Capybara als Haustier in Deutschland: Ein umfassender Ratgeber zur Haltung

Capybaras, die sympathischen Wasserschweine, erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit. Ihr ruhiges und geselliges Wesen macht sie zu faszinierenden Tieren. Doch der Gedanke, ein Capybara als Haustier in Deutschland zu halten, wirft viele Fragen auf und ist mit erheblichen Herausforderungen verbunden. Bevor Sie diesen Schritt in Erwägung ziehen, ist eine intensive Auseinandersetzung mit den rechtlichen, finanziellen und praktischen Anforderungen unerlässlich. Dieser Ratgeber beleuchtet alle wichtigen Aspekte der artgerechten Haltung von Wasserschweinen.

Rechtliche Rahmenbedingungen: Was sagt das Gesetz?

Die Haltung von exotischen Tieren wie Capybaras ist in Deutschland streng reguliert, um das Tierwohl zu gewährleisten. Die Annahme, man könne ein Wasserschwein einfach kaufen und im Garten halten, ist ein Trugschluss.

Die Genehmigungspflicht

Da Capybaras ursprünglich aus den warmen Feuchtgebieten Südamerikas stammen, gelten sie hierzulande als Wildtiere. Für ihre Haltung benötigen Sie in der Regel eine offizielle Genehmigung der zuständigen Behörde. Ansprechpartner hierfür sind das örtliche Veterinäramt oder die Kreisverwaltungsbehörde. Die Vorschriften können sich je nach Bundesland unterscheiden, daher ist eine frühzeitige Kontaktaufnahme unerlässlich. Die Behörde prüft, ob Sie die Voraussetzungen für eine artgerechte Haltung erfüllen können.

Der Sachkundenachweis nach §11 Tierschutzgesetz

Ein zentraler Baustein für die Genehmigung ist der Nachweis Ihrer persönlichen Eignung. Sie müssen belegen, dass Sie über das notwendige Wissen zur Pflege, Ernährung und Unterbringung der Tiere verfügen. In den meisten Fällen wird hierfür ein offizieller Sachkundenachweis gemäß §11 des Tierschutzgesetzes verlangt. Dieser Nachweis bestätigt, dass Sie sich intensiv mit den Bedürfnissen der Spezies auseinandergesetzt haben und in der Lage sind, für deren Wohlergehen zu sorgen.

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Das perfekte Zuhause: Anforderungen an das Gehege

Die wohl größte Herausforderung ist die Schaffung eines geeigneten Lebensraums. Ein einfaches Gartengrundstück reicht bei Weitem nicht aus.

Platzbedarf und Außengehege

Capybaras sind die größten Nagetiere der Welt und benötigen viel Bewegungsfreiheit. Das Außengehege sollte mehrere hundert Quadratmeter umfassen und sicher eingezäunt sein. Der Untergrund muss so gestaltet sein, dass er den natürlichen Lebensraum imitiert – mit Grasflächen, aber auch sandigen oder schlammigen Bereichen.

Das A und O: Der Wasserzugang

Der Name “Wasserschwein” kommt nicht von ungefähr. Ein dauerhafter und ausreichend großer Wasserzugang ist für Capybaras überlebenswichtig. Sie verbringen einen Großteil ihres Lebens im Wasser, wo sie fressen, sich paaren und vor Fressfeinden flüchten. Ein kleiner Gartenteich genügt nicht. Erforderlich ist ein großes, tiefes Becken oder ein Teich, der den Tieren das vollständige Untertauchen und Schwimmen ermöglicht. Das Wasser muss zudem sauber gehalten werden.

Das Winterquartier: Ein beheiztes Innengehege

Capybaras sind nicht an deutsche Winter angepasst. Für die kalten Monate ist daher ein beheiztes Innengehege zwingend erforderlich. Auch dieser Innenbereich muss großzügig bemessen sein und – das ist entscheidend – ebenfalls über einen eigenen Wasserzugang verfügen. Die konstante Beheizung und Wasseraufbereitung sind komplexe und kostspielige Unterfangen.

Soziale Tiere: Warum ein Capybara niemals allein sein sollte

In der Wildnis leben Capybaras in großen sozialen Gruppen. Sie sind extrem gesellige Tiere, die den Kontakt zu Artgenossen für ihr psychisches Wohlbefinden benötigen. Eine Einzelhaltung ist in Deutschland aus Tierschutzgründen gesetzlich verboten. Sie müssen also immer mindestens zwei Tiere, besser noch eine kleine Gruppe, halten. Dies verdoppelt nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch den Platzbedarf.

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Kosten und Anschaffung: Was kostet ein Wasserschwein?

Die Haltung von Capybaras ist ein teures Hobby. Die Kosten teilen sich in einmalige Anschaffungs- und hohe laufende Kosten auf.

Anschaffungskosten und Züchterwahl

Ein einzelnes Capybara kostet bei einem seriösen Züchter in der Regel mehrere tausend Euro. Da Sie mindestens zwei Tiere benötigen, liegt die anfängliche Investition schnell im fünfstelligen Bereich. Suchen Sie nach einem vertrauenswürdigen Züchter, der Ihnen alle Fragen aus eigener Erfahrung beantworten kann. Besichtigen Sie die Haltungsbedingungen vor Ort und lassen Sie sich Nachweise über tierärztliche Untersuchungen der Elterntiere zeigen.

Laufende Kosten

Unterschätzen Sie nicht die monatlichen Ausgaben. Dazu zählen:

  • Futter: Eine ausgewogene Ernährung aus Heu, speziellem Gras, Gemüse und angereichertem Futter.
  • Tierarzt: Die Behandlung erfordert einen auf Exoten spezialisierten Tierarzt, was teurer ist als bei gängigen Haustieren.
  • Energie: Die Beheizung des Innengeheges im Winter verursacht erhebliche Stromkosten.
  • Instandhaltung: Pflege des Geheges, Wasseranalyse und -filterung sind ebenfalls kostspielig.

Fazit: Eine Aufgabe für Experten

Die Haltung eines Capybaras als Haustier ist eine faszinierende Vorstellung, in der Praxis jedoch eine immense Verantwortung, die nur von wenigen Privatpersonen in Deutschland artgerecht umgesetzt werden kann. Die hohen Anforderungen an Platz, Infrastruktur und Finanzen sowie die komplexen rechtlichen Hürden machen deutlich, dass Wasserschweine keine typischen Haustiere sind. Aus gutem Grund findet man sie hierzulande fast ausschließlich in qualifizierten Zoos und Tierparks.

Wenn Sie diese wunderbaren Tiere lieben, empfehlen wir Ihnen, einen der vielen deutschen Zoos zu besuchen. Dort können Sie die Capybaras in einem artgerechten Umfeld beobachten und unterstützen gleichzeitig die wichtige Arbeit dieser Einrichtungen. Dies ist der beste Weg, um die Faszination für Wasserschweine zu genießen, ohne das Wohl der Tiere zu gefährden.

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