Die digitale Transformation prägt alle Lebensbereiche, und das Bildungssystem steht vor der Aufgabe, junge Menschen optimal auf diese dynamische Welt vorzubereiten. Angesichts dieser weitreichenden Herausforderungen hat die Kultusministerkonferenz (KMK) im Dezember 2016 mit der Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ ein richtungsweisendes Handlungskonzept für die Entwicklung der Bildung in Deutschland vorgelegt. Dieses fundamentale Dokument dient als Leitfaden, um die Potenziale der Digitalisierung umfassend zu nutzen und gleichzeitig die notwendigen Kompetenzen für das 21. Jahrhundert zu vermitteln. Es markiert einen entscheidenden Schritt in Richtung einer zukunftsorientierten Pädagogik, die sich den neuen Gegebenheiten anpasst und Chancen ergreift.
Die Strategie legt den Grundstein für eine systematische Integration digitaler Aspekte in alle Bildungsbereiche, von der frühkindlichen Bildung bis zur Weiterbildung. Sie zielt darauf ab, sowohl Lehrende als auch Lernende gleichermaßen zu befähigen, die digitale Welt souverän und kritisch zu navigieren. Die umfassende Herangehensweise der KMK unterstreicht die Überzeugung, dass bildung in der digitalen welt nicht nur die Bereitstellung technischer Infrastruktur bedeutet, sondern eine tiefgreifende didaktische und strukturelle Neuausrichtung erfordert.
„Lehren und Lernen in der digitalen Welt“: Eine vertiefende Empfehlung
Um spezifische Aspekte der ursprünglichen Strategie für den schulischen Bereich zu vertiefen und den aktuellen Entwicklungen Rechnung zu tragen, wurde im Dezember 2021 die ergänzende Empfehlung „Lehren und Lernen in der digitalen Welt“ verabschiedet. Diese Empfehlung reflektiert insbesondere die tiefgreifenden Erfahrungen aus der Pandemiephase, in der digitale Lernformen und Kommunikationstechnologien plötzlich eine zentrale Rolle spielten. Sie betont die dringende Notwendigkeit, die Unterrichtsqualität im digitalen Kontext zu sichern und weiterzuentwickeln. Hierbei geht es darum, innovative didaktische Ansätze zu fördern, die Blended Learning oder virtuelle Lernumgebungen effektiv nutzen.
Darüber hinaus hebt die Empfehlung die Bedeutung einer umfassenden digitalen Schulentwicklung hervor. Dies umfasst nicht nur die Implementierung neuer Technologien, sondern auch die Anpassung institutioneller Rahmenbedingungen, die Entwicklung von Medienkonzepten und die Schaffung einer Kultur der Offenheit gegenüber digitaler Innovation. Ein weiterer zentraler Pfeiler ist die umfassende Qualifizierung der Lehrkräfte in didaktischer und technischer Hinsicht. Die digitale Transformation von Lehr- und Lernprozessen erfordert von den Pädagogen nicht nur den sicheren Umgang mit digitalen Werkzeugen, sondern auch die Fähigkeit, digitale Medien pädagogisch sinnvoll in ihren Unterricht zu integrieren und Schulentwicklungsprozesse aktiv mitzugestalten.
Die Kommission „Bildung in der digitalen Welt“ (DigiKom) – Motor der Umsetzung
Die Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ bildet einen wesentlichen Schwerpunkt der Arbeit der Kultusministerkonferenz. Um die kontinuierliche Bearbeitung und Umsetzung dieser vielschichtigen Themen zu gewährleisten, hat die KMK im Januar 2022 die Kommission „Bildung in der digitalen Welt“ (DigiKom) ins Leben gerufen. Diese löste die im Jahr 2016 zunächst temporär eingerichtete Lenkungsgruppe ab und festigt damit die institutionelle Verankerung der digitalen Bildungsagend.
Die DigiKom begleitet die Umsetzung der Strategie in sämtlichen Bildungsbereichen, darunter allgemeinbildende und berufliche Schulen, Hochschulen und die Weiterbildung. Ihre Aufgaben sind vielfältig und umfassen die Auseinandersetzung mit Empfehlungen der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der KMK (SWK), die Kooperation mit externen Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sowie die Beratung über länderübergreifende Aktivitäten. Sie ist maßgeblich an der Vorbereitung entsprechender Beschlussfassungen für die Amtschefs- und die Kultusministerkonferenz beteiligt und steht in direktem Austausch mit der Bund-Länder-Steuerungsgruppe zum DigitalPakt Schule. Diese enge Vernetzung gewährleistet eine kohärente und abgestimmte Vorgehensweise. Alle Länder sind in der Kommission vertreten, ebenso wie Gremienvertreterinnen und -vertreter aller Bildungsbereiche, was eine breite Perspektivenvielfalt und Akzeptanz sicherstellt. Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit der DigiKom ist die regelmäßige Berichterstattung. Jährlich legt die Kommission einen Fortschrittsbericht über die Umsetzung der Strategie vor, der Transparenz schafft und den aktuellen Stand der Entwicklungen dokumentiert. Der aktuellste Bericht umfasst den Berichtszeitraum von August 2024 bis Juli 2025 und beleuchtet die Fortschritte in den Handlungsfeldern der Strategie, die 2021 beschlossenen ergänzenden Empfehlungen für den Schulbereich und die aus Mitteln des DigitalPakts Schule 2019 – 2024 finanzierten länderübergreifenden Maßnahmen. Im Zuge dieser Entwicklung spielt auch die kmk medienkompetenz eine zentrale Rolle, da sie die Grundlage für den sicheren und kompetenten Umgang mit digitalen Inhalten bildet.
