Blähungen verstehen: Ursachen, Symptome und effektive Gegenmaßnahmen

Blähungen sind ein weit verbreitetes Phänomen, das viele Menschen betrifft. Obwohl sie oft harmlos sind, können sie dennoch unangenehm sein und die Lebensqualität beeinträchtigen. Doch wie entstehen Blähungen eigentlich, wie viel ist normal, und wann sollten wir uns Sorgen machen? Dieser Artikel beleuchtet die wissenschaftlichen Hintergründe und gibt praktische Tipps für den Umgang mit Blähungen.

Wie entstehen Blähungen?

Der Verdauungsprozess beginnt bereits im Mund, wenn wir Nahrung aufnehmen und dabei unweigerlich auch Luft verschlucken. Diese Mischung aus Nahrung und Luft gelangt zunächst in den Magen, wo die Magensäure mit der Zersetzung der Speisen beginnt. Danach setzt sich der Weg im Dünndarm fort, wo Verdauungssäfte aus der Bauchspeicheldrüse und Gallensaft die Nahrung weiter aufschlüsseln.

Im Dickdarm übernehmen dann Bakterien eine entscheidende Rolle. Sie produzieren aus den verbleibenden Nahrungsbestandteilen Fettsäuren und Vitamine. Dabei entstehen zusätzlich Gase wie Kohlendioxid, Methan und Schwefelwasserstoff. Ein Teil dieses Gasgemischs diffundiert über die Darmschleimhaut ins Blut und wird über die Lunge ausgeatmet. Der restliche Teil verlässt den Körper als Darmwinde. Gelegentlich kann es zu spezifischen Verdauungsbeschwerden kommen, wie sie auch bei bestimmten Virusinfektionen auftreten können, etwa bei Symptomen wie durchfall corona bekannt sind.

Blähungen: Wie viel Pupsen ist normal?

Laut Prof. Jörg Albert, Gastroenterologe am Klinikum Stuttgart, ist es völlig normal, wenn ein Mensch pro Tag etwa 20 bis 30 Darmwinde abgibt. Dies entspricht einem Volumen von etwa 1 bis 1,5 Litern Flatulenz und ist ein Zeichen einer gesunden Verdauung.

Die meisten dieser Flatulenzen bleiben unbemerkt. Manchmal können sie jedoch geruchsintensiv oder sogar schmerzhaft sein. Prof. Albert betont, dass Blähungen sehr viele Menschen betreffen, in 95 % der Fälle jedoch keine ernsthafte Erkrankung zugrunde liegt.

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Schmerzhafte Blähungen: Eine Frage der Wahrnehmung

Es ist ein Rätsel, warum Flatulenzen manchmal nur geruchlich problematisch, aber ansonsten nicht unangenehm sind, während sie andere Male mit starken Schmerzen einhergehen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass Menschen mit und ohne Beschwerden oft eine ähnliche Gasmenge von rund 200 Millilitern im Darm haben.

Prof. Albert erklärt, dass die individuelle Wahrnehmung der Darmtätigkeit stark variieren kann. Er spricht in diesem Zusammenhang von einer „gestörten Darm-Hirn-Achse“ bei der Reizübertragung ins Gehirn, was zu einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit führen kann.

Gründe für starke Blähungen

Starke Blähungen können vielfältige Ursachen haben:

  • Hastiges Essen und Trinken: Wer schnell isst oder trinkt, verschluckt dabei mehr Luft, die dann wieder entweichen muss.
  • Kohlensäurehaltige Getränke: Sie verstärken diesen Effekt, da der Stickstoffanteil der Kohlensäure vom Körper kaum resorbiert wird und den langen Weg durch den Dünndarm nehmen muss, was zu Beschwerden führen kann.
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Intoleranzen gegenüber Laktose, Fruktose oder Gluten äußern sich häufig durch Verdauungsbeschwerden wie Blähungen.

Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Salat: Lebensmittel, die blähen können

Die Reaktion des Verdauungstrakts auf bestimmte Lebensmittel ist individuell und hängt von der jeweiligen Darmflora und Veranlagung ab. Zu den häufigsten Übeltätern, die Blähungen auslösen können, gehören:

  • Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen, Kichererbsen)
  • Kohlarten
  • Schwarzwurzeln
  • Zwiebeln und Knoblauch
  • Steinobst
  • Vollkornprodukte
  • Stark zuckerhaltige und hochverarbeitete Lebensmittel (Fertiggerichte)
  • Schweinefleisch

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle blähenden Lebensmittel ungesund sind. Während Fertiggerichte oder stark zuckerhaltige Produkte vermieden werden sollten, sind Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte reich an wichtigen Nährstoffen und Ballaststoffen.

Die richtige Ernährung bei Blähungen

Anstatt gesunde, aber blähende Lebensmittel komplett zu meiden, empfiehlt es sich, den Darm langsam an sie zu gewöhnen. Beginnen Sie mit kleinen Mengen, beispielsweise roten Linsen. Die Darmflora kann sich anpassen, wodurch mit der Zeit weniger Probleme auftreten.

