Open Access revolutioniert die Art und Weise, wie wissenschaftliche Erkenntnisse verbreitet und genutzt werden. Er ermöglicht Fortschritt in Wissenschaft, Forschung und Gesellschaft, indem er interdisziplinäres Arbeiten und den internationalen Austausch qualitätsgesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse fördert. Gleichzeitig verbessert Open Access maßgeblich den Zugang der Öffentlichkeit zu wissenschaftlich fundierten Informationen und treibt so wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen voran. Die Corona-Pandemie hat eindrücklich gezeigt, wie wichtig der offene Zugang zu Forschungsergebnissen für die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen ist. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) erkennt diese Bedeutung an und setzt mit seiner Open-Access-Strategie auf die Etablierung von Open Access als Standard des wissenschaftlichen Publizierens.
Förderziel: Eine gelebte Open-Access-Kultur etablieren
Das übergeordnete Ziel dieser Förderrichtlinie ist die aktive Förderung des Wandels hin zu Open Access im wissenschaftlichen Publizieren. Das BMBF strebt die Etablierung einer umfassenden Open-Access-Kultur an, in der Open Access fester Bestandteil des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses ist und zur Förderung gesellschaftlicher Teilhabe beiträgt. Um dieses Ziel zu erreichen, werden Projekte unterstützt, die nachhaltige Finanzierungsmodelle entwickeln, die Anerkennung und Bewertung von Open Access verbessern und vielfältige Bedarfe einer Open-Access-Kultur adressieren. Konkret soll die Anzahl der Open-Access-Publikationen gesteigert, nachhaltige Finanzierungsmodelle etabliert und die Anerkennung von Open Access in der Wissenschaftsgemeinschaft erhöht werden. Zudem sollen Prozesse zur Etablierung einer Open-Access-Kultur an mehreren Institutionen initiiert und die Verfügbarkeit von Werkzeugen und Infrastrukturen zur Unterstützung von Open Access verbessert werden.
Themenschwerpunkte der Förderung
Die Richtlinie gliedert sich in drei Themenschwerpunkte, die verschiedene Aspekte der Open-Access-Transformation abdecken:
Themenfeld 1: Finanzielle Etablierung von Open Access
Dieses Feld konzentriert sich auf die Entwicklung, Erprobung und Etablierung von wissenschaftsgetragenen Finanzierungsmodellen für Open-Access-Publikationen. Ziel ist es, nachhaltige Alternativen zu traditionellen Publikationsgebühren zu schaffen und die Finanzierung wissenschaftlicher Inhalte durch wissenschaftliche Institutionen selbst zu stärken. Gefördert werden insbesondere Projekte, die innovative Ansätze für die Finanzierung von Open-Access-Publikationen verfolgen und dabei auf Qualitätssicherungsmaßnahmen wie Peer-Review-Verfahren setzen. Auch die Veröffentlichung und Verbreitung bisher unterrepräsentierter Formate wie digitaler Lehrbücher, Blogs oder Online-Enzyklopädien, die dynamische Elemente und Vernetzung nutzen, wird unterstützt.
Themenfeld 2: Institutionelle und soziokulturelle Etablierung von Open Access
Im Fokus dieses Themenfeldes stehen die Erforschung und die Steigerung der Anerkennung von Open Access in der Wissenschaft. Ziel ist es, Forschungslücken zu schließen, Kriterien für eine nachhaltige Publikationsumgebung in einer Open-Access-Kultur zu definieren und Ideen zur besseren institutionellen Verankerung von Open Access zu entwickeln. Dies beinhaltet die Erforschung responsiver Open-Access-Umgebungen, in denen Forschende Open Access als Standard wahrnehmen und unterstützen, sowie die Förderung von Vorhaben, die auf die Institutionalisierung von sich selbsttragenden Open-Access-Strukturen in akademischen Einrichtungen abzielen.
Themenfeld 3: Offenes Förderfeld für vielfältige Bedarfe
Dieses Feld bietet Raum für innovative Projektideen, die nicht eindeutig den ersten beiden Themenfeldern zugeordnet werden können, aber dennoch überzeugende Beiträge zur Etablierung einer gelebten Open-Access-Kultur leisten. Gefördert werden können beispielsweise die Entwicklung und Implementierung von Werkzeugen, Services oder Infrastrukturen, die Schaffung von Governance-Modellen oder die Professionalisierung von Arbeitsabläufen im Open-Access-Bereich. Auch Projekte, die bestehende Open-Access-Ansätze aufgreifen und weiterentwickeln, um deren Reichweite zu erhöhen, sind willkommen.
Antragsberechtigte und Verfahren
Antragsberechtigt sind staatliche und private Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie nicht gewerbliche Institutionen in Deutschland. Die Anträge müssen über das elektronische Antragssystem „easy-Online“ bis zum 25. Januar 2023 beim Projektträger VDI/VDE Innovation + Technik GmbH eingereicht werden. Eine rechtsverbindlich unterschriebene Antragstellung in schriftlicher und elektronischer Form ist erforderlich. Die geförderten Projekte sollen eine Laufzeit von maximal 36 Monaten haben und starten voraussichtlich am 1. September 2023.
Die Förderung erfolgt als nicht rückzahlbarer Zuschuss mit einer maximalen Fördersumme von 300.000 Euro pro Projekt (exklusive Projektpauschale). Die Bemessungsgrundlage variiert je nach Art des Antragstellers und der wirtschaftlichen Tätigkeit.
Besondere Zuwendungsvoraussetzungen und Nebenbestimmungen
Antragstellende müssen nachweislich über entsprechende Vorarbeiten und Kenntnisse im Bereich Open Access verfügen. Die Einhaltung beihilferechtlicher Vorgaben, insbesondere der De-minimis-Verordnung und der Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung (AGVO), ist zwingend erforderlich. Zuwendungsempfänger sind zudem angehalten, Maßnahmen zur Wissenschaftskommunikation zu planen und die Ergebnisse ihrer Forschungsvorhaben über Open Access zugänglich zu machen. Die Bereitstellung von Forschungsdaten nach FAIR-Prinzipien und die Veröffentlichung von Software als Open Source werden ausdrücklich begrüßt.
