Die Kunst des Brotbackens fasziniert viele, doch die Wahl des richtigen Equipments kann oft Fragen aufwerfen. Während Backsteine, Backstähle und Gusseisentöpfe für ihre Fähigkeit bekannt sind, herausragende Krusten und einen beeindruckenden Ofentrieb zu erzeugen, fragen sich viele Hobbybäcker, ob auch ein einfaches Backblech für qualitativ hochwertige Ergebnisse ausreicht. Die gute Nachricht ist: Ja, absolut! Auch wenn es einige Unterschiede gibt, lässt sich auf einem Backblech exzellentes Brot und insbesondere feine Brötchen zaubern. Dieser umfassende Leitfaden erklärt dir alles, was du wissen musst, um das Beste aus deinem Backblech herauszuholen und perfekte Backwaren zu kreieren.
Hefe-Karottenbrot mit Sonnenblumenkernen und Kruste
Backen auf Backstein und Gusseisen: Warum sie oft als Referenz gelten
Bevor wir uns den Möglichkeiten des Backblechs widmen, ist es hilfreich zu verstehen, warum Backsteine (oder Backstähle) und gusseiserne Töpfe so hoch im Kurs stehen. Der Hauptgrund liegt in ihrer hohen Wärmespeicherkapazität. Sie nehmen über lange Aufheizzeiten (oft 30 bis 60 Minuten) extrem viel Hitze auf und geben diese dann schlagartig an den Teigling ab. Dieser direkte, intensive Hitzeschub ist entscheidend für den sogenannten “Ofentrieb”: Das Brot geht schnell und kräftig auf, noch bevor sich die äußere Teighaut verfestigt. Dies führt zu einem voluminösen Brot mit einer tollen, aufgerissenen Kruste.
Auch auf einem Backblech kann Brot gebacken werden
Obwohl Backstein oder Gusseisen oft die erste Wahl sind, ist das Backblech eine absolut praktikable und oft unterschätzte Alternative. Gerade für Einsteiger, die sich nicht sofort einen teuren Backstein oder Gusstopf anschaffen möchten, oder für Gelegenheitsbäcker, die nicht noch ein weiteres Küchengerät lagern wollen, bietet das Backblech eine hervorragende Lösung. Insbesondere mit einem professionellen Backblech lassen sich erstaunliche Ergebnisse erzielen.
Professionelles Backblech mit Brot
Die Nachteile des Backblechs im Detail
Der entscheidende Unterschied zwischen einem Backblech und einem Backstein liegt in der Wärmespeicherung. Ein herkömmliches Backblech ist in der Regel nur wenige Millimeter dünn und besteht aus Stahlblech oder Aluminium. Diese Materialien leiten Wärme zwar gut, können aber aufgrund ihrer geringen Masse nur wenig Energie speichern. Wenn du einen kalten Teigling auf das heiße Blech legst, sinkt die Oberflächentemperatur sofort. Das Blech kühlt merklich ab, und der Teigling erhält nicht den kräftigen Wärmeschub von unten, der für einen maximalen Ofentrieb erforderlich wäre. Dies kann dazu führen, dass die Unterseite heller bleibt und das Brot weniger Stand entwickelt, besonders bei sehr weichen Teigen.
Unterschied zwischen Backblech, Backstein und Gusseisen-Topf
Bei einem Pizzastein aus Schamotte hingegen ist die Wärmekapazität hoch; er bleibt auch beim Einschießen eines Brotes stabil heiß und liefert einen konstanten Hitzestoß von unten, was zu einem kräftigeren Aufgehen und einer gleichmäßigeren Kruste führt. Backstahl und Gusstopf sind hier noch extremer: Ihre hohe Wärmeleitfähigkeit sorgt für eine sehr schnelle Energieabgabe, was einen besonders starken Ofentrieb und eine dunkle, knusprige Unterseite bewirkt. Auf dem Blech ist die Unterseite oft heller, und das Brot entwickelt weniger Stand.
