Nachdem die Tour de France ihren Sieger gekürt hat und die tägliche Berichterstattung für ein weiteres Jahr verstummt, überkommt viele Radsportfans ein Gefühl der Leere – das sogenannte „Tour-Entzugs-Syndrom“. Die Rennrad-Welt scheint sich in eine Wüste zu verwandeln, in der es kaum noch spannende Inhalte zu konsumieren gibt. Kleinere Rennen wie die Tour de Wallonie oder die Vuelta a Castilla y León mögen ihr Bestes geben, doch sie können das einzigartige Flair der Grand Tours oft nicht ersetzen.
Ein solcher „kalte Entzug“ ist selten die beste Methode, um sich von einer liebgewonnenen Gewohnheit zu entwöhnen. Stattdessen braucht man eine kleine tägliche Dosis dessen, was einst war. Und hier kommt die gute Nachricht: Wir von Velo haben eine besondere Auswahl an zeitlosen Radsport-Technik-Highlights zurückgehalten, um diesen Entzug zu lindern. Es geht nicht um die neueste, im Rennen erprobte Ausrüstung oder geheime Prototypen, die von Sponsoren angeteasert wurden. Stattdessen präsentieren wir Ihnen faszinierende, zeitlose Technik – darunter Gegenstände, die bei vergangenen Touren im Einsatz waren, wilde handgefertigte Fahrräder, Retro-Wunder, die die Geschichte des Sports lebendig werden lassen, und einige Exponate, die das Herz jedes Sammlers höherschlagen lassen würden. All das Beste von der Becycle Show.
Die BeCycle-Messe: Ein neues Highlight vor der Tour de France
Man mag es kaum glauben, aber die Tour de France hatte bisher noch nie eine dedizierte Fan-Expo vor dem Rennen. Meines Wissens nach gab es noch nie eine Ausstellung, bei der Fans in den Tagen vor dem Start die Möglichkeit hatten, in die Welt der Fahrrad-Geekdom einzutauchen und die Faszination des Radsports hautnah zu erleben.
In diesem Jahr schlossen sich die Stadtverwaltung von Florenz, ein Marketingunternehmen und eine Gruppe von Marken zusammen, um genau das zu bieten: die BeCycle Fahrradmesse in Florenz. Dieses einzigartige Event wurde zu einer willkommene Ergänzung des Grand Départ. Obwohl BeCycle offiziell nicht Teil der ASO-Organisation war, fühlte es sich keineswegs wie eine bloße Beigabe oder eine inoffizielle Veranstaltung an. Die Messehalle, untergebracht im prächtigen Hauptbahnhof von Florenz aus der Vorkriegszeit, befand sich direkt neben dem Tour-Hauptquartier der ASO für die Eröffnungstage. Angesichts dieser Nähe wäre es fast töricht gewesen, nicht aus dem Presseraum zu springen und einen Abstecher zu machen, um die gebotenen Attraktionen zu erkunden. Und wir wurden nicht enttäuscht.
Hier konnten Besucher nicht nur die neuesten Innovationen bestaunen, sondern auch tief in die glorreiche Geschichte des Radsports eintauchen. Die Aura der Vergangenheit, kombiniert mit der Vorfreude auf das bevorstehende größte Radrennen der Welt, schuf eine unvergleichliche Atmosphäre, die jeden Radsport-Enthusiasten begeisterte.
Pogacars Giro-Traum und italienische Handwerkskunst
Es ist allgemein bekannt, dass die Italiener ein unvergleichliches Stilgefühl besitzen, und die BeCycle-Messe in Florenz spiegelte dies auf wunderbare Weise wider. Die Ausstellung hatte einen ausgesprochen italienischen Charakter, da die meisten der anwesenden Marken aus der pulsierenden italienischen Radsportszene stammten. Namen wie Sidi, Northwave, Basso, Colnago und Nalini waren nur einige der großen Akteure, die ihre neuesten und besten Produkte präsentierten.
Doch es waren vor allem die kleineren italienischen Rahmenbauer, die fesselnden Vorträge einer Reihe interessanter Persönlichkeiten auf der Bühne und die entspannte Atmosphäre, die der Messe ihren besonderen Charme verliehen und sie zu einem Ereignis machten, von dem wir hoffen, dass es auch bei zukünftigen Grand Départs fortgesetzt wird. Die Leidenschaft und das Handwerk, die in jedem Detail der ausgestellten Räder und Komponenten steckten, waren greifbar und zogen die Besucher in ihren Bann.
