Blähungen, medizinisch auch Flatulenz genannt, sind ein weit verbreitetes und oft lästiges Verdauungsphänomen. Sie entstehen durch die Ansammlung von Gasen im Verdauungstrakt, die schließlich entweichen müssen. Während gelegentliche Winde normal sind, können ständige Blähungen oder ein aufgeblähter Bauch auf zugrundeliegende Ursachen hinweisen, die von der Ernährung bis hin zu Erkrankungen reichen können.
Was sind Blähungen und wie entstehen sie?
Die Entstehung von Gasen im Bauch ist ein natürlicher Teil des Verdauungsprozesses. Im Dickdarm produzieren die dort ansässigen Bakterien täglich mehrere Liter Gas, während sie Nahrungsbestandteile abbauen. Zusätzlich schlucken wir beim Essen und Trinken Luft, die ebenfalls zum Gasvolumen beiträgt. Ein Großteil dieses Gasgemisches wird über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen, über die Lunge ausgeatmet oder über den After ausgeschieden. Von Blähungen spricht man, wenn diese Gasansammlung im Darm zu unangenehmem Druck oder häufigem Windabgang führt. Die Lautstärke eines Windes hängt vom Druck ab, mit dem die Gase auf den Schließmuskel treffen.
Symptome von Blähungen
Ein Grummeln im Bauch oder ein Gefühl der Völle können erste Anzeichen für überschüssige Luft im Darm sein. Diese Luft kann sich schrittweise entleeren oder zu einem spürbaren Blähbauch führen.
Festsitzende Blähungen und Bauchschmerzen
Wenn Blähungen hartnäckig sind und die Luft nicht entweichen kann, spricht man von festsitzenden Blähungen. Dies kann zu einem harten, schmerzhaften Bauchgefühl führen. Weitere Begleitsymptome wie Übelkeit, Krämpfe oder Durchfall können auftreten. In solchen Fällen könnten eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Darmerkrankungen wie das Reizdarmsyndrom die Ursache sein.
Blähungen bei Frauen
Frauen erleben Blähungen häufiger, insbesondere während ihrer Periode, Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Weibliche Hormone wie Progesteron können den Verdauungsprozess verlangsamen, was zur Ansammlung von Gasen führt. Hormonelle Schwankungen können auch Heißhungerattacken auf zucker- und fettreiche Lebensmittel auslösen, die Blähungen zusätzlich fördern.
Ursachen für Blähungen
- Ernährung: Gasbildende Nahrungsmittel wie Kohlarten (Brokkoli, Rosenkohl, Blumenkohl), Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Erbsen), Zwiebeln, Knoblauch und Lauch sind häufige Auslöser. Diese Lebensmittel enthalten Ballaststoffe, deren Abbau im Darm Gase produziert. Auch rohes Gemüse kann stärker blähen als gekochtes. Fruchtzucker in Obst, insbesondere in Beeren, Kirschen, Aprikosen und Pflaumen, kann ebenfalls Blähungen verursachen. Üppige, süße und fette Speisen überfordern die Verdauungsenzyme und führen zu vermehrten Darmwinden.
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Bei Unverträglichkeiten wie Fructoseintoleranz (Fruchtzucker), Laktoseintoleranz (Milchzucker) oder Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) können bestimmte Nahrungsbestandteile nicht richtig verarbeitet werden. Dies führt zur Gärung im Dickdarm und damit zu Blähungen.
- Zuckerersatzstoffe: Sorbit (E420), ein Zuckeraustauschstoff, der in Light-Produkten, Kaugummis oder auch natürlichen Früchten vorkommt, kann abführend wirken und Blähungen verursachen.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente, darunter Antibiotika, Antidiabetika und Diätmittel, können als Nebenwirkung Blähungen hervorrufen.
- Hastiges Essen und kohlensäurehaltige Getränke: Schnelles Essen führt zum Verschlucken von Luft. Kohlensäurehaltige Getränke erhöhen ebenfalls das Gasvolumen im Verdauungstrakt.
Wann sind Blähungen ein Krankheitsanzeichen?
Obwohl Blähungen meist harmlos sind, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, wenn sie von weiteren Beschwerden begleitet werden, wie:
- Starke oder anhaltende Bauchschmerzen
- Übelkeit oder Erbrechen
- Veränderungen im Stuhlgang (plötzlicher Durchfall, Verstopfung)
- Unerklärlicher Gewichtsverlust
- Blut im Stuhl
Diese Symptome können auf ernstere Erkrankungen wie chronische Verstopfung, Reizdarm, Reizmagen, entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), Darmkrebs, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Leber oder Gallenblase hinweisen.
Hausmittel und Linderung bei Blähungen
Gegen leichte Blähungen gibt es bewährte Hausmittel:
- Tees: Kräutertees aus Fenchel, Kümmel, Anis, Pfefferminze oder Melisse können beruhigend auf den Darm wirken. Ingwertee entspannt die Darmmuskulatur.
- Wärme: Eine Wärmflasche oder ein warmes Körnerkissen auf dem Bauch kann Krämpfe lindern.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung regt die Verdauung an.
- Bauchmassage: Eine sanfte Massage im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel kann helfen, Gase leichter abzuführen.
- Entspannungsübungen: Stress kann Verdauungsprobleme verschlimmern. Techniken wie Yoga oder Meditation können helfen.
Es ist ratsam, Blähungen nicht zu unterdrücken, sondern nach Möglichkeit abzulassen.
Medikamente gegen Blähungen
In der Apotheke sind rezeptfreie Medikamente erhältlich, die bei Blähungen helfen. Dazu gehören Entschäumer mit den Wirkstoffen Simeticon oder Dimeticon, die Gasblasen im Darm auflösen. Bei schmerzhaften Krämpfen können krampflösende Mittel Linderung verschaffen.
Blähungen in der Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft sind Blähungen aufgrund hormoneller Veränderungen häufig. Eine angepasste Ernährung (weniger Kohl und Hülsenfrüchte, mehr Karotten, Fenchel, Tomaten), der Verzicht auf kohlensäurehaltige Getränke und Tees aus Fenchel, Anis oder Kümmel können helfen. Bei starken Beschwerden sollte die Frauenärztin oder der Frauenarzt konsultiert werden.
Um Blähungen vorzubeugen und die allgemeine Darmgesundheit zu fördern, ist eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen, Probiotika und Präbiotika empfehlenswert. Sport in der Schwangerschaft kann ebenfalls zur Verbesserung der Verdauung beitragen.
