Die Ära des Augustus markierte einen Wendepunkt in der römischen Geschichte. Als erster Kaiser Roms, der von 27 v. Chr. bis 14 n. Chr. regierte, verfügte er nicht nur über unermessliche Macht, sondern implementierte auch bahnbrechende Kommunikationsstrategien. Die Ausstellung “Neue Bilder im Zeitalter des Augustus: Macht und Medien im antiken Rom” im Bucerius Kunst Forum in Hamburg beleuchtet ein zentrales Kapitel der visuellen Kultur der Antike: den beispiellosen Bilderboom unter Augustus. Diese umfassende Schau, die vom 8. Oktober 2022 bis zum 15. Januar 2023 stattfand, war die erste große Augustus-Ausstellung in Deutschland seit 34 Jahren und bot eine einzigartige Gelegenheit, die visuelle Propaganda und Kunst dieser prägenden Epoche zu erkunden.
Die Ausstellung präsentierte rund 220 erlesene Objekte, darunter imposante Statuen, feine Porträtbüsten, detaillierte Reliefs, lebendige Wandmalereien, Münzen und Keramiken. Diese Meisterwerke wurden von renommierten Institutionen wie dem Louvre in Paris, den Uffizien in Florenz, den Kapitolinischen und Vatikanischen Museen in Rom sowie dem Nationalen Archäologischen Museum von Neapel und weiteren bedeutenden europäischen Sammlungen als Leihgaben zur Verfügung gestellt. Die Zusammenstellung erlaubte einen tiefen Einblick in die künstlerische Vielfalt und die propagandistischen Absichten, die Augustus’ Herrschaft kennzeichneten.
Der Wandel vom Republik zum Kaiserreich: Bilder als Machtinstrument
Die autokratische Herrschaft des Augustus und der damit verbundene Übergang von der Römischen Republik zur Kaiserzeit stellten einen drastischen Bruch in der römischen Geschichte dar. In diesem Umbruch spielten Bilder eine unerwartet zentrale Rolle. Ein neues Verlangen nach visuellen Darstellungen führte zu einem innovativen Umgang mit Medien und veränderte den Stil in verschiedenen Gattungen wie Wandmalerei, Skulptur, Architektur und Alltagsgegenständen maßgeblich. Dieser Aufschwung wurde nicht nur von der Elite getragen; auch breite Schichten der Gesellschaft konnten an der Auftragserteilung und der Wertschätzung von Kunstwerken teilhaben. Dies führte zu einem noch nie dagewesenen Reichtum an Bildern an allen Orten. Eine regelrechte Kopistenindustrie profitierte vom umfassenden Einsatz neu erschlossener Marmorbrüche, was die massenhafte Verbreitung von Kunstwerken ermöglichte.
Die Ausstellung veranschaulichte diesen neuartigen Umgang mit Bildern im augusteischen Zeitalter anhand von fünf thematischen Kapiteln, die den Besucher durch verschiedene Facetten dieser visuellen Revolution führten:
- Porträts des Kaisers und der Kaiserin: Wie Augustus und seine Familie ihre Bildnisse nutzten, um Präsenz und Macht zu demonstrieren.
- Neue Erzählungen und einprägsame Bilder: Die Schaffung neuer Mythen und Geschichten zur Legitimation der Herrschaft.
- Das neue Stadtbild: Die architektonische Umgestaltung Roms unter Augustus und ihre Bedeutung.
- Neue und alte Kultdarstellungen: Die Erneuerung religiöser Praktiken und ihre visuelle Manifestation.
- Bilderwelt im Haus zwischen Tradition und Innovation: Wie die private Sphäre von der neuen Bildkultur erfasst wurde.
Augustus’ Selbstinszenierung und die Umgestaltung Roms
Im ersten Abschnitt der Schau wurden die bildlichen Innovationen anhand der Art und Weise demonstriert, wie der Kaiser sein eigenes Abbild darzustellen wählte. Durch Bildnisse in Form von Porträtköpfen, Büsten, Statuen und Münzen, die wie nie zuvor in Rom und den Provinzen zirkulierten, konnte das Kaiserhaus über eine Vielzahl von Medien mit der Bevölkerung kommunizieren. Augustus verpackte seine Selbstdarstellungen in neue Erzählungen und einprägsame Bilder, die die Geschichte der Stadt Rom, die göttlichen Ursprünge seiner eigenen Familie, seine verschiedenen Erfolge und den generell triumphalen Charakter seiner Herrschaft darstellten.
Diese bildlichen Motive wurden auf prominenten Neubauten, wie beispielsweise dem Forum des Augustus, präsentiert und zogen im gesamten Reich Aufmerksamkeit auf sich. Zu den in der Ausstellung gezeigten Exponaten gehörten Wandfresken, architektonische Fragmente, Terrakotta-Werke, Statuen und Statuetten sowie Reliefs und Inschriften, die die weitreichende Wirkung dieser Bildsprache belegten. Das Stadtbild Roms verwandelte sich im Zeitalter des Augustus durch prestigeträchtige Bauprojekte grundlegend. Dies wurde in der Ausstellung anhand ausgewählter Gebäude, wie dem bereits erwähnten Forum des Augustus, anschaulich dargestellt. Augustus nutzte zudem Münzen als wirksames Medium, um wichtige Gebäude und Bauprojekte im gesamten Reich zu publizieren und seine Errungenschaften zu verbreiten.
Die neue Hingabe an bildliche Darstellungen in der frühen Kaiserzeit zeigte sich besonders deutlich auch im privaten Bereich. Häuser wurden innen mit Wandmalereien und Bildergalerien im dritten, dem ornamentalen Stil, geschmückt, während wohlhabende Bürger ihre Gärten mit Skulpturen sowie Marmor- und Bronze-Tripoden und Kandelabern dekorierten. Auch Tafelgeschirr wurde als neues Bildmedium entdeckt, was die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die augusteische Bildkultur unterstrich. Die Ausstellung im Bucerius Kunst Forum bot somit einen umfassenden Blick auf eine Epoche, in der Kunst und Macht untrennbar miteinander verbunden waren und die bis heute nachwirkt.
Patenschaft und Unterstützung
Die Ausstellung stand unter der Schirmherrschaft der Botschaft der Italienischen Republik.
Mit freundlicher Unterstützung des Ministeriums für Kultur der Italienischen Republik.
Wir danken den Sponsoren der Ausstellung für ihre großzügige Unterstützung, die es ermöglichte, diese einzigartige Zusammenstellung antiker Kunstwerke nach Hamburg zu bringen.
