Während viele E-Commerce-Lieferdienste mit dreistelligen Millionenverlusten kämpfen, demonstriert die hochprofitable Rapp Brauerei aus Kutzenhausen im schwäbischen Landkreis Augsburg seit Jahrzehnten, wie direkter Konsumentenkontakt, ein hoher Eigenmarkenanteil und verlässliche Wiederkaufsraten zum Erfolg führen können. Mit einer Produktion von über einer Million Hektoliter jährlich, davon über 200.000 hl Bier und 800.000 hl alkoholfreie Getränke, schwimmt Rapp gegen den Strom des Marktes – und das mit beeindruckendem Erfolg. Im Gegensatz zu gängigen Getränkeangeboten, die man beispielsweise unter veltins angebot trinkgut findet, setzt Rapp auf ein völlig autarkes System, das seine Wurzeln tief in der regionalen Tradition hat.
Eine Brauerei mit langer Tradition und Weitblick
Die Geschichte der Rapp Brauerei ist eng mit ihrer Heimat verbunden. Bereits 1893 übernahm Georg Johann Rapp die Hausbrauerei und legte den Grundstein für das heutige Unternehmen. Was als Belieferung weniger Gaststätten begann, entwickelte sich stetig weiter. 1926 markierte die Einführung von Flaschenbier und die Anschaffung des ersten Lastwagens wichtige Meilensteine. Unter der Führung der Enkel des Firmengründers, Georg und Klemens Rapp, startete 1967 der wegweisende Heimdienst. Im selben Jahr erfolgte die Umstellung auf eine hauseigene Rapp-Glasflasche, die 2001 durch die heute bekannte 0,5-Liter-Rapp-Mehrweg-Glasflasche mit Schraubverschluss ersetzt wurde. Diese kontinuierliche Entwicklung, stets mit einem Fokus auf Kundennähe und eigene Infrastruktur, prägt die DNA der Brauerei bis heute.
Das Erfolgsgeheimnis: Eigener Heimdienst und Fachpersonal
Das Kernstück des Rapp-Erfolgs ist der eigene Heimdienst, der für die ausschließliche Auslieferung von Bier, Wasser, Säften und weiteren Getränken verantwortlich ist. Knapp 200 blitzsaubere, stets moderne blaue LKW und Transporter bilden das Rückgrat dieser Logistik. Eine Besonderheit sind die Fahrer: Sie verdienen auf Facharbeiter-Niveau, erhalten umfangreiche Sozialleistungen und werden teils in der hauseigenen Fahrschule ausgebildet. In Personalunion fungieren sie auch als Verkäufer, pflegen engen Kontakt zu den rund 270.000 belieferten Privathaushalten und tragen maßgeblich zur Kundenbindung bei. Diese Strategie unterscheidet Rapp fundamental von Wettbewerbern wie Durstexpress oder Flaschenpost, die oft mit prekären Arbeitsverhältnissen und Gewerkschaftsstreitigkeiten zu kämpfen haben. In Kutzenhausen hingegen kennt man solche Probleme nicht.
Nach außen hin agiert das Unternehmen stets sehr verschwiegen und legt Wert auf Bescheidenheit. Umsatzanfragen bei Geschäftsführer Georg Rapp jun. (67) stoßen auf Granit. Diese Verschwiegenheit und das bewusste Understatement sind offensichtlich Teil der Firmenphilosophie. Die Familie Rapp zieht es vor, unter dem Radar zu bleiben – auch für die Branche. Dies gelingt vor allem durch die konsequente Verwendung eigener Mehrweg-Flaschen, die eigene Herstellung und Abfüllung, die eigene Logistik sowie den eigenen Vertrieb. Rapp agiert vollkommen unabhängig in einer Art Parallelwelt, ohne Geschäftsbeziehungen zu Getränkefachgroßhändlern (GFGHs), Getränkeabholmärkten (GAMs) oder dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH).
