Joe Dilworth, ein Name, der in der Welt der Musik und Fotografie gleichermaßen Anklang findet, hat eine bemerkenswerte Reise hinter sich, die ihn von der pulsierenden Musikszene Londons in die sich ständig wandelnde Metropole Berlin führte. Als Schlagzeuger bekannter Bands wie Th’ Faith Healers und Stereolab sowie als passionierter Fotograf entwickelte Dilworth eine tiefe Verbindung zu Berlin, einer Stadt, die für ihn das verkörperte, was London zu verlieren schien – einen Zustand des ständigen Wandels und der Neuentdeckung. Seine Geschichte ist eng verknüpft mit der Entstehung von Bildband Berlin, einer einzigartigen Kunstbuchhandlung und Galerie, die sich zu einem kulturellen Ankerpunkt für Fotografie-Liebhaber entwickelt hat. Dieser Artikel taucht ein in Dilworths persönliche Erlebnisse und die Philosophie hinter Bildband Berlin, einer Institution, die weit mehr ist als nur ein Ort zum Kauf von Büchern.
Von London nach Berlin: Eine persönliche Reise durch Musik und Fotografie
Dilworths künstlerischer Weg begann an Goldsmiths in den 80er Jahren, wo er Kunst studierte und seine Leidenschaft für die Fotografie entdeckte. Nach seinem Abschluss etablierte er sich als Fotograf, insbesondere in der Musikpresse, ein Feld, das seiner eigenen Welt entsprach. Parallel dazu unternahm er Reisen durch Osteuropa, um die dortigen Landschaften und Kulturen festzuhalten. Zwischen Tourneen und Fotoaufträgen zog es ihn immer wieder nach Berlin. Er erkannte, dass Berlin das bot, was London zunehmend fehlte: eine Stadt im Fluss, voller unentdeckter Möglichkeiten und einer ganz eigenen Energie. Dieser Gedanke bestärkte ihn darin, schließlich ganz nach Berlin zu ziehen.
Bildband Berlin: Ein Traum wird Wirklichkeit
Die Gründung von Bildband Berlin ist das Ergebnis einer fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Joe Dilworth und Thomas Gust. Beide stellten ihre Arbeiten in der Staatsgalerie Prenzlauer Berg aus, die von ihrem gemeinsamen Freund Henryk Gericke ins Leben gerufen wurde und Werke von Künstlern aus dem DDR-Untergrund zeigte. Eine gemeinsame Ausstellung von gefundenen Fotografien im Jahr 2014 ebnete den Weg. Kurz darauf erfuhren sie, dass die Buchhandlung, in der Thomas arbeitete, schließen sollte. Sie sahen darin die Chance, einen eigenen Raum zu schaffen. Dilworth prägte den Namen “Bildband Berlin”, der prägnant und spezifisch klang – “Bildband” bedeutet im Deutschen “Fotobuch” – und perfekt zur Mission passte: ein dedizierter Ort für Fotografie in Berlin.
Berlin 89 Straße mit Autos und Menschen
Berlin in den 80er und 90er Jahren: Eine Stadt im Umbruch durch die Linse
Dilworths Beobachtungen der Nachkriegszeit in London fanden in Berlin ein Echo. Er beschrieb das Gefühl, in den Ruinen einer geheimnisvollen Gesellschaft zu leben, deren Relikte nur zu erahnen waren. Berlin schien diesem Zustand etwa 20 Jahre hinterherzuhinken, was eine besondere Anziehungskraft auf ihn ausübte. Besonders Ost-Berlin erinnerte ihn stark an das London seiner Jugend. Mit jedem Besuch nach dem Mauerfall erlebte er eine exponentielle Veränderung der Stadt und wollte unbedingt dabei sein, diesen Wandel festzuhalten. Die 80er Jahre in Berlin, obwohl oft als deprimierend beschrieben, boten für ihn als westlichen Besucher der Warschauer-Pakt-Staaten eine reizvolle Herausforderung. Die Schwierigkeiten waren Teil des Reizes, und die Begegnungen mit Menschen, die ihn nachhaltig prägten, waren unersetzlich. Eine Kamera half ihm, diese Erfahrungen zu verarbeiten und zu verstehen.
Die Philosophie hinter Bildband Berlin: Mehr als nur ein Buchladen
Für Dilworth war es als tourender Musiker schon immer wichtig, die interessantesten Buch- und Plattenläden einer Stadt zu entdecken. Diese Erfahrung prägte auch die Vision für Bildband Berlin. Das Ziel war es, nicht nur aktuelle und international begehrte Fotobücher anzubieten, sondern auch Beziehungen zu Fotografen aufzubauen. So können diese ihre Arbeiten in einem offenen Umfeld präsentieren und mit ihrem Publikum in Kontakt treten. Fotografie kann ein einsames Unterfangen sein, und so schafft Bildband Berlin einen Raum für Austausch und Gemeinschaft.
