Bildung in China: Zwischen Erfolg, Druck und Ungleichheit

Außerhalb der Volksrepublik China erreichen uns zum chinesischen Bildungswesen oft widersprüchliche Berichte: Einerseits beeindrucken Erfolgsmeldungen über herausragende Leistungen und internationale Spitzenplatzierungen, andererseits dominieren Erzählungen von extremem Lernstress und einer enormen Belastung für chinesische Familien. Dieses Spannungsfeld zwischen bemerkenswertem Aufstieg und tiefgreifenden Herausforderungen prägt das Bildungslandschaft des Landes.

Bildung in China: Eine Erfolgs- oder Leidensgeschichte?

Das chinesische Bildungssystem kann in den letzten Jahren tatsächlich auf bemerkenswerte Erfolge verweisen. In der jüngsten internationalen Schulleistungsstudie PISA erzielten chinesische Jugendliche die weltweit besten Ergebnisse. Auch im Hochschulbereich holt China rasant auf: Im Jahr 2022 gelang es bereits sechs chinesischen Hochschulen, sich unter den Top-100-Universitäten der Welt zu positionieren, während Deutschland sieben Plätze belegte. Insbesondere die Peking- und die Tsinghua-Universität teilen sich Rang 16 und sind damit, nach der ETH Zürich (Platz 15), die höchstplatzierten Universitäten außerhalb Großbritanniens und der USA.

Demgegenüber stehen chinesische Jugendliche auch an der Weltspitze, wenn es um die zusätzliche Lernzeit außerhalb des regulären Unterrichts geht. Ein oft zitierter Spruch in China lautet: „Wenn Wochenende ist und du nicht in einem Nachhilfekurs sitzt, dann bist du auf dem Weg zu einem Nachhilhilfekurs.“ Dieser immense Leistungsdruck und das stark prüfungsorientierte Lernen sind nicht nur eine psychische Belastung, sondern aufgrund der notwendigen Nachhilfe auch eine erhebliche finanzielle Herausforderung für Familien.

Das Problem des Leistungsdrucks und der Fokussierung auf reines Auswendiglernen ist nicht neu. Bereits zu Beginn des Jahrtausends wurde ein neues Curriculum eingeführt, das schulisches Lernen ganzheitlicher gestalten und von der reinen Prüfungsvorbereitung wegbewegen sollte. Im August 2021 sorgte eine Ankündigung des chinesischen Bildungsministeriums auch international für Aufsehen, wonach in den ersten beiden Schuljahren überhaupt keine Prüfungen mehr stattfinden sollen. Die Erfahrungen der letzten zwei Jahrzehnte zeigen jedoch, dass solche Reformversuche bisher lediglich zu einem besser kaschierten Leistungsdruck führten, anstatt diesen abzuschaffen. Dies liegt weniger an einer vermeintlich „anderen Lernkultur“, wie in westlichen Medien oft vereinfachend spekuliert wird, sondern vielmehr an einem zu engen „Flaschenhals“ auf dem Weg zu guten weiterführenden Schulen und Hochschulen. Die Konkurrenz um die wenigen begehrten Plätze ist so groß, dass es sich Familien kaum leisten können, auf intensives Büffeln und zusätzliche Nachhilfe zu verzichten.

Mehr Bildung, bleibende Ungleichheiten

Die chinesische Gesetzgebung schreibt eine neunjährige Schulpflicht vor, die weitestgehend umgesetzt wird. Das Schulsystem gliedert sich in sechs Jahre Grundschule, drei Jahre Untere Mittelschule und drei Jahre Obere Mittelschule, wobei letztere zu etwa 40 Prozent durch Berufsschulen abgedeckt wird. Betrachtet man allein die Zahlen, so ist die Expansion im chinesischen Bildungswesen in den letzten drei Jahrzehnten beeindruckend: Nahezu alle Schülerinnen und Schüler erreichen die nächsthöhere Schulstufe, und der Anteil derjenigen, die ein Hochschulstudium aufnehmen, ist von 3,5 Prozent Anfang der 1990er Jahre auf 51,3 Prozent im Jahr 2019 rasant angestiegen.

