Die Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer und ALS stellt nach wie vor eine große Herausforderung in der modernen Medizin dar. In den letzten Jahren hat sich die Forschung verstärkt der Erforschung innovativer Therapieansätze zugewandt, wobei die stromale vaskuläre Fraktion (SVF) aus Fettgewebe zunehmend in den Fokus rückt. Dieser Artikel beleuchtet aktuelle klinische Studien und deren vielversprechende Ergebnisse im Hinblick auf die Behandlung dieser komplexen Erkrankungen.
Vielversprechende Ergebnisse bei Parkinson
Eine bemerkenswerte Fallstudie an zwei Parkinson-Patienten (PD) zeigte eine nachhaltige klinische Verbesserung nach der Behandlung mit transplantierten Fett-SVF-Zellen im Gesichtsbereich. Die verwendete SVF wurde aus dem subkutanen Fettgewebe der Patienten gewonnen und mit speziellen Geräten verarbeitet.
Fallbeispiele und Methodik
- Patient 1: Erhielt 300 ccm Fett mit 73,8 x 10^6 kernhaltigen Zellen (TNC) und einer Vitalität von 85 %. Die Zellfraktion wurde in 0,5 ccm Aliquots in die oberflächliche Faszie und die subaponeurotische Faszie injiziert.
- Patient 2: Erhielt 110 g trockenes Fett mit 68 x 10^6 TNC und einer Vitalität von 90 %. Die SVF-Behandlung erfolgte in die oberflächliche Faszie (SMAS) sowie in die subperichondralen und subperiostalen Ebenen des Nasenknorpels.
Diese neuartige Verabreichungsmethode in blutreiche Regionen des faszialen Gewebes ermöglicht den Zellen den Zugang zur neuronalen Zirkulation über den venösen Abfluss in die ophthalmische und periorbitale Zirkulation.
Langfristige Verbesserungen und Biomarker
Beide Patienten zeigten über einen Zeitraum von 5 Jahren (Patient 1) bzw. 12 Monaten (Patient 2) deutliche Verbesserungen in klinischen Bewertungen. Die PDQ-39-Scores, ein Maß für die Lebensqualität von Parkinson-Patienten, sanken in allen Kategorien, insbesondere im Bereich “Mobilität und Alltagsaktivitäten”. Dies steht im Kontrast zur erwarteten Verschlechterung der Symptome bei fortschreitenden neurologischen Schäden.
Die UPDRS-Scores (Unified Parkinson’s Disease Rating Scale), die motorische Symptome bewerten, nahmen ebenfalls ab, während die Medikation stabil blieb oder reduziert werden konnte. Bemerkenswert ist, dass die “Off”-Medikations-Scores (nach >12 Stunden ohne dopaminerge oder anticholinerge Medikamente) niedriger waren als die Ausgangswerte unter Medikation. Dies deutet auf signifikante Verbesserungen anhand traditioneller Messgrößen hin.
Die Autoren spekulieren über einen langanhaltenden Aktivierungsmechanismus, der durch Signalwege und zelluläre Faktoren ausgelöst wird, welche eine trophone Stimulation des nigrostriatalen Systems bewirken. Erste positive Effekte zeigten sich bereits nach 2 Wochen, erreichten ihren Höhepunkt nach etwa 4–6 Monaten und hielten über den beobachteten Zeitraum an.
Behandlung von Alzheimer, ALS und Multipler Sklerose
Eine weitere Phase-I-Studie untersuchte das Behandlungspotenzial und die Sicherheit von intrazerebroventrikulären (ICV) Hirninjektionen von SVF bei Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen, für die keine anderen Behandlungsoptionen verfügbar sind. Die Studie umfasste 24 Patienten, die SVF in den Frontalhorn des Seitenventrikels erhielten, sowie 6 Patienten mit Injektionen über ventrikuloperitoneale Shunts. Das mediane Alter der Patienten lag bei 74 Jahren.
