Cushing-Syndrom: Selten, aber gefährlich – Ein umfassender Ratgeber

Das Cushing-Syndrom, eine seltene Erkrankung, bei der der Körper übermäßig viel des Hormons Cortisol produziert, stellt eine ernsthafte Gesundheitsbedrohung dar. Obwohl selten, sind die Auswirkungen potenziell schwerwiegend und erfordern ein tiefgreifendes Verständnis der Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten. Dieser Artikel beleuchtet das Cushing-Syndrom aus verschiedenen Blickwinkeln, um Aufklärung zu schaffen und die Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose hervorzuheben.

Die Rolle von Cortisol im Körper

Cortisol, eines der wichtigsten Stresshormone des Körpers, spielt eine entscheidende Rolle in der Anpassungsfähigkeit des Menschen an Stresssituationen. In Urzeiten ermöglichte es den Vorfahren, in Gefahrensituationen schnell zu reagieren – sei es durch Kampf oder Flucht. Cortisol setzt Energie in Form von Zucker frei, steigert die Leistungsfähigkeit, beschleunigt den Herzschlag, erhöht den Blutdruck und strafft die Muskeln. Gleichzeitig reduziert es das Schlafbedürfnis und drosselt die Immunabwehr. Nach Bewältigung der Stresssituation sinkt der Cortisolspiegel normalerweise wieder ab. Beim Cushing-Syndrom ist dieser Regulationsmechanismus gestört, was zu einer permanenten Überproduktion von Cortisol und einem Körper im Dauer-Alarmzustand führt.

Ursachen des Cushing-Syndroms

Ärzte unterscheiden zwischen zwei Hauptformen des Cushing-Syndroms:

  • Exogenes Cushing-Syndrom: Diese Form ist mit Abstand die häufigste und wird durch die langfristige Einnahme von cortisonhaltigen Medikamenten verursacht. Eine kurzzeitige Anwendung von Salben oder Augentropfen über bis zu drei Wochen birgt jedoch keine Gefahr der Auslösung eines Cushing-Syndroms.
  • Endogenes Cushing-Syndrom: Diese Form entsteht durch körpereigene Ursachen. In 60 bis 70 Prozent der Fälle ist ein gutartiger Tumor der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) verantwortlich. Dieses Hypophysenadenom produziert zu viel adrenokortikotropes Hormon (ACTH), welches wiederum die Nebennieren zur übermäßigen Cortisolproduktion anregt. Seltener können auch Tumore der Nebennieren selbst oder Tumore in anderen Organen wie Lunge, Bauchspeicheldrüse oder Schilddrüse ACTH produzieren und so das endogene Cushing-Syndrom auslösen.
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Symptome des Cushing-Syndroms

Die Symptome des Cushing-Syndroms sind vielfältig und können sich schleichend entwickeln:

  • Klassische Anzeichen: Ein rundliches, aufgedunsenes Vollmondgesicht und eine Gewichtszunahme, die sich vor allem am Rumpf (Bauch, Hüften) manifestiert, während Arme und Beine schlank bleiben.
  • Hautveränderungen: Deutlich breitere Dehnungsstreifen an Bauch, Armen und Achseln, die durch kleinere Einblutungen rötlich schimmern können. Die Haut wird dünn, pergamentartig und verletzlich.
  • Weitere Symptome: Häufigere Blutergüsse aufgrund erhöhter Gefäßbrüchigkeit, schlechtere Wundheilung, Akne, vermehrte Körperbehaarung und Muskelschwäche, insbesondere in den Gesäß- und Oberschenkelmuskeln, was sich in Schwierigkeiten beim Treppensteigen oder Aufstehen aus der Hocke äußern kann.
  • Langfristige Folgen: Unbehandelt kann das Cushing-Syndrom zu Osteoporose, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Stimmungsschwankungen und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.

Wichtiger Hinweis: Der Trend auf sozialen Medien, der einen Zusammenhang zwischen Alltagsstress und einem “Cortisol Face” herstellt, wird von Experten als Unsinn abgetan. Die stressbedingten Cortisolausschüttungen sind zu gering, um die charakteristischen Symptome des Cushing-Syndroms hervorzurufen.

Diagnose und Verzögerungen

Trotz der Schwere der Erkrankung dauert es in Deutschland im Durchschnitt fast fünf Jahre (56 Monate), bis die richtige Diagnose gestellt wird. Dies liegt an mehreren Faktoren: Die extreme Seltenheit der Krankheit führt dazu, dass viele Hausärzte nicht ausreichend mit dem Krankheitsbild vertraut sind. Zudem zeigen Betroffene oft nicht alle klassischen Symptome, und einige Symptome wie Gewichtszunahme oder Stimmungsschwankungen sind unspezifisch und können auf viele andere Ursachen zurückzuführen sein. Ein konkreter Verdacht sollte bei zwei bis drei der elf klassischen Cushing-Symptome bestehen, insbesondere wenn diese altersuntypisch sind. Ein weiterer Grund für die Verzögerung ist der Mangel an spezialisierten Endokrinologen in Deutschland.

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Diagnostische Verfahren

Bei Verdacht auf das Cushing-Syndrom kommen verschiedene Tests zum Einsatz:

  • Klinische Untersuchung und Anamnese: Eine gründliche Befragung zur Krankengeschichte und eine körperliche Untersuchung durch den Arzt.
  • Dexamethason-Hemmtest: Nach Einnahme von künstlichem Cortison (Dexamethason) am Abend wird am nächsten Morgen der Cortisolspiegel im Blut gemessen. Bei Gesunden wird die körpereigene Cortisolproduktion gehemmt, bei Cushing-Patienten bleibt der Wert erhöht.
  • Urin- und Speicheltests: Diese können erhöhte Cortisolwerte nachweisen.
  • Bildgebende Verfahren: Bei Verdacht auf Tumore kommen Magnetresonanztomografie (MRT) der Hirnanhangsdrüse oder Computertomografie (CT) der Nebennieren zum Einsatz. Eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET) kann weitere Stoffwechselaktivitäten im Körper aufzeigen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung des Cushing-Syndroms richtet sich nach der Ursache:

  • Exogenes Cushing-Syndrom: Die Dosis der cortisonhaltigen Medikamente wird schrittweise über Wochen und Monate reduziert, bis sie ganz abgesetzt werden können. Für viele Erkrankungen gibt es heute kortisonfreie Alternativpräparate.
  • Endogenes Cushing-Syndrom: Wenn ein Tumor die Ursache ist, wird dieser operativ entfernt. Bösartige Tumore können zusätzlich bestrahlt oder mit Chemotherapie behandelt werden. Wenn eine Operation nicht möglich ist, kommen Medikamente zum Einsatz, die die Cortisolproduktion in den Nebennieren hemmen. In letzter Instanz kann die Entfernung beider Nebennieren notwendig werden, was eine lebenslange Hormonersatztherapie erfordert.

Prävention und Ausblick

Die frühzeitige Erkennung und Behandlung des Cushing-Syndroms sind entscheidend für die Prognose. Die Einrichtung von Spezial-Ambulanzen und die Führung eines Cushing-Registers tragen dazu bei, die Aufmerksamkeit für diese seltene Erkrankung zu erhöhen, Diagnosemethoden zu verbessern und die medizinische Versorgung zu optimieren, um Folgeschäden zu vermeiden.