Trotz dieser beeindruckenden Entwicklung bestehen weiterhin erhebliche Unterschiede im Bildungszugang und in der Bildungsqualität zwischen verschiedenen Regionen und insbesondere zwischen Stadt und Land. Bereits bei Chinas PISA-Teilnahme wurde kritisiert, dass die für die Datenerhebung ausgewählten Regionen nicht repräsentativ für das gesamte Land seien. Hinzu kommt, dass etwa 14 Millionen Kinder, die mit ihren Eltern – sogenannten Wanderarbeiterinnen und -arbeitern – vom Land in die Stadt gezogen sind, nur unvollständig in die Statistiken einfließen und trotz ihres gesetzlichen Bildungsanspruchs häufig vom regulären Schulbesuch ausgeschlossen werden. Die folgende Tabelle verdeutlicht die Bildungsunterschiede zwischen der Hauptstadt Peking und den Provinzen Guizhou und Tibet, die ländlich geprägte Regionen mit einem hohen Anteil ethnischer Minderheiten sind.

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Bildungsunterschiede zwischen Peking und den Provinzen Guizhou und Tibet

PekingGuizhouTibet
Ohne Lesefähigkeit (m/w)1,73% (1,19%/2,26%)10,19% (4,77%/15,83%)33,11% (23,41%/42,56%)
Ohne Schulbesuch2%10,2%32,8%
Nur Grundschulabschluss8,5%35,2%33,1%
Universitätsabschluss15,2%4,5%4,1%

Quelle: China Statistical Yearbook, 2020

Der nationale Bildungsplan für das Jahr 2021 hat sich zum Ziel gesetzt, die Bildungssituation auf dem Land an die der Städte anzugleichen. Auch die Situation ethnischer Minderheiten findet im Bildungsplan Beachtung, allerdings weniger aus einer Perspektive der sozialen Gerechtigkeit, sondern vielmehr mit dem Anspruch, die „moralische Erziehung“ ethnischer Gruppen sowie ihre Durchmischung zu fördern. Durch diese Bildungsoffensive sollen ethnische Minderheiten patriotische Gefühle entwickeln und sich an die Mehrheitsgesellschaft anpassen.

Bildung für ethnische Minderheiten

Die Volksrepublik China ist ein multiethnischer Staat mit 55 offiziell registrierten ethnischen Minderheiten; die Han-Majorität stellt über 90 Prozent der Bevölkerung. Regionale autonome Verwaltungseinheiten in Gebieten mit einem hohen Anteil ethnischer Minderheiten markieren formal eine gewisse Eigenständigkeit von der Zentralregierung, setzen de facto aber die zentral vorgegebene Linie durch. Im Bildungsbereich sollen zusätzlich zum regulären Curriculum „ethnische Bildung“ (minzu jiaoyu) sowie Mehrsprachenunterricht den Fortbestand kultureller Traditionen gewährleisten, was jedoch nur unzureichend gelingt. Für den Übergang von der Oberen Mittelschule zur Hochschule wird ein System praktiziert, bei dem Angehörige ethnischer Minderheiten eine geringere Punktzahl benötigen, um an einer Hochschule aufgenommen zu werden. Dennoch sind ethnische Minderheiten an den Hochschulen auch im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungszahl unterdurchschnittlich vertreten, und nur ein geringer Teil verfügt über einen Hochschulabschluss. In den letzten Jahren wurde zudem die Möglichkeit von Bonuspunkten für ethnische Minderheiten in vielen Provinzen stark eingeschränkt, unter anderem aufgrund des wachsenden Drucks seitens der Mehrheitsgesellschaft, die ihre Kinder durch diese Regelung benachteiligt sah.

