Jüdisches Erbe im deutschen Fußball: Die Geschichte von Kurt Landauer und dem FC Bayern

Deutschland, ein Land reich an Geschichte und Kultur, birgt viele faszinierende Geschichten, die es zu entdecken gilt. Eine davon ist untrennbar mit der Welt des Fußballs verbunden und beleuchtet ein oft übersehenes Kapitel der deutschen Vergangenheit: die Rolle jüdischer Persönlichkeiten im deutschen Fußball vor und während der NS-Zeit. Dieser Artikel taucht tief ein in die ereignisreiche Geschichte des FC Bayern München und Eintracht Frankfurt, insbesondere rund um das deutsche Meisterschaftsfinale von 1932, und ehrt das Vermächtnis von Männern wie Kurt Landauer, einem visionären Präsidenten des FC Bayern. Es ist eine Erzählung über Triumph, Verfolgung und die späte Erinnerung an ein wichtiges Stück deutscher Sportgeschichte, die uns bis heute prägt. Erfahren Sie mehr über historische Spiele und die Entwicklung des Fußballs, beispielsweise den 2. Bundesliga 22/23.

Das historische Meisterschaftsfinale 1932: FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt

Am 12. Juni 1932 trafen der FC Bayern München und Eintracht Frankfurt im Finale der Deutschen Fußballmeisterschaft im Nürnberger Stadion aufeinander. Diese Begegnung war eine Wiederholung des süddeutschen Meisterschaftsspiels vom Frühjahr, das Eintracht Frankfurt mit 2:0 für sich entschieden hatte. Doch im Endspiel drehte der FC Bayern den Spieß um: Mit einem 2:0-Sieg über Frankfurt krönten sich die Münchner zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte zum deutschen Meister.

Dieses denkwürdige Spiel wurde auf 16mm-Schmalfilm festgehalten, dessen Aufnahmen heute im Archiv des Leo Baeck Institute zu finden sind. Die Filmbilder zeugen nicht nur vom sportlichen Erfolg des FC Bayern, sondern auch von einer Ära, in der der Fußball in Deutschland eine ganz andere gesellschaftliche Rolle spielte und noch nicht die düsteren Schatten der kommenden Jahre erahnen ließ.

Die “jüdischen Vereine” im deutschen Fußball und ihr Kontext

Die Begegnung von 1932 war besonders bemerkenswert, da sowohl der FC Bayern München als auch Eintracht Frankfurt damals als sogenannte “Judenklubs” galten. Entgegen weit verbreiteter Klischees waren Juden nicht nur begeisterte Sportler, sondern auch äußerst erfolgreich, wie die zahlreichen jüdischen Medaillengewinner bei Olympischen Spielen belegen. Auch im Fußball gab es vor der Shoah eine beeindruckende Zahl jüdischer Nationalspieler in ganz Europa. Weltweit entstanden jüdische Sport- und Fußballklubs, und jüdische Mäzene, Funktionäre und Fans prägten den Fußballbetrieb maßgeblich.

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Ein prominentes Beispiel ist Eintracht Frankfurt. Der Historiker Peter Gay, der in Frankfurt aufwuchs, beschrieb, wie der Verein für seinen Vater und ihn zur “Heimat” wurde. Die Eintracht wurde finanziell von einer jüdischen Schuhfabrik unterstützt, und einer ihrer Inhaber, Walter Neumann, führte den Klub über Jahre. Dies führte dazu, dass der Verein oft als “Judenclub” bezeichnet wurde und seine Anhänger auf dem Weg zum Finale 1932 in Nürnberg rassistischen Anfeindungen ausgesetzt waren.

Auch der FC Bayern hatte von Anfang an eine starke jüdische Prägung. Unter seinen Gründern und Spielern befanden sich Juden, darunter Walther Bensemann, der spätere Gründer des berühmten “Kicker”-Magazins. Im Jahr 1932 wurde der “jüdische Charakter” des FC Bayern maßgeblich durch seinen Präsidenten Kurt Landauer und den österreichischen Trainer Richard Dombi (Kohn) geprägt.

Der Aufstieg des Nationalsozialismus und seine Auswirkungen auf den Sport

Das Meisterschaftsfinale von 1932 fand nur etwa ein halbes Jahr vor der nationalsozialistischen Machtübernahme statt. Bereits kurz nach dem Halbfinale 1932, als der FC Bayern den 1. FC Nürnberg schlug, zeigten sich erste Vorboten des drohenden Unheils. Der Nürnberger Gauleiter Julius Streicher forderte im antisemitischen Hetzblatt Der Stürmer den Rauswurf des jüdischen Trainers des 1. FCN, Jenö Konrad. Konrad musste daraufhin fluchtartig die Stadt verlassen.

Nur zwei Monate nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, am 9. April 1933, unterzeichneten 14 Fußballklubs, darunter auch der FC Bayern und Eintracht Frankfurt, die sogenannte Stuttgarter Erklärung. Darin bekundeten sie ihre Bereitschaft, “alle Folgerungen, insbesondere in der Frage der Entfernung der Juden aus den Sportvereinen zu ziehen.” Dieser Akt des vorauseilenden Gehorsams führte zur Vertreibung jüdischer Amtsträger, Funktionäre und Sportler aus den Vereinen. Kurt Landauer und Richard Dombi beim FC Bayern sowie Walter Neumann bei der Eintracht waren direkte Opfer dieser Politik. Viele jüdische Sportler schlossen sich jüdischen Sportvereinen wie Makkabi oder Der Schild an, die einen enormen Zulauf erlebten und bis zu 40.000 Mitglieder zählten. Erfahren Sie mehr über die Geschichte des deutschen Fußballs, zum Beispiel den aktuellen FCK Spielplan.

