Blockchain-Analyse: Der Schlüssel zur Compliance für virtuelle Währungen

Die Welt der virtuellen Währungen entwickelt sich rasant und stellt Finanzinstitute vor neue und komplexe Herausforderungen im Bereich der Compliance. Um den regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden und sich vor illegalen Aktivitäten zu schützen, ist der Einsatz von Blockchain-Analyse unerlässlich geworden. Dieses Instrument ist entscheidend für die Umsetzung wirksamer Richtlinien und Verfahren, von der Sorgfaltspflicht gegenüber Kunden (Customer Due Diligence) über die Transaktionsüberwachung bis hin zum Sanktions-Screening.

Die einzigartigen Herausforderungen der Krypto-Compliance

Finanzielle Aktivitäten mit virtuellen Währungen unterscheiden sich grundlegend von Transaktionen im traditionellen Fiat-Währungssystem. Kryptowährungen wie Bitcoin und Ether ermöglichen Peer-to-Peer-Überweisungen, die pseudonym direkt zwischen Personen oder Entitäten stattfinden, oft ohne die Zwischenschaltung einer regulierten dritten Partei. Transaktionen zwischen nicht-verwahrenden Wallets (Self-Hosted Wallets), bei denen die Nutzer die Kontrolle über ihre privaten Schlüssel behalten, sind hierfür ein typisches Beispiel. Um die Anforderungen des New Yorker Bankengesetzes, des New Yorker Finanzdienstleistungsgesetzes sowie der Bundesgesetze zur Bekämpfung der Geldwäsche (BSA/AML) und der Vorschriften des Office of Foreign Assets Control (OFAC) zu erfüllen, müssen Unternehmen, die mit virtuellen Währungen arbeiten (VC Entities), ihre Compliance-Programme an die einzigartigen Merkmale dieser digitalen Vermögenswerte anpassen.

Diese Merkmale stellen zwar eine Herausforderung dar, eröffnen aber auch neue Möglichkeiten für Kontrollmaßnahmen, die sich die Technologie zunutze machen. Die Natur von Kryptowährungen ermöglicht eine detaillierte Herkunftsverfolgung, also die Überprüfung früherer Überweisungen oder „Hops“ entlang des öffentlichen Blockchain-Ledgers. Die Unveränderlichkeit der Blockchain bietet einen historischen Überblick über eine virtuelle Währungstransaktion zwischen Wallet-Adressen und schafft so eine Transparenz, die bei traditionellen Geldtransfers oft nicht gegeben ist.

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Die Risikominderungsstrategien eines VC-Unternehmens müssen dessen Geschäftsprofil berücksichtigen, um Risiken über verschiedene Arten von virtuellen Währungen hinweg zu bewerten. Obwohl die On-Chain-Daten Informationen wie Sende- und Empfangsadressen, Zeit, Datum und Wert der Transaktion enthalten, sind diese Adressen in der Regel pseudonym. Ohne zusätzliche Informationen lassen sie keine direkten Rückschlüsse auf den Absender, den Empfänger oder die wirtschaftlich Berechtigten zu. Zudem variiert die Effektivität bestehender Blockchain-Analyse-Tools je nach der betreffenden virtuellen Währung.

Kernanwendungen der Blockchain-Analyse im Risikomanagement

Angesichts der genannten Eigenschaften von virtuellen Währungen ist die Blockchain-Analyse von zentraler Bedeutung für die Erfüllung von AML-Anforderungen und anderen Compliance-Kontrollen in Bezug auf BSA/AML und OFAC. VC Entities können dabei auf Dienstleister von Drittanbietern oder intern entwickelte Analyseprodukte zurückgreifen. Entscheidend ist, dass die Integration dieser Tools in das Gesamtkontrollsystem des Unternehmens klar dokumentiert und auf das spezifische Risikoprofil zugeschnitten ist.

Erweiterung der KYC-Prozesse (Know Your Customer)

Im Rahmen ihrer KYC-Verpflichtungen müssen VC Entities Informationen über ihre Kunden und potenziellen Kunden einholen, pflegen und die damit verbundenen Risiken verstehen und effektiv steuern. Analyseprodukte können hierbei helfen, indem sie pseudonyme On-Chain-Daten mit identifizierenden Informationen verknüpfen, beispielsweise durch die Zuordnung einer Wallet-Adresse zu einer bestimmten Börse bei Depot-Transaktionen. In Kombination mit vom Kunden bereitgestellten Informationen kann so ein umfassenderes Bild entstehen.