Hefebrot im Ofen mit Backstein und Schwader
Schnelles Topfbrot mit wilder Kruste
Dennoch gibt es effektive Tricks, um diesen Nachteilen entgegenzuwirken und auch auf dem Backblech exzellente Backergebnisse zu erzielen. Es zeigt sich, dass die Wahl der Unterlage beim Brotbacken entscheidend ist und gut überlegt sein will, ob Backstein, Backstahl, Rost oder Backblech zum Einsatz kommen.
Brötchen backen auf einem Backblech: Eine Erfolgsgeschichte
Wenn es um Brötchen geht, sieht die Sache etwas anders aus. Brötchen benötigen nicht denselben massiven Hitzeeintrag und Ofentrieb wie große Brote. Sie kühlen das Blech durch ihre geringere Masse nicht so stark aus. Ich backe des Öfteren Brötchen-Teiglinge sehr erfolgreich auf einem Backblech, und das hat einen praktischen Vorteil: Die Vorheizdauer ist kürzer. Gerade am Morgen ist das ein Segen, wenn das Frühstück mit frischen tk brötchen nicht lange auf sich warten lassen soll. Auch fertig coppenrath und wiese brötchen heißluftfritteuse oder vom Discounter wie coppenrath und wiese brötchen lidl lassen sich hervorragend auf dem Backblech aufbacken.
Karotten-Spitzwecken auf dem Backblech
Diese Brotsorten gelingen hervorragend auf dem Backblech
Es gibt bestimmte Brote, die sich besonders gut für das Backen auf einem Backblech eignen:
- Brote mit festerem Teig: Diese fließen auf dem Blech nicht so leicht auseinander und behalten ihre Form gut bei.
- Kastenbrote: Hier halten die Wände der Kastenform den Teig zusammen, sodass ein langsamerer Ofentrieb kein Problem darstellt. Die Wände der Form sorgen für Stabilität und eine schöne Form.
- Brote mit weicher Kruste: Gebäcke wie Brioche oder ein Zopf, die keine extrem knusprige oder stark aufgerissene Kruste benötigen, gelingen wunderbar auf dem Backblech.
- Ciabatta oder Baguette: Auch wenn Bäcker oft spezielle gelochte Bleche verwenden, lassen sich diese Brote mit etwas Übung und den richtigen Tricks auch auf einem Standard-Backblech gut backen.
Alle anderen Brote können ebenfalls auf einem aufgeheizten Backblech gebacken werden, werden aber in der Regel nicht so voluminös wie auf einem Backstein oder im Topf.
Professionelles Backblech mit Kastenbrot
Zweites professionelles Backblech mit Kastenbrot
Joghurt-Kastenbrot
Welche Brote lieber nicht auf dem Backblech gebacken werden sollten
Einige Brotsorten sind aufgrund ihrer Eigenschaften weniger für das Backen auf einem herkömmlichen Backblech geeignet:
- Gebäcke, die schnell viel Hitze benötigen: Dazu gehören bestimmte Ciabatta-Varianten (außer auf gelochtem Blech) oder andere Brote mit sehr weichem Teig, die einen explosiven Ofentrieb für eine luftige Krume brauchen.
- Freigeschobene, roggenlastige Brote: Roggenteige sind oft weicher und neigen dazu, in die Breite zu laufen. Sie profitieren stark von der stabilen Hitze eines Backsteins, um ausreichend Stand zu entwickeln und unschöne “Wasserstreifen” in der Krume zu vermeiden.
- Krustenbrote, die stark aufreißen sollen: Da der Ofentrieb auf dem Backblech geringer ist, reißt die Kruste bei diesen Broten oft nicht so schnell und stark auf, wie es wünschenswert wäre.
Die richtige Vorbereitung für optimale Backergebnisse auf dem Backblech
Damit das Backen von Brot oder Brötchen auf einem Backblech zu einem Vergnügen wird und die Ergebnisse überzeugen, ist die richtige Vorbereitung entscheidend:
- Ofen kräftig vorheizen: Heize den Ofen mindestens 20 Minuten lang auf mindestens 250 °C Ober- und Unterhitze vor. Umluft ist hierfür nicht optimal.