Porträt einer Frau, Sanna Charles, mit Haaren im Gesicht
Bildband Berlin schöpfte Inspiration aus Orten wie 25 Books in Berlin oder dem alten Rough Trade Shop in Notting Hill – Orte, an denen Menschen verweilen und sich austauschen konnten. Doch der Laden entwickelte schnell seinen eigenen Charakter und zog ein engagiertes Publikum an. Die Ankunft neuer Bücher und Künstler ist stets aufregend, und das Team ist bestrebt, am Puls der Zeit zu bleiben.
Fotografie und Musik: Eine kreative Synergie
Die Schnittmenge von Fotografie und Musik ist ein faszinierendes Thema, das auch bei Bildband Berlin eine Rolle spielt. Künstler wie Christian Marclay, der analoge Interessen in Vinyl und Fotografie vereint, stehen exemplarisch dafür. Aber auch Musiker, die im Verborgenen fotografieren, wie Michael Stipe (REM) oder Peter Christopherson (Coil), zeigen die tiefe Verbindung zwischen den Medien. Bildband Berlin dient als Plattform, um diese Synergien zu erkunden und zu präsentieren, oft durch Veranstaltungen und Buchsignierungen, bei denen Künstler ihre Arbeit vorstellen.
Menschen auf einem belebten Platz in Bukarest 1991
Bildband Berlin vs. Buchkunst Berlin: Eine Klarstellung
Um Verwechslungen zu vermeiden: Das Faminsky-Buch und das neue Projekt “Buchkunst Berlin” sind nicht Teil von Bildband Berlin. Es handelt sich dabei um ein eigenständiges Vorhaben von Thomas Gust und seiner Freundin Anna.
Zukunftsvisionen und die Kunst, ein einzigartiges Geschäft zu führen
Auf die Frage, wie man ein Geschäft als Erlebnis für Menschen aufrechterhält, betont Dilworth die Bedeutung einer klaren Vision und Authentizität. Von Anfang an war klar, dass Bildband Berlin eine reine Vision sein musste, um erfolgreich zu sein. Diese Haltung, die an die Liebe und Leidenschaft kleiner Konzertveranstalter erinnert, hat sich ausgezahlt.
Der Fokus liegt darauf, etwas Einzigartiges anzubieten: die Einbindung von Fotografen und Verlegern, die ihre Arbeiten persönlich präsentieren und diskutieren. Dieser Austausch hat eine erstaunliche Gemeinschaft rund um die Fotografie geschaffen. Obwohl Fotografie eine einsame Kunstform sein kann, sind so viele fantastische Menschen in den Laden gekommen, um ihre Arbeit und Gedanken zu teilen, was die Erwartungen übertroffen hat.
Joe Dilworth in einem Buchladen
Das Konzept ähnelt alten Rough Trade Shop-Konzerten, bei denen Künstler ihre Werke im Kontext des Verkaufs präsentieren, anstatt nur Vorträge zu halten. Auch die Präsentation älterer Arbeiten im Kontext modernen Denkens ist ein wichtiger Aspekt. Klassische Titel stehen neben Neuerscheinungen, von kleinen Selbstverlagen bis zu großen Verlagshäusern – alles mit gleichem Gewicht. Bildband Berlin ist ein Ort, der sofort zeigt, ob er dem eigenen Geschmack entspricht. Es gibt bekannte Werke, aber der Laden lädt auch dazu ein, neue Richtungen zu entdecken und Dinge zu finden, die man nirgendwo sonst finden würde.
Unterstützung für Bildband Berlin: Ein kultureller Ankerpunkt
Bildband Berlin ist mehr als eine Buchhandlung; es ist ein lebendiger Treffpunkt, eine Galerie und ein kultureller Ankerpunkt in der vielfältigen Berliner Kunstszene. Durch die Leidenschaft und das Engagement von Joe Dilworth und Thomas Gust hat sich Bildband Berlin zu einem einzigartigen Ort entwickelt, der die Welt der Fotografie feiert und Künstlern sowie Liebhabern eine Plattform für Austausch und Inspiration bietet. Besuchen Sie Bildband Berlin, entdecken Sie neue Perspektiven und unterstützen Sie diese unverzichtbare kulturelle Institution.
Joe Dilworth mit Kamera im Jahr 1985 in Berlin
Ein Bücherregal mit vielen Fotobüchern bei Bildband Berlin
