Geschichte nicht im isolierten Raum studieren! – Ein möglicher Weg zur Referentenstelle in der bpb

Als Geisteswissenschaftlerin fragt man sich oft: “Möchte überhaupt jemand außerhalb des akademischen Elfenbeinturms von meinem Wissen profitieren? Bleibt mir letztlich nur der Lehrerberuf?” Cornelius Strobel gab am 7. Dezember 2015 im Rahmen der Reihe „Berufe für Historiker (und andere Geisteswissenschaftler)“ eine überzeugende Antwort darauf. Für diejenigen, die nicht unbedingt in den Schuldienst wechseln, aber Wissen in die Gesellschaft tragen möchten, könnte die Arbeit in der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) eine spannende Option sein. Die bpb bietet ein breites Spektrum an Tätigkeiten, das didaktisch, inhaltlich und multimedial facettenreich ist und sich nicht nur an Historikerinnen richtet.

Cornelius Strobel, selbst Referent in der bpb, eröffnete den Vortrag mit einem Lachen und seiner persönlichen Anekdote, während seines Studiums in Münster in derselben Übung gesessen zu haben. Nun stand er vorne, um seinen eigenen Berufsweg nachzuzeichnen und den Fragen der Studierenden zu begegnen. Er betonte, dass die Berufschancen für Geisteswissenschaftler*innen oft besser seien, als sie auf den ersten Blick erscheinen mögen. Seine positive und engagierte Haltung spiegelte sich in den folgenden 90 Minuten wider, in denen Strobel einen faszinierenden Einblick in die Arbeit der bpb und seinen Weg dorthin gab und eine angeregte Diskussion anstieß.

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), untersteht dem Bundesministerium des Innern und hat Standorte in Bonn und Berlin. Seit ihrer Gründung im Jahr 1952 hat sie den Auftrag, Bürger*innen zur politischen Partizipation anzuregen, und ist damit eine europaweit einzigartige Institution. Vielen Studierenden sind die „schwarzen Hefte“, die „Informationen zur politischen Bildung“, noch aus der Schulzeit bekannt. Doch die bpb bietet weit mehr als Printmedien: Auf ihrer Webseite finden sich Veranstaltungen, Studienreisen nach Israel sowie aufbereitete Themen aus Geschichte, Gesellschaft und Politik für verschiedene Zielgruppen, ergänzt durch Lernmaterialien, Dossiers und Videos.

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Die Arbeit in der bpb ist in sechs Fachbereiche gegliedert. Cornelius Strobel ist am Standort Bonn als Referent im Fachbereich „Extremismus“ tätig. Dieser Fachbereich konzentriert sich auf Präventionsarbeit und Aufklärung über bundesweite Entwicklungen extremistischer Strömungen sowie auf die Aufklärung über gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Vorurteilsstrukturen in der Gesellschaft. Strobel erläuterte das Kontroversitätsgebot, das für alle Mitarbeiterinnen gilt: „Kontrovers diskutierte Themen gilt es auch kontrovers darzustellen und keine Position zu bevorzugen.“ Er und seine Kolleginnen erarbeiten den inhaltlichen Rahmen für Veranstaltungen, beispielsweise zu den verschiedenen Strömungen des Salafismus, und laden externe Expertinnen ein, inhaltliche Beiträge zu leisten. Der Arbeitsalltag ist vielfältig und umfasst die Organisation von Tagungen, die Einladung von Referentinnen, die Redaktion von Reden des Präsidenten der bpb oder die Prüfung von Förderanträgen zivilgesellschaftlicher Träger.

Strobels eigener Berufsweg zeigt, dass nicht nur geradlinige Karrieren zum Ziel führen. Nach dem Abitur absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Mediengestalter für Digital- und Printmedien in der Werbebranche. Zwei Jahre später entschied er sich, seinen anderen Interessen nachzugehen und studierte Geschichte und Politikwissenschaft im Bachelor sowie Geschichte im Master. Er rät Studierenden, sich während des Studiums zu orientieren und ein Profil zu entwickeln: „Studieren Sie Geschichte nicht im isolierten Raum!“ Schon in seiner Jugend interessierte er sich für religiösen Fundamentalismus und Rechtsextremismus, was ihn dazu bewog, gezielt passende Veranstaltungen im Studium zu besuchen.

Diese inhaltliche Ausrichtung und seine zusätzlichen Kompetenzen in der Mediengestaltung ermöglichten ihm nach dem Studium ein zweijähriges Volontariat im Fachbereich „Print“ der bpb – ein klassischer Einstieg, für den es regelmäßig 14 Volontariatsstellen gibt. Auch Tätigkeiten in der außerschulischen Bildung, wie in der Gedenkstättenarbeit, oder bei einer der Landeszentralen für politische Bildung können bei der Bewerbung von Vorteil sein. Wer bereits während des Studiums Einblicke in die Arbeit der bpb gewinnen möchte, kann sich für ein Praktikum bewerben.

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Trotz hoher Bewerberzahlen für die Volontariatsplätze ermutigte Strobel, sich nicht von der Bewerbung abschrecken zu lassen. Die erste Hürde sei ein Onlinefragebogen, gefolgt von der klassischen Zusendung schriftlicher Unterlagen und eines Motivationsschreibens. Im abschließenden Bewerbungsgespräch werdenweilen kleinere Aufgaben gestellt, wie die Beurteilung eines möglichen bpb-Textes hinsichtlich des Kontroversitätsgebots. Wer sich diesen Herausforderungen selbstbewusst stellt, hat gute Chancen auf eine spannende Zeit in der bpb.

Für Cornelius Strobel überwiegen die Vorzüge seiner jetzigen Tätigkeit gegenüber seiner Zeit als Mediengestalter. Zwar seien die Aufstiegsmöglichkeiten im Vergleich zur freien Wirtschaft begrenzt. Doch seine Arbeit fordere ihn und erfülle ihn. Die geregelten Arbeitszeiten, die im öffentlichen Dienst etablierte Vereinbarkeit von Familie und Beruf und der Ausbau von Home-Office-Konzepten bieten eine wertvolle Sicherheit. Strobel prognostiziert zukünftig eine stärkere Förderung der bpb, was höhere Chancen für Absolvent*innen bedeuten könnte – nicht zuletzt als Konsequenz aus der NSU-Affäre und dem Aufstieg religiösen Extremismus.

Wenn Sie also überlegen, wie Sie Ihr geisteswissenschaftliches Wissen sinnvoll in die Gesellschaft einbringen können, könnte die Bundeszentrale für politische Bildung ein vielversprechender Weg sein. Entdecken Sie die vielfältigen Möglichkeiten, sich politisch zu engagieren und wertvolle Bildungsarbeit zu leisten!