Die Förderung von Gleichstellung in Wissenschaft und Forschung ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch ein entscheidender Faktor für Innovation, Exzellenz und gesellschaftlichen Fortschritt. In Deutschland und europaweit wird intensiv daran gearbeitet, Chancengleichheit zu gewährleisten und das volle Potenzial aller Talente zu entfalten. Die europäische ERA-Gleichstellungspolicy für Wissenschaft und Forschung bildet dabei einen wichtigen Rahmen für nationale Strategien. Sie zielt darauf ab, Strukturen zu schaffen, die Vielfalt wertschätzen und Barrieren abbauen, um eine inklusive Forschungslandschaft zu gestalten. Eine solche umfassende Betrachtung ist essenziell für die Zukunft unserer Gesellschaft und des Wissensstandortes Deutschland, in dem die bildung erziehung eine zentrale Rolle spielt.
Schwerpunkte der Gleichstellungspolitik in Wissenschaft und Forschung
Die Bemühungen zur Geschlechtergerechtigkeit in der Wissenschaft lassen sich in drei Kernbereiche unterteilen, die sich gegenseitig verstärken und auf eine transformative Wirkung abzielen. Diese “Drei Fixes” – Zahlen, Institution und Wissen – bilden das Gerüst für eine nachhaltige Gleichstellung in akademischen und Forschungseinrichtungen.
„Fix the numbers“ – Mehr Frauen in MINT und in Spitzenpositionen
Ein zentrales Anliegen ist es, den Anteil von Frauen in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) sowie in Führungspositionen der Wissenschaft signifikant zu erhöhen. Trotz Fortschritten sind Frauen in diesen Bereichen noch immer unterrepräsentiert. Ziel ist es, Mädchen und junge Frauen frühzeitig für Technik- und Informatikstudien zu begeistern und ihnen alle Möglichkeiten zu eröffnen, die digitale Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Programme und Initiativen wie der „Aktionsplan MI(N)Tmachen“ sind darauf ausgerichtet, Stereotypen aufzubrechen und Rollenbilder zu erweitern. Es geht darum, die „gläserne Decke“ zu durchbrechen, die Frauen oft am Aufstieg in Spitzenpositionen hindert, und ihre Leistungen sowie Expertise sichtbar zu machen. Die Förderung dieser Karrierewege beginnt oft mit gezielten Programmen zur weiterbildungsmöglichkeiten für erzieher, die darauf abzielen, Talente frühzeitig zu erkennen und zu fördern.
„Fix the institution“ – Gerechte Studien- und Berufschancen sowie eine sichere, inklusive Arbeitsumgebung für alle
Dieser Schwerpunkt konzentriert sich auf die Schaffung institutioneller Rahmenbedingungen, die allen Studierenden und Mitarbeitenden gleiche Chancen bieten. Dies beinhaltet eine Stärkung wertschätzender und inklusiver Organisationskulturen, die von Respekt und gegenseitiger Anerkennung geprägt sind. Ein essenzieller Aspekt ist die Gewährleistung sicherer und gewaltfreier Arbeits- und Studienumgebungen. Dies erfordert die Implementierung klarer Richtlinien, Präventionsmaßnahmen und effektiver Beschwerdemechanismen gegen geschlechterbasierte Gewalt und Diskriminierung. Darüber hinaus sollen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es Individuen ermöglichen, ihr volles Potenzial unabhängig von Geschlechterstereotypen zu entfalten. Dazu gehört auch die Gestaltung inklusiver und diversitätsorientierter Karrierewege, die zum Beispiel Betreuungsphasen (Care-Arbeit) berücksichtigen und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen. Dies beeinflusst direkt die Qualität der bildungs und erziehungsbereiche an unseren Hochschulen und Forschungseinrichtungen.
„Fix the knowledge“ – Qualitätssteigerung von Forschung und Lehre durch Berücksichtigung der Geschlechter-/Genderperspektive
Die Integration der Geschlechter- und Genderdimension in Forschung und Lehre ist entscheidend, um die Qualität und Relevanz wissenschaftlicher Erkenntnisse zu steigern. Wenn Forschung sich nicht mit den unterschiedlichen Bedürfnissen, Erfahrungen und Lebensrealitäten von Männern, Frauen und diversen Geschlechtsidentitäten auseinandersetzt, können wichtige Aspekte übersehen werden und Forschungsergebnisse an Relevanz für die gesamte Gesellschaft verlieren. Dies führt zu gesellschaftsrelevanten Forschungsergebnissen, die eine breitere Perspektive einnehmen und innovativere Lösungen bieten. Es geht darum, den Mehrwert der Ergebnisse der Gleichstellungsarbeit durch gezielte Awarenessmaßnahmen, wie Preise und Auszeichnungen, sichtbar zu machen und Good Practices zu verbreiten. Die Berücksichtigung dieser Dimensionen ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung wissenschaftlicher Disziplinen, ähnlich wie die weiterbildung museumspädagogik neue Zugänge zu kulturellem Wissen schafft.
Vernetzung und Kooperation für eine starke Gleichstellung
Um die Ziele der Gleichstellungspolitik effektiv umzusetzen, ist eine starke Vernetzung und Zusammenarbeit unerlässlich. Die Vertretung in fächerübergreifenden Arbeitsgruppen sowie in nationalen und internationalen Gremien, wie sie im Europäischen Forschungsraum (ERA) existieren, stärkt die themenspezifische Kooperation und fördert den Erfahrungs-, Ideen- und Wissensaustausch. Durch diese Vernetzung können bewährte Verfahren identifiziert, gemeinsame Herausforderungen angegangen und Synergien genutzt werden, um die Gleichstellung in den hochschulischen und wissenschaftlichen Sektoren voranzutreiben. Dieser kollektive Ansatz gewährleistet, dass die besten Strategien und Erkenntnisse über Grenzen hinweg geteilt werden, um eine umfassende und wirksame Veränderung zu bewirken. Solche Kooperationen sind ein Zeichen für einen progressiven Ansatz, der weit über die anfänge der bildung in der antike hinausgeht.
Fazit
Gleichstellung in Wissenschaft und Forschung ist ein kontinuierlicher Prozess, der engagierte Anstrengungen auf allen Ebenen erfordert. Durch die strategische Ausrichtung auf „Fix the numbers“, „Fix the institution“ und „Fix the knowledge“ wird ein umfassender Ansatz verfolgt, der nicht nur die Repräsentation von Frauen in MINT und Führungspositionen verbessert, sondern auch eine inklusive und sichere Arbeitskultur fördert und die Qualität der Forschung durch die Berücksichtigung der Geschlechterdimension steigert. Die Vernetzung und der Austausch auf nationaler und europäischer Ebene sind dabei unverzichtbar, um nachhaltige Erfolge zu erzielen. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, eine Wissenschafts- und Forschungslandschaft zu gestalten, die die Vielfalt ihrer Talente voll ausschöpft und damit ihren Beitrag zu einer gerechteren und innovativeren Gesellschaft leistet. Bleiben Sie informiert und engagieren Sie sich für eine gleichberechtigte Zukunft in der Wissenschaft.