Von Regierungsseite liegt in den letzten zwanzig Jahren ein besonderer Fokus auf der Provinz Xinjiang, der Heimat der muslimisch-uigurischen Minderheit Chinas. In den westlichen Medien hat die Unterdrückung dieser Minderheit erst in den letzten Jahren verstärkte Aufmerksamkeit erfahren, nicht zuletzt durch offizielle Boykotte, beispielsweise seitens der Modefirma H&M, gegen die in Xinjiang unter Zwangsarbeit hergestellte Baumwolle. Die chinesische Regierung verfolgt jedoch bereits seit 2001 eine systematische Beschränkung politischer, kultureller und religiöser Freiheiten, die als Kampf gegen Separatismus und Terrorismus legitimiert wird. Im Bildungsbereich äußerte sich dies zunächst durch eine weitgehende Einschränkung von Uigurisch als Unterrichtssprache sowie die Errichtung sogenannter „Xinjiang-Klassen“. Letztere bilden an Internatsschulen eine neue „ethnische“ Elite heran, die anschließend an prestigeträchtige chinesische Universitäten geschleust wird und nach erfolgreichem Hochschulabschluss massiv die Interessen der chinesischen Zentralregierung vertritt. In der Forschung wird diese Praxis daher auch als ein in die ethnische Gemeinschaft getriebener Keil bewertet.

Seit 2014 wird „Bildung“ in Xinjiang in den internationalen Medien wie auch in der Forschung mehr und mehr mit Gehirnwäsche und kulturellem Genozid in Verbindung gebracht. Im Zusammenspiel mit einem System digitaler Überwachung und der Einrichtung biometrischer Datenbanken ist die Bevölkerung in Xinjiang gegenwärtig einer umfassenden Umerziehungskampagne unterworfen, in deren Zuge kulturelle und religiöse Einstellungen und Praktiken ausgelöscht werden sollen. Unter der offiziellen Bezeichnung „Zentren für Ausbildung und Training von beruflichen Fähigkeiten“ wurden mehrere hundert „Erziehungslager“ unterschiedlicher Sicherheitsstufen eingerichtet, in denen mittlerweile schätzungsweise ein bis anderthalb Millionen Personen interniert sind, was mehr als zehn Prozent der uigurischen Bevölkerung in Xinjiang entspricht.

Exkurs: Schule und Bildung in Südwestchina

Für viele Schulkinder in den südwestchinesischen ethnischen Minderheitengebieten hat Schulbildung oft nur einen abstrakten Wert, da sie für das spätere Arbeitsleben kaum Bedeutung zu haben scheint. Viele ethnische Gruppen pflegen ihre eigene Sprache. Dies bedeutet beispielsweise, dass ein tibetisches Schulkind laut offiziellem Lehrplan erstens Chinesisch und chinesische Zeichen als Fremdsprache, zweitens Englisch samt lateinischem Alphabet und drittens Tibetisch (das sich oft von dem zu Hause gesprochenen Tibetisch unterscheidet) und das tibetische Schriftsystem erlernen muss. Zusätzlich sollen weitere ethnische Traditionen vermittelt werden. Diese vielfältigen Anforderungen – neben all den anderen Schulfächern – sind für die meisten Kinder kaum zu bewältigen, zumal ihre Eltern oft selbst kaum lesen oder schreiben können.

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Im Prinzip wirft jeder zusätzliche „ethnische“ Unterrichtsinhalt ein Dilemma auf: Sollen die Kinder in ihrer ethnischen Identität gestärkt werden, allerdings auf Kosten einer chinesischen Bildung, die ihnen einen besseren Anschluss an die Mehrheitsgesellschaft ermöglichen würde? Oder soll weitestgehend auf eine chinesische Bildung fokussiert werden, jedoch auf Kosten der ethnischen Identität? Eine echte Zweigleisigkeit lässt das lernintensive chinesische Schulsystem nicht zu.

