Alpakas als Haustiere: Ein Trend mit Schattenseiten

Die Faszination für Alpakas wächst stetig, befeuert durch Videos und Fotos in sozialen Medien, die oft ein unkritisches Bild der Tiere zeichnen. Doch die Haltung als Haustier oder Hobby ist aus Tierschutzsicht kritisch zu betrachten und wird von Experten entschieden abgelehnt. [Alpakas sind keine Kuscheltiere], sondern distanzierte Herdentiere, deren Bedürfnisse in privater Haltung oft nicht erfüllt werden können.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Haltungsanforderungen

Grundsätzlich ist die Haltung von Alpakas in Deutschland legal, die Auflagen unterscheiden sich jedoch je nach Nutzungszweck. Werden sie nicht landwirtschaftlich genutzt, gelten sie rechtlich als Haustiere. Dies bedeutet, dass Halter*innen unter den Paragraphen des Tierschutzgesetzes fallen und ein Mindestmaß an Sachkenntnis sowie geeignete räumliche Gegebenheiten nachweisen müssen. Ein Bestandsbuch, das die Anzahl der Tiere und die Medikamentenvergabe dokumentiert, ist ebenfalls vorgeschrieben.

Auch wenn kein expliziter Sachkundenachweis erforderlich ist, gibt es Empfehlungen für eine artgerechte Haltung. Laut einer Leitlinie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sollten für zwei Tiere mindestens 1000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen, zuzüglich 100 Quadratmeter für jedes weitere Tier. Der Zuchtverband AZVD empfiehlt sogar eine Fläche von mindestens 1000 Quadratmetern pro Tier, um eine ganzjährige Ernährung durch Weidegang zu ermöglichen. Die Haltung landwirtschaftlich genutzter Alpakas unterliegt noch strengeren Vorschriften.

Das Wesen der Alpakas: Mehr als nur ein exotisches Haustier

Es ist essenziell zu verstehen, dass Alpakas keine domestizierten Schoßtiere sind. Sie sind von Natur aus zurückhaltend und meiden Körperkontakt. Zu enge menschliche Nähe kann zu Verhaltensstörungen führen, wie dem Berserk-Male-Syndrom (BMS), das aggressives Verhalten gegenüber Menschen zur Folge hat und oft zur Einschläferung der Tiere führt. Solche Störungen sind nicht heilbar.

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Ursprünglich aus den Anden Südamerikas stammend, werden Alpakas dort sowohl wegen ihres wertvollen Vlieses als auch als Nahrungsquelle gehalten. In Deutschland liegt der Fokus meist auf der Gewinnung von Alpakawolle, die als hochwertiges Produkt gilt.

Die Tiere sind hochsozial und müssen mindestens zu zweit gehalten werden. Eine Haltung mit anderen Tierarten wie Ziegen oder Eseln zur Kompensation von Artgenossen wird ausdrücklich abgeraten. Hengste und Stuten sollten ebenfalls nicht zusammen gehalten werden.

Trotz ihres Distanzbedürfnisses sind Alpakas auf regelmäßige menschliche Fürsorge angewiesen. Dies beinhaltet tierärztliche Kontrollen, insbesondere der Zähne und Nägel, sowie das regelmäßige Scheren des Fells. Zu langes Fell kann die Bewegungsfreiheit einschränken und die Tiere anfälliger für Parasiten machen.

Auch die Ernährung ist anspruchsvoll: Alpakas sind Wiederkäuer mit einem Stoffwechsel, der auf eine nährstoffarme, aber rohfaserreiche Nahrung eingestellt ist. Täglich fressen sie etwa 5 Prozent ihres Körpergewichts, hauptsächlich Heu mit passendem Proteingehalt. Brot, Obst, Gemüse, Zucker und Getreide sind ungeeignet und können zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen.

Die Realität der privaten Haltung

Die genaue Anzahl der Alpakas in Deutschland, insbesondere in privater Hobbyhaltung, ist schwer zu ermitteln, da es mehrere Registrierstellen gibt und Tiere teilweise doppelt erfasst werden. Der Alpakazuchtverband Deutschland (AZVD) verzeichnet über 16.000 registrierte Tiere, doch die genauen Haltungsbedingungen sind oft unbekannt. Zunehmend eröffnen neue Höfe für reine Hobbyhaltung oder Zuchtzwecke.

Erste Erfahrungen zeigen jedoch, dass viele Interessenten die Komplexität der Alpaka-Haltung unterschätzen. Anita Selig-Smith, eine erfahrene Züchterin, berichtet von bis zu zehn Anfragen monatlich von Menschen, die Alpakas als “lebende Rasenmäher” für ihre Gärten anschaffen möchten. Sie musste wiederholt Tiere retten, die falsch ernährt oder nicht geschoren wurden. Selig-Smith schätzt, dass 80 Prozent der Kaufanfragen hinfällig werden, sobald potenzielle Halter*innen über die anspruchsvolle Pflege aufgeklärt werden. Sie warnt vor einem “Schwarzmarkt” mit nicht registrierten Tieren in schlechter Haltung.

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Fazit: Sind Sie der anspruchsvollen Haltung gewachsen?

Die Haltung von Alpakas als Haus- oder Hobbytiere ist theoretisch erlaubt, stellt jedoch hohe Anforderungen, die weit über die Bedürfnisse von Hunden, Katzen oder Mäusen hinausgehen. Die meisten Menschen sind nicht in der Lage, diesen Bedürfnissen langfristig gerecht zu werden.

Wir appellieren an die Öffentlichkeit, die Haltung von Alpakas als Hobbytiere nicht weiter zu fördern. Die Tiere sollten nur in die Obhut von Menschen gelangen, die ihr Wesen verstehen und ihre Bedürfnisse ernsthaft berücksichtigen. Aus politischer Sicht sind strengere rechtliche Auflagen für die Hobbyhaltung dieser anspruchsvollen Tiere dringend geboten.

#StopptTierleid: Kein Likes für Leid

Die Verbreitung von Videos und Fotos, die eine tierleidige Haltung von Alpakas zeigen, trägt zur Problematik bei, indem sie die Nachfrage weiter ankurbelt. Unter Hashtags wie #alpacasofinstagram finden sich zahlreiche Beispiele für Tierleid.

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