Béla Réthy: Die Ikone am Fußballmikrofon und seine neue Bühne

Wenn Béla Réthy, die Kommentatorenlegende, das Mikrofon ergreift, erkennen ihn Millionen Deutsche sofort. Mit Wiener Wurzeln und ungarischer Herkunft gehört Réthy zum deutschen Fußball wie der Ball ins Tor. Seine unverwechselbare Stimme und sein leidenschaftlicher Kommentierstil haben ihm einen festen Platz in den Köpfen und Herzen der Fußballfans gesichert. Réthy wurde für seine Leistungen vielfach ausgezeichnet und geehrt. Man mochte ihn oder man hasste ihn – aber er weckte stets Emotionen.

Der Abschied vom Kommentatoren-Zirkus

Im Dezember 2022 beendete Béla Réthy im Alter von 66 Jahren seine beeindruckende Karriere als Sportjournalist und gefeierter ZDF-Moderator. Nicht weil er es eilig hatte, sondern weil er bei den öffentlich-rechtlichen Sendern die Altersgrenze erreicht hatte. „Und dann kommt die Rente“, kommentierte er seinen Abschied in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau.

Im Sport1-Podcast äußerte er sich zu seiner Entscheidung, sich aus dem Kommentatoren-Zirkus zurückzuziehen: „Ich hätte gerne weitergemacht. Meine letzten Großereignisse waren die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang, die Sommerspiele und die Weltmeisterschaft in Katar. Jetzt kommen die Olympischen Spiele in Paris, die WM in den USA und die Olympischen Spiele in Brisbane – also das geile Zeug kommt noch und ich bin in Rente. Das wurmt mich schon!“ Diese offenherzige Haltung macht Béla Réthy aus. Er spricht frei von der Leber weg, was andere nicht einmal denken. Réthy könnte auch als eine Art Genie durchgehen, so flink arbeitet sein Geist. Er spricht sechs Sprachen fließend, darunter Deutsch, seine Muttersprache Ungarisch sowie Englisch, Französisch, Portugiesisch und Spanisch. Um sich im Ruhestand nicht zu langweilen, hat er bereits eine neue Spielwiese gefunden. Sie heißt: Bühne.

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Karriere Nr. 2: Der mitreißende Keynote Speaker für Teamsport, Motivation und Gesellschaft

Béla Réthy teilt seine (Lebens-)Erfahrungen nun mit gleicher Leidenschaft und Humor in mitreißenden Reden bei Firmenveranstaltungen, Tagungen und Konferenzen. Sie regen zum Nachdenken über gesellschaftliche Fragen an und drehen sich um Teamsport, Motivation und Teamentwicklung. Seine charismatische Persönlichkeit und seine tiefgreifende Erfahrung im Teamsport machen ihn zu einem gefragten Referenten. Seine Expertise ist besonders wertvoll für Unternehmen, die ihre Mitarbeiter inspirieren und den Teamgeist stärken möchten.

Im Laufe seiner Karriere hat Béla Réthy einige besondere Momente erlebt. Einer der Höhepunkte war zweifellos die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Bei diesem Turnier kommentierte er das legendäre Halbfinalspiel zwischen Deutschland und Brasilien, das mit einem spektakulären 7:1-Sieg für Deutschland endete. Sein Kommentar „Das ist Wahnsinn!“ wird vielen deutschsprachigen Fußballfans unvergessen bleiben und gilt als Synonym für seine emotionalen Übertragungen. Solche Momente prägen nicht nur die Sportgeschichte, sondern auch die Erinnerung an die Kommentatoren, die sie begleitet haben.

Der Interviewer der Frankfurter Rundschau wollte wissen, ob sich der Fußball im Laufe seiner Karriere verändert hat: „Der Fußball ist schneller und athletischer geworden“, sagt Béla Réthy. „Allein schon die Art und Weise, wie wir uns auf ein Spiel vorbereiten. Früher haben wir viel recherchiert, Anekdoten eingebaut. Jetzt kriegt man die gar nicht mehr unter. Kaum guckst du zwei Sekunden weg, passiert die spielentscheidende Szene und du stehst im nassen Hemd da. Fußballspiele sind viel schneller, viel athletischer geworden, aber ich finde, der Fußball ist zu wissenschaftlich geworden. Wenn wir die Jahrhundertspiele sehen wie Deutschland gegen Italien 1970, das 3:4 nach Verlängerung im WM-Halbfinale in Mexiko: Da werden mir heute noch die Hände schweißnass vor Aufregung! Aber wenn du es heute mit Abstand betrachtest: Das war Zeitlupenfußball!“ Diese kritische Betrachtung zeigt, dass Réthy nicht nur ein Kommentator war, sondern auch ein tiefgründiger Beobachter des Sports und seiner Entwicklung. Im Kontext der deutschen Fußballgeschichte sind solche Vergleiche besonders aufschlussreich, auch im Hinblick auf aktuelle internationale Begegnungen wie das Spiel argentinien kroatien bei vergangenen Turnieren.

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„Der Verein kommt zu dir. Du kommst nicht zum Verein.“

Auf die Frage der Frankfurter Rundschau nach seinem Lieblingsfußballverein antwortet er prompt: „Eintracht Frankfurt!“ Denn er ist der Meinung: „Der Verein kommt zu dir. Du kommst nicht zum Verein. Als Kind bin ich immer mit meinem Vater, und später als Jugendlicher, vom U-Bahnhof Frankfurt-Sportfeld zum Waldstadion gepilgert. Das ist etwas, was man nicht ablegen will.“ Diese Verbundenheit zu seinem Heimatverein spiegelt die tiefe emotionale Bindung wider, die viele Fußballfans zu ihrem Klub empfinden.

Béla Réthy hat noch lange nicht vor, still zu bleiben. Da er in Wiesbaden lebt, nahe Frankfurt, könnte er nun öfter die Spiele seines Vereins besuchen. Ob er dafür die Zeit finden wird, ist bei jemandem wie ihm fraglich. Seine neue Rolle als Keynote Speaker wird ihn sicherlich weiterhin auf Trab halten und ihm die Möglichkeit geben, seine Leidenschaft für Sport und Gesellschaft auf einer anderen Ebene zu teilen.

Fazit: Eine Stimme, die bleibt

Béla Réthy hat als Fußballkommentator Generationen geprägt und bleibt auch nach seinem Abschied vom Bildschirm eine wichtige Persönlichkeit. Seine Fähigkeit, Emotionen zu wecken und komplexe Zusammenhänge einfach darzustellen, macht ihn zu einem einzigartigen Kommunikator. Ob am Mikrofon oder auf der Bühne – seine Stimme und seine Gedanken werden weiterhin Gehör finden. Für alle, die die deutsche Sportlandschaft verstehen und die Entwicklung des Fußballs nachvollziehen möchten, ist Béla Réthy eine unverzichtbare Quelle der Inspiration und des Wissens. Seine Karriere ist ein Beispiel dafür, wie man mit Leidenschaft und Expertise ein Publikum fesseln kann.