- Backblech mit vorheizen: Das Backblech sollte unbedingt direkt mit im Ofen aufgeheizt werden, damit es die größtmögliche Temperatur erreicht, bevor der Teigling darauf platziert wird.
- Blechposition: Platziere das Blech im unteren Drittel des Ofens. So ist es näher am Ofenboden, wo die Hitze oft am intensivsten ist.
- Teiglinge auflegen: Gib den Brot- oder Brötchen-Teigling am besten direkt auf das heiße Backblech.
- Alternative mit Backpapier: Eine einfache Lösung ist die Verwendung von Backpapier oder einer Dauerbackfolie. Rolle den Teigling darauf und ziehe das Backpapier dann einfach auf das heiße Blech. Dieser Weg ist besonders bei Brötchen schnell und verhindert, dass die Ofentür lange offen bleiben muss.
- Ofentür nur kurz öffnen: Halte die Ofentür so kurz wie möglich geöffnet, um den Temperaturverlust im Ofenraum zu minimieren. Jedes Grad zählt, um den schwächeren Hitzeeintrag des Backblechs auszugleichen.
- Dampf ist entscheidend: Sorge für ausreichend Dampf im Ofen (Schwaden). Der Dampf hält die Teighaut dehnbar und verhindert, dass sie zu schnell verfestigt, bevor der Teigling ausreichend aufgehen konnte.
Die entscheidende Rolle des Dampfes beim Backen auf Backblech
Ohne ausreichend Dampf verfestigt sich die Kruste zu früh, und dein Brot kann nicht richtig aufgehen. Dies gilt auf dem Backblech sogar noch mehr als bei der Verwendung eines Backsteins oder Topfes. Deshalb ist es unerlässlich: Für die ersten 10 Minuten des Backvorgangs ordentlich zu schwaden bzw. zu bedampfen. Dies lässt sich auf verschiedene Weisen erreichen:
- Hitzebeständige Schale mit heißem Wasser: Stelle eine hitzebeständige Schale voller kochend heißem Wasser während des Vorheizens in den Ofen.
- Sprühflasche: Besprühe den Ofeninnenraum (nicht das Brot selbst) direkt nach dem Einschießen des Brotes kräftig mit Wasser aus einer Sprühflasche.
- Lavasteine oder Edelstahlschrauben: Wer den Dampf intensiver abgeben möchte, legt zusätzlich ein paar Lavasteine oder Edelstahlschrauben in die Wasserschale. Diese speichern Hitze und setzen den Dampf effektiver frei.
Beispiel für ein Schwadegefäß für die Bedampfung: Aus Lavasteinen und einer Edelstahlschüssel
Schwadegefäß mit Edelstahlschrauben zur Dampferzeugung
Professionelle Backbleche: Eine lohnende Investition
Eine interessante Alternative, die zwischen einem haushaltsüblichen Backblech und einem Backstein liegt, sind professionelle Backbleche. Beispielsweise gibt es Aluminium-Backbleche mit Perforation. Durch viele kleine Löcher im Blech können sowohl Hitze als auch Luft besser an den Boden der Teiglinge gelangen. Dadurch backen diese ähnlich gut auf wie bei einem Backstein oder Gusstopf. Die Aufheizzeit ist deutlich verkürzt, und das Ergebnis ist bei den meisten Broten sehr gut.
Diese Bleche sind eine sinnvolle Investition für alle, die nicht ständig Brot backen, aber dennoch Wert auf gute Qualität legen. Zudem sind sie vielseitig einsetzbar und eignen sich auch hervorragend für Hefegebäck, Pizza, Flammkuchen, Kuchen und viele andere Backwaren, ohne dass der Ofen lange vorgeheizt werden muss.
