Die Zeitenwende der deutschen Grammatik: Futur I und Futur II erklärt

Die deutsche Sprache, reich an Nuancen und Ausdrucksmöglichkeiten, bietet mit den Zeitformen Futur I und Futur II faszinierende Werkzeuge, um über die Zukunft und die Vergangenheit zu spekulieren und Absichten zu formulieren. Diese grammatikalischen Konstruktionen sind nicht nur für Lernende der deutschen Sprache von Bedeutung, sondern auch für Muttersprachler, die ihre Ausdrucksweise verfeinern möchten. Sie ermöglichen es, zukünftige Handlungen, gegenwärtige Vermutungen und abgeschlossene Vergangenheitsereignisse präzise zu beschreiben.

Futur I: Absichten und Vermutungen ausdrücken

Das Futur I dient primär dazu, Absichten für die Zukunft auszudrücken, vergleichbar mit dem englischen “will”. Es kann aber auch verwendet werden, um Vermutungen über gegenwärtige oder zukünftige Situationen anzustellen. Eine umfassende Vertiefung der deutschen Grammatik, die auch diese Zeitformen beinhaltet, kann Ihnen helfen, Ihre Sprachkenntnisse zu erweitern.

Wann wird Futur I verwendet?

  • Ausdruck von Zukunftsplänen und Absichten:
    • Beispiel: “Morgen werde ich nach Ungarn fliegen.” (Morgen werde ich nach Ungarn fliegen.)
  • Vermutungen über die Zukunft:
    • Beispiel: “Dein Zimmer ist so chaotisch. Du wirst es nicht schaffen, alles an einem Nachmittag aufzuräumen.” (Dein Zimmer ist so unordentlich. Du wirst es nicht schaffen, alles an einem Nachmittag aufzuräumen.)
  • Vermutungen über die Gegenwart:
    • Beispiel: “Ich würde Großvater jetzt nicht besuchen. Ich war erst vor einer halben Stunde bei ihm. Er wird wohl noch schlafen.” (Ich würde Großvater jetzt nicht besuchen. Ich war erst vor einer halben Stunde bei ihm. Er wird wahrscheinlich noch schlafen.)
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Die Bildung des Futur I

Die Bildung des Futur I ist relativ einfach und erfordert die konjugierten Formen des Hilfsverbs “werden” und den Infinitiv des Vollverbs.

PersonVerb “werden”Vollverb (Infinitiv)Beispiel
ichwerdegehenich werde gehen
duwirstlachendu wirst lachen
er/sie/eswirdsuchener wird suchen
wirwerdengewinnenwir werden gewinnen
ihrwerdetentspannenihr werdet entspannen
sie/Sie (pl./f.)werdenwartensie werden warten

Um Vermutungen auszudrücken, können Adverbien wie “wohl”, “sicher” oder “bestimmt” verwendet werden. Diese werden üblicherweise direkt hinter das konjugierte Verb gesetzt: “Er wird sicher wissen, weshalb er das macht.” (Er wird sicher wissen, warum er das tut.) Wenn das direkte Objekt ein Pronomen ist oder das Verb betont werden soll, können diese Adverbien auch hinter das direkte Objekt gestellt werden: “Sie wird ihre Wohnung wohl aufräumen.” (Sie wird wahrscheinlich ihre Wohnung aufräumen.) Es ist auch möglich, in solchen Fällen auf das Präsens auszuweichen, wenn die Vermutung durch die Adverbien klar signalisiert wird: “Sie räumt wohl ihre Wohnung auf.”

Futur II: Vollendete Zukunft und Vergangenheitsvermutungen

Das Futur II, auch als vollendete Zukunft bezeichnet, kommt zum Einsatz, wenn eine Vermutung über eine Handlung geäußert wird, die zu einem bestimmten Zeitpunkt bereits abgeschlossen sein wird. Es wird somit für Vermutungen über die Vergangenheit oder für abgeschlossene zukünftige Handlungen verwendet.

Anwendungsbereiche des Futur II

  • Vermutungen über vergangene Handlungen:
    • Beispiel: “Marie hat sich den Fuß gebrochen. Sie wird wohl gestürzt sein.” (Marie hat sich den Fuß gebrochen. Sie wird wahrscheinlich gestürzt sein.)
  • Vermutungen über abgeschlossene zukünftige Handlungen:
    • Beispiel: “Bis Freitag wird er alle seine Prüfungen geschrieben haben.” (Bis Freitag wird er alle seine Prüfungen geschrieben haben.)
    • Wichtiger Hinweis: Hier muss zwingend eine Zeitangabe erfolgen, um zu verdeutlichen, dass die Handlung in der Zukunft stattfinden und abgeschlossen sein wird.
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Die Bildung des Futur II

Für die Bildung des Futur II werden drei Elemente benötigt: das konjugierte Verb “werden”, das Partizip II des Vollverbs und die Hilfsverben “sein” oder “haben”.

PersonVerb “werden”Partizip II + sein/habenBeispiel
ichwerdegegangen sein / gearbeitet habenich werde gegangen sein / gearbeitet haben
duwirst
er/sie/eswird
wirwerden
ihrwerdet
sie/Sie (pl./f.)werden

Das Partizip II im Detail

Die korrekte Bildung des Partizip II ist entscheidend für die Konstruktion des Futur II. Hierbei muss zwischen starken und schwachen/gemischten Verben unterschieden werden.

  • Starke Verben: Die Form lautet in der Regel “ge…” + Stammvokaländerung + “…en”.
    • Beispiel: fahren → gefahren, laufen → gelaufen
  • Schwache/gemischte Verben: Die Form lautet in der Regel “ge…” + Stamm + “…t”.
    • Beispiel: haben → gehabt, denken → gedacht

Besonderheiten bei der Bildung des Partizip II

  • Stammänderungen: Zahlreiche starke und gemischte Verben weisen eine Stammänderung im Partizip II auf (z.B. gehengegangen, bringengebracht).
  • “et” Anhang: Bei schwachen oder gemischten Verben, deren Wortstamm auf “d” oder “dt” endet, wird “et” angehängt (z.B. wartengewartet).
  • “ieren” Endung: Verben, die auf “-ieren” enden, bilden das Partizip II ohne “ge-” (z.B. studierenstudiert, aktivierenaktiviert).
  • Nicht trennbare Verben: Bei nicht trennbaren Verben entfällt das “ge-” (z.B. verstehenverstanden).
  • Trennbare Verben: Bei trennbaren Verben steht das “ge-” zwischen Präfix und Stamm (z.B. ankommenangekommen, aufhaltenaufgehalten).

Die Beherrschung des Futur I und Futur II erweitert das Ausdrucksspektrum erheblich und ermöglicht eine präzisere und nuanciertere Kommunikation über Zeit und Wahrscheinlichkeit. Eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache und ihren Feinheiten, wie beispielsweise die Bildung von Nebensätzen, kann Ihre Sprachkompetenz weiter stärken.

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