Bruno Pezzey: Die Legende des österreichischen “Beckenbauers” und sein tragisches Ende

Bruno Pezzey während seiner aktiven Zeit als Fußballspieler

Die Welt des Fußballs ist reich an Geschichten von Triumph und Tragödie, von unerfüllten Träumen und unvergesslichen Momenten. Eine dieser Geschichten ist die von Bruno Pezzey, einem Mann, dessen Name in Deutschland und Österreich für Eleganz, Stärke und eine unerschütterliche Leidenschaft für den Sport steht. Pezzey, oft als der „Beckenbauer vom Bodensee“ bezeichnet, war eine Ikone, dessen Karriere von großen Erfolgen, aber auch von tiefen Bedauern geprägt war, bevor sie jäh endete. Dieser Artikel beleuchtet das Leben, die Karriere und das tragische Vermächtnis einer wahren Bundesliga Legende und des wohl besten österreichischen Verteidigers seiner Zeit.

Pezzey selbst blickte oft mit einer Mischung aus Stolz und Melancholie auf seine Laufbahn zurück. Er glaubte nicht an das Sprichwort, dass man im Rückblick alles genau gleich machen würde. Im Gegenteil, er war überzeugt, dass viele Entscheidungen, die er an den unzähligen Scheidewegen des Lebens traf, anders hätten ausfallen können – manche richtig, manche vielleicht nicht optimal. Seine Geschichte ist eine Mahnung, dass im Fußball wie im Leben der Lauf der Dinge oft unvorhersehbar ist und Schicksal manchmal andere Wege geht, als man es sich erhofft.

Der Traum von der Bundesliga und unerfüllte Ambitionen

Ein großes Ziel verfolgte Bruno Pezzey während des Großteils seiner Karriere in Deutschland: den Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Es war nicht nur ein Ziel, es wurde zu einer Obsession. Mit 32 Jahren jedoch, als er Werder Bremen verließ, um in seine Heimat Österreich zurückzukehren und unter seinem Mentor Ernst Happel bei Swarovski Tirol zu spielen, dachte er, dieser Traum sei für immer unerfüllt geblieben. Das Schicksal hatte jedoch einen bitteren Haken: Im selben Jahr gewann Werder Bremen den deutschen Meistertitel – der zweite in ihrer Geschichte und 23 Jahre nach dem ersten. Hätte Pezzey dies gewusst, wäre er geblieben, ohne Zweifel.

Ein ähnliches Szenario ereignete sich einige Jahre zuvor, als er sich entschied, von Eintracht Frankfurt zu Werder Bremen zu wechseln. Die Eintracht, wo er eine Art „Papst“ gewesen war, steckte in finanziellen Schwierigkeiten, während Werder Bremen unter Otto Rehhagel zu einer der stärksten Mannschaften Deutschlands aufstieg. Obwohl italienische und spanische Vereine damals um ihn buhlten, entschied sich Pezzey, in der Bundesliga zu bleiben. Er wollte unbedingt diesen Titel gewinnen, nachdem er ihn mit Eintracht Frankfurt nur knapp verpasst hatte. Doch der Titel blieb aus, und mit 32 Jahren standen die großen südeuropäischen Vereine nicht mehr Schlange für seine Dienste. Rückblickend hätte er diesen Schritt anders gemacht und wäre nach Spanien oder Italien gegangen, um seine besten Jahre dort zu verbringen und seinen Namen auch außerhalb Österreichs und Deutschlands zu etablieren sowie sein Bankkonto zu füllen.

Stolz im Nationaltrikot: Das Wunder von Córdoba

Trotz aller Bedauern gab es einen Bereich, in dem Bruno Pezzey unbedingten Stolz empfand: die österreichische Nationalmannschaft. Er war Teil einer großartigen Generation von Spielern, darunter Herbert Prohaska, Hans Krankl und Walter Schachner, die alle den Sprung ins Ausland wagten. Pezzey selbst absolvierte 84 Länderspiele, darunter zwei Weltmeisterschaftsendrunden: 1978 in Argentinien und 1982 in Spanien. Es war eine wunderbare Zeit für den österreichischen Fußballspieler.

