Die Zukunft gestalten: Förderung der empirischen Bildungsforschung in Deutschland

In einer globalisierten Wissensgesellschaft sind Bildung und Forschung unverzichtbare Pfeiler für gesellschaftlichen Fortschritt und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Ein exzellentes Bildungssystem ist der Grundstein für individuelle Chancen, beruflichen Erfolg und die nachhaltige Entwicklung einer Nation. Um die Qualität dieses Systems kontinuierlich zu sichern und weiterzuentwickeln, bedarf es fundierter wissenschaftlicher Erkenntnisse. Genau hier setzt die empirische Bildungsforschung an, indem sie verlässliche Grundlagen für die Bewertung von Bildungslandschaften und die Gestaltung zukünftiger Perspektiven schafft. Die Bedeutung evidenzbasierter Entscheidungen nimmt auf allen Ebenen des Bildungswesens zu, von Ministerien über Schulämter bis hin zu einzelnen Schulen. frühkindliche bildung und erziehung spielt dabei eine entscheidende Rolle als Basis für den weiteren Bildungsweg.

Um die strukturelle Stärkung der empirischen Bildungsforschung in Deutschland voranzutreiben, hat die Bundesregierung ein umfassendes Rahmenprogramm ins Leben gerufen. Ein zentrales Element dieser Initiative ist die gezielte Gewinnung und Förderung hochqualifizierter Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler. Ziel ist es, sowohl die Forschung an Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen zu stärken als auch die empirische Expertise direkt im Bildungssystem zu verankern.

Warum die Förderung von Bildungsforschung so entscheidend ist

Leistungsfähige Forschung, Innovation und internationale Wettbewerbsfähigkeit sind eng miteinander verknüpft und setzen eine etablierte, exzellente empirische Bildungsforschung voraus. Im internationalen Vergleich ist die Anzahl empirisch ausgewiesener Bildungswissenschaftler in Deutschland jedoch noch ausbaufähig. Diese Förderrichtlinien zielen darauf ab, Promotionsprojekte zu unterstützen, die nicht nur die Forschungslandschaft bereichern, sondern auch einen direkten Beitrag zur Schließung wichtiger Forschungslücken leisten und bildungspolitische Entscheidungen sowie die pädagogische Praxis wissenschaftlich untermauern.

Themenschwerpunkte der Förderung

Die Förderung konzentriert sich auf Promotionsprojekte, die sich inhaltlich den folgenden drei Schlüsselbereichen widmen:

Bildungsforschung auf Basis umfangreicher Daten

Die kontinuierliche Qualitätssicherung und -entwicklung des Bildungssystems erfordert eine systematische und umfassende Erfassung von Daten und Entwicklungen. Die Bildungsberichterstattung hat hierbei in den letzten Jahren einen zentralen Stellenwert eingenommen, sowohl national auf Bundes- und Länderebene als auch supranational durch Organisationen wie die OECD, die Europäische Union und die Vereinten Nationen. Trotz der wachsenden politischen Bedeutung dieser Berichte besteht ein Mangel an entsprechend fachlich und empirisch ausgewiesenen Wissenschaftlern, die diese Daten analysieren können.

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Gleichzeitig stehen Daten aus amtlicher Statistik, prozessproduzierter Verwaltungsstatistik sowie umfangreiche Surveydaten von erziehungs-, sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Einrichtungen zur Verfügung. Diese Datenschätze werden bislang noch nicht ausreichend für die Bearbeitung wissenschaftlicher Fragestellungen genutzt. Der Umgang mit diesen Daten ist methodisch anspruchsvoll, und genau diesem Kompetenzdefizit soll mit der gezielten Förderung begegnet werden. Beantragte Vorhaben sollten primär Sekundäranalysen beinhalten. Eigene Datenerhebungen sind nur in geringem Umfang zulässig, sofern sie eine sinnvolle und notwendige Ergänzung der Sekundäranalysen darstellen.

Kompetenzdiagnostik: Grundlagen für effektives Lernen

Eine entscheidende Grundlage für die Optimierung und Vergleichbarkeit von Bildungsprozessen und -ergebnissen ist die zuverlässige Messung von Kompetenzen in verschiedenen Anforderungsbereichen – national wie international. Die empirische Erfassung von Kompetenzen ist jedoch theoretisch und methodisch äußerst komplex. In einigen schulischen Kontexten konnten in den letzten Jahren bereits erfolgreich Kompetenzmodelle entwickelt und empirisch überprüft werden.