Mehr als nur Lieferung: Das Rapp-Vollsortiment für Stammkunden
Der Rapp-Heimdienst beliefert seine Kunden regelmäßig alle 14 Tage auf festen Touren. Pro Fahrzeug sind dabei stets zwei Mitarbeiter im Einsatz, um einen reibungslosen Service zu gewährleisten. Die Bestellung kann telefonisch, über das Internet, per App, direkt beim Fahrverkäufer oder mittels Bestellkarte erfolgen. Sollte ein Kunde einmal keine Bestellung aufgeben, wird er proaktiv vom Kundendienst telefonisch erinnert – ein Service, der auf den Aufbau und die Pflege von Stammkunden abzielt. Ziel ist es, möglichst viele Haushalte mit dem kompletten Getränke-Vollsortiment zu versorgen und sie langfristig an den Service zu binden. Einmal im Rapp-Kreislauf, fällt es vielen Kunden schwer, sich diesem wieder zu entziehen.
Das Liefergebiet erstreckt sich über nahezu den gesamten süddeutschen Raum, von Großstädten bis hin zu kleineren Dörfern: Im Westen bis zur französischen Grenze, im Norden bis Würzburg, im Osten bis hinter Regensburg und im Süden bis an die deutsch-österreichische Grenze zwischen Traunstein und Villingen-Schwenningen im Schwarzwald. Über die Gebrüder Rapp oHG im südhessischen Lorsch werden zudem auch das Rhein-Main-Gebiet und der Rhein-Neckar-Raum beliefert.
Die Preise für eine Kiste (20×0,5l) Bier liegen zwischen 11 und 14 Euro (Spezialitäten können teurer sein), Mineralwasser kostet 6,50 Euro, Saftschorlen 8 bzw. 9 Euro, Eistee und Säfte zwischen 10 und 15 Euro und Limonaden 7 bis 10,50 Euro. Die Lieferung erfolgt dabei stets frei Haus. Bezahlt werden kann entweder direkt bar beim Fahrer, per Überweisung oder nach Absprache auch per SEPA-Basislastschrift. Für Flaschen und Kästen wird kein Pfand erhoben; die Gebinde können jedoch nur bei Rapp selbst im Zuge der Belieferung wieder abgegeben werden.
Autarkie und Nachhaltigkeit: Die Rappen-Quelle und grüne Energie
Insgesamt beschäftigt die Rapp Brauerei über 500 Mitarbeiter, davon 400 Fahrverkäufer und 100 in der Produktion, einschließlich der Verwaltung. Die Grundlage für die Herstellung der 22 Biersorten (inklusive Biermix, alkoholfreier Varianten und Saisonspezialitäten) sowie über 30 Saft- und Limonadensorten bildet die hauseigene Rappen-Quelle. Diese wird aus zwei eigenen Mineralbrunnen auf dem weit über 100.000 Quadratmeter großen Brauereigelände aus einer Tiefe von 255 Metern gefördert, mitten im Naturpark Augsburg Westliche Wälder. Um in der Energieversorgung autark zu sein, setzt Rapp auf Photovoltaik. Mit einer eigenen, vollbiologischen Kläranlage, an die neben Kutzenhausen auch zwei weitere Nachbargemeinden angeschlossen sind, achtet die Brauerei zudem auf ökologische Kreisläufe und unterstreicht ihr Engagement für Nachhaltigkeit.
Ein „antiquiertes“ Modell, das den E-Commerce übertrifft
Die funktionierenden Kreisläufe, das Understatement und die weitgehende Unabhängigkeit in nahezu allen Bereichen haben Rapp über Jahrzehnte zu einem stillen Gewinner gemacht. Das auf den ersten Blick vielleicht „antiquiert“ wirkende Geschäftsmodell erweist sich gerade in ländlichen Gegenden als überlegen gegenüber hippen E-Commerce-Lieferdiensten. Bei Rapp hat man sich ohnehin noch nie sonderlich um den Wettbewerb geschert. Wichtig ist nur, in der eigenen Nische bestmöglich zu agieren und den Kunden einen unübertroffenen Service zu bieten.
Die Erfolgsgeschichte der Rapp Brauerei ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Tradition, konsequente Eigenständigkeit und ein klarer Fokus auf den direkten Kundenkontakt auch in Zeiten der Digitalisierung zu nachhaltigem Erfolg führen können. Wer Wert auf Qualität, Service und regionale Produkte legt, findet im Heimdienst von Rapp einen zuverlässigen Partner. Entdecken Sie selbst die Vielfalt und den Komfort dieses einzigartigen Getränkelieferdienstes!
Referenzen
- Artikel aus INSIDE 871