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Besonders unvergesslich ist das Jahr 1978, als die österreichische Mannschaft eine der größten Genugtuungen in der Geschichte des heimischen Fußballs erlebte: den Sieg über Deutschland. Es war ein verrücktes, außergewöhnliches und denkwürdiges Spiel. Nach 47 langen Jahren ohne Sieg gegen den großen Nachbarn gelang ihnen dieser Triumph. „Das Wunder von Córdoba“ wird es in Österreich noch heute genannt, ein Begriff, der die emotionale Bedeutung dieses Sieges perfekt einfängt.

Im Jahr 1982 erreichte Österreich erneut die zweite Runde der Weltmeisterschaft, wo sie knapp gegen Frankreich verloren und dann ein Unentschieden gegen Nordirland erreichten. Pezzey hatte dabei die persönliche Freude, sich in die Torschützenliste einer Weltmeisterschaft einzutragen. Obwohl sie sich 1986 nicht qualifizieren konnten, schafften sie es für die Weltmeisterschaft 1990 in Italien wieder. Eine hart erkämpfte Qualifikation.

Pezzey hätte alles gegeben, um an dieser Weltmeisterschaft teilzunehmen. Er war zwar nicht mehr der Spieler, der er einige Jahre zuvor gewesen war, aber seine Erfahrung hätte für die junge, neu aufgestellte Mannschaft nützlich sein können. Josef Hickersberger, sein alter Nationalmannschaftskamerad und der neue österreichische Teamchef, sah dies jedoch anders. Als Pezzey erkannte, dass kein Platz mehr für ihn sein würde, beschloss er, seine Karriere endgültig zu beenden, auch bei Swarovski Tirol – jedoch nicht ohne zuvor die österreichische Meisterschaft mit acht Punkten Vorsprung vor Austria Wien gewonnen zu haben.

Bruno Pezzey während seiner aktiven Zeit als FußballspielerBruno Pezzey während seiner aktiven Zeit als Fußballspieler

Das Leben nach dem Fußball und ein tragisches Ende

Der Fußball zog Bruno Pezzey weiterhin stark an. Er trainierte einige Monate lang die U21-Nationalmannschaft seines Landes, hatte eine wunderbare Familie und plante, in wenigen Wochen mit Freunden in Silz ein Rafting-Zentrum zu eröffnen. Er liebte sein Tirol, und auch wenn er manchmal an die verpassten Chancen in Spanien oder Italien dachte, war er letztlich davon überzeugt, dass es so sein sollte.

Doch Bruno Pezzey sollte die Eröffnung seines Rafting-Zentrums, das heute seinen Namen trägt, nie erleben. Es war der 31. Dezember 1994. Eine von Brunos Leidenschaften war Eishockey, eine in dieser Region sehr beliebte Sportart. Wann immer er konnte, traf er sich mit seinen langjährigen Freunden zu einem Spiel. Seine Frau war an diesem Tag offenbar etwas verstimmt über seine Wahl, da die Vorbereitungen für die Silvesterfeier anstanden und ein Paar kräftige Hände nützlich gewesen wären. Doch es gab kein Zurück. Dieser Tag fiel auf einen Samstag, und wie jeden Samstag stand das Hockeyspiel auf dem Programm. Es war ein Ritual, und Rituale müssen eingehalten werden.

Kurz vor dem Ende des Spiels zog sich Bruno Pezzey vom Geschehen zurück und lehnte sich an die Bande. „Ich bin so müde, Jungs“, sagte er zu seinen Freunden, einen Moment bevor er schwer zu Boden fiel. Es sollten seine letzten Worte sein. Ein Herzinfarkt war für ihn tödlich, und Bruno Pezzey starb noch vor dem Eintreffen eines Krankenwagens auf dem Spielfeld. Bruno Pezzey, der stärkste Verteidiger in der Geschichte des österreichischen Fußballs, wurde nur 39 Jahre alt. Ein Schock für die gesamte Fußballwelt und für alle, die ihn kannten und schätzten. Die Trauer war groß, denn Pezzey war nicht nur ein außergewöhnlicher Spieler, sondern auch ein Mensch mit großem Charakter.

