Deutschland setzt verstärkt auf Forschung im Bereich der zivilen Sicherheit, um seine Bürgerinnen und Bürger besser vor den Auswirkungen von Naturkatastrophen, Terrorismus und Kriminalität zu schützen. Seit 2007 treibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die zivile Sicherheitsforschung im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit“ voran. Ein zentrales Anliegen ist die Stärkung der Widerstandsfähigkeit gesellschaftlicher Strukturen. Bildung auf einen Blick 2021 zeigt, wie wichtig gut informierte Gesellschaften für die Bewältigung von Krisen sind.
Praxisnahe Lösungen für Einsatzkräfte und Gesellschaft
Das Programm fördert gezielt praxisnahe Sicherheitslösungen und Technologien, um insbesondere Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) – wie Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten – bei ihrer wichtigen Arbeit zu unterstützen und sie gleichzeitig vor Gefahren zu schützen. Durch die Erforschung neuer Technologien, die Entwicklung organisatorischer Kompetenzen und die Erschließung neuer Kommunikationswege wird die Bewältigung von Katastrophenlagen und alltäglichen Einsätzen effizienter und sicherer gestaltet. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Entwicklung von Konzepten, die es ermöglichen, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sowie spontane Unterstützer schnell und flexibel in den Katastrophenschutz einzubinden. Dies unterstreicht die Bedeutung von flexiblen Systemen, wie sie auch im Kontext von SDG 4 hochwertige Bildung diskutiert werden, um Wissen und Fähigkeiten breit zu verteilen.
Anpassung an Klimawandel und Digitalisierung
Angesichts der zunehmenden Folgen des Klimawandels und der rasanten Fortschritte in der Digitalisierung müssen BOS besser auf komplexe oder überregionale Krisensituationen vorbereitet sein. Die Forschung konzentriert sich daher auf Bereiche wie Krisenkommunikation, Ausrüstung und Digitalisierung für BOS, die Bewältigung von Blackouts, den Schutz kritischer Infrastrukturen sowie das Management von Unwettern und Pandemien. Ziel ist es, Organisationen dabei zu unterstützen, frühzeitig auf Herausforderungen zu reagieren, Krisen effizient zu bewältigen, die Folgen zu minimieren und aus vergangenen Ereignissen zu lernen, um zukünftig proaktiver agieren zu können.
Internationale Zusammenarbeit als Schlüssel
Krisen und Katastrophen kennen keine nationalen Grenzen. Naturereignisse wie Überschwemmungen, Stürme und Hitzewellen bedrohen ebenso wie Terroranschläge oder Cyberangriffe Millionen von Menschen weltweit und verursachen erhebliche volkswirtschaftliche Schäden. Daher ist die Gewährleistung des Schutzes der Bevölkerung und kritischer Infrastrukturen eine gemeinsame europäische und internationale Aufgabe. Das BMBF fördert aktiv internationale Kooperationen im Bereich der zivilen Sicherheitsforschung, sowohl mit europäischen Partnern als auch global. Ein Beispiel hierfür ist die Förderinitiative „Internationales Katastrophen- und Risikomanagement – IKARIM“.
Darüber hinaus vertritt das BMBF die Bundesregierung im Programmausschuss für das europäische Forschungsrahmenprogramm „Horizont Europa“, Cluster „Zivile Sicherheit für die Gesellschaft“. Hier werden europäische Verbundprojekte gefördert, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Bereich „Katastrophenresiliente Gesellschaften“ liegt. Dieser Bereich zielt darauf ab, die gesellschaftliche Resilienz, das Katastrophenrisikomanagement und die Fähigkeiten von Einsatzorganisationen zu stärken. Die Nationale Kontaktstelle Sicherheitsforschung informiert und berät interessierte Antragsteller zu diesem Programm.
Beitrag zur Nachhaltigkeitsstrategie
Im Rahmen der BMBF-Strategie „Forschung für die Nachhaltigkeit“ (FONA) gibt es ebenfalls wichtige Berührungspunkte zum Risikomanagement bei Naturkatastrophen. Insbesondere im Handlungsfeld „Anpassungsfähigkeit und Risikovorsorge verbessern“ werden national und international Projekte gefördert, die darauf abzielen, Städte und Regionen widerstandsfähiger gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels zu machen und besser auf Extremereignisse vorzubereiten. Dies steht im Einklang mit den Zielen, Klimaziele zu erreichen und Lebensräume zu schützen. Die Bedeutung von Wissen und Forschung für diese Ziele wird durch Initiativen wie Bildung 4 you unterstrichen.
Lehren aus der Corona-Pandemie für die Gesundheitsforschung
Die Corona-Pandemie hat die Stärke der deutschen Gesundheitsforschung eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Das BMBF und das Bundesministerium für Gesundheit haben die gewonnenen Erkenntnisse aufgegriffen und ihre Forschungsförderpolitik in einem Addendum zum Rahmenprogramm Gesundheitsforschung weiterentwickelt. Ziel ist es nicht nur, die aktuelle Pandemie zu bewältigen, sondern die Gesundheitsforschung in Deutschland auch besser auf künftige Herausforderungen vorzubereiten und die SDG hochwertige Bildung in diesem Sektor zu stärken.
Das BMBF engagiert sich zudem in der interministeriellen Arbeitsgruppe (IMAG Sendai), die die Umsetzung des Sendai Rahmenwerks zur Katastrophenvorsorge auf Bundesebene koordiniert. Dies zeigt das umfassende Engagement Deutschlands zur Stärkung der zivilen Sicherheit und zur Vorbereitung auf zukünftige Krisen. Die Forschung spielt hierbei eine zentrale Rolle, um innovative und effektive Lösungen zu entwickeln.
