktoren in Riester-Verträgen. Das Landgericht Köln urteilte, dass solche Kürzungen unzulässig sind. Die endgültige Klärung dieser Frage durch den Bundesgerichtshof steht jedoch noch aus. Für die Allianz steht im Januar eine Gerichtsverhandlung vor dem Oberlandesgericht Stuttgart an, die weitreichende Konsequenzen für Versicherungsnehmer haben könnte.
Finanzielle Verwicklungen mit insolvenzbedrohten Unternehmen
Die Insolvenz der Signa Holding des Investors René Benko hat weitreichende Folgen für Gläubiger. Auch die Allianz ist betroffen, da sie das Hochhausprojekt in der Berliner Innenstadt mit 300 Millionen Euro finanziell unterstützt hat. Es besteht die Gefahr, dass diese Forderungen ausfallen und letztendlich die Kunden die Leidtragenden sind.
Die Herausforderung steigender Lebenshaltungskosten und der Ausweg durch Verkauf
Die gestiegenen Lebenshaltungskosten und die finanzpolitische Unsicherheit erschweren vielen Menschen die regelmäßigen Einzahlungen in Versicherungsverträge. Dies spiegelt sich auch in negativen Realzinsen wider, die bedeuten, dass die Kaufkraft des Geldes sinkt. Viele Versicherte erwägen daher eine Beitragsfreistellung oder Kündigung. Nach mehreren Jahrzehnten Laufzeit haben bereits ein erheblicher Teil der Versicherungsnehmer ihre Verträge gekündigt. Eine Kündigung ist jedoch oft unrentabel, da sie zu einem geringen Rückkaufswert führen kann, insbesondere aufgrund hoher Abschluss- und Verwaltungskosten.
Eine attraktive Alternative zur Kündigung kann der Verkauf der Lebensversicherung sein. Externe Experten prüfen dabei potenzielle Ansprüche, die sich aus aktuellen Rechtsprechungen ergeben könnten. Der Verkauf über spezialisierte Unternehmen wie ProLife kann eine Möglichkeit sein, das eingebrachte Kapital besser zu sichern und möglicherweise mehr Geld zurückzugewinnen als bei einer Eigenkündigung.
Fazit und Ausblick
Die Allianz Lebensversicherung steht, wie die gesamte Branche, vor einer komplexen Gemengelage aus steigenden Zinsen, hoher Inflation und regulatorischen Unsicherheiten. Während die Zinserhöhungen langfristig positive Effekte haben könnten, sind kurzfristige Nachteile nicht von der Hand zu weisen. Kunden, die mit der Kündigung ihrer Police liebäugeln, sollten die Option eines Verkaufs ernsthaft in Erwägung ziehen. Eine unverbindliche Anfrage kann Aufschluss darüber geben, ob der Verkauf eine finanziell vorteilhaftere Lösung darstellt.
