Im digitalen Zeitalter ist Software das Rückgrat fast jedes Unternehmens. Dabei spielen Standardsoftware und Anwendungssoftware eine zentrale Rolle. Doch was genau verbirgt sich hinter diesen Begriffen, wie unterscheiden sie sich voneinander und wo werden sie typischerweise eingesetzt? Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Facetten dieser unverzichtbaren Werkzeuge, ihre Vorteile und potenziellen Nachteile, um Ihnen bei der Wahl der passenden Lösungen für Ihr Unternehmen zu helfen.
Was ist Standardsoftware? Definition und Merkmale
Als Standardsoftware bezeichnet man Softwarelösungen, die auf dem freien Markt verfügbar sind und über den Fachhandel erworben werden können. Im Gegensatz zur speziell für ein Unternehmen entwickelten Individualsoftware ist sie vorgefertigt und für einen breiten Nutzerkreis konzipiert. Dies bedeutet in der Regel, dass sie vom Anwender selbst installiert und mit nur wenigen Anpassungen in Betrieb genommen werden kann. Ein entscheidendes Merkmal von Standardsoftware ist ihre branchenübergreifende Einsetzbarkeit. Sie ist nicht auf spezifische Geschäftsbereiche zugeschnitten, sondern kann von einer Vielzahl von Nutzern in verschiedensten Abteilungen und Branchen effektiv genutzt werden. Ihre weite Verbreitung und die kontinuierliche Weiterentwicklung durch den Hersteller sichern meist eine hohe Stabilität und Funktionsvielfalt.
Praxisbeispiele und Einsatzgebiete von Standardsoftware
Die bekanntesten Beispiele für Standardsoftware sind zweifellos Office-Pakete, die heutzutage in nahezu jedem Büro zum Einsatz kommen. Microsoft Office ist hier der unangefochtene Marktführer, doch auch Alternativen wie Open Office, Star Office oder IBM Lotus SmartSuite haben sich in den letzten Jahren etabliert. Diese Pakete bieten grundlegende Funktionen für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen, die für die tägliche Büroarbeit unerlässlich sind.
Ein weiteres, immer wichtiger werdendes Segment sind ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning). Ursprünglich als komplexe Individualsoftware für Großkonzerne entwickelt, wandeln sich diese Systeme zunehmend zu leistungsfähiger Standardsoftware. SAP, als Branchenvorreiter, bietet beispielsweise immer mehr standardisierte Funktionsmodule und abgespeckte Versionen an, die auch für mittelständische Unternehmen erschwinglich werden. Ein modernes ERP-System deckt sämtliche typischen Funktionsbereiche eines Unternehmens ab, von der Materialwirtschaft über den Einkauf, die Personalverwaltung und Lohnabrechnung bis hin zur Debitoren- und Kreditorenrechnung sowie der Zeitwirtschaft. Durch diese umfassende Abdeckung sinkt der Bedarf an teuren Individualentwicklungen stetig, da fehlende Funktionen durch flexible Standardmodule ergänzt werden können.
Anwendungssoftware: Typische Beispiele und breit gefächerte Einsatzbereiche
Unternehmen nutzen Anwendungssoftware in vielfältiger Weise, um spezifische Aufgaben effizient zu bewältigen. Dies kann von einfachen Office-Anwendungen wie elektronischen Telefonbüchern bis hin zu komplexen integrierten ERP-Systemen reichen, die alle Unternehmensbereiche abdecken. Typische Einsatzfelder finden sich im Personalwesen, der Finanzbuchhaltung, dem Kundenmanagement und der Warenwirtschaft.
Besonders große Unternehmen setzen oft umfangreiche Anwendungssoftwarelösungen zur Kundenpflege und für ein effizientes Kundenmanagement ein. Hier sind sogenannte CRM-Systeme (Customer Relationship Management) weit verbreitet. Diese Softwaresysteme organisieren, verwalten und analysieren Kundendaten, um den Kundenservice zu optimieren, Marketingkampagnen zu personalisieren und Vertriebsprozesse zu verbessern. Ein weiterer kritischer Einsatzbereich von Anwendungssoftware ist die Industrie. Hier müssen spezielle Anwendungsprogramme geschrieben werden, um Maschinen und Roboter, die in der Produktion eingesetzt werden, präzise zu steuern. Dies umfasst branchenspezifische Anwendungen und Steuerungssoftware für computergesteuerte Maschinen, die eine automatisierte und effiziente Fertigung ermöglichen.
Vor- und Nachteile von Standard- und Anwendungssoftware
Der größte Vorteil von Standard- und Anwendungssoftware liegt in den wesentlich geringeren Anschaffungskosten im Vergleich zu einer individuell programmierten Softwarelösung. Da die Entwicklungskosten auf eine große Nutzerbasis verteilt werden, profitieren einzelne Unternehmen von einem günstigeren Preis. Wenn die neue Software zudem nahtlos in bereits vorhandene Systeme integriert werden kann, lassen sich zusätzliche Entwicklungskosten oder teure Neuanschaffungen vermeiden. Die breite Verfügbarkeit und die hohe Anwenderzahl für solche Softwareprodukte, die fast identische Anforderungen an Funktionen und Ausstattungsmerkmale haben, führen zudem zu kontrollierten und wettbewerbsfähigen Nutzungskosten.
Allerdings gibt es auch potenzielle Nachteile. Ein wesentlicher Punkt ist, dass Standardsoftware möglicherweise nicht vollständig in die bestehende IT-Infrastruktur integrierbar ist oder nachträglich an spezifische Unternehmensprozesse angepasst werden muss. Die Kosten für dieses sogenannte “Customizing” können unter Umständen die ursprüngliche Einsparung gegenüber einer Individualsoftware wieder aufwiegen. Es ist daher unerlässlich, diesen Aspekt im Vorfeld genau zu kalkulieren und zu bewerten. Eine mangelnde Flexibilität kann auch dazu führen, dass Unternehmen gezwungen sind, ihre internen Abläufe an die Software anzupassen, anstatt die Software an ihre Prozesse.
Fazit und Empfehlung
Die Entscheidung zwischen Standardsoftware, Anwendungssoftware und einer individuellen Lösung ist strategischer Natur und sollte sorgfältig abgewogen werden. Standard- und Anwendungssoftware bieten durch ihre Kosteneffizienz und breite Funktionalität enorme Vorteile für viele Unternehmen. Sie ermöglichen einen schnellen Start und profitieren von der ständigen Weiterentwicklung durch die Hersteller.
Es ist jedoch von größter Bedeutung, vor der Anschaffung genau zu klären, inwieweit die Software von den vorhandenen Systemen unterstützt wird und welche Schnittstellen für eine reibungslose Integration notwendig sind. Erkundigen Sie sich unbedingt im Vorfeld über die Kosten und den Aufwand möglicher nachträglicher Anpassungen (Customizing). Eine gründliche Bedarfsanalyse und ein detaillierter Vergleich der verfügbaren Lösungen sind der Schlüssel zum Erfolg, um eine Software zu finden, die nicht nur die aktuellen Anforderungen erfüllt, sondern auch zukünftiges Wachstum unterstützt und die Effizienz in Ihrem Unternehmen nachhaltig steigert.