Schließlich birgt auch der Einsatz von Lehrkräften ein Dilemma. Vielerorts mangelt es an qualifizierten Lehrkräften, und der Staat schafft Anreize für Lehrkräfte der Han-Majorität, an Schulen in ethnischen Minderheitenregionen zu unterrichten. Diese Politik führt jedoch unweigerlich zu Konfliktsituationen, da viele der zugezogenen Lehrkräfte ethnische Minderheiten lediglich als rückständig betrachten und ihr reiches kulturelles Erbe nicht anerkennen. Problematischerweise richtet sich „ethnische Bildung“ nur an die Minderheiten und nicht an die Han-Majorität, weshalb Minderheitenperspektiven kaum Eingang in die öffentliche Wahrnehmung finden. Die Deutungshoheit über das, was an ethnischer Kultur vermittelt werden soll, liegt jedoch bei der Han-Majorität, wodurch kulturelles Erbe schnell zur reinen Folklore verkommt.

Wissenschaft und Hochschulen

Für die Aufnahme an eine Hochschule reicht nicht der Abschluss der Oberen Mittelschule; es muss der sogenannte Gaokao abgelegt werden. Dies ist eine auf Provinzebene verwaltete Hochschuleingangsprüfung, deren erreichte Punktzahl darüber entscheidet, ob und an welcher Universität ein Studium aufgenommen werden kann. Die Reputation der Hochschule ist in China, stärker als beispielsweise in Deutschland, entscheidend für die weitere berufliche Karriere. Der im Vergleich zur Vergangenheit leichtere Zugang zu einer universitären Ausbildung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass angesichts der hohen Zahl von fast 4.000 Hochschulen das Abschlusszeugnis einer prestigearmen Hochschule oft nicht viel wert ist. So verdienen Absolventinnen und Absolventen gewöhnlicher Hochschulen deutlich weniger als diejenigen, die an einer Elite-Universität studiert haben, und ein Großteil findet nach dem Abschluss nur Jobs, für die sie eigentlich überqualifiziert sind. In der Forschung und in den Medien wird diese Gruppe daher auch als „Ameisenvölker“ bezeichnet: Intelligent, aber schwach, und oft dazu gezwungen, in engen und improvisierten Unterkünften zu wohnen.

Die große Bedeutung des Gaokao wird nicht nur in der Öffentlichkeit und Bildungsforschung kritisiert, sondern ist seit 2014 auch Anlass für eine politische Reform. Diese soll unter anderem einen Ausgleich zwischen verschiedenen Regionen bewirken, Universitäten mehr Autonomie bei der Rekrutierung künftiger Studierender zugestehen, Privilegien für besser gestellte Familien abschaffen und grundsätzlich den Charakter der Prüfung verändern. Nach Pilotversuchen in Shanghai und der Provinz Zhejiang sollte die Reform 2020 im ganzen Land abgeschlossen sein, allerdings gibt es nach wie vor Widerstände gegen ihre Umsetzung sowie unerwünschte Nebeneffekte, wie beispielsweise zusätzlichen Lerndruck aufgrund einer neu eingeführten „zweiten Chance“. Zudem befürchtet man, dass weniger Standardisierung in den Aufnahmeverfahren zu noch stärkeren Ungleichheiten führen könnte.

Die chinesische Hochschulpolitik hat seit den 1990er Jahren vor allem auf die Errichtung und Konsolidierung von Elite-Hochschulen gesetzt, was der gegenwärtige 14. Fünf-Jahres-Plan (2021-2025) auch weiterhin bestätigt. Wie die eingangs erwähnten Rankings nahelegen, konnten sich einige chinesische Hochschulen auch in der internationalen Spitze etablieren. Zudem wächst der Anteil derjenigen, die nach einem Studium im Ausland zurückkehren, sodass die lange gefürchtete Gefahr eines Brain Drain – einer Abwanderung von Talenten ins Ausland – zunächst als gebannt gelten kann.

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Seit 2020 lässt sich in der chinesischen Hochschulpolitik allerdings eine Kehrtwende in Bezug darauf verfolgen, was unter „Spitzenforschung“ verstanden wird: Orientierten sich Leistungskriterien lange Zeit daran, inwieweit chinesische Forschung international publiziert und zitiert wurde, hat das Bildungsministerium nun festgelegt, dass solche internationalen, quantitativen Indikatoren in Zukunft keine Rolle mehr spielen und stattdessen der Wert der Forschung für die Entwicklung der chinesischen Gesellschaft im Vordergrund stehen soll. Diese Umorientierung geht auf eine Rede von Präsident Xi Jinping auf einer Konferenz im Jahr 2018 zurück, welche die Abhängigkeit Chinas von westlichen Ideen und Standards kritisiert und für ein eigenes, nationales System der Qualitätskontrolle plädiert. Inwieweit diese Veränderungen die internationale Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Universitäten schmälern werden, ist derzeit noch schwer abzuschätzen.

