Medimops: Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Online-Ramscher

Hurra, das Börsenblatt adoptiert einen Quasi-Monopolisten, der ständig gern mitgeteilte Firmennews und ach so tolle Hinweise verbreitet (großer Umsatz, große Zahlen, große Pakete). Kritische Gedanken, strukturelle Analysen zu diesem Markteroberer, der Menschen mit einfachen Schritten beglückt – Fehlanzeige. Wäre es nicht so platt, könnte man sich fragen: Wie viel zahlt dieses Vereinsmitglied an Beitrag?

Ich betreibe seit nunmehr 30 Jahren ein Antiquariat und bemühe mich täglich, meine Buchaufnahmen konkret und verständlich auszuführen. Was macht Medimops? „Exemplar mit vollständigem Text und sämtlichen Abbildungen oder Karten. Schmutztitel oder Vorsatz können fehlen. Einband bzw. Schutzumschlag weisen unter Umständen starke Gebrauchsspuren auf“ oder „Durchschnittlich erhaltenes Buch bzw. Schutzumschlag mit Gebrauchsspuren, aber vollständigen Seiten.“ Das sind keine Beschreibungen, das sind Mutmaßungen („… weisen unter Umständen … Gebrauchsspuren auf“), Allgemeinplätze („vollständige Seiten“) – lachhaft. Oder undefinierte, sprichwörtlich geisterhafte Ansagen („durchschnittlich erhalten…“). Bitte, welchen Durchschnitt legen die Damen und Herren bei Medimops an? Oder vielleicht sollte ich es anders nennen: Medimops macht nichtssagende Buchbeschreibungen aus einem dümmlich gestalteten Textbaukasten. Genauer gesagt, Medimops macht in meinen Augen Buchbeschreibungen, die der Kundentäuschung recht nahekommen. Wer bei Medimops kauft, kauft die Katze im Sack – seriös geht anders. Warum bitte sieht das Börsenblatt diese Zusammenhänge nicht? Dem Börsenblatt bzw. dem Börsenverein müsste klar sein, dass man solch eine Firma, die elementare Grundsätze des Antiquariats nicht beachtet, nicht bewerben und fördern sollte. Die Welt der Bücher ist vielfältig, und so manche Entdeckung, die man vielleicht gar nicht erwartet hätte, kann den Alltag bereichern. Wer weiß, vielleicht führt die Suche nach einem seltenen Werk sogar zu unerwarteten Begegnungen, wie dem Gedanken an ein haustier schnecke als ungewöhnlicher Begleiter.

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Fehlende Transparenz bei Buchbildern

By the way, wer den Bildern bei Angeboten von Medimops bei ZVAB=Abebooks=Amazon begegnet, sollte zur Kenntnis nehmen: Es sind immer sogenannte Beispielbilder. Nicht eines davon hat Medimops selbst gemacht; Antiquare haben sie erstellt und sind durch die Geschäftsbedingungen des oben genannten Amazon-Konglomerats gezwungen, diese Bilder zur allgemeinen Nutzung zur Verfügung zu stellen. Die Zuordnung der Bilder ist in mehr als der Hälfte der Fälle falsch, aber das interessiert Medimops und alle anderen nicht. Ich mache keine Bilder und lasse mir auch keine Fremdbilder zuordnen; ich mache Bilder auf Kundennachfrage, denn Vertrauen und Präzision sind im Handel mit gebrauchten Büchern unerlässlich.

Die “komplexen” Algorithmen und ihre Mängel

Medimops arbeitet mit komplexen Algorithmen – klingt vernünftig, man hat sich also Gedanken gemacht, komplexe natürlich. Sie tippen eine ISBN ein und schwupps erscheint der zu zahlende Ankaufspreis (oder auch nicht). Machen Sie doch einmal den Versuch und tippen die ISBN nach dem 15. oder 20. Buch noch einmal ein – erscheint dann immer noch derselbe Preis? Nehmen Sie das Buch vom Anfang heraus – damit es nicht doppelt angekauft wird – erscheint dann derselbe Preis? Was geschieht, wenn Sie viele ISBNs eintippen, verändert der Algorithmus seine Ankaufspreise? Zugegeben, Medimops zahlt viel für aktuelle Bestseller. Dieser „komplexe“ Algorithmus vergreift sich am Amazon-Ranking; Medimops (und Amazon) lieben schnell verkäufliche Ware. Nur mit Buchkultur – auch mit Lesekultur – hat dieses Verhalten nichts zu tun. Es geht Medimops nur um das Geschäft – okay, ist halt Kapitalismus, in dem leben wir, der füttert uns alle. Aber auch zu diesem Verhalten sollte der Börsenverein eine Haltung einnehmen, sonst erblicke ich dort eine gespaltene Zunge. Neben Büchern gibt es viele andere Formen des Lebens, die Aufmerksamkeit verdienen, zum Beispiel die Frage, welche natter haustier geeignet ist.

