Der Jugendfußball, oft als Talentschmiede und Ort fairer Wettkämpfe gefeiert, wurde erneut von einem Schatten überschattet, der in unserem Sport keinen Platz haben sollte: Rassismus. Bei der UEFA Youth League-Partie zwischen Borussia Dortmunds U19 und dem FC Sevilla kam es zu einem erschütternden Vorfall, bei dem der guineische Mittelfeldspieler Abdoulaye Kamara von einem gegnerischen Spieler rassistisch beleidigt wurde. Dieses Ereignis markiert eine traurige Wiederholung eines ähnlichen Vorfalls, der sich bereits im Hinspiel in Andalusien ereignet hatte.
Der Vorfall: Erneute rassistische Beleidigungen gegen Kamara
Nach Angaben von Bvb U19-Cheftrainer Mike Tullberg wurde Abdoulaye Kamara von Sevillas Alejandro Vazquez mit Affenlauten und anderen rassistischen Beschimpfungen bedacht. Dies bestätigte Tullberg gegenüber den „Ruhr Nachrichten“: „Es gab die gleichen Beleidigungen und Affenlaute wie letzte Woche.“ Ein Sanitäter habe den Vorfall gehört und bestätigt. Tullberg meldete den Vorfall dem Assistenten, doch der italienische Schiedsrichter Luca Pairetto behauptete, nichts gehört zu haben, und wies die Anschuldigungen zurück.
Unerwartete Reaktionen: Schiedsrichter und UEFA-Offizielle in der Kritik
Die Reaktion des Schiedsrichters war jedoch nicht das Ende der Enttäuschung. Tullberg brachte das Thema anschließend bei einem anwesenden UEFA-Offiziellen zur Sprache, dessen Antwort ihn fassungslos machte: „Ich konnte es nicht glauben, aber ein UEFA-Offizieller begann tatsächlich mit mir zu diskutieren, wie ein Affe klingt und was ein Affe sagt. Es war unglaublich.“ Tullberg zeigte sich frustriert über die mangelnde Unterstützung: „Ich fand die Reaktion der Schiedsrichter nicht in Ordnung. Wie sollen wir beweisen, dass es Beleidigungen gab?“ Am Tag nach dem Vorfall äußerte sich Lars Ricken, Direktor der BVB-Nachwuchsabteilung, in einer Stellungnahme in den sozialen Medien noch immer „fassungslos“ über das Geschehene. Ricken erwähnte, dass er vor dem Spiel mit dem Schiedsrichter gesprochen und man sich darauf geeinigt hatte, das Spiel bei einem erneuten Vorfall zu unterbrechen. Der erst 17-jährige Kamara wurde später zur Halbzeit ausgewechselt, um weitere Komplikationen zu vermeiden, da er bereits eine Gelbe Karte erhalten hatte. Das Spiel gewann Dortmund schließlich mit 2:0, was den ersten Sieg des Turniers bedeutete.
Abdoulaye Kamara von Borussia Dortmund, der rassistisch beleidigt wurde
Solidarität untersagt: Fanprotest gegen Rassismus scheitert
UEFA Youth League-Spiele finden in der Regel Stunden vor den Champions League-Partien der Profimannschaften statt. Vor dem Champions League-Spiel der Seniorenmannschaft des BVB gegen Sevilla wurde der Anti-Diskriminierungs-Faninitiative Ballspiel.Vereint die Möglichkeit verwehrt, ein Solidaritätsbanner für Kamara in das Stadion zu bringen. Das Banner mit der Aufschrift „Solidarität mit Kamara! Gegen Rassismus“ war sowohl auf Deutsch als auch auf Spanisch verfasst. Die Gruppe twitterte dazu: „Im Youth League-Hinspiel wurde unser Jugendspieler Kamara von Spielern aus Sevilla rassistisch beleidigt. Als Reaktion darauf sollte dieses Banner heute im Rückspiel in Brackel gezeigt werden. Das Banner wurde jedoch von der UEFA verboten.“ SID-Journalist Thomas Nowag berichtete, dass Dortmund bei der UEFA Beschwerde wegen des Vorfalls eingereicht habe. Für Fans, die die BVB Moukoko Entwicklungen verfolgen oder sich für das Kopenhagen BVB Spiel interessieren, ist dies ein deutliches Zeichen, dass Rassismus im Fußball nicht ignoriert werden darf.
