Ernährung bei Pankreaserkrankungen: Expertenrat für ein besseres Wohlbefinden

Die Bauchspeicheldrüse, auch Pankreas genannt, ist ein zentrales Organ für unsere Verdauung und die Regulation des Blutzuckerspiegels. Bei einer Erkrankung dieses Organs kann es zu erheblichen Einschränkungen bei der Nährstoffaufnahme und einer gestörten Blutzuckerregulation kommen. Doch wie können Betroffene ihre Ernährung optimal anpassen und welche Aspekte sind dabei besonders wichtig? Eine Veranstaltung der Selbsthilfegruppe „Arbeitskreis der Pankreatektomierten“ (AdP e.V.) im Klinikum Bremen-Mitte beleuchtete diese entscheidenden Fragen, bei der Experten wertvolle Einblicke gaben, um den stoffwechsel ankurbeln und die Lebensqualität zu verbessern.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen die richtige Ernährung bei Pankreaserkrankungen, schwerverdauliche Lebensmittel, die Ursachen für Stuhlgangsveränderungen und der Einfluss der Ernährung auf den Blutzucker. Diplom-Ökotrophologin und Diabetesberaterin DDG Irmela Ubben vom Klinikum Bremen-Mitte teilte ihr umfassendes Wissen und beantwortete die individuellen Fragen der Teilnehmenden. Begleitet wurde sie von Prof. Dr. med. Johann Ockenga, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologe, sowie Dr. med. Lotta Gäwert, Oberärztin der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Onkologischen Chirurgie, die ebenfalls wertvolle medizinische Perspektiven einbrachten.

Warum die richtige Ernährung bei Pankreaserkrankungen entscheidend ist

„Bei einer Pankreaserkrankung besteht ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung und Gewichtsverlust“, betonte Irmela Ubben. Die Hauptursachen hierfür sind eine unzureichende Produktion von Verdauungsenzymen sowie Schmerzen, die Betroffene nach dem Essen empfinden und die dazu führen, dass weniger Nahrung aufgenommen wird. Weitere häufige Symptome von Pankreaserkrankungen sind Veränderungen des Stuhlgangs, erhöhte Blutzuckerwerte und Schmerzen im Oberbauch. Beim Auftreten eines oder mehrerer dieser Anzeichen sollte umgehend ein Arzt zur weiteren Abklärung konsultiert werden.

Weiterlesen >>  Fettverbrennung optimieren: So trainieren Sie effizient und effektiv!

Für die optimale Ernährung bei Pankreaserkrankungen empfiehlt Ubben eine ausgewogene Kost, die sich an den zehn Ernährungsregeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) orientiert. Dazu gehört nicht nur eine vielfältige Lebensmittelwahl, sondern auch das gründliche Kauen der Speisen. Besonders wichtig ist es, auf individuelle Unverträglichkeiten zu achten und die Ernährung entsprechend anzupassen.

Grundprinzipien der Ernährung: Die 10 Regeln der DGE anpassen

Ein maßgeschneiderter Ernährungsplan kann helfen, einer Mangelernährung entgegenzuwirken. Sollte dies allein nicht ausreichen, ist eine Ergänzung der Ernährung durch Enzyme in Kapsel- oder Tablettenform möglich. Um das Fortschreiten der Erkrankung zu vermeiden oder vorzubeugen, sollte man unbedingt auf Alkohol und Nikotin verzichten. Ein weiterer Risikofaktor, der eng mit der Ernährung zusammenhängt, sind erhöhte Blutfettwerte, die ebenfalls durch eine bewusste Lebensmittelauswahl beeinflusst werden können.

