BVB-Vorbereitung 2009/10: Eine detaillierte Analyse der Testspiele

BVB-Spieler im Trainingsspiel zur Vorbereitung

Die Saison 2009/10 stand vor der Tür und für Borussia Dortmund begann die Vorbereitung intensiv. In den ersten 14 Tagen galt es, neue Erkenntnisse zu gewinnen und die Mannschaft auf die bevorstehenden Herausforderungen in der Bundesliga einzustellen. Dieser dritte Teil unserer Analyse widmet sich den Testspielen, die Aufschluss über den Fitnesszustand und die taktische Ausrichtung des Teams gaben.

Bereits das erste interne Trainingsspiel zeigte erste Offensivbemühungen. Auf dem Kleinfeld trafen Großkreutz, Rangelov, Öztekin und Sahin für die eine Mannschaft, während Sadrijaj, Frei und Owomoyela für die andere erfolgreich waren. Fünf Tage später folgte der erste ernsthafte Test gegen eine Sauerland-Auswahl in Hüsten. Während die Nachbarn aus Gelsenkirchen sich hier mit einem knappen 3:0 begnügten, zeigte der BVB großen Torhunger. Schon in der ersten Hälfte trafen Frei (zweimal), Feulner und Kuba. Nach einem kompletten Wechsel zur Halbzeit legten Kullmann (dreimal), Großkreutz (zweimal) und Valdez weitere sechs Treffer nach.

BVB-Spieler im Trainingsspiel zur VorbereitungBVB-Spieler im Trainingsspiel zur Vorbereitung

Zwei Tage später, im zweiten Testspiel in Rheine, lief es nicht ganz so erfolgreich. Zwar gingen die Borussen durch Tore von Rangelov, Valdez und Kuba früh mit 3:0 in Führung, kassierten aber noch vor der Halbzeit den ersten Gegentreffer der neuen Saison. Nach einem erneuten, kompletten Mannschaftswechsel in der zweiten Halbzeit litt der Spielfluss spürbar, und es fielen nur noch zwei weitere Tore durch Frei und Feulner. Trainer Jürgen Klopp zeigte sich mit der Leistung unzufrieden: “Wir haben heute maximal 40 Prozent gegeben. Mir hat das Spiel daher nicht gefallen. Die Mannschaft hat viel zu wenig gezeigt, und das werden wir nicht unkommentiert stehen lassen.”

Anfangs schien sich die Situation im dritten Testspiel gegen den Offenburger FV, einem Verbandsligisten, kaum zu bessern. Nach einer 30-minütigen Unterbrechung wegen eines Unwetters geriet der BVB sogar überraschend mit 0:1 in Rückstand. Doch noch vor der Halbzeit drehten zwei Treffer von Christopher Kullmann das Spiel zugunsten der Dortmunder. In der zweiten Hälfte wurden alle Spieler außer Bender (der von der defensiven Mittelfeldposition in die Innenverteidigung wechselte) ausgetauscht. Diese Wechsel scheinen gewirkt zu haben, denn Kuba, Sadrijaj, Rangelov, Subotic und Hajnal (zweimal) sorgten für weitere sechs Tore. Diesmal war Klopp zufriedener: “Dieses Spiel war von der Konzentration her nicht leicht. Aber wir haben uns auch in unbequemen Situationen körperlich zur Wehr gesetzt, obwohl hier heute Morgen in Dortmund noch hart trainiert hatten.”

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Borussia Dortmund im Testspiel gegen OffenburgBorussia Dortmund im Testspiel gegen Offenburg

Im vierten Testspiel gegen den Landesligisten FV Donaueschingen zeigte der BVB erneut zwei Gesichter. Die ersten 24 Minuten blieben torlos, doch in den verbleibenden 20 Minuten bis zur Halbzeit fielen beeindruckende sieben Tore durch Frei (dreimal), Kuba, Großkreutz, Hünemeier und Rangelov. Zur Pause wurden alle Spieler bis auf Ziegler, Öztekin und Hünemeier ausgetauscht. Der Spielfluss ging jedoch verloren, sodass Dortmund nur noch durch Sadrijaj, Tinga und Hummels auf den Endstand von 10:0 erhöhte. Eine Schrecksekunde gab es in der 69. Minute, als Stürmer Sadrijaj nach einem Schlag auf den Knöchel ausgewechselt werden musste. Da nur noch Ersatztorhüter Höttecke auf der Bank saß, kam dieser zu seinem ungewöhnlichen Debüt als bvb stürmer und hätte beinahe getroffen. Für Sadrijaj gab es später Entwarnung, die Verletzung stellte sich als nicht gravierend heraus. Trotz der geringeren Torausbeute in der zweiten Hälfte war Klopp zufrieden: “Wir haben von Anfang an wirklich guten Fußball gespielt. Dass wir am Anfang die Chancen nicht genutzt haben, lag daran, dass der Torwart vom FV Donaueschingen gut gehalten hat und wir beim Training morgens richtig Gas gegeben haben”, erklärte er der Presse. “Ich möchte nur sehen, dass sich die Jungs bewegen. Das haben sie getan.”