Ein absolutes Highlight war selbstverständlich das Giro-Sieger-Rad von Tadej Pogačar, ausgestellt von Colnago. Doch nicht nur das pinkfarbene Meisterwerk, das Pogačar zum Sieg beim Giro d’Italia führte, war zu sehen, sondern auch ein feierliches C68-Modell, das die Eleganz und Innovation der Marke unterstrich. Es war ein Fest für die Augen, das die Herzen von Radsportfans höherschlagen ließ und den italienischen Flair in jedem Winkel der Messe spürbar machte.
Ein Schaufenster für einzigartige und handgefertigte Meisterwerke
Die BeCycle-Messe entpuppte sich als wahres Paradies für Liebhaber außergewöhnlicher Radsport-Technik. Neben den berühmten Marken gab es eine Fülle an Augenweiden zu entdecken, darunter wild designte handgefertigte Fahrräder und wahre Retro-Wunder, die die reiche Geschichte des Radsports eindrucksvoll beleuchteten. Jedes Exponat erzählte seine eigene Geschichte von Innovation, Handwerkskunst und Leidenschaft.
Die italienische Marke 3T präsentierte beispielsweise ihr beeindruckendes Strada-Modell, dessen elegante Linienführung und innovative Technik viele Blicke auf sich zogen. Auch Colnago zeigte nicht nur die modernen Rennmaschinen, sondern auch einige ihrer geschichtsträchtigen alten Fahrräder, die mit ihren liebevoll restaurierten Retro-Bremshebeln eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlugen.
Besonders beeindruckend waren die vielen individuellen Anfertigungen. Eine einzigartige, handgefertigte Gabel zog die Aufmerksamkeit auf sich, da sie eindeutig kein Massenprodukt war, sondern das Ergebnis höchster Präzision und Kreativität. Auch die kunstvoll gestalteten, handgefertigten Custom-Naben zeugten von einer Handwerkskunst, die in der heutigen industriellen Fertigung oft verloren geht.
Diese Stücke zeigten, welch unglaubliches Talent und welche Hingabe in der Welt des Radsports stecken, und boten einen faszinierenden Einblick in die Möglichkeiten individueller Gestaltung.
Exklusive Einblicke und besondere Fundstücke
Neben den beeindruckenden Fahrrädern und Komponenten bot die BeCycle-Messe auch exklusive Einblicke in die Welt der Profis und besondere Fundstücke, die die Herzen der Radsport-Enthusiasten höherschlagen ließen. Northwave hatte beispielsweise spezielle Rennradschuhe vorbereitet, die Filippo Ganna beim Giro d’Italia tragen sollte – auch wenn er sich letztendlich für ein anderes Paar entschied, war die Präsentation dieser Schuhe ein spannendes Detail für Kenner.
Ein weiterer Höhepunkt war ein kleiner Einblick in die Sammlung des Designers Paul Smith, dessen Liebe zum Radsport in seinen exquisiten Exponaten deutlich wurde. Diese persönlichen Akzente und die Möglichkeit, so nah an die Ausrüstung und die Geschichten der Legenden heranzukommen, machten die BeCycle-Messe zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Die Vielfalt der präsentierten Exponate, von modernster Technik bis hin zu historischen Schätzen und individuellen Kreationen, unterstrich die Breite und Tiefe der Radsportkultur. Es war eine Hommage an die Ingenieurskunst, das Design und die menschliche Leistung, die diesen Sport so einzigartig machen.
Fazit: Ein Muss für jeden Radsport-Fan
Die BeCycle Fahrradmesse in Florenz hat sich als eine außergewöhnliche Ergänzung zum Grand Départ der Tour de France erwiesen. Sie bot nicht nur eine willkommene Ablenkung vom alljährlichen “Tour-Entzug”, sondern auch eine einzigartige Gelegenheit, in die Welt der zeitlosen Radsport-Technik, des italienischen Stils und der meisterhaften Handwerkskunst einzutauchen. Von historischen Retro-Rädern über handgefertigte Custom-Bikes bis hin zu den Sieger-Rädern der Radsport-Stars wie Tadej Pogačar – die Messe präsentierte eine beeindruckende Vielfalt, die das Herz jedes Radsport-Enthusiasten höherschlagen ließ. Wir hoffen aufrichtig, dass die BeCycle-Messe zu einer festen Tradition wird und auch in Zukunft Fans aus aller Welt vor den großen Rundfahrten begeistern kann. Wer die Leidenschaft für das Fahrrad teilt und die italienische Finesse schätzt, sollte sich dieses Event bei zukünftigen Gelegenheiten keinesfalls entgehen lassen!