Diese Tools können Wallet-Adressen identifizieren, die mit Institutionen oder bekannten Hochrisikoadressen wie Darknet-Marktplätzen in Verbindung stehen. Allerdings stoßen sie an ihre Grenzen, wenn es um die Identifizierung der letztendlichen Eigentümer geht, was zusätzliche „Off-Chain“-Verifizierungsmethoden erfordert. VC Entities müssen daher Richtlinien und Verfahren entwickeln, um das Gegenparteirisiko bei Geldtransfers zu bewerten. Einige Anbieter-Tools nutzen dafür numerische Scores oder Ranglisten, die das Risiko einer Gegenpartei basierend auf On-Chain-Daten und weiteren Faktoren wie der Stärke des AML-Programms der Institution bewerten.

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On-Chain-Transaktionsüberwachung

VC Entities müssen angemessene Kontrollmaßnahmen zur Überwachung und Identifizierung ungewöhnlicher Aktivitäten implementieren, die auf ihr Risikoprofil zugeschnitten sind. Es ist daher unerlässlich, Prozesse zur Rückverfolgung von Transaktionsaktivitäten für jede unterstützte virtuelle Währung zu etablieren. Dies umfasst die Analyse des Geldflusses auf der Blockchain für alle eingehenden oder ausgehenden Aktivitäten, oft als „Provenance Tracing“ oder „Transaction Tracing“ bezeichnet.

FinCEN betonte kürzlich, dass es für alle Finanzinstitute von entscheidender Bedeutung ist, verdächtige Aktivitäten im Zusammenhang mit potenzieller Sanktionsumgehung schnell zu identifizieren und zu melden. Dazu gehört eine risikobasierte oder gegebenenfalls erweiterte Sorgfaltspflicht gegenüber Kunden. Die Transaktionsüberwachung muss auf relevante Typologien und Warnhinweise zugeschnitten sein, um Abweichungen vom erwarteten Kundenverhalten zu erkennen. Relevante Typologien umfassen die Bewertung, ob eine virtuelle Währung:

  1. Einem hohen Risiko oder einer sanktionierten Gerichtsbarkeit ausgesetzt ist.
  2. Durch einen Mixer oder Tumbler verarbeitet wird.
  3. An oder von Darknet-Märkten gesendet wird.
  4. Mit Betrug oder Ransomware in Verbindung steht.
  5. Mit anderen illegalen Aktivitäten in Verbindung steht, die für das Geschäftsmodell des VC-Unternehmens relevant sind.

Die Dokumentation muss Eskalationsprozesse mit klar definierten Rollen und Verantwortlichkeiten beschreiben, einschließlich des Vorgehens bei Unklarheiten, beispielsweise bezüglich der Herkunft von Geldern.

Effektives Sanktions-Screening auf der Blockchain

Ebenso wichtig sind risikobasierte Richtlinien, um Transaktionsaktivitäten zu identifizieren, die mit sanktionierten Personen und Organisationen auf der SDN-Liste von OFAC oder in sanktionierten Gerichtsbarkeiten in Verbindung stehen. Laut OFAC kann Software zur Transaktionsüberwachung und -untersuchung verwendet werden, um Transaktionen zu identifizieren, die virtuelle Währungsadressen oder andere identifizierende Informationen betreffen, die mit sanktionierten Akteuren in Verbindung stehen.

Fazit: Proaktive Integration als Erfolgsfaktor

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Blockchain-Analyse kein optionales Werkzeug, sondern eine grundlegende Notwendigkeit für die Compliance im Bereich der virtuellen Währungen ist. Sie ermöglicht es Unternehmen, die einzigartigen Risiken digitaler Vermögenswerte effektiv zu steuern, regulatorische Anforderungen zu erfüllen und das Vertrauen von Kunden und Aufsichtsbehörden zu stärken. Eine proaktive Integration dieser Technologien in die Compliance-Frameworks ist nicht nur eine regulatorische Verpflichtung, sondern auch ein entscheidender Schritt zur Sicherung des langfristigen Erfolgs und der Integrität im Krypto-Ökosystem. Unternehmen, die in robuste Analysefähigkeiten investieren, sind besser gerüstet, um sich in der komplexen und dynamischen Landschaft der digitalen Finanzen zu behaupten.

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