Blutspenden retten täglich unzählige Leben. Allein in Deutschland werden jeden Tag rund 15.000 Blutspenden benötigt, um Patienten in den Kliniken zu versorgen. Doch Blut ist nicht gleich Blut – eine beliebige Übertragung ist ausgeschlossen. Jeder Mensch benötigt im Bedarfsfall eine Spende, die präzise zu seiner Blutgruppe passt. Daher ist die Frage nach der Blutgruppen-Kompatibilität von größter Bedeutung: Wer kann wem Blut spenden und welche Faktoren spielen dabei eine entscheidende Rolle? blutgruppe b positiv corona
Blutgruppen und Rhesusfaktor: Die Grundlagen der Kompatibilität
Wenn ein Patient auf eine Bluttransfusion angewiesen ist, müssen die wesentlichen Merkmale des Spender- und Empfängerblutes exakt übereinstimmen. Andernfalls können lebensbedrohliche Komplikationen die Folge sein. Die zwei wichtigsten Blutmerkmale, die über die Spender-Empfänger-Beziehung entscheiden, sind die Blutgruppe und der Rhesusfaktor. Diese Eigenschaften werden von den Eltern gemäß den Mendelschen Regeln der Blutgruppen-Vererbung an ihre Kinder weitergegeben.
Was sind Blutgruppen und Antigene?
Die Blutgruppe ist ein individuelles Blutmuster, das jeder Mensch besitzt und das maßgeblich von den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) bestimmt wird. Auf der Oberfläche dieser Erythrozyten befinden sich zahlreiche unterschiedliche Eiweiße, die sogenannten Antigene. Diese Antigene verleihen den roten Blutkörperchen ihre spezifische Oberflächenstruktur. Aus den verschiedenen Mustern der Antigene ergeben sich die vier Hauptblutgruppen des ABO-Systems: A, B, AB und 0. Diese weisen eine unterschiedliche Blutgruppen-Verteilung in der deutschen Bevölkerung auf und sind durch folgende Eigenschaften charakterisiert:
- Blutgruppe A: Enthält das Antigen A.
- Blutgruppe B: Enthält das Antigen B.
- Blutgruppe AB: Enthält beide Antigene A und B.
- Blutgruppe 0: Enthält keine Antigene.
Bei einer Transfusion muss die Blutgruppen-Kompatibilität zwischen Spender und Empfänger unbedingt gewährleistet sein. Wäre dies nicht der Fall, würden die im Empfängerblut gebildeten Antikörper die Antigene auf den Erythrozyten des Spenderblutes als fremd erkennen und eine Verklumpungsreaktion auslösen. Dies kann zu akut lebensgefährlichen Folgen für den Patienten führen. Vor der bahnbrechenden Entdeckung des ABO-Systems durch Karl Landsteiner endeten Bluttransfusionen häufig tödlich, da sie nur zufällig erfolgreich waren. Um solche fatalen Zwischenfälle heute zu vermeiden, führen Kliniken unmittelbar vor jeder Blutübertragung einen sogenannten Bedside-Test (ABO-Identitätstest) durch. Hierbei wird dem Patienten direkt am Krankenbett eine Blutprobe entnommen und noch vor Ort überprüft, mit welchem Antigen sie auf einem Testfeld reagiert und ob es zu einer Verklumpung kommt. Dies ermöglicht eine zuverlässige Bestimmung der Blutgruppe des Patienten in Echtzeit.
Die Rolle des Rhesusfaktors
Neben der Blutgruppe darf auch der Rhesusfaktor bei einer Bluttransfusion nicht außer Acht gelassen werden, denn auch er beeinflusst maßgeblich, wer wem Blut spenden kann. Der Rhesusfaktor ist entweder positiv (RhD+) oder negativ (RhD-) und unterteilt die vier Blutgruppen danach, ob spezielle Proteine auf der Zellmembran der Erythrozyten vorkommen (RhD+) oder nicht (RhD-). Dieses Merkmal spielt insbesondere für Rhesus-negative Patienten eine entscheidende Rolle, da sie ausschließlich Rhesus-negatives Blut erhalten dürfen. Bei Rhesus-positiven Personen ist dies weniger kritisch; sie vertragen sowohl Rhesus-positives als auch Rhesus-negatives Blut. Infolgedessen sind Blutspenden, denen das Rhesusmerkmal fehlt, besonders begehrt – allen voran die Blutgruppe 0 Rhesus negativ. Aber auch die Bombay Blutgruppe stellt eine extrem seltene Blutgruppe dar, für die dringend Spenden benötigt werden.
Das ABC der Blutspendekompatibilität: Welche Blutgruppen passen zusammen?
In Kombination mit dem Rhesusfaktor ergeben sich somit insgesamt 8 Blutgruppen: A+, A-, B+, B-, AB+, AB-, 0+ und 0-. Die folgende Grafik veranschaulicht übersichtlich, wer wem Blut spenden kann bzw. von welchen Personen man selbst eine Spende erhalten darf:
Übersicht zur Blutgruppen-Kompatibilität: Wer kann wem Blut spenden?