Kernbereiche der Strategie: Die Handlungsfelder für den digitalen Wandel
Die Integration des digitalen Wandels in die Lehr- und Lernprozesse des Bildungssystems ist ein äußerst komplexes Unterfangen, das eine koordinierte Planung und Umsetzung über verschiedene Bereiche hinweg erfordert. Die Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ identifiziert sechs zentrale Handlungsfelder, die synergetisch bearbeitet werden müssen:
| Handlungsfeld | Erläuterung und Bedeutung |
|---|---|
| Bildungspläne und Unterrichtsentwicklung, curriculare Entwicklungen | Hier geht es um die Anpassung und Weiterentwicklung von Lehrplänen, um digitale Kompetenzen explizit zu verankern. Dies beinhaltet die Integration von Themen wie computational thinking, Datenkompetenz und digitale Ethik in alle Fächer. Ziel ist es, den Unterricht durch neue Methoden und digitale Werkzeuge innovativer und schülerzentrierter zu gestalten. |
| Aus-, Fort- und Weiterbildung von Erziehenden und Lehrenden | Die Qualifizierung von pädagogischem Personal ist entscheidend. Dies umfasst nicht nur den technischen Umgang mit digitalen Medien, sondern vor allem die Entwicklung medienpädagogischer und -didaktischer Kompetenzen, um digitale Lernumgebungen effektiv zu gestalten und auf die vielfältigen Anforderungen des digitalen Zeitalters vorzubereiten. |
| Infrastruktur und Ausstattung | Eine leistungsfähige digitale Infrastruktur ist die Basis für digitale Bildung. Dazu gehören nicht nur Hardware wie Endgeräte und interaktive Tafeln, sondern auch stabile Netzwerke, sichere und datenschutzkonforme Cloud-Lösungen sowie deren Wartung und technischer Support. |
| Bildungsmedien | Die Entwicklung und Bereitstellung hochwertiger digitaler Bildungsmedien ist unerlässlich. Dies umfasst interaktive Lernsoftware, digitale Schulbücher, Lernplattformen und Open Educational Resources (OER), die didaktisch sinnvoll aufbereitet, barrierefrei und einfach zugänglich sein müssen. |
| E-Government und Schulverwaltungsprogramme, Bildungs- und Campusmanagementsysteme | Die Digitalisierung administrativen Prozesse kann die Effizienz im Bildungswesen erheblich steigern. Dazu gehören digitale Anmeldeverfahren, Kommunikationsplattformen für Schulen, digitale Zeugnisse sowie integrierte Lern- und Campusmanagementsysteme, die den Verwaltungsaufwand reduzieren und die Kommunikation verbessern. |
| Rechtliche und funktionale Rahmenbedingungen | Die Schaffung klarer rechtlicher und funktionaler Rahmenbedingungen ist Voraussetzung für eine erfolgreiche digitale Transformation. Dies betrifft Aspekte des Datenschutzes, des Urheberrechts im digitalen Raum, Fragen der Finanzierung und die Vereinfachung administrativer Prozesse, um Rechtssicherheit und Handlungsfreiheit zu gewährleisten. |
Aufgrund der deutlichen Unterschiede in Akteuren, Bildungsaufträgen und Rechtsgrundlagen an allgemeinbildenden Schulen, beruflichen Schulen, Hochschulen und Einrichtungen der Weiterbildung gliedert sich die Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ in drei Hauptkapitel, die spezifische Schwerpunkte für die jeweiligen Bildungsbereiche setzen. Diese umfassende bildungsoffensive für die digitale wissensgesellschaft ist ein klares Bekenntnis Deutschlands zu einer modernen und zukunftsfähigen Bildungslandschaft.
Fazit: Deutschlands Weg zu einer zukunftsfähigen digitalen Bildung
Die KMK-Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ und ihre ergänzenden Empfehlungen stellen einen entscheidenden Fahrplan für die Transformation des deutschen Bildungssystems dar. Sie adressieren nicht nur die Notwendigkeit technischer Aufrüstung, sondern betonen vor allem die didaktische Neuausrichtung, die umfassende Qualifizierung von Lehrkräften und die Entwicklung einer digitalen Schulkultur. Durch die konsequente Arbeit der DigiKom und die Berücksichtigung aller Bildungsbereiche wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der Deutschland auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen digitalen Bildung voranbringt. Es ist ein kontinuierlicher Prozess, der Engagement, Koordination und eine offene Haltung gegenüber Innovationen erfordert, um die Chancen der Digitalisierung für alle Lernenden bestmöglich zu nutzen. Nur so kann sichergestellt werden, dass Deutschlands Jugend optimal auf die Herausforderungen und Möglichkeiten einer zunehmend digitalen Welt vorbereitet ist.