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Dies gilt auch für Vollkornprodukte, die für Menschen, die sie selten essen, anfangs schwer verdaulich sein können. Ballaststoffe sind jedoch essenziell für die Herz-Kreislauf-Gesundheit und sollten nicht aufgrund von Blähungen weggelassen werden. Auch eine erhöhte Zufuhr von Proteinen kann die Darmflora überfordern. Generell sollte jede Ernährungsumstellung schrittweise erfolgen. Einige Beschwerden wie übelkeit bei corona oder anderen Infektionen zeigen, wie empfindlich der Körper auf Veränderungen reagieren kann.

Probiotika für einen gesunden Darm?

Probiotika werden oft als Wundermittel für eine gesunde Darmflora angepriesen, insbesondere nach Antibiotikabehandlungen. Prof. Albert merkt jedoch an, dass die Studienlage hierzu widersprüchlich ist. Für eine wirklich gesunde Darmflora sei in erster Linie eine ausgewogene Ernährung entscheidend.

Blähungen durch Zucker und Süßstoffe

Softdrinks wie Limonaden und Eistee, die oft viel Industriezucker oder Süßstoffe enthalten, werden von Prof. Albert kritisch gesehen. Zucker und viele Süßstoffe werden im Dünndarm schlecht verdaut und dienen den Bakterien im Dickdarm als „Futter“, wobei sie als Abfallprodukt Gase bilden. Die bessere Wahl sind hier ungesüßter Tee oder schlichtes (Leitungs-)Wasser. Neben Verdauungsstörungen können auch andere Begleiterscheinungen auftreten, wie etwa juckreiz nach corona bei bestimmten Infektionen.

Blähungen durch Stress, Medikamente und Hormone

  • Stress: Dauerhafter Stress kann Blähungen begünstigen, da vermehrt das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet wird, welches die Darmtätigkeit reduzieren kann.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente wie Antidepressiva, einige Diabetes-Medikamente oder opioidhaltige Schmerzmittel können Darmträgheit und damit Blähungen auslösen. Patienten sollten mögliche Alternativen mit ihrem Arzt besprechen, aber Medikamente niemals eigenmächtig absetzen.
  • Hormone: Bei Frauen können hormonelle Veränderungen während der Menstruation, Schwangerschaft oder in den Wechseljahren die Verdauung beeinflussen und Blähungen verstärken. Interessanterweise gibt es auch Symptomkombinationen wie corona ohne husten, die zeigen, wie vielfältig die körperlichen Reaktionen auf interne und externe Faktoren sein können.

Blähungen: Wann sollte man zum Arzt?

Obwohl Blähungen meist harmlos sind, gibt es Alarmzeichen, bei denen ein Arztbesuch unerlässlich ist:

  • Blut im Stuhl
  • Starke, profuse Durchfälle
  • Unerklärlicher Gewichtsverlust
  • Wenn Beschwerden nachts auftreten und den Schlaf stören
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Der Geruch der Darmwinde ist übrigens kein Indikator für eine ernsthafte Erkrankung. Der typische Geruch nach faulen Eiern wird durch Schwefelwasserstoffe verursacht, die bei der Zersetzung von Nahrung entstehen, so Prof. Dr. Patrick Michl.

Ärztlich abgeklärt werden sollte, ob den Blähungen ein träger Darm mit Obstipation (Verstopfung), ein lebensbedrohlicher Darmverschluss, chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder Zöliakie zugrunde liegen. Prof. Dr. Patrick Michl warnt auch davor, dass Blähungen in seltenen Fällen Herzsymptome auslösen können, oft in Verbindung mit hektischem Essen. Manchmal können auch andere Beschwerden wie corona sodbrennen ein Hinweis auf eine zugrunde liegende Problematik sein.

Was hilft gegen Blähungen?

Wer häufig unter Blähungen leidet, kann verschiedene Maßnahmen ergreifen:

  • Pflanzliche Helfer: Anis, Fenchel und Kümmel wirken krampflösend, lindern Blähungen und fördern die Verdauung. Sie können dem Essen beigemischt, zerkaut oder als Tee getrunken werden. Auch Pfefferminzöl ist beliebt.
  • Essgewohnheiten: Nehmen Sie Mahlzeiten in Ruhe und im Sitzen ein. Verzichten Sie auf hastiges Essen im Stehen oder Gehen.
  • Kleidung: Enge Hosen und Gürtel können kontraproduktiv wirken und den Druck auf den Bauch erhöhen.
  • Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie täglich mindestens zwei Liter stilles Wasser, um die Verdauung zu unterstützen.
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität entlastet den Darm und schützt vor übermäßiger Luft im Bauch.

Bei akuten Beschwerden können auch Medikamente wie Simeticon oder Dimeticon helfen, die die Gasbildung beeinflussen und gut verträglich sind. Krampflösende Medikamente können ebenfalls eingesetzt werden, jedoch nicht als Dauertherapie, betont Prof. Jörg Albert.

Experten aus dem Artikel:

  • Prof. Dr. med. Jörg Albert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Gastroenterologie, gastrointestinale Onkologie, Hepatologie und Infektiologie am Klinikum Stuttgart.
  • Prof. Dr. med. Patrick Michl, Ärztlicher Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektionskrankheiten, Vergiftungen und Ärztliche Leitung der Privatambulanz Prof Dr. P. Michl an der Uniklinik Heidelberg.