Krankheitsbilder und Zusammensetzung der SVF
Unter den teilnehmenden Patienten befanden sich:
- 10 Patienten mit Alzheimer (AD)
- 6 Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS)
- 6 Patienten mit Multipler Sklerose – progrediente Form (MS-P)
- 6 Patienten mit Parkinson „Plus“ (PD+)
Die SVF-Injektionen (3,5–20 ccm) bestanden im Durchschnitt zu 8 % aus hämatopoetischen Stammzellen und zu 7,5 % aus Stammzellen aus Fettgewebe.
Ergebnisse bei Alzheimer und Multipler Sklerose
Bei Alzheimer-Patienten blieben 80 % stabil oder zeigten Verbesserungen in kognitiven Tests, während 20 % verbesserte p-tau- und ß-Amyloid-Werte aufwiesen. Bei MS- und AD-Patienten deuteten sekundäre Endpunkte auf eine Stabilisierung mit begrenztem Fortschreiten der Krankheit hin, was darauf hindeutet, dass SVF die Krankheitsausbreitung bei neurodegenerativen Erkrankungen reduzieren könnte.
Die NeuroQuant-Volumetrie-Analysen zeigten bei einem AD-Patienten eine Zunahme des Hippocampus-Volumens, obwohl die MRT-Bilder eine definitive Aussage erschwerten. Für AD wurde eine allgemeine Stabilisierung oder Steigerung des Memory Performance Index (MPI) bei 4 Patienten diskutiert.
Bei MS-P- und AD-Patienten ließen die Effekte etwa 6–8 Wochen nach der Behandlung nach. Mit zunehmender Anzahl der Injektionen schien sich dieser Effekt jedoch zu verringern. Die Studie legt nahe, dass wiederholte Behandlungen zur Regeneration von Neuronen und einer verlängerten entzündungshemmenden Wirkung beitragen könnten.
Sicherheit und Nebenwirkungen
Insgesamt wurden 113 Injektionen verabreicht. 11 % führten zu vorübergehenden Symptomen wie Meningismus (Kopfschmerzen) und moderatem Temperaturanstieg für 1–4 Tage, die mit Paracetamol und Dexamethason gelindert werden konnten. Nur zwei Injektionen erforderten aufgrund dieser Symptome einen Krankenhausaufenthalt. Die Injektionen wurden als sichere Behandlungsoption für Patienten ohne Alternativen eingestuft.
Ausblick auf weitere Studien
Derzeit läuft eine klinische Studie zur Bewertung neurologischer und nicht-neoplastischer Erkrankungen mittels autologer subkutaner SVF-Isolierung. Diese offene, einarmige Interventionsstudie plant die Rekrutierung von 300 Teilnehmern (NCT03297177) zur Untersuchung der Sicherheit und Wirksamkeit von SVF aus Fettgewebe. Die subkutane Fettgewebeprobe wird durch einen Verdauungsprozess isoliert und durch Zentrifugation pelletiert. Die SVF-Zellen werden dann in Kochsalzlösung suspendiert und intravaskulär re-administriert. Patienten, die diese Intervention erhalten, müssen neurologische Schäden des zentralen oder peripheren Nervensystems aufweisen und auf die aktuelle Standardversorgung nicht ansprechen.
Fazit
Obwohl die Gründe für die unterschiedliche Ansprechrate von Patienten auf SVF noch unklar sind, deuten die Ergebnisse dieser klinischen Studien darauf hin, dass SVF eine vielversprechende autologe Modalität zur Linderung von Entzündungen bei Patienten darstellt, für die keine anderen Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen. Weitere standardisierte klinische Studien sind erforderlich, um die therapeutisch verantwortlichen Bestandteile in SVF zu identifizieren und die Behandlungsergebnisse weiter zu optimieren. Die Forschung auf diesem Gebiet schreitet voran und bietet Hoffnung für Patienten mit bisher unheilbaren neurodegenerativen Erkrankungen.
