Die Herzmuskelentzündung, medizinisch als Myokarditis bekannt, hat im Kontext der COVID-19-Pandemie große Aufmerksamkeit erlangt. Während eine Myokarditis im Rahmen einer akuten COVID-19-Infektion eine seltene, aber potenziell ernste Komplikation darstellt, wird auch über die Myokarditis als sehr seltene Nebenwirkung der mRNA-Impfstoffe diskutiert. Es ist entscheidend, die Unterschiede zwischen diesen beiden Formen genau zu verstehen, um Ängste abzubauen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Dieser Artikel beleuchtet die Charakteristika, Häufigkeiten und Verläufe der Myokarditis nach einer SARS-CoV-2-Infektion im Vergleich zur Myokarditis nach einer COVID-19-Impfung, basierend auf aktuellen Erkenntnissen.
Myokarditis nach der COVID-19-Impfung: Seltenheit und milder Verlauf
Die Myokarditis, die im Zusammenhang mit einer COVID-19-Impfung auftritt, ist ein außergewöhnlich seltenes Ereignis. Prof. Lars Eckardt von der Klinik für Kardiologie II in Münster betonte, dass die Häufigkeit in der Größenordnung von 1 bis 10 Fällen pro 1 Million Personen im ersten Monat nach der Impfung liegt. Dies steht im deutlichen Kontrast zur Myokarditis nach einer tatsächlichen COVID-19-Infektion, bei der mit etwa 40 Fällen pro 1 Million Infizierten zu rechnen ist. Dies verdeutlicht, dass das Risiko einer Herzmuskelentzündung durch die Impfung deutlich geringer ist als durch die Erkrankung selbst.
Betroffen sind vor allem junge Männer unter 30 Jahren, wobei die Symptome meist wenige Tage nach der zweiten Impfdosis auftreten. Man geht davon aus, dass eine über die adäquate Immunantwort hinausgehende Autoinflammation die Ursache sein könnte. Der Verlauf dieser impfassoziierten Myokarditis ist in der Regel mild und selbstlimitierend, was bedeutet, dass sich die Beschwerden von selbst zurückbilden. Patienten zeigen oft Brustschmerzen, Kurzatmigkeit oder Herzklopfen, die jedoch meist gut zu behandeln sind. Langzeitdaten zur impfassoziierten Myokarditis sind noch begrenzt, jedoch zeigen bisherige Beobachtungen eine günstige Prognose. Bei Verdacht auf eine Myokarditis nach der Impfung ist eine umgehende kardiologische Untersuchung mit EKG, Echokardiografie, Bestimmung der Herzenzyme und Entzündungsparameter dringend empfohlen, um eine präzise Diagnose zu stellen und eine angemessene Behandlung einzuleiten. Es gibt keine Hinweise darauf, dass die COVID-19-Impfung mit einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen verbunden ist. Vereinzelte Fälle, insbesondere bei Personen mit vorbestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sind aufgetreten. Hier ist unklar, ob ein direkter Zusammenhang zur Impfung besteht oder ob allgemeine Impfnebenwirkungen oder Stress als Auslöser wirkten.
Grafik zur Myokarditis im Kontext von COVID-19
Herzbeteiligung bei einer COVID-19-Infektion: Eine komplexere Herausforderung
Die primäre Manifestation einer SARS-CoV-2-Infektion liegt in den Atemwegen. Doch wie Prof. Eckardt hervorhebt, kann COVID-19 zu einer systemischen Entzündung mit Multiorganbeteiligung führen, die auch das kardiovaskuläre System in Mitleidenschaft zieht. Eine Myokardbeteiligung wird oft durch eine Erhöhung des Troponin-Wertes angezeigt, einem Marker für Herzmuskelschädigung. Diese Erhöhung kann jedoch auch andere Ursachen haben, was die Abgrenzung und Diagnosestellung erschwert. Die Diagnose einer Myokarditis ist generell herausfordernd und erfordert eine sorgfältige Abwägung verschiedener Faktoren.