Besondere Herausforderungen bei Rhesus-negativen Spendern und Empfängern
Betrachten wir zunächst die Blutgruppen, bei denen das Antigen A oder B vorkommt (A+, A-, B+, B-). Generell zeigt die Abbildung, dass Personen mit einer Rhesus-negativen Blutgruppe für viele Patienten als Spender in Frage kommen, jedoch selbst nur von einer deutlich kleineren Auswahl an Spendern Blut erhalten können – ein genaues Gegenteil zu Rhesus-positiven Menschen.
Beispiel: Blutgruppe B Rhesus negativ
Nehmen wir als Beispiel die Blutgruppe B Rhesus negativ. Personen mit dieser Blutgruppe können an alle Blutgruppen-Träger spenden, in deren Blut das Antigen B vorkommt (B+, B-, AB+, AB-). Der Rhesusfaktor des Empfängers spielt hier keine Rolle, da der Spender Rhesus-negativ ist. Anders verhält es sich jedoch, wenn ein Patient mit dieser Blutgruppe selbst eine Transfusion benötigt. In diesem Fall darf die spendende Person auf keinen Fall eine Blutgruppe besitzen, in der das A-Antigen vorkommt. Erschwerend kommt hinzu, dass der Rhesus-negative Empfänger kein Rhesus-positives Blut verträgt. Demnach ist die Blutgruppe B Rhesus negativ nur kompatibel mit Spendern der Blutgruppe B Rhesus negativ oder 0 Rhesus negativ.
Beispiel: Blutgruppe AB Rhesus positiv
Bei den Blutgruppen mit beiden Antigenen A und B verhält es sich etwas anders (AB-, AB+). So können beispielsweise Träger mit AB Rhesus positiv nur an Personen mit der gleichen Blutgruppe spenden, da zwingend beide Antigene im Empfängerblut vorhanden sein müssen. Gleichzeitig haben sie jedoch im Notfall die größte Auswahl an potenziellen Spendern. Sie können von allen verfügbaren Blutgruppen eine Transfusion erhalten, da erstens der Rhesusfaktor für sie keine Rolle spielt (sie sind Rhesus-positiv) und zweitens immer nur ein Antigen benötigt wird, wenn nicht beide vorhanden sind. Zudem ist auch eine Übertragung von Blutgruppe 0 möglich, die eine ganz spezielle Bedeutung in der Transfusionsmedizin besitzt.
Die universelle Bedeutung der Blutgruppe 0
Unabhängig vom Rhesusfaktor ist die Blutgruppe 0 von besonderer Bedeutung, da sie aufgrund des Fehlens von Antigenen beim Transfusionsempfänger keine Antikörperreaktion hervorruft und somit eine Verklumpung ausbleibt. Folglich können auch Personen mit A- und/oder B-Antigenen das Blut der Blutgruppe 0 erhalten.
Der Universalspender: Blutgruppe 0 Rhesus negativ
Die Blutgruppe 0 Rhesus negativ ist dabei die begehrteste aller Blutgruppen. Ihre Träger werden als Universalspender bezeichnet, da sie mit ihrem Blut jedem Patienten helfen können. Der Grund dafür ist einfach: Rhesus-negative Personen können für beide Rhesus-Merkmale spenden (positiv und negativ). Da die Blutgruppe 0 zudem kein spezifisches Antigen beim Empfänger erfordert, ist sie mit allen anderen Blutgruppen kompatibel (A+, A-, B+, B-, AB+, AB-, 0+, 0-). Gerade bei der Versorgung von Notfallpatienten ist die Blutgruppe 0 negativ extrem gefragt, da sie ohne vorherige umfassende Testung universell einsetzbar ist. Allerdings können Träger mit 0 Rhesus negativ im Bedarfsfall auch nur Blutkomponenten dieser speziellen Blutgruppe erhalten, was ihre eigene Versorgung in bestimmten Situationen herausfordernd machen kann.
Jede Spende zählt: Ein Aufruf zur Blutspende
Trotz der besonderen Eigenschaften der Blutgruppe 0 Rhesus negativ ist selbstverständlich jede Blutspende von immenser Wichtigkeit und rettet Leben. corona und blutgruppe 0 Unser Blutgruppenbarometer informiert tagesaktuell darüber, welche Blutgruppe im Moment besonders dringend benötigt wird. Wenn Sie Ihre Blutgruppe noch nicht kennen und das Mindestalter von 18 Jahren für eine Blutspende erreicht haben, dann kommen Sie einfach zu einem unserer zahlreichen DRK-Blutspendetermine. Dort wird Ihre Blutgruppe im Rahmen Ihrer Erstspende bestimmt. Nach etwa 6 bis 8 Wochen erhalten Sie dann Ihren persönlichen Blutspendeausweis mit allen wichtigen Informationen. Finden Sie einen passenden Blutspendetermin in Ihrer Nähe und reservieren Sie Ihren Termin bequem online.