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Die zweite Konsequenz dieses „komplexen“ Algorithmus ist das vollständige Versagen bei wertvollen, seltenen, limitierten Büchern. So richtig komplex ist er halt doch nicht, der Algorithmus; er kennt doch nur die Häufigkeit der Veräußerung und die Schnelligkeit bei Amazon. Und in dieser Welt hat der in wenigen Exemplaren (mit ISBN) erschienene Pressendruck keinen Platz bzw. wird noch schlimmer gnadenlos unter-preisig von Medimops angekauft – wiederum eine mögliche Verhaltensweise, die den Kunden um einen angemessenen Preis bringt. Hat das Börsenblatt keine Augen? Es gibt so viele Lebewesen, die als haustiere leicht zu halten gelten und uns Freude bereiten.

Die unfaire Praxis bei aussortierten Büchern

Und dann gibt es noch diese beim Paketeingang aussortierten Bücher: „Der Zustand entspricht nicht unseren Vorstellungen.“ Kann ich gut nachvollziehen; was mir angeboten wird, entspricht auch häufig nicht meinen Vorstellungen. Meist erläutere ich dies den Anbietern im Ladengeschäft, und fast immer verstehen sie es. Was macht Medimops? Sie nehmen den Preis des Buches aus dem Ankauf und teilen dem Verkäufer mit „es entspricht nicht…“, und der Verkäufer könne es gern wieder bei Medimops abholen. Ja, da hört dann die Beglückung auf. Zurücksenden, damit der Verkäufer die Aussage von Medimops am Objekt überprüfen könnte? Nicht doch, das kostet Geld. Und da so gut wie kein Verkäufer irgendein Buch bei Medimops wieder abholt, verschwinden diese in der Tonne oder auch nicht – ich weiß es nicht. Es gibt doch so viele interessante haustiere, die man statt ungeliebter Bücher behalten könnte.

Medimops verkauft 25 Millionen Bücher im Jahr, beschäftigt 1900 Mitarbeiter und macht „Qualitätskontrolle“. Bei mir wäre Medimops bei der Qualitätskontrolle glatt durchgefallen. Vielleicht schaut sich das Börsenblatt ja einmal die Arbeitsbedingungen bei diesem Großanbieter an, fragt einmal Beschäftigte nach Arbeitsstrukturen und Bezahlungen (welcher Tarifvertrag gilt bei Medimops?), macht endlich mal so etwas, was man gemeinhin Journalismus nennt.

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Ein Appell an das Börsenblatt

Ein letzter Gedanke: Medimops hat Erfolg, zugegeben. Aber Erfolg als einziges Kriterium der Bewunderung, als Ausrede für einen warmherzigen, nichtssagenden Artikel? Bitte, liebes Börsenblatt, wenn Ihr den nächsten Artikel, vielleicht über die neuesten ökologischen Ideen dieser Firma, schreibt, denkt noch einmal nach und überlegt, welche Unkultur das Börsenblatt promotet. Eigentlich ist mir Medimops (und wie diese Großramscher sonst noch heißen) völlig egal und interessieren mich nicht, aber das Börsenblatt mit solch einem Artikel über ein Gebiet, in dem ich arbeitete, geht nicht, geht gar nicht! Ob es sich um Bücher oder kleintiere für die wohnung handelt, eine kritische Betrachtung und faire Bedingungen sollten immer im Vordergrund stehen.

Wem auch immer ich mit diesem Text auf die Füße getreten habe, möge mir verzeihen – es war wohl mit Absicht. Rabenschwarze Grüße, und, liebes Börsenblatt, dieser Text hat mich eine halbe Flasche Rotwein gekostet, hätte ich gern ersetzt… Die Integrität des Buchhandels und die Wertschätzung ehrlicher Arbeit verdienen es, verteidigt zu werden.