Die VR-Fitnesswelt wächst stetig und mit Les Mills BodyCombat kommt eine weitere App auf den Markt, die verspricht, das heimische Wohnzimmer in ein pulsierendes Fitnessstudio zu verwandeln. Doch kann das Workout, inspiriert von der gleichnamigen realen Fitnessmarke, auch ohne die physische Präsenz eines Trainers überzeugen? Dieser Test beleuchtet das Erlebnis auf der Meta Quest.
Das Konzept hinter Les Mills BodyCombat
Beim Start des Spiels werden zunächst persönliche Daten wie Gewicht, Größe und Alter abgefragt, um das Training theoretisch personalisieren zu können. Im Praxistest blieb jedoch unklar, wie diese Daten konkret zur Anpassung der Empfehlungen genutzt werden. Nach der Eingabe begrüßen die virtuellen Trainer, allen voran die enthusiastische Rachael und der etwas zurückhaltendere Dan. Sie führen in die grundlegenden Bewegungen des Boxens ein – Jabs, Haken und Aufwärtshaken.
Das Kernprinzip von Les Mills BodyCombat ähnelt bekannten VR-Fitnessspielen wie Beat Saber oder BoxVR. Ziel ist es, auf herannaue Ziele einzuschlagen und Hindernissen auszuweichen. Die Übungen werden durch verschiedene Elemente ergänzt, wie beispielsweise “Sky Punches”, bei denen man zum Schlagen nach oben ausholt, oder “Battle Rope Punches”, die schnelle Schlagbewegungen auf den Boden erfordern. Eine besonders herausfordernde Übung simuliert das Ergreifen und das Niederschlagen eines Gegners mit dem Knie. Hierbei zeigte sich in unserem Test, dass die genaue Ausführung für das Spiel zu registrieren ist, auch wenn die korrekte Technik nicht immer intuitiv war. Die Punkte- und Kombinationsanzeige motivieren zusätzlich, jede Bewegung präzise auszuführen.
Interessant ist die Präsentation der Workouts: Während des Trainings erscheinen sechs weitere Teilnehmer, die scheinbar synchron mit dem Spieler agieren. Zwar sind diese nicht in Echtzeit dabei, doch die Darstellung erzeugt eine gute Gruppendynamik. Die Aktualisierung der Highscore-Listen während des Spiels verstärkt dieses Gefühl und motiviert, die eigene Leistung zu steigern.
Interface und Benutzererfahrung
Die akustischen Signale in Les Mills BodyCombat sind gut umgesetzt. Sie informieren den Spieler über verfehlte Schläge, unterbrochene Kombos oder Kollisionen mit Wänden. Diese Rückmeldungen sind gerade bei hohem Tempo und schnellen Zielwechseln unerlässlich, um den Fokus zu behalten. Auch die visuellen Hinweise sind klar und verständlich. Die Zielformen sind so gestaltet, dass sie eindeutig anzeigen, wie sie getroffen werden müssen. Die eigene Schattenprojektion auf herannahende Hindernisse hilft bei der korrekten Positionierung des Körpers.
Die Musikuntermalung ist energiegeladen und passend für ein Workout, auch wenn sie keine neuen musikalischen Maßstäbe setzt. Sie erfüllt jedoch ihren Zweck, das Tempo des Trainings vorzugeben und die Motivation hochzuhalten.
Die Trainer Rachael und Dan führen durch die einzelnen Workouts mit der typischen Mischung aus Enthusiasmus und Fachwissen, die man von erfahrenen Fitnesstrainern kennt. Sie bereiten auf neue Übungssequenzen vor und geben Hinweise zur richtigen Haltung, um optimale Ergebnisse zu erzielen.
Ein Kritikpunkt ist die mangelnde Interaktivität und das Fehlen von adaptivem Feedback. Die Trainingsstunden sind stark geskriptet. Selbst wenn der Spieler keine Schläge trifft oder Hindernisse nicht ausweicht, wird er weiterhin gelobt. Echte Rückmeldungen zum individuellen Leistungsstand fehlen oft, es sei denn, man fällt in der Rangliste zurück. Dies kann besonders bei neuen Übungen, wie dem beschriebenen Kniestoß, frustrierend sein, wenn die korrekte Ausführung nicht sofort gelingt und keine Wiederholung der Tutorial-Phase angeboten wird.
Die Menüführung könnte ebenfalls verbessert werden. Zwar sind die 30 verfügbaren Workouts gut unterteilt und zugänglich, die vertikale Navigation mittels “Grab”-Technik funktioniert jedoch nicht immer zuverlässig. Dies kann das Auswählen von Übungen erschweren. Andere Interaktionen wie das Anzeigen von Trainingsdetails (Kalorienverbrauch, Wochenziele) oder das Markieren von Favoriten sind funktional und gut integriert. Eine Funktion für “zuletzt gespielte Workouts” fehlt jedoch schmerzlich.
Wertigkeit und Fazit
Die “Einmalkauf”-Version von Les Mills BodyCombat bietet preislich eine attraktive Alternative zu traditionellen Fitnesskursen oder Studio-Mitgliedschaften. Die gamifizierte Herangehensweise ist motivierender als reine Video-Anleitungen.
Während der Workouts, wenn der Spieler ganz im Moment ist und das Gefühl des “Flows” erreicht, liefert Les Mills BodyCombat ein hervorragendes Trainingserlebnis. Das Spiel lenkt geschickt vom eigentlichen Anstrengungsgrad ab. Die repetitive Natur der Übungen mag nicht neu sein, aber die App versteht es gut, die notwendige Anstrengung durch unterhaltsame Ablenkungen zu kaschieren.
Die größte Schwäche liegt jedoch im Umgang mit Fehlern. Das Nicht-Registrieren von Fehlschlägen während des Trainings erschwert das Lernen und Verbessern. Echte Fehlerkorrektur und die Möglichkeit, Tutorials zu wiederholen, würden die Funktionalität deutlich aufwerten.
Trotz dieser Einschränkungen bietet Les Mills BodyCombat herausfordernde und unterhaltsame Workouts. Die fehlende Abo-Gebühr und die intensive körperliche Beanspruchung nach einer 30-minütigen Session sind klare Pluspunkte. Die App hat großes Potenzial, und es bleibt abzuwarten, welche Updates nach der Veröffentlichung folgen werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Les Mills BodyCombat ist ein anspruchsvolles und potenziell sehr spaßiges VR-Workout, das jedoch von einigen frustrierenden Einschränkungen im Bereich der Benutzerführung und des Feedbacks getrübt wird.
Vorteile:
- Enthusiastische und kompetente Trainer
- Anspruchsvolle und unterhaltsame Workouts
- Kein Abo-Modell für diese Version
Nachteile:
- Geskriptete, nicht-interaktive Anleitung
- Teilweise fehlerhafte Menüführung
- Begrenzte Anpassungs- und Feedbackoptionen
