Bildung für nachhaltige Entwicklung: Warum Schulen die Zukunft gestalten müssen

Nachhaltige Entwicklung ist keine ferne Utopie mehr, sondern eine dringende Notwendigkeit, die die zukünftigen Generationen maßgeblich prägen wird. Schulen spielen dabei eine zentrale Rolle, indem sie junge Menschen nicht nur mit Wissen ausstatten, sondern sie auch befähigen, aktiv an der Gestaltung einer lebenswerten Zukunft mitzuwirken. Die Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im schulischen Kontext ist daher unerlässlich, um die Herausforderungen unserer Zeit zu meistern. Je früher Kinder für diese Themen sensibilisiert werden, desto selbstverständlicher wird ihr zukünftiger kritischer und engagierter Umgang mit globalen, ökologischen, ökonomischen und sozialen Fragestellungen. BNE in der Schule fördert nicht nur Kenntnisse, sondern auch die Entwicklung von Gestaltungskompetenz – die Fähigkeit, nachhaltige von nicht nachhaltigen Lösungen zu unterscheiden, Interessen abzuwägen und verschiedene Perspektiven einzunehmen.

Die Bedeutung von Bildung für nachhaltige Entwicklung erstreckt sich über den reinen Lehrplan hinaus und beeinflusst die gesamte Schulentwicklung. Dies umfasst die Integration von BNE in das Schulprofil, die Unterrichtsgestaltung und sogar den Schulbetrieb selbst. Von der Energieeffizienz bis zur Schulverpflegung können Schulen als ganzheitliche Lernorte agieren und Nachhaltigkeit im Alltag leben. Eine stärkere Öffnung der Schulen zur Gemeinschaft und die Kooperation mit außerschulischen Institutionen erweitern das Lernspektrum und fördern den Transfer von Wissen in die Praxis. In einer Zeit, in der gesellschaftlicher Zusammenhalt und politische Teilhabe entscheidend sind, wird BNE auch zunehmend mit politischer Bildung und Demokratielernen verknüpft. Dies ist besonders relevant angesichts von Herausforderungen wie Migration und dem Erstarken populistischer Strömungen.

Die Förderung sozialer Kompetenzen, der Dialogbereitschaft und die Wertschätzung kultureller Vielfalt sind zentrale Aspekte, die Schulen durch partizipative Lernansätze wie Gruppenarbeit und Klassenverband vermitteln können. Der Whole Institution Approach, der die gesamte Institution Schule in die Bildungsaktivitäten einbezieht, ist ein effektives Konzept, um BNE auf allen Ebenen zu verankern. Dies kann durch die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in das Schulprofil geschehen, wie es bereits bei Umweltschulen oder Zukunftsschulen der Fall ist. Schulen können so zu Vorbildern für nachhaltiges Handeln werden und die Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, diese Kompetenzen auch außerhalb des schulischen Umfelds anzuwenden.

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BNE als übergreifender Ansatz im Schulwesen

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist weit mehr als nur ein zusätzliches Unterrichtsfach; es ist ein pädagogischer Ansatz, der sich auf Lehr- und Lernmethoden auswirkt. Differenziertes Lernen, fächerübergreifende Ansätze, systemisches Denken und die aktive Partizipation der Schülerinnen und Schüler sind charakteristisch für BNE-Lernprozesse, die darauf abzielen, die Gestaltungskompetenz zu fördern. Dies beinhaltet die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, verschiedene Perspektiven einzunehmen und fundierte Urteile zu fällen.

Der “Whole Institution Approach” beschreibt ein Konzept, bei dem die Schule als Ganzes in die Bildungs- und Erziehungsaktivitäten einbezogen wird. Dies kann durch die Verankerung von BNE im Schulprofil geschehen, wie es bei Umweltschulen, Agenda 21-Schulen oder Zukunftsschulen bereits praktiziert wird. Schulen können somit ihre Identität und Qualitätsentwicklung im Sinne der Nachhaltigkeit stärken. Darüber hinaus können Nachhaltigkeitsaspekte in den Bereichen Betriebsführung, Ressourcen- und Energieverbrauch, Abfallentsorgung und Schulverpflegung berücksichtigt werden, um die gesamte Institution nachhaltiger zu gestalten.

Eine stärkere Öffnung der Schulen zur Umgebung und zur Gemeinschaft fördert das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Kooperationen mit lokalen außerschulischen Institutionen und Netzwerken, die einen Bezug zu Nachhaltigkeit haben, ermöglichen den Brückenschlag in den außerschulischen Raum. Gleichzeitig eröffnen solche Kooperationen neue Lernchancen und bereichern das fachliche Lernen. Die Einbindung außerschulischer Akteure in schulpolitische Diskussionen kann zu innovativen Lösungen führen und die praktische Relevanz von BNE verdeutlichen.

Die Verknüpfung von BNE mit Inklusion, Migration und Demokratielernen

Gesellschaftlicher Zusammenhalt und politische Teilhabe sind essenzielle Voraussetzungen für nachhaltige Entwicklung. Angesichts globaler Herausforderungen wie Migration und dem Erstarken populistischer Tendenzen ist eine engere Verknüpfung von BNE mit politischer Bildung und Demokratielernen unerlässlich. Schulen tragen hier eine besondere Verantwortung, indem sie sich verstärkt dieser übergreifenden Bildungsaufgabe widmen.