Re-Ideologisierung der Bildung unter Präsident Xi Jinping

Im Juli 2021 erregte eine neue Verlautbarung des Bildungsministeriums Aufmerksamkeit, nach der auf allen Bildungsebenen die Xi-Jinping-Ideologie Eingang in die Lehrpläne finden sollte. Bereits in der Schwerpunktsetzung für die Bildungsarbeit 2021 wurde festgelegt, dass das Lernen, die Verbreitung und das Erforschen der Xi-Jinping-Ideologie an erster Stelle stehen sowie die „moralisch-ideologische“ Bildung auf allen Bildungsebenen gefestigt werden sollten. Verschiedene internationale Berichte stellen eine Ideologisierung von Bildung in allen Bereichen und damit einhergehend eine wachsende Beschneidung akademischer Freiheit fest. Die Grenzen, ab denen man gegen die „nationale Sicherheit“ verstößt, werden zunehmend enger gezogen; vor allem an die Top-Universitäten werden immer öfter Spitzel entsandt, und in den Sozialwissenschaften werden Forschungsgelder nun vor allem für Ideologie-Projekte vergeben, die sich beispielsweise mit Marxismus oder der Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas beschäftigen.

Bereits im Jahr 2013, kurz nach Xi Jinpings Machtübernahme, kursierte auf dem Dritten Plenum des 18. Parteikongresses ein unveröffentlichtes „Dokument Nr. 9“, das unter anderem die Diskussion von universellen Werten, Zivilgesellschaft und Pressefreiheit mit einem Tabu belegte. Sogar im Ausland studierende Chinesinnen und Chinesen sind einem Kontrollsystem unterworfen, was für manche westlichen Universitätssysteme, wie beispielsweise in Großbritannien und Australien, die in hohem Maße von chinesischen Gebührenzahlungen abhängig sind, mittlerweile ein Problem darstellt. Parallel zu diesen Entwicklungen wurden im Jahr 2021 chinesische Sanktionen gegen die internationale China-Forschung verhängt, von der sowohl Institutionen wie zum Beispiel das Berliner Mercator Institute for China Studies (MERICS) als auch Individuen betroffen sind. Diese Sanktionen wurden vor allem durch kritische Xinjiang-Forschung ausgelöst. Dies wirft die Frage auf, inwieweit dadurch in Zukunft Möglichkeiten der Feldforschung in China und damit der Informationsbeschaffung und des Wissensaustausches beeinträchtigt werden. Die jüngsten Entwicklungen lassen vermuten, dass Chinas eigener Weg in Bildung und Wissenschaft zunehmend mit europäischen und anglo-amerikanischen Vorstellungen in Konflikt gerät.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das chinesische Bildungssystem ein komplexes Geflecht aus beeindruckendem Erfolg, immensem Leistungsdruck und tiefgreifenden sozialen sowie politischen Ungleichheiten darstellt. Während es international Spitzenleistungen erzielt, kämpft es im Inneren mit der Herausforderung, Chancengleichheit zu gewährleisten und eine ganzheitliche Bildung jenseits von Prüfungsleistungen zu ermöglichen. Die zunehmende Ideologisierung und die Beschneidung akademischer Freiheiten werfen zudem kritische Fragen über die zukünftige Entwicklung und internationale Zusammenarbeit in Bildung und Wissenschaft auf. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Dynamiken weiterentwickeln und welche Auswirkungen sie auf die chinesische Gesellschaft und ihre Position in der globalen Bildungslandschaft haben werden.

Quellen

  • China Statistical Yearbook, 2020.
  • Internationale Schulleistungsstudie PISA.
  • World University Rankings 2022.