Augustiner Alkoholfrei Hell: Eine Tradition braut die Zukunft des Bieres

Augustiner, die ehrwürdige und traditionelle Brauerei aus München, bekannt für ihre diskrete Zurückhaltung und ihr tiefes Bekenntnis zur bayerischen Braukunst, hat kürzlich eine Neuheit vorgestellt, die in der Bierwelt für Aufsehen sorgt: das „Augustiner Alkoholfrei Hell“. Nach 38 Jahren ohne eine einzige neue Biersorte in ihrem Portfolio betrat Augustiner damit als letzter der „großen Sechs“ Münchner Brauereien den Markt für alkoholfreies Bier.

Die erste Andeutung auf Instagram löste eine Welle von Reaktionen aus – von purer Empörung über die Möglichkeit eines alkoholfreien Bieres bis hin zu gespannter Erwartung. Doch für Kenner der Branche war sofort klar: Wenn Augustiner diesen Schritt wagt, dann mit höchstem Qualitätsanspruch. Die Brauerei ist berühmt für ihr Engagement für Qualität und Präsentation; sie betreibt beispielsweise noch immer eine eigene Küferei, um sicherzustellen, dass ihr beliebtes Oktoberfestbier in traditionellen 200-Liter-Holzfässern, den „Hirsch“, ausgeschenkt werden kann. Ein schlecht aufgenommenes alkoholfreies Bier hätte den Ruf der Brauerei nachhaltig schädigen können.

Am Montag, den 18. März 2024, bestätigten sich die Gerüchte, als Augustiner ihr neues Bier offiziell präsentierte. Die Neugier war groß, und frühe Berichte, wie der der Süddeutschen Zeitung (in einer archivierten Version ohne Paywall), gaben erste Einblicke. Besonders auffällig war die Offenheit, mit der Augustiner über seine Produktionsmethode sprach. Dies ist ein entscheidender Faktor, der auch bei anderen alkoholfreien Optionen, wie einem köstritzer schwarzbier alkoholfrei, eine Rolle spielt, um Transparenz und Vertrauen zu schaffen.

Das Geheimnis hinter dem Geschmack: Augustiners Brauverfahren

Grundsätzlich gibt es zwei Hauptmethoden zur Herstellung von alkoholfreiem Bier. Die eine ist die gestoppte oder eingeschränkte Gärung, bei der eine zuckerarme Würze verwendet oder die Fermentation frühzeitig abgebrochen wird. Dies kann jedoch zu einem süßlich-malzigen, fast „würzigem“ Geschmack führen. Die andere Methode ist die physikalische Entalkoholisierung, bei der ein normales Bier gebraut und der Alkohol anschließend, oft durch Kaltdestillation, entzogen wird. Diese Methode kann das Bier manchmal dünn, wässrig und leicht säuerlich machen.

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Augustiner hat sich für einen innovativen Ansatz entschieden: eine Mischung aus beiden Methoden. Dies deckt sich mit Erkenntnissen aus wissenschaftlichen Publikationen, wie dem 2022 erschienenen Artikel „Effect of Production Technique on Pilsner-Style Non-Alcoholic Beer (NAB) Chemistry and Flavor“ von Nils Rettberg und Scott Lafontaine. Die Studie kam zu dem Schluss, dass das Blenden von alkoholfreien Bieren aus eingeschränkter Gärung und Vakuum-Entalkoholisierung ein harmonischeres und geschmacklich überzeugenderes Ergebnis liefert, das in Blindverkostungen oft besser abschneidet als Biere, die nur mit einer Methode hergestellt wurden. Ein weiterer wichtiger Punkt war, dass mehr Hopfenverbindungen, beispielsweise durch späte Hopfengaben oder Dry-Hopping, unerwünschte Fehlaromen in alkoholfreien Bieren maskieren können. Während der Artikel Pilsner-Biere behandelt, scheint dieser Ansatz auch für das leichter gehopfte Helle von Augustiner erfolgreich zu sein. Dies zeigt, dass die Brauerei nicht nur auf Tradition, sondern auch auf fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse setzt, um hochwertige alkoholfreie Biersorten zu kreieren, sei es ein Helles oder eine andere alkoholfreie Spezialität.