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BNE ist von gesellschaftspolitischer Relevanz für Themen wie Inklusion und Migration. Kulturelle Konflikte können in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen auftreten, auch im schulischen Umfeld. Die Bereitschaft zum Dialog ist entscheidend, um die Bereicherung durch kulturelle Vielfalt zu erkennen und zu nutzen. Schulen bieten durch Aktivitäten wie Gruppenarbeit und den Klassenverband ideale Gelegenheiten, soziale Kompetenzen zu erlernen und interkulturelles Verständnis zu fördern. Die Förderung von Empathie und die Fähigkeit, unterschiedliche Standpunkte nachzuvollziehen, sind Schlüsselkompetenzen für ein friedliches Miteinander.

Herausforderungen und Chancen im Bildungsbereich Schule

Eine zentrale Herausforderung bleibt die Integration von Bildung für nachhaltige Entwicklung in die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften. Eine fundierte Ausbildung der Lehrpersonen ist entscheidend, um BNE-Kompetenzen effektiv an die Schülerinnen und Schüler weitergeben zu können.

Parallel dazu besteht die Möglichkeit, BNE fachlich verankert oder als Leitprinzip in die Bildungs- und Rahmenlehrpläne der Bundesländer aufzunehmen. Dies würde eine strukturelle Verankerung von BNE im Bildungssystem gewährleisten und eine breitere Umsetzung ermöglichen. Die Entwicklung von Qualitätskriterien und Standards für Lernergebnisse im Bereich BNE ist ebenfalls ein wichtiger Schritt, um die Wirksamkeit von Bildungsmaßnahmen zu gewährleisten.

Das Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung, das 2015 von der UNESCO gestartet wurde, zielte darauf ab, BNE von einem Projekt- zu einem Strukturthema zu entwickeln. Das Programm konzentrierte sich auf fünf Handlungsfelder: politische Unterstützung, Transformation von Lernumgebungen, Kompetenzentwicklung bei Lehrenden, Stärkung der Jugend und Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene. Zur Umsetzung in Deutschland wurde eine Nationale Plattform eingerichtet, die einen Nationalen Aktionsplan BNE (NAP BNE) verabschiedet hat. Die Kultusministerkonferenz der Länder hat Teile des NAP BNE, die Schule, berufliche Bildung und Hochschulen betreffen, positiv bewertet.

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Das Fachforum Schule spielte eine wichtige Rolle bei der Ausarbeitung von Handlungsfeldern, Zielen und Umsetzungsstrategien für den Bildungsbereich Schule. Es identifizierte Beispiele guter Praxis und gab Anregungen für neue Lernformate. Zu den prioritären Handlungsfeldern gehören die Verankerung von BNE als Aufgabe des gesamten Bildungswesens, die Lehrkräftebildung, die Vernetzung von Schule und sozialem Raum, die Kooperation mit Kommunen sowie die strukturelle Verankerung von BNE in Lehrplänen und die Förderung von Partizipation.

Die Rolle von Partnernetzwerken und zukünftige Ausrichtung

Die Fachforen arbeiten eng mit Partnernetzwerken zusammen, um Akteure zu vernetzen und die Umsetzung vor Ort zu unterstützen. Im Bereich schulischer Bildung gibt es zwar kein formales Partnernetzwerk, doch der Austausch mit Länderkoordinatorinnen und -koordinatoren sowie Referentinnen und Referenten für BNE und Globales Lernen ist essenziell.

Bereits während der UN-Dekade “Bildung für nachhaltige Entwicklung” (2005-2014) wurden erste Verankerungen von BNE in Lehrplänen initiiert und das Bewusstsein für deren Bedeutung geschärft. Eine gemeinsame Empfehlung der Kultusministerkonferenz und der Deutschen UNESCO-Kommission trug zu dieser Entwicklung bei. Die Fortsetzung dieser Bemühungen im Rahmen des neuen UNESCO-Programms “ESD for 2030” unterstreicht die anhaltende Bedeutung von BNE für die Erreichung der SDGs.

Schulen sind dazu aufgerufen, sich aktiv an Wettbewerben und Kongressen zu beteiligen, die sich mit nachhaltiger Entwicklung und zukunftsfähiger Bildung beschäftigen. Themen wie klimagerechte Schulhöfe oder “Schulen der Zukunft” bieten praktische Ansatzpunkte, um BNE im Schulalltag zu integrieren. Auch die Auseinandersetzung mit BNE im Kontext von Home Schooling zeigt die Anpassungsfähigkeit des Bildungsansatzes an neue Herausforderungen. Weiterführende Informationen und Lehrmaterialien sind auf dem BNE-Portal sowie auf den Webseiten der UNESCO-Projektschulen verfügbar. Die strukturelle Verankerung von BNE in Bildungsplänen, wie im Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung, ist ein wichtiger Schritt, um eine ganzheitliche und nachhaltige Bildung für alle Schülerinnen und Schüler zu gewährleisten.