Aldi Brötchen: Eine Revolution im Discounter-Backregal durch regionale Handwerkskunst

Die Zeiten, in denen Discounter ausschließlich auf günstigste Aufbackware setzten, scheinen gezählt. Aldi, einer der größten Akteure im deutschen Lebensmitteleinzelhandel, vollzieht einen strategischen Schwenk und setzt vermehrt auf Brötchen und Backwaren von regionalen Handwerksbäckern. Dieser Schritt, der zunächst in Bremen und Niedersachsen an den Start ging, markiert eine bedeutende Veränderung in der Beschaffungsstrategie des Discounters und hat weitreichende Implikationen für Kunden und Bäcker gleichermaßen.

Aldi Nord hat in rund 20 Filialen in Bremen regionale Spezialitäten der Bäckerei Neuber ins Sortiment aufgenommen. In Niedersachsen wurden Kooperationen mit der Heide-Bäckerei Meyer im Landkreis Gifhorn sowie mit der Feinbäckerei Ruch im Raum Göttingen etabliert. Eine Sprecherin von Aldi Nord bestätigte, dass die Zusammenarbeit mit weiteren Bäckereien bereits in Planung sei. Diese Initiative zielt darauf ab, neun Artikel aus dem Standard-Backwarensortiment durch Produkte lokaler Handwerksbäcker zu ersetzen. Die Auswahl der Spezialitäten erfolgt in enger Abstimmung mit den Bäckereien, um sicherzustellen, dass die beliebtesten regionalen Produkte ihren Weg in die Filialen finden. Ein entscheidender Faktor für diese Kooperationen ist die lokale Bekanntheit und Wertschätzung des jeweiligen Bäckers und seiner Produkte durch die Kundschaft vor Ort. Daher arbeitet Aldi Nord sowohl mit kleineren Dorfbäckereien als auch mit größeren Handwerksbäckereien zusammen, um dieser Anforderung gerecht zu werden.

Ein Strategiewechsel: Abschied von Backautomaten

Die aktuelle Strategie von Aldi unterscheidet sich grundlegend von dem Ansatz, den der Discounter noch vor über einem Jahrzehnt verfolgte. Damals setzte Aldi massiv auf Backautomaten in seinen Filialen. Diese Maßnahme stieß im Bäckerhandwerk auf erheblichen Widerstand, insbesondere wegen der damaligen Werbeaussage: “Ab sofort backen wir den ganzen Tag Brot und Brötchen für Sie.” Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks reichte Klage ein und kritisierte, dass in diesen “Backautomaten” tatsächlich keine frischen Produkte gebacken, sondern lediglich vorgebackene oder fertig produzierte Brote und Brötchen erwärmt wurden. aldi brötchen preis Solche Geräte gehören in den Aldi-Filialen inzwischen der Vergangenheit an, was den Wandel in Aldis Backwarenphilosophie deutlich unterstreicht.

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Aldi Süd als Vorreiter: Erfolgreiche Kooperationen

Aldi Süd hat bereits vor einiger Zeit begonnen, Brot und Backwaren von Handwerksbäckern anzubieten. Die Preise für diese Artikel liegen dabei nahe an denen der Bäckereifilialen selbst. Ein prominentes Beispiel ist die Zusammenarbeit in Düsseldorf, wo der Stadtbäcker Westerhorstmann nicht nur seine eigenen 20 Geschäfte, sondern zusätzlich 45 Aldi-Filialen beliefert. Bäckermeister Frank Westerhorstmann-Bachhausen bezeichnete diese Kooperation in einem WDR-Interview als „Ritterschlag“, da ein Discounter das traditionelle Handwerk wertschätzt und in sein Sortiment integriert. Dies zeigt, dass eine solche Zusammenarbeit für etablierte Bäckereien durchaus eine Chance darstellen kann, ihre Reichweite zu vergrößern und neue Kundensegmente zu erschließen.

Skepsis und Chancen im Bäckerhandwerk

Nicht alle Bäcker sehen diese Entwicklung uneingeschränkt positiv. Dietmar Baalk, Landesinnungsmeister der Bäcker in Niedersachsen und Bremen sowie Inhaber des Betriebs “Baalk Backbord”, äußert sich mit gemischten Gefühlen. Für ihn kommt eine Belieferung von Aldi nicht infrage, da er mit seinem Brot im Premiumbereich positioniert ist und eine Präsenz im Discountbereich seinen etablierten Premiumruf verwässern könnte. Baalk mahnt zur Vorsicht: “Ich weiß nicht, auf welche Bedingungen sich die Bäcker da einlassen. Wenn die vernünftig sind, muss das jeder für sich entscheiden. Ich würde es auf alle Fälle sehr genau prüfen, ob ich eine solche Kooperation eingehe.” Er erkennt jedoch auch das Potenzial, die eigene Bekanntheit zu steigern, insbesondere wenn die Kooperation nicht direkt in der eigenen Stammregion stattfindet.