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Die Vertreibung und Ermordung von Juden fand ihren tragischen Höhepunkt in der Deportation jüdischer Sportler ab Oktober 1941, wie im Fall des ehemaligen Nationalspielers Julius Hirsch, der 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Die Nazis löschten nicht nur die Existenz dieser Menschen, sondern versuchten auch, ihre Namen aus den Annalen der Vereine zu tilgen. Während der NS-Zeit sanken die Leistungen des FC Bayern und der Eintracht ins Mittelmaß, während der NS-Vorzeigeklub FC Schalke 04 sechsmal die Meisterschaft gewann.

Die systematische Erforschung der Geschichte des Ausschlusses der Juden aus dem deutschen Fußball im Dritten Reich begann erst in den letzten zwei Jahrzehnten. Heute bemühen sich Vereine wie der FC Bayern und Eintracht Frankfurt aktiv um die Erinnerung an das Schicksal ihrer ehemaligen jüdischen Mitglieder.

Kurt Landauer: Vom Ruhm in die Emigration und zurück

Die Geschichte von Kurt Landauer, dem jüdischen Unternehmer und visionären Präsidenten des FC Bayern München, ist ein ergreifendes Beispiel für die Erfahrungen vieler Juden in Deutschland. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stieß die Aufarbeitung seiner Geschichte durch den Ultras-Fanclub “Schickeria” zunächst auf Distanz seitens der Vereinsführung. Doch im Vorfeld der WM 2006 begann eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema “Juden im deutschen Fußball”. Die “Schickeria” organisiert seit 2006 das “Kurt-Landauer-Turnier” und erhielt 2014 für ihr Engagement den Julius-Hirsch-Preis des DFB. Filme wie “Landauer. Der Präsident” (2014) und “Kick it like Kurt” (2010) würdigten sein Leben.

Kurt Landauer (1884–1961), dessen Familie ein Modegeschäft in München besaß, wurde 1901 Mitglied und Spieler des FC Bayern. 1913 erstmals zum Präsidenten gewählt, meldete er sich bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs freiwillig zum Militär. Nach dem Krieg kehrte er 1919 in sein Amt zurück und prägte den Verein während der gesamten Weimarer Republik maßgeblich. Er forcierte den Ankauf des Geländes an der Säbener Straße, modernisierte den Verein und setzte sich für die Einführung des Profi-Fußballs ein, was zum größten Erfolg führte: der deutschen Meisterschaft 1932. Informieren Sie sich über aktuelle Fußballereignisse, wie zum Beispiel den DFB Pokal heute live.

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Nur sieben Monate nach diesem Triumph wurde Hitler Reichskanzler. Landauer wurde bereits am 22. März 1933 zum Rücktritt gezwungen, da ein Jude als Präsident eines Sportvereins für das nationalsozialistische Regime inakzeptabel war. 1938 wurde er im Zuge der Novemberpogrome verhaftet und ins KZ Dachau deportiert. Vier Wochen später entlassen, gelang ihm 1939 die Flucht in die Schweiz, wo er überlebte, während vier seiner Geschwister der “Endlösung” zum Opfer fielen.

Erstaunlicherweise kehrte Landauer im Juni 1947 nach München zurück und wurde nur zwei Monate später erneut zum Präsidenten des FC Bayern gewählt. Dies war auch taktisch motiviert, um von den Besatzungsbehörden die nötige Lizenz zu erhalten. Bei der 50-Jahr-Feier des Vereins 1950 sprach Landauer den bedeutsamen Satz: “Wir wollen die letzten Jahre vergessen.” Doch die Vergessenheit hielt lange an. 1951, nach dem Ende der Besatzungszeit, wurde Landauer bei der Generalversammlung abgewählt – der “Rettungsanker” wurde nicht länger gebraucht. Seine Geschichte blieb lange Zeit im Schatten, doch heute wird sein Vermächtnis als Symbol für Widerstand und die untrennbare Verbindung von jüdischer Geschichte und deutschem Sport wieder lebendig. Bleiben Sie am Ball mit aktuellen Spielen, schauen Sie zum Beispiel den DFB Pokal heute live im ZDF.

Fazit: Erinnerung als Verpflichtung

Die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte im deutschen Fußball, insbesondere die Lebensgeschichte von Kurt Landauer und die Verfolgung jüdischer Sportler, ist ein essenzieller Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur. Sie zeigt nicht nur die Grausamkeiten des Nationalsozialismus auf, sondern auch die Bedeutung von Courage und Widerstand. Für Vereine wie den FC Bayern und Eintracht Frankfurt ist die Pflege dieser Erinnerung eine fortwährende Verpflichtung, um sicherzustellen, dass die Fehler der Vergangenheit niemals wiederholt werden. Es ist ein Aufruf an uns alle, wachsam zu bleiben und die Werte von Respekt, Vielfalt und Toleranz im Sport und in der Gesellschaft hochzuhalten. Tauchen Sie ein in diese tiefgründigen Geschichten und entdecken Sie die vielen Facetten Deutschlands, die oft mehr als nur oberflächliche Betrachtungen erfordern.