Die Saison 2008/09 markierte einen Wendepunkt in der Vereinsgeschichte des VfL Wolfsburg. Mit einem beeindruckenden Kraftakt sicherte sich der Club erstmals in seiner Geschichte die deutsche Meisterschaft. Dieser historische Erfolg wurde maßgeblich von der taktischen Brillanz des legendären Trainers Felix Magath und der herausragenden Offensivkraft des Sturmduos Edin Džeko und Grafite vorangetrieben.
Die Säulen des Erfolgs: Die Mannschaft im Detail
Im Tor: Diego Benaglio
Mit gerade einmal 24 Jahren kehrte der ehemalige Torhüter des VfB Stuttgart, Diego Benaglio, im Januar 2008 in die Bundesliga zurück. Von Beginn an etablierte er sich als unangefochtene Nummer eins im Wolfsburger Tor. Seine erste vollständige Saison krönte er mit dem historischen Titelgewinn. Der Schweizer Nationalspieler verpasste in der Meistersaison 2008/09 nur drei der 34 Ligaspiele. Mit 11 Spielen ohne Gegentor in 31 Einsätzen zählte er zu den stärksten Torhütern der Liga, nur Jens Lehmann und Roman Weidenfeller verzeichneten mehr “zu Null”-Spiele (jeweils 13).
Die Abwehrreihe: Stabilität und Vielseitigkeit
Sascha Riether (Rechtsverteidiger): Riether’s Vielseitigkeit war ein enormer Gewinn für Felix Magath. Obwohl primär als Rechtsverteidiger eingesetzt, bewies er auch auf dem rechten Flügel und im defensiven Mittelfeld seine Qualitäten. In seinen 28 Ligaspielen der Meistersaison erzielte er zwei entscheidende Tore: ein Treffer in der 90. Minute zum Ausgleich gegen Hertha BSC am 4. Spieltag und ein Siegtor in der 85. Minute bei Borussia Mönchengladbach am 27. Spieltag.
Jan Šimůnek (Innenverteidiger): Vor seinem Wechsel nach Wolfsburg im Jahr 2007 hatte Šimůnek lediglich eine Saison Profierfahrung. Zwei Jahre später hielt er die Meisterschale in den Händen. Anfangs wurde Alexander Madlung neben Andrea Barzagli bevorzugt, doch ab dem 15. Spieltag etablierte sich Šimůnek als wichtiger Bestandteil der Defensive. Insbesondere in der Rückrunde, als er 16 der letzten 17 Spiele bestritt, trug er maßgeblich zum Erfolg bei.
Andrea Barzagli (Innenverteidiger): Im Gegensatz zu seinem Nebenmann war Barzagli von Saisonbeginn an eine feste Größe. Er war einer von nur drei Spielern – neben Christian Gentner und Marcel Schäfer – die in allen 34 Bundesligapartien zum Einsatz kamen. Der Italiener, der kurz vor Saisonbeginn verpflichtet wurde und später zu Juventus Turin wechselte, absolvierte 94 Spiele für die Wölfe und war eine absolute Stütze in der Meistersaison. Seine Präsenz, Intelligenz und Führungsstärke machten ihn zu einem Schlüsselspieler.
Marcel Schäfer (Linksverteidiger): Der damals 24-jährige Linksverteidiger war eine weitere Konstante im Team. Nur zwei Saisons zuvor spielte er noch in der 2. Bundesliga. Seine präzisen Flanken von der linken Seite waren eine Waffe und führten zu acht Torvorlagen in der Liga. Schäfer entwickelte sich zu einer Vereinslegende und absolvierte über 300 Spiele für den VfL.
Das Mittelfeld: Taktgeber und Kreativität
Josué (Kapitän, defensives Mittelfeld): Als Kapitän hob der Brasilianer am letzten Spieltag die Meisterschale in die Höhe. Josué, der ebenfalls 2007/08 zum Team stieß, wurde bereits in seiner zweiten Saison deutscher Meister. Er war Magaths verlängerter Arm auf dem Platz, organisierte und dirigierte das Spiel aus der Tiefe des Mittelfelds. Seine Dominanz im Zentrum war entscheidend für das Spiel des VfL.
Makoto Hasebe (offensives Mittelfeld): Viele kennen Hasebe heute als unermüdlichen Spieler von Eintracht Frankfurt, doch seine Legende begann bereits im Alter von 24 Jahren in Wolfsburg. Auch wenn er in der Meistersaison kein Tor erzielte, waren seine Konstanz und sein unermüdlicher Einsatz unerlässlich für Magaths Pläne.
Zvjezdan Misimović (offensives Mittelfeld): Der in München geborene bosnisch-herzegowinische Nationalspieler verbrachte nur zwei Jahre in Wolfsburg, hinterließ aber einen bleibenden Eindruck. Während Barzagli, Hasebe und Josué die taktischen Befehlsempfänger von Magath waren, war Misimović der kreative Kopf. Mit sieben eigenen Treffern und zahlreichen Torvorlagen war er der Dreh- und Angelpunkt im Offensivspiel und fütterte das Sturmduo Džeko und Grafite mit tödlichen Pässen.
Christian Gentner (offensives Mittelfeld): Gentner war nach Misimović der zweitbeste Vorlagengeber des Teams und erzielte zudem vier eigene Tore. Er war eine Seltenheit im Kader, da er bereits einen Meistertitel mit dem VfB Stuttgart (2006/07) vorweisen konnte. Ein Jahr später wechselte er nach Wolfsburg und gewann prompt seine zweite Meisterschaft in Folge.
Die Torgaranten: Grafite und Džeko
Grafite (Mittelstürmer): Vor seiner Ankunft in Wolfsburg im August 2007 war Grafite außerhalb Brasiliens kaum bekannt. Nach elf Toren in seiner ersten Saison explodierte er in der Folgesaison förmlich. Mit 28 Treffern schoss er Wolfsburg zur Meisterschaft und sicherte sich selbst die Torjägerkanone. Sein legendärer Treffer gegen den FC Bayern München, bei dem er die gegnerische Abwehr schwindelte, ebnete den Weg zum Titel.
Edin Džeko (Mittelstürmer): Hätte Grafite nicht eine derart beeindruckende Torquote gezeigt, wären Džekos 26 Treffer wohl genug für die Torjägerkrone gewesen. Wie Grafite traf auch Džeko doppelt im denkwürdigen Spiel gegen Bayern München. Seine herausragende Form in der Schlussphase der Saison trieb Wolfsburg zu einem Zwei-Punkte-Vorsprung auf die Münchner. Džeko erzielte 21 seiner 26 Saisontore in den letzten 16 Spielen und gelangen dabei zwei Hattricks.
Der Architekt des Erfolgs: Felix Magath (Trainer)
Felix Magath, der zuvor mit Bayern München zweimal das Double gewonnen hatte, schrieb mit Wolfsburg ein weiteres Kapitel Fußballgeschichte. Selten wich er von seinem bevorzugten 4-1-3-2 oder 4-4-2-System ab, da es ihm selten Anlass dazu gab. Der Titelgewinn 2008/09 war der Höhepunkt seiner Amtszeit, bevor er im Sommer 2009 zu Schalke 04 wechselte. Eine kurze Rückkehr nach Wolfsburg im Jahr 2011 blieb jedoch hinter diesen Erfolgen zurück. Die Meistersaison bleibt ein unvergessliches Zeugnis seiner Trainerqualitäten und seines taktischen Geschicks.