Grundausstattung Brotbacken: Helferlein und Backblech
Häufig gestellte Fragen (FAQs) zum Brotbacken auf einem Backblech
Warum wird mein Brot auf dem Blech nicht so knusprig wie im Topf?
Im Topf wird die Feuchtigkeit aus dem Teig eingeschlossen, wodurch eine feuchtere Backumgebung entsteht, die der Krustenbildung zugutekommt. Auf dem Blech musst du aktiv für Dampf sorgen und gegebenenfalls etwas länger backen. Zudem ist der Ofentrieb geringer, wodurch die Kruste nicht so stark und schön aufreißt.
Kann ich auch Roggenbrote auf dem Blech backen?
Ja, das ist möglich. Allerdings sind Roggenteige meist weicher und neigen dazu, in die Breite zu laufen. Verwende am besten eine Kastenform, um dem Teig Halt zu geben, oder achte darauf, dass der Teigling ausreichend Spannung und Stand hat. Bei zu wenig Hitze können Roggenbrote unschöne Wasserstreifen in der Krume entwickeln.
Mein Brot klebt am Blech fest – was tun?
Backpapier oder eine Dauerbackfolie sind die einfachste und effektivste Lösung, um Ankleben zu verhindern. Wenn du das Blech pur verwendest, hilft ein kräftiges Bemehlen des Blechs mit Roggenmehl oder Grieß, bevor du den Teigling daraufsetzt.
Wie bekomme ich die Unterseite meines Brotes dunkler und knuspriger?
Backe dein Brot auf dem Backblech im unteren Drittel des Ofens. Das Blech sollte immer gut vorgeheizt werden. Professionelle Backbleche mit Perforation fördern eine bessere Luftzirkulation und sorgen oft für knusprigere Böden.
Kann ich mehrere Brote gleichzeitig auf einem Backblech backen?
Ja, das ist prinzipiell möglich. Beachte jedoch, dass das Blech durch mehr Teiglinge noch stärker abgekühlt wird, was den Ofentrieb weiter reduziert. Für optimale Ergebnisse empfiehlt es sich, nur ein Brot auf einmal zu backen, um eine konstante Hitzewirkung zu gewährleisten.
Warum läuft mein Teig auf dem Blech in die Breite?
Auf dem Blech fehlt die seitliche Begrenzung, die eine Form oder ein Topf bietet. Besonders weiche Teige ohne genügend Oberflächenspannung neigen deshalb zum Flachwerden, da auch der explosive Ofentrieb durch zu geringe Hitzeeinwirkung von unten ausbleibt. Hier helfen ein straffes Rund- oder Langwirken des Teiglings und gegebenenfalls eine etwas festere Teigführung (weniger Wasser im Teig).
Kann ich das Backblech auch umdrehen und den Teig auf der Rückseite backen?
Viele Hobbybäcker praktizieren dies tatsächlich. Auf der umgedrehten Rückseite des Blechs lässt sich der Teigling leichter herunterrutschen, besonders wenn du mit einem Brotschieber arbeitest. Die flache Oberfläche erleichtert das Platzieren und Entfernen des Brotes.
Fazit: Das Backblech – Ein wertvoller Partner in deiner Backstube
Das Backblech ist weit mehr als nur eine Notlösung für Brot und Brötchen. Mit dem richtigen Wissen und ein paar cleveren Tricks kann es zu einem äußerst vielseitigen und effektiven Werkzeug in deiner Backstube werden. Es ermöglicht dir, eine große Bandbreite an Backwaren herzustellen, von rustikalen Kastenbroten bis hin zu feinen Brötchen, ohne dass du in spezielle, teure Ausrüstung investieren musst. Experimentiere mit den hier vorgestellten Tipps zur Vorbereitung, zum Dampf und zur Blechpositionierung. Du wirst überrascht sein, wie einfach es ist, auf einem einfachen Backblech hervorragende Ergebnisse zu erzielen. Lass dich nicht entmutigen, wenn es nicht sofort perfekt ist – Übung macht den Meister!