Ein Geschmackserlebnis, das überzeugt

Die ersten Verkostungsnotizen, beispielsweise von Mareike Hasenbeck, beschreiben das Augustiner Alkoholfrei Hell als ein Bier mit einem frischen, würzigen und malzigen Aroma, untermauert von einem Hauch Schwefel. Der Geschmack sei malzig-brotig mit Zitrusnoten und ebenfalls einer leichten Schwefeligkeit, begleitet von reichlich Kohlensäure am Gaumen und einem spürbaren Hopfenbitter im Abgang. Es scheint, als hätte Augustiner möglicherweise die Hopfengabe im Vergleich zu ihrem regulären Helles leicht erhöht, um ein runderes und ansprechenderes Gesamtprofil zu erzielen.

Das erklärte Ziel Augustiners war es nicht, eine 1:1-Kopie ihres Flaggschiffs, des Augustiner Lagerbier Hell, zu schaffen, sondern ein hervorragendes alkoholfreies Bier, das ihren hohen Ansprüchen genügt. Besonders beeindruckend ist Hasenbecks Beobachtung, dass Laien, also weniger geübte Biertrinker, direkt aus dem Kühlschrank serviert, kaum bemerken würden, dass es sich um ein alkoholfreies Bier handelt.

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Dies ist ein entscheidender Punkt. Wenn ein regelmäßiger Biertrinker unter optimalen Bedingungen nicht bemerkt, dass das Bier alkoholfrei ist (oder zumindest weniger als 0,5 Volumenprozent Alkohol enthält), dann ist ein Produkt geschaffen worden, das die Konsumenten zufriedenstellt. Für viele ist es dann keine Frage mehr, ob sie die reguläre oder die alkoholfreie Version trinken – es geht um den Genuss. Manchmal wird sogar die alkoholfreie Version bevorzugt, um beispielsweise nicht zu schnell beschwipst zu werden. Ein vergleichbares Erlebnis bietet auch ein gut gemachtes alkoholfreies Schwarzbier, das ebenfalls eine vollmundige Alternative darstellt.

Bisher kam diesem Ideal für mich persönlich nur Guinness 0.0 nahe, dessen Fassbier-Variante aus der Nitro-Dose eine Offenbarung war. Es bleibt für mich das überzeugendste alkoholfreie Bier, auch wenn es leider noch nicht offiziell in Deutschland erhältlich ist. Eine weitere bemerkenswerte Option ist das Riedenburger Dolden Null, ein deutsches alkoholfreies IPA, das seinen malzigen Grundgeschmack geschickt unter einer kräftigen Hopfung verbirgt.

Die Zukunft des alkoholfreien Bieres in Deutschland

Alles, was bisher über das Augustiner Alkoholfrei Hell zu lesen war, lässt darauf schließen, dass Augustiner Ähnliches wie Guinness gelungen sein könnte: ein überzeugendes alkoholfreies Helles auf den Markt zu bringen, das selbst anspruchsvolle Augustiner-Fans begeistern wird, die normalerweise kein alkoholfreies Bier wählen würden. Dies ist eine bedeutende Entwicklung, die die Landschaft und die Erwartungen an die Qualität von alkoholfreiem Bier in Bayern und ganz Deutschland nachhaltig verändern könnte. Die steigende Nachfrage nach hochwertigen alkoholfreien Optionen, wie auch die Popularität von köstritzer schwarzbier alkoholfrei zeigt, unterstreicht diesen Trend.

Ich selbst habe das neue Bier noch nicht probieren können, und es scheint in Berlin noch nicht angekommen zu sein. Ein Großhändler in Charlottenburg schätzte die Ankunftszeit auf 3 bis 4 Wochen, während ein bekanntes Augustiner-Restaurant in Regierungsnähe von 4 bis 8 Wochen sprach. Ben hingegen hatte bereits die Gelegenheit, das Bier im Augustinerkeller in München zu kosten und bezeichnete es als „wenig überraschend exzellent“. Seine positiven Eindrücke bestärken die Hoffnung, dass das Augustiner Alkoholfrei Hell tatsächlich ein „Game Changer“ sein wird.

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Interessanterweise hat seit der Veröffentlichung des Augustiner Alkoholfrei Hell auch Tegernseer angekündigt, an einem eigenen alkoholfreien Helles zu arbeiten. Der Wettbewerb um das beste alkoholfreie Bier ist damit definitiv eröffnet und wird den Markt für alkoholfreie Biersorten, einschließlich weiterer Spezialitäten wie köstritzer schwarzbier alkoholfrei, weiter vorantreiben.

P.S.: Falls Sie sich fragen, welches Bier Augustiner vor 38 Jahren zuletzt auf den Markt brachte: Es war ihr Hefeweizen.