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Anekdoten und Kuriositäten: Ein Blick auf Pezzeys Legende

Im heutigen globalisierten Fußball ist Bruno Pezzeys Name möglicherweise nicht so bekannt, wie er es verdient hätte. In Zeiten, in denen der „Gott Ball“ nicht die mediale Präsenz hatte wie heute, kannten nur wenige außerhalb der deutschen und österreichischen Grenzen den Wert dieses eleganten und sehr starken Verteidigers. Lassen wir daher Zahlen sprechen, die fast immer mehr aussagen als viele Worte.

Bruno Pezzey wurde vier aufeinanderfolgende Saisons (1979 bis 1982) für den Ballon d’Or nominiert. Eine beeindruckende Leistung, wenn man bedenkt, dass es sich um einen Verteidiger handelte und nicht einmal um einen der großen europäischen Vereine der damaligen Zeit. Er belegte 1979 den 21. Platz, 1980 den 19. Platz und sogar den 11. Platz 1981 sowie den 12. Platz 1982. Dabei ließ er in dieser Zeit Spieler vom Kaliber eines Ruud Krol, Paul Breitner, Zibi Boniek, Peter Shilton und auch die italienischen Größen wie Scirea, Tardelli und Antognoni hinter sich. Diese Nominierungen zeigen seine außergewöhnliche Qualität und Anerkennung auf höchstem europäischem Niveau.

Leider hatte es in Pezzeys Karriere bereits zwei Episoden gegeben, die auf Herzprobleme hindeuteten. Die erste war in seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt, als er während einer Trainingseinheit ohnmächtig wurde. Damals wurde berichtet, sein Blutdruck sei außerhalb der Norm, und der Vorfall wurde schnell abgetan. Der zweite, viel ernstere Vorfall ereignete sich während eines Hallenfußballturniers. Pezzey verlor dabei das Bewusstsein, fiel schwer auf das Parkett, und nur das schnelle Eingreifen des Swarovski-Arztes verhinderte, dass er an seiner Zunge erstickte. Die darauf folgenden Untersuchungen ergaben lediglich ein geringfügiges Herzproblem (das klassische „Puff“), das als fast trivial und ohnehin sehr häufig bei Sportlern seiner körperlichen Statur (190 cm bei 85 kg) angesehen wurde.

Eine von Bruno Pezzeys denkwürdigsten Leistungen ist mit einem Freundschaftsspiel zwischen der englischen Nationalmannschaft und seiner österreichischen Mannschaft verbunden, das im Juni 1979 im Wiener Prater stattfand. Es war ein spannendes und spektakuläres Spiel, das mit einem 4:3-Sieg für Österreich endete. Zwei der Tore für Österreich, darunter das entscheidende, erzielte Pezzey mit zwei energischen Kopfballtoren – und das gegen eine englische Abwehr, deren Hauptmerkmal ihre Kopfballstärke war. Solche Momente unterstreichen seine Fähigkeit, in entscheidenden Augenblicken als Verteidiger nicht nur abzuwehren, sondern auch torgefährlich zu sein. Fans, die nach fußball trikots suchen, erinnern sich oft an solche legendären Spiele.

Auf Vereinsebene war die größte Genugtuung für den „Beckenbauer vom Bodensee“ zweifellos der Triumph mit Eintracht Frankfurt im UEFA-Pokal der Saison 1979/1980. Es war ein Ereignis, das vollständig von deutschen Mannschaften dominiert wurde, die vier ihrer Teams ins Halbfinale brachten. Pezzeys Eintracht traf dabei auf den späteren Favoriten Bayern München. Im Hinspiel in München gewannen Rummenigge und seine Teamkollegen mit 2:0. Das zweite Tor, ein Elfmeter von Paul Breitner, wurde durch ein Foul von Pezzey an Stürmer Norbert Janzon verursacht. Pezzey machte dies jedoch im Rückspiel mehr als wett, indem er zunächst nach wenigen Spielminuten das Führungstor in einem Durcheinander erzielte und dann drei Minuten vor Schluss mit einem seiner sprichwörtlichen Kopfbälle zum 2:0 traf, was das Spiel in die Verlängerung brachte. Dort triumphierte die Eintracht mit einem Endstand von 5:1. Im Finale besiegte die Eintracht dann Borussia Mönchengladbach und holte sich den Pokal.