Die Weiterentwicklung solcher Ansätze sowie die Entwicklung neuer Kompetenz- und Messmodelle sowie Messverfahren für schulische und außerschulische Kompetenzbereiche ist eine zentrale Aufgabe der empirischen Bildungsforschung. Insbesondere in den breiten Feldern der außerschulischen Bildung, wie der vorschulischen Bildung, der Berufsbildung und der Hochschulbildung, besteht noch erheblicher theoretischer und methodischer Entwicklungsbedarf. Promotionsvorhaben in diesem Bereich können sich daher sowohl auf schulische als auch auf nicht-schulische Bildungsbereiche beziehen und tragen maßgeblich zur Verbesserung der Bildungsqualität bei.

Empirische Fundierung der Fachdidaktiken

Die universitären Fachdidaktiken spielen eine zentrale Rolle für die Professionalisierung von Lehrerinnen und Lehrern. Empirisch fundiertes Wissen der Lehrkräfte ist, wie aktuelle internationale Forschungsstudien zeigen, maßgeblich für die Qualität von Lehr-Lernprozessen und somit eine zentrale Voraussetzung für ein leistungsfähiges Bildungssystem. Doch die empirische Fundierung des an Universitäten und in der Lehrerfortbildung vermittelten fachdidaktischen Wissens ist in Deutschland oft noch unzureichend, und die Anschlussfähigkeit an andere Bereiche der empirischen Bildungsforschung ist bislang nicht umfassend gewährleistet.

Die geförderten Promotionsvorhaben sollen einen wesentlichen Beitrag zur Generierung und Stabilisierung einer empirisch-wissenschaftlichen Basis der Fachdidaktiken leisten. Inhaltliche Schwerpunkte liegen hierbei insbesondere im Bereich der schulischen Bildungsstandards. Das Förderangebot richtet sich auch an Lehrerinnen und Lehrer, die an einem empirisch ausgerichteten Promotionsthema interessiert sind. Eine Einbindung des Promotionsvorhabens in einen internationalen Kontext ist erwünscht und sollte, wo sinnvoll, vertieft werden.

Wer kann gefördert werden?

Antragsberechtigt sind staatliche und nichtstaatliche Hochschulen sowie außeruniversitäre Forschungseinrichtungen mit Sitz in Deutschland. Dies schließt auch Forschungseinrichtungen ein, die gemeinsam von Bund und Ländern grundfinanziert werden, wobei für diese unter bestimmten Voraussetzungen eine Projektförderung für ihren zusätzlichen Aufwand bewilligt werden kann.

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Voraussetzungen für eine erfolgreiche Förderung

Im Rahmen dieser Nachwuchsfördermaßnahme werden ausschließlich Promotionsprojekte von Einzelpersonen unterstützt. Eine grundlegende Voraussetzung ist ein empirisch-analytischer Zugang zu einer Fragestellung aus den oben genannten Schwerpunktbereichen der empirischen Bildungsforschung. Dabei können sowohl quantitative als auch qualitative Methoden zum Einsatz kommen.

Das Angebot richtet sich an noch nicht promovierte Personen im Bereich der empirischen Bildungsforschung sowie an noch nicht promovierte Lehrkräfte, die ihr Forschungsvorhaben an einer deutschen Hochschule oder einer außeruniversitären Forschungseinrichtung in Verbindung mit einer Hochschule durchführen möchten.

Ein Promotionsvorhaben kann gefördert werden, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Die jeweilige Hochschule oder Forschungseinrichtung beschäftigt die Promovierende/den Promovierenden für den Zeitraum der Förderung oder übernimmt bei beamteten Lehrkräften die Projektmittelverwaltung.
  • Es wird erwartet, dass die Promovierende/der Promovierende durch eine Professorin/einen Professor fachlich betreut wird. Dies beinhaltet eine intensive, qualifizierte Beratung und die Anbindung an bestehende Forschungskontexte der aufnehmenden Einrichtung, inklusive Unterstützung bei der Methodenausbildung.
  • Um Forschungsergebnisse für Reformen im Bildungssystem nutzbar zu machen, ist eine allgemein verständliche Ergebnisaufbereitung essenziell. Antragsteller verpflichten sich, die Ergebnisse ihrer Vorhaben nicht nur der Fachöffentlichkeit, sondern auch einem breiten bildungspolitisch interessierten Publikum zugänglich zu machen. Diese Veröffentlichungen sollen unter anderem in das vom BMBF geförderte Internetportal eingestellt werden.
  • Antragstellerinnen und Antragsteller müssen sich ferner bereit erklären, Angaben zu ihrem Vorhaben in standardisiertem Format für die Veröffentlichung im Internetportal zur Verfügung zu stellen.

Umfang und Höhe der Zuwendung

Die Zuwendungen werden als nicht rückzahlbare Zuschüsse im Rahmen der Projektförderung gewährt. Für den Förderzeitraum kann die Stelle der/des Promovierenden projektbezogen bis zu E13 TVöD/TV-L (oder analoge Vergütung) gefördert werden, in der Regel mit der Hälfte der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit. Für beamtete und angestellte Lehrkräfte können während ihrer Tätigkeit an der Hochschule/Forschungseinrichtung die Dienstbezüge erstattet werden, basierend auf dem anteiligen zeitlichen Ausfall an der Schule oder Hochschule. Die Förderhöchstdauer eines einzelnen Promotionsprojekts beträgt in der Regel bis zu drei Jahre.