Die 10 Tipps zur gesunden Ernährung der DGE bieten eine hervorragende Grundlage, die bei Pankreaserkrankungen mit einigen Anpassungen angewendet werden kann:

  1. Lebensmittelvielfalt genießen: Essen Sie abwechslungsreich und nutzen Sie die gesamte Bandbreite an Lebensmitteln, wobei pflanzliche Produkte den Großteil ausmachen sollten.
  2. Gemüse und Obst – nimm „5 am Tag“: Ziel sind mindestens drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst täglich. Dazu gehören auch Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und weiße bohnen gesund sowie ungesalzene Nüsse.
  3. Vollkorn wählen: Greifen Sie bei Getreideprodukten wie Brot, Nudeln, Reis und Mehl bevorzugt zur Vollkornvariante, da diese mehr Ballaststoffe und Nährstoffe liefert.
  4. Mit tierischen Lebensmitteln die Auswahl ergänzen: Konsumieren Sie täglich Milch und Milchprodukte. Fisch sollte ein- bis zweimal pro Woche auf dem Speiseplan stehen. Wenn Sie Fleisch essen, beschränken Sie die Menge auf 300 bis 600 Gramm pro Woche.
  5. Gesundheitsfördernde Fette nutzen: Bevorzugen Sie pflanzliche Öle wie Rapsöl und daraus hergestellte Streichfette. Achten Sie auf versteckte Fette in verarbeiteten Lebensmitteln wie Wurst, Gebäck, Süßwaren oder Fertigprodukten, welche oft einen hohen Anteil an kohlenhydratarme ernährung oder unnötigen Fetten aufweisen können.
  6. Zucker und Salz einsparen: Stark zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke sind nicht empfehlenswert und sollten gemieden oder nur sparsam verwendet werden. Reduzieren Sie auch Ihren Salzkonsum und würzen Sie stattdessen kreativ mit frischen Kräutern und Gewürzen.
  7. Am besten Wasser trinken: Trinken Sie täglich etwa 1,5 Liter, vorzugsweise Wasser oder ungesüßten Tee. Zuckergesüßte und alkoholische Getränke sind nicht zu empfehlen.
  8. Schonend zubereiten: Garen Sie Lebensmittel so kurz wie möglich und mit wenig Wasser und Fett. Vermeiden Sie das Verbrennen beim Braten, Grillen, Backen und Frittieren.
  9. Achtsam essen und genießen: Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Mahlzeiten, essen Sie langsam und bewusst, um die Verdauung zu unterstützen.
  10. Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben: Regelmäßige körperliche Aktivität und ein gesundes Gewicht sind essenziell für das allgemeine Wohlbefinden. Konzepte wie essen mit wenig kalorien das satt macht können hierbei eine gute Unterstützung bieten.
Weiterlesen >>  Effektiver Ernährungsplan zum Abnehmen: Dein Weg zu Wohlbefinden und Traumgewicht

Expertenaustausch und individuelle Lösungen

Die Veranstaltung im Klinikum Bremen-Mitte bot einen wertvollen Rahmen für den Austausch der Teilnehmenden untereinander und mit den anwesenden Experten. Es wurde deutlich, wie wichtig ein interdisziplinäres Team aus Ökotrophologen und Medizinern ist, um Pankreaserkrankten eine umfassende Betreuung zu bieten. Eine angepasste Ernährungsweise ist dabei ein fundamentaler Pfeiler für mehr Wohlbefinden und zur Vermeidung von Komplikationen.

Fazit: Persönliche Strategien für ein besseres Leben mit Pankreaserkrankungen

Die Verwaltung einer Pankreaserkrankung erfordert eine ganzheitliche Herangehensweise, bei der die Ernährung eine zentrale Rolle spielt. Durch die Beachtung der DGE-Richtlinien und eine auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Diät können Betroffene Mangelernährung vorbeugen, Symptome lindern und ihre Lebensqualität erheblich verbessern. Konzepte wie eine stoffwechseldiät können in Absprache mit Fachpersonal ebenfalls hilfreich sein, um den Körper optimal zu unterstützen. Es ist entscheidend, bei Fragen oder Unsicherheiten stets medizinischen Rat einzuholen und eng mit Ärzten und Ernährungsberatern zusammenzuarbeiten, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Investieren Sie in Ihre Gesundheit – Ihr Pankreas wird es Ihnen danken!

Quelle: www.dge.de – 10/2022