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Wie bereits erwähnt, konnte Pezzey seinen großen Traum, die Bundesliga zu gewinnen, nie verwirklichen, obwohl er einmal besonders nahe dran war. Es war in seiner vorletzten Saison bei Werder Bremen, 1985/1986. Am 22. April 1986, dem vorletzten Spieltag der Meisterschaft, hatte Werder, das zu Hause im Weserstadion spielte, einen Zwei-Punkte-Vorsprung vor Bayern München. Der Spielplan sah vor, dass die beiden Titelanwärter direkt aufeinandertrafen. Bei einem Stand von 0:0, zwei Minuten vor Schluss, wurde Werder Bremen ein Elfmeter zugesprochen. Ein Tor hätte die Meisterschaftsentscheidung bedeutet. Michael Kutzop trat an den Elfmeterpunkt. Sein Schuss traf den Pfosten. Es sollte der einzige Elfmeter sein, den dieser Spieler in seiner gesamten Karriere verschoss. Am letzten Spieltag verlor Werder Bremen in Stuttgart mit 1:2, während Bayern Borussia Mönchengladbach mit 6:0 besiegte und Werder Bremen aufgrund der besseren Tordifferenz den Titel entriss. Ein dramatisches Ende eines fast perfekten Traums.

Bruno Pezzey war ein kompletter Verteidiger. Er konnte sowohl als Stopper den gegnerischen Mittelstürmer manndecken als auch als Libero agieren, dank seiner exzellenten Grundtechnik, die es ihm ermöglichte, das Spiel von der Abwehr aus aufzubauen. Er konnte bei Bedarf auch äußerst entschlossen und hart sein. Manchmal vielleicht zu hart. Während eines Bundesligaspiels entschied er sich, auf unorthodoxe Weise gegen einen besonders unfairen und provokanten Gegner zu intervenieren. Pezzey näherte sich ihm und verdrehte ihm mit großer Kraft seine… „Familienjuwelen“, was den Gegner vor Schmerz auf dem Rasen krümmen ließ. Dafür wurde er für zehn Spieltage gesperrt – eine Anekdote, die seine unerschrockene Natur zeigt, aber auch die humorvolle Seite seiner Persönlichkeit. Für Fans, die sich für die Geschichte des deutschen Fußballs interessieren, gibt es auch die Frage nach alle weltmeister fußball und fussball europameister.

Schließlich die amüsante Anekdote bezüglich seines Wechsels vom SSW Innsbruck zu Eintracht Frankfurt im Sommer 1978. Jürgen Grabowski, der starke deutsche Flügelspieler, der seine gesamte Karriere bei der Eintracht verbrachte und der absolute Anführer der Mannschaft war, erzählte, dass er nach dem Ende der Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien zu Eintracht-Präsident Achaz Von Tumen ging und ihn anflehte, Pezzey zu kaufen. „Präsident, er ist dazu bestimmt, einer der stärksten Verteidiger Europas zu werden“, flehte der deutsche Stürmer seinen Präsidenten an und fügte hinzu: „Er ist der Mann, der uns den Sprung nach vorne ermöglichen kann, aber wir müssen uns beeilen, bevor alle anderen Bundesligateams ihm einen Vertrag anbieten“, erklärte der erfahrene Grabowski immer wütender. „Ich denke genau wie Sie“, antwortete Herr Von Tumen und fügte hinzu: „Und tatsächlich haben wir ihn zwei Wochen vor Beginn der Weltmeisterschaft unter Vertrag genommen“, war die gelassene Schlussfolgerung des Eintracht-Präsidenten.

Ein bleibendes Vermächtnis

Bruno Pezzeys Leben war kurz, aber sein Einfluss auf den Fußball in Österreich und Deutschland war immens. Er verkörperte eine Ära, in der Spieler mit technischer Finesse und harter Entschlossenheit gleichermaßen glänzten. Seine Geschichte ist eine Erinnerung an die Leidenschaft, die Enttäuschungen und die unvergesslichen Triumphe, die den Sport ausmachen. Otto Rehhagel, sein alter „Mister“, brachte es auf seiner Beerdigung treffend auf den Punkt: „Ein Riese ist gestorben. Als Spieler und als Mensch.“ Pezzey bleibt eine ewige Legende, deren Geist im Herzen der Fußballfans weiterlebt.