Eine Kette von Vorkommnissen: BVB-Jugendteams immer wieder betroffen
Es ist nicht das erste Mal, dass Borussia Dortmunds Jugendmannschaften mit rassistischen Übergriffen konfrontiert werden. Nach dem ersten Vorfall in Spanien in der Vorwoche war die Partie bereits für mehrere Minuten unterbrochen worden. Trainer Tullberg berichtete: „In der Halbzeit haben wir gemeinsam mit den Jungs entschieden, dass wir weiterspielen wollen.“ Obwohl das Spiel 1:1 endete und Borussia Dortmund eine Beschwerde bei der UEFA einreichte, betonte Tullberg: „Das Ergebnis ist heute zweitrangig, weil wir hier wieder über rassistische Bemerkungen von gegnerischen Spielern sprechen.“ Tullberg bezog sich dabei auch auf ein Jugendpokalspiel im September bei Energie Cottbus, bei dem BVB-Spieler ebenfalls rassistisch beleidigt worden sein sollen. Lars Ricken, Champions-League-Sieger mit dem Verein im Jahr 1997, hatte damals unmissverständlich erklärt: „Nächstes Mal verlassen wir den Platz. Und nicht nach dem zweiten oder dritten Vorfall; beim ersten Mal.“ Diese Aussage unterstreicht die Entschlossenheit des Vereins, ein klares Zeichen gegen Rassismus zu setzen.
Die Kernfrage: Wie soll der Fußball auf Rassismus reagieren?
Trotz Rickens früherer Ankündigung entschieden sich die Spieler am Dienstagabend erneut dazu, weiterzuspielen. Die Debatte darüber, wie auf rassistische Vorfälle im Fußball reagiert werden sollte, dauert an. Das Dortmunder Fanzine Schwatzgelb.de schrieb dazu in der Vorwoche: „Wir wissen nicht genau, was in der Kabine besprochen wurde, vielleicht war es Kamaras ausdrücklicher Wunsch, weiterzuspielen. Aber es hinterlässt dennoch einen bitteren Nachgeschmack.“ Das Fanzine stellte die Frage, ob junge Spieler, die Teil eines Systems aus konstantem Druck und Auswahl sind, solche Entscheidungen treffen sollten. Schließlich seien sie sich alle bewusst, dass dies ihren Traum vom Profifußball beeinflussen könnte, da die Youth League eine riesige Bühne ist. „Sollte es nicht Sache des Vereins sein, zu entscheiden, den Platz zu verlassen, unabhängig von möglichen sportlichen Konsequenzen? Teils zum Schutz der Spieler, aber auch um die Botschaft zu vermitteln, dass, egal wie wichtig ein Spiel sein mag, es niemals wichtiger sein kann als bestimmte Werte?“ Die Schlussfolgerung von Schwatzgelb.de bringt es auf den Punkt: „So gut es klingt: Es gibt keine sportliche Antwort auf Rassismus.“ Der Kampf gegen Rassismus im Fußball erfordert klare Haltung und entschiedenes Handeln von allen Beteiligten, um eine sichere und respektvolle Umgebung für alle Spieler zu gewährleisten, unabhängig von der Aufmerksamkeit, die beispielsweise Werder Bremen Transfergerüchte oder andere Sportnachrichten generieren.
Abschließend lässt sich festhalten, dass die wiederholten rassistischen Beleidigungen gegen Spieler von Borussia Dortmunds U19, insbesondere Abdoulaye Kamara, ein tiefgreifendes Problem im Jugendfußball offenbaren. Die Reaktionen der Schiedsrichter und UEFA-Offiziellen sowie das Verbot eines Solidaritätsbanners werfen ernste Fragen über die Konsequenz und Entschlossenheit im Kampf gegen Rassismus auf. Es ist unerlässlich, dass Vereine, Verbände und Fans gemeinsam ein unmissverständliches Zeichen setzen und Mechanismen etablieren, die junge Spieler schützen und rassistische Handlungen konsequent bestrafen. Nur so kann der Fußball seinem Anspruch als Sport der Vielfalt und des Respekts gerecht werden.