BVB im Testspiel gegen den FV Donaueschingen 2009BVB im Testspiel gegen den FV Donaueschingen 2009

Die letzten beiden Testspiele fanden in einem Turnier in Pfullendorf statt. Gegner waren der Bundesligist 1. FC Nürnberg und anschließend der Regionalligist SC Pfullendorf. Im Duell der Bundesligisten, das vor 5.300 Zuschauern (davon 2.000 BVB-Fans) ausgetragen wurde, zeigten beide Mannschaften eine mäßige, ausgeglichene und teilweise umkämpfte Partie. In der 11. Minute sah Geburtstagskind Alexander Frei nach einer Rangelei mit Pinola die Gelbe Karte. Doch damit nicht genug: Nach einem Disput mit Schiedsrichter Michael Kempter musste BVB-Trainer Klopp das Spiel von der Tribüne aus verfolgen. Nach einer halben Stunde musste Florian Kringe mit einem Pferdekuss im Oberschenkel vom Platz, Kevin Großkreutz kam für ihn ins Spiel. Großkreutz hatte sofort eine große Chance, sein Kopfball ging jedoch knapp am Tor vorbei. Die größte Führungschance für die Franken hatte ausgerechnet ein Dortmunder: Subotic unterlief eine Kopfballabwehr, doch Marc Ziegler zeigte sein ganzes Können und verhinderte den Rückstand. Auf der anderen Seite lief es in der 39. Minute besser. Ein bereits zu langer Pass von Hajnal wurde von Kuba erlaufen, der den Ball in die Mitte passte, wo Großkreutz am langen Pfosten den entscheidenden Treffer erzielte.

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Mannschaft von Borussia Dortmund beim Turnier in PfullendorfMannschaft von Borussia Dortmund beim Turnier in Pfullendorf

Somit stand fest, dass ein Unentschieden gegen den Regionalligisten SC Pfullendorf zum Turniersieg reichen würde. Bis auf Großkreutz wurden alle Spieler ausgetauscht. Obwohl die Pfullendorfer gut mitspielten, lagen die Torchancen klar auf Dortmunder Seite. In der 13. Minute wechselte Großkreutz auf die Bank, Markus Feulner kam ins Team. Dimitar Rangelov hatte in der 28. Minute eine große Führungschance, scheiterte aber am starken Pfullendorfer Torhüter. Auch Feulner hatte eine weitere Chance, die jedoch am Tor vorbeiging. Nach 45 Minuten pfiff der Schiedsrichter ab und krönte den BVB zum Turniersieger.

Spielszene aus einem Testspiel beim Turnier in Pfullendorf 2009Spielszene aus einem Testspiel beim Turnier in Pfullendorf 2009

Über die bisherigen Testspielgegner kann man geteilter Meinung sein. Für Klopp stand wohl einzig und allein die Möglichkeit im Vordergrund, das Erlernte anzuwenden; die wirklich starken Gegner würden erst noch kommen. Es bleibt abzuwarten, wie sich der BVB dann präsentieren wird. Auch die bisherigen Aufstellungen lassen keine Rückschlüsse auf die Stammformation zu, da Klopp die Mannschaft stets durchgemischt hat. Man darf gespannt sein, wie die Mannschaft in Weiden und gegen Köln auftreten wird.

Kein endgültiges Fazit, aber erste Erkenntnisse

Nach den ersten 18 Tagen der Vorbereitung lässt sich sicherlich noch kein abschließendes Fazit ziehen. Zu viele Fragen bleiben offen: Bleibt der BVB-Kader so, wie er ist? Gibt es weitere Verletzungen? Was tun die anderen Vereine? Findet man noch einen passenden Spieler für die julian brandt Position?

Dennoch zeichnen sich erste Tendenzen ab: Anscheinend stimmt es in der Mannschaft, da kaum Reibungspunkte nach außen dringen. Einzig die damals ausstehenden Vertragsverlängerungen mit Frei und Schmelzer könnten auf Konfliktpotenzial hindeuten. Überraschend war auch, wie schnell die Spieler aus dem Urlaub zurückkamen – spielte die Angst mit, den Anschluss zu verpassen? Es gab viele Positionswechsel im Team, was entweder an angeschlagenen Spielern lag oder ein Versuch war, offene Kaderstellen zu kaschieren. Anders als im Vorjahr gab es keinen großen Umbruch; nicht mehr benötigte Spieler wurden verkauft und der Kader zukunftsorientiert aufgefüllt. Das Ergebnis war eine, bis auf wenige Ausnahmen, doppelt besetzte Mannschaft. Engpässe könnten einzig im offensiven Mittelfeld und auf der rechten Außenbahn auftreten.

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Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia DortmundHans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund

Ein weiterer Vorteil könnte die eingespielte Mannschaft sein. Während sich viele Teams in den ersten Pflichtspielen noch finden müssen, könnte der BVB dort anknüpfen, wo man am Ende der Rückrunde stand. Doch birgt dies auch die Gefahr der Selbstüberschätzung. Vorsicht ist bei langwierigen Verletzungen geboten, da der BVB bekanntermaßen mehrere Spieler im Team hat, deren Anfälligkeit fast schon legendär ist. Kurzfristig können Spieler wie Owomoyela, Kehl und Dede gut ersetzt werden, aber die Angst vor dem nächsten Kreuzbandriss schwingt sicherlich in den Hinterköpfen der BVB-Fans mit – ähnlich den Sorgen, die man sich um Top-Klubs wie den fc bayer macht. Für die Zukunft der Defensive ist es wichtig, die Entwicklung von Spielern wie schlotterbeck bvb genau zu verfolgen, auch wenn er damals noch nicht im Kader war.

Es bleibt abzuwarten, wie die restlichen Trainingswochen beim BVB verlaufen werden. Denn eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Es ist egal, ob man in der Vorbereitung Spiele mit 1:0, 10:0 oder 100:0 gewinnt. Es zählt erst ab dem 01.08.2009. Und wie sagte es schon Dortmunds großer Spieler Alfred „Adi“ Preißler: “Grau is alle Theorie, entscheidend is auffen Platz!”