Darüber hinaus können weitere projektbezogene Mittel für studentische Hilfskräfte, Sach- und Reisemittel sowie Mittel für Investitionen beantragt werden. In begründeten Ausnahmefällen können auch Arbeitsplatzrechner (fest oder Laptop) für die Promovierenden beantragt werden. Das BMBF fördert zudem den internationalen Austausch in der empirischen Bildungsforschung. Reisemittel und weitere Ausgaben für internationale Kooperationen, wie Besuche internationaler Konferenzen, Forschungsaufenthalte im Ausland oder die Einladung von Gastwissenschaftlern nach Deutschland, können ebenfalls beantragt werden. Die Bemessungsgrundlage für Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind die zuwendungsfähigen projektbezogenen Ausgaben, die individuell bis zu 100 % gefördert werden können.

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Das zweistufige Antragsverfahren

Das Förderverfahren ist zweistufig konzipiert, wobei ein fachlicher Begutachtungsschritt unter Beteiligung externer Gutachter stattfindet.

Schritt 1: Einreichung und Auswahl der Projektbeschreibungen

Interessierte müssen zunächst formlose Projektbeschreibungen beim zuständigen Projektträger einreichen. Diese Beschreibungen sollten so detailliert sein, dass der Gutachterkreis eine abschließende fachliche Stellungnahme abgeben kann. Die formlosen Projektbeschreibungen dürfen einen Umfang von 15 Seiten (11 pt, Arial, 1-zeilig) ohne Anlagen nicht überschreiten und sind in achtfacher Ausfertigung (DIN A4, doppelseitig, plus ein einseitiges, ungebundenes Exemplar als Kopiervorlage) sowie als PDF-Dokument auf CD-ROM vorzulegen. Die Einhaltung dieser formalen Vorgaben ist wichtig, da eine Nichteinhaltung zum Ausschluss führen kann.

Die Bewertung der Projektbeschreibungen erfolgt durch unabhängige externe Gutachter mit ausgewiesener Expertise in empirischer Bildungsforschung nach folgenden Kriterien:

  • Qualität des Forschungsvorhabens: Wissenschaftliche und methodische Qualität, innovatives Potenzial in Bezug auf die drei Schwerpunktbereiche, Erfolgsaussichten und Realisierbarkeit im Förderzeitraum.
  • Wissenschaftliche Qualifikation der Promovierenden: Bisherige Leistungen und Expertise.
  • Wissenschaftliche Ausgewiesenheit der Betreuenden.
  • Einbindung der Promovierenden: In den Forschungskontext der aufnehmenden Einrichtung, inklusive der Methodenausbildung.

Auf Grundlage dieser Bewertung werden die für eine Förderung geeigneten Promotionsprojekte ausgewählt, und die Interessenten schriftlich über das Auswahlergebnis informiert.

Schritt 2: Einreichung der förmlichen Förderanträge

Bei positiv bewerteten Projektbeschreibungen werden die Interessenten aufgefordert, einen förmlichen Förderantrag bei der Institution einzureichen, an der das Forschungsvorhaben durchgeführt werden soll. Nach abschließender Prüfung dieses Antrags wird über die Bewilligung entschieden.

Vordrucke und weitere Informationen sind über das Internetportal der Bundesregierung oder direkt beim Projektträger erhältlich. Es wird auf die Möglichkeit hingewiesen, das elektronische Antragssystem “easy” zu nutzen, um den Prozess zu vereinfachen.

Fazit: Gestalten Sie die Bildungslandschaft von morgen

Die Förderung der empirischen Bildungsforschung in Deutschland bietet eine einzigartige Chance für engagierte Nachwuchswissenschaftler und Lehrkräfte, einen bedeutenden Beitrag zur Weiterentwicklung unseres Bildungssystems zu leisten. Durch die Konzentration auf relevante Forschungslücken in der Datenanalyse, Kompetenzdiagnostik und Fachdidaktik wird nicht nur die wissenschaftliche Basis gestärkt, sondern auch die Qualität der Bildung für zukünftige Generationen maßgeblich verbessert. Wenn Sie eine brillante Forschungsidee haben und die Bildungslandschaft aktiv mitgestalten möchten, nutzen Sie diese Gelegenheit, um Ihr Promotionsprojekt zu realisieren. Informieren Sie sich ausführlich und reichen Sie Ihren Antrag ein, um Teil dieser wichtigen Initiative zu werden.