Hinter den Kulissen: Die Bäckereien Neuber und Garde

Für viele Bremer mag der Name Bäckerei Neuber, dessen Ware nun in den Aldi-Filialen angeboten wird, unbekannt sein. Hinter der Bäckerei Neuber verbirgt sich die Back und mehr Nord Neuber GmbH mit Sitz in Achim. Interessanterweise teilen sich diese Gesellschaft, die Achimer Stadtbäckerei und die Bäckerei Garde dieselbe Firmenadresse. Die Achimer Stadtbäckerei und Garde gehören wiederum der Back und mehr Nord B GmbH, deren Geschäftsführer Roberto Ferrari Renzi ist. In den Aldi-Filialen tritt er bisher nicht unter dem Namen “Garde” auf. Garde und die Achimer Stadtbäckerei haben eine bewegte Geschichte hinter sich, einschließlich dreier Insolvenzen in Eigenverwaltung in den vergangenen Jahren. Infolge der letzten Insolvenz trennte sich Garde von einigen Filialen in Supermärkten, und Ferrari Renzi übernahm im letzten Jahr die Geschäftsführung. Auch die Bäckerei Neuber, die vor allem in Bremerhaven und nördlich der Seestadt Filialen betreibt, musste eine Insolvenz durchlaufen, bei der ebenfalls Ferrari Renzi die Leitung übernahm.

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Regionalität als Kundenmagnet: Der Trend im Discounter-Markt

Der Trend zur Regionalität ist im gesamten deutschen Einzelhandel, insbesondere bei Discountern und Supermarktketten, stark ausgeprägt, da Kunden zunehmend nach solchen Produkten fragen. Wettbewerber wie Netto bewerben regionale Produkte gezielt in ihren wöchentlichen Prospekten mit Logos wie “Qualität aus Bremen” oder “Qualität aus Niedersachsen”. Penny, ein Discounter der Rewe-Gruppe, kennzeichnet nach eigenen Angaben rund 70 Artikel mit einem “Regionalfenster”, sofern diese in Deutschland saisonal verfügbar sind. Dazu gehören unter anderem Äpfel, Möhren, Spargel oder Tomaten, die oft von einem Lieferanten pro Region stammen. Pennys Ziel ist es, alle in Deutschland angebauten Artikel auch hier zu beschaffen, um die deutsche Landwirtschaft zu unterstützen und kurze Lieferwege zu ermöglichen. Auch bei Backwaren setzt Penny auf Kooperationen, zum Beispiel in 80 Filialen zwischen Weser und Elbe mit Dat Backhus.

Aldi begründet die Zusammenarbeit mit Handwerksbäckern ebenfalls mit der Verkürzung von Transportwegen, was sich positiv auf die CO2-Emissionen auswirke. Landesinnungsmeister Baalk sieht in diesem Schritt nicht nur eine Möglichkeit für Discounter, sich von anderen Wettbewerbern abzuheben, sondern auch einen Imagetransfer: „Der Handwerksbäcker bringt außerdem gut duftende Produkte in den Laden, und das ist alles gut für das Image.“

Vom Preiskampf zur Qualitätsoffensive bei den Aldi Brötchen

Vor knapp drei Jahren lieferten sich Discounter noch erbitterte Preiskämpfe mit ihren SB-Backwaren: brötchen aldi preis Ein Brötchen für zehn Cent oder vier Körnerbrötchen für 50 Cent zu bestimmten Zeiten waren keine Seltenheit. Baalk vermutet, dass die Discounter damals hofften, Kunden so mehrmals pro Woche in ihre Läden zu locken. Die aktuelle Strategie, auf Handwerksbäcker zu setzen, deutet auf einen Wandel hin: weg vom reinen Preisargument, hin zur Anziehungskraft durch Qualität und Regionalität. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Entwicklung langfristig auf das Kaufverhalten der deutschen Konsumenten und die Wettbewerbslandschaft im Backwarenmarkt auswirken wird. Für Liebhaber frischer, regionaler Backwaren eröffnet sich jedoch eine spannende neue Möglichkeit, diese auch beim Discounter zu finden.

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