Das klinische Bild einer COVID-19-induzierten Myokarditis ist äußerst variabel. Es reicht von asymptomatischen Verläufen, die nur zufällig entdeckt werden, über eine Symptomatik, die einem akuten Koronarsyndrom (ACS) mit Brustschmerzen ähnelt, bis hin zu einer schweren Herzinsuffizienz, die fulminant und lebensbedrohlich verlaufen kann. Bei einem klinischen Verdacht auf Myokarditis ist neben der Troponinerhöhung eine bildgebende Diagnostik unerlässlich. Insbesondere die Magnetresonanztomografie (MRT) des Herzens mit Late Gadolinium Enhancement (LGE) ermöglicht es, eine akute oder bereits abgelaufene Myokarditis nachzuweisen, selbst wenn die Pumpfunktion des Herzens noch normal ist. Dies ist ein entscheidendes Werkzeug für eine präzise Diagnose und Verlaufsbeurteilung.
Die Frage, ob eine COVID-19-Infektion das Risiko für Herzrhythmusstörungen erhöht, wird diskutiert. Während ventrikuläre Tachykardien und Kammerflimmern zur Mortalität bei COVID-19-Patienten beitragen können, sind diese Rhythmusstörungen oft Ausdruck einer generalisierten kritischen Infektion und nicht primär einer rhythmogenen Herzerkrankung. Interessanterweise wurde bei schwerer COVID-19-Infektion nicht selten eine QTc-Verlängerung im EKG beobachtet, die jedoch nur sehr selten zu einer Torsade-de-Pointes-Arrhythmie führte.
Es ist wichtig zu beachten, dass COVID-19 eine Vielzahl von Symptomen verursachen kann, die über die Atemwege hinausgehen. Einige Patienten berichten von anhaltenden Beschwerden wie Durchfall nach Corona oder Übelkeit bei Corona, die auf eine systemische Beteiligung hinweisen. Auch Hauterscheinungen wie Juckreiz nach Corona wurden beobachtet. Manchmal kann eine Infektion auch atypisch verlaufen, zum Beispiel Corona ohne Husten. Selbst Magen-Darm-Beschwerden wie Corona Sodbrennen sind dokumentiert. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer umfassenden Betrachtung der Patienten und ihrer Symptome.
Die wesentlichen Unterschiede im Überblick
Zusammenfassend lassen sich klare Unterschiede zwischen der Myokarditis nach COVID-19-Impfung und der Myokarditis nach einer COVID-19-Infektion feststellen:
- Häufigkeit: Die impfassoziierte Myokarditis ist deutlich seltener als die Myokarditis, die im Rahmen einer SARS-CoV-2-Infektion auftritt.
- Verlauf und Schwere: Die Myokarditis nach Impfung verläuft in der Regel mild und selbstlimitierend, während die COVID-19-induzierte Myokarditis einen schwereren Verlauf nehmen kann, bis hin zur Herzinsuffizienz.
- Betroffenengruppe: Impfassoziierte Myokarditis betrifft tendenziell junge Männer nach der zweiten Dosis, während die Myokarditis nach Infektion ein breiteres Spektrum an Patienten betreffen kann.
- Priorität der Impfung: Eine zuvor durchgemachte Myokarditis stellt keine Kontraindikation für eine mRNA-Impfung dar. Im Gegenteil, die Impfung bietet Schutz vor der potenziell schwerwiegenderen Myokarditis im Falle einer Infektion.
Fazit für die Praxis
Die wissenschaftlichen Daten zeigen deutlich, dass das Risiko einer Myokarditis nach einer COVID-19-Impfung äußerst gering ist und die Verläufe meist mild sind. Im Gegensatz dazu kann eine Herzmuskelentzündung, die durch eine tatsächliche COVID-19-Infektion verursacht wird, schwerwiegender sein. Die Impfung bleibt ein effektiver Schutzmechanismus gegen die schweren Verläufe und Komplikationen einer SARS-CoV-2-Infektion. Bei Auftreten von Symptomen wie Brustschmerzen, Kurzatmigkeit oder Herzklopfen, insbesondere nach einer Impfung oder Infektion, sollte jedoch immer umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden, um eine genaue Diagnose und die passende Behandlung zu gewährleisten. Bleiben Sie informiert und sprechen Sie bei Bedenken stets mit Ihrem Arzt.
Quelle: Cardio update am 5. 3. 2022
