Die Zahl der Covid-19-Erkrankungen in Deutschland ist in den letzten Wochen stabil geblieben, mit etwa 100 Fällen pro 100.000 Einwohner. Auch die Viruslast im Abwasser zeigt einen deutlichen Rückgang. Seit Beginn der Pandemie hat sich das SARS-CoV-2-Virus stetig weiterentwickelt und neue Varianten hervorgebracht. Momentan sind in Deutschland vor allem die Corona-Varianten Stratus (XFG) und Nimbus (NB.1.8.1) für die meisten Infektionen verantwortlich, während Cicada (BA.3.2) eine untergeordnete Rolle spielt. Weltweit dominiert die Stratus-Variante weiterhin die Infektionslandschaft.
Laut aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind diese Virus-Varianten aktuell in Deutschland verbreitet:
- Nimbus (NB.1.8.1): 52 Prozent (Vorwoche 36 Prozent)
- Stratus (XFG): 42 Prozent (Vorwoche 40 Prozent)
- Cicada (BA.3.2): 4 Prozent (Vorwoche 19 Prozent)
Die Beobachtung und Analyse dieser Entwicklungen sind entscheidend, um die öffentliche Gesundheit zu schützen und angemessen auf neue Herausforderungen zu reagieren. Die kontinuierliche Forschung und Anpassung der Strategien zur Krankheitsbekämpfung, einschließlich der Entwicklung von Medikamenten, bleibt eine zentrale Aufgabe.
Was ist die Corona-Variante Cicada (BA.3.2)?
Bei der Corona-Variante BA.3.2, auch Cicada genannt, handelt es sich um eine Omikron-Sublinie, die Anfang Dezember 2025 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „Variante unter Beobachtung“ (VUM) eingestuft wurde. Der Name Cicada ist ein inoffizieller Spitzname. Diese Variante zeichnet sich durch über 50 Mutationen im Vergleich zur ursprünglichen Omikron-Variante BA.3 aus und wurde erstmals im November 2024 entdeckt.
Im Februar dieses Jahres ist die Verbreitung der Cicada-Variante in Deutschland mit vier Prozent der nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektionen deutlich zurückgegangen. Sowohl die WHO als auch das RKI sehen derzeit kein erhöhtes Risiko für die öffentliche Gesundheit durch BA.3.2. Auch die vorhandenen Corona-Impfstoffe bieten voraussichtlich weiterhin Schutz vor schweren Krankheitsverläufen.
Was ist die Corona-Variante Stratus (XFG)?
Die Stratus-Variante (XFG) wird ebenfalls von der WHO beobachtet. In den Medien wurde sie gelegentlich als „Frankenstein-Variante“ bezeichnet, da sie sich aus Mutationen verschiedener Omikron-Subvarianten zusammensetzt. Diese Bezeichnung geht auf den Virologen Alex Sigal zurück, der 2021 mit seinem Forschungsteam in Südafrika über 50 Mutationen in der Omikron-Variante entdeckte und diese mit der zusammengesetzten Kreatur des Dr. Frankenstein verglich.
Der weltweite Anteil von Stratus lag zuletzt bei 83 Prozent, während in Deutschland 42 Prozent der Infektionen auf diese Variante entfielen (Vorwoche: 40 Prozent). Die WHO schätzt das zusätzliche Risiko für die öffentliche Gesundheit durch Stratus weltweit als niedrig ein, und auch das RKI sieht für Deutschland kein erhöhtes Risiko. Die Stratus-Variante weist eine geringfügig erhöhte Immunflucht im Vergleich zur Omikron-Variante (LP.8.1) auf, jedoch wird erwartet, dass die derzeit zugelassenen Corona-Impfstoffe weiterhin effektiv vor schweren Krankheitsverläufen schützen.
Was ist die Corona-Variante Nimbus (NB.1.8.1)?
Die Nimbus-Variante, auch als NB.1.8.1 bekannt, ist eine weitere Abwandlung der Omikron-Variante. Sie wurde erstmals im Januar 2025 entdeckt und im Mai 2025 von der WHO als „Variante unter Beobachtung“ eingestuft. Dies ist die niedrigste von drei Risiko-Einstufungen für Varianten, die sich möglicherweise leichter übertragen.
Weltweit war Nimbus zuletzt für etwa zwei Prozent der Corona-Fälle verantwortlich. In Deutschland ist ihr Anteil mit 52 Prozent (Vorwoche: 36 Prozent) deutlich höher. Es ist zu beachten, dass die weltweiten Zahlen oft verzögert erfasst werden und den Stand von Anfang Januar 2026 widerspiegeln könnten. Diese Entwicklungen unterstreichen die Bedeutung der kontinuierlichen Beobachtung von Virusmutationen.
Warum werden Corona-Varianten so genau untersucht?
„Das Corona-Virus passt sich kontinuierlich an“, erklärt Dr. Henning Grüll vom Institut für Virologie der Uniklinik Köln. Es entstehen ständig neue Virus-Varianten, und „bei einigen von ihnen – etwa wenn sie sich möglicherweise schneller ausbreiten – schaut man dann genauer hin.“ Prof. Dr. Stefan Pöhlmann, Leiter der Infektionsbiologie am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen, ergänzt: „Immer wenn eine Variante besonders erfolgreich wird, rückt sie in den Fokus.“
Besonders das Spike-Protein neuer Corona-Varianten wird intensiv untersucht. „Wir stellen uns zwei Hauptfragen“, so Pöhlmann. „Wie gut kann das Virus in Zellen eindringen und wie gut weicht es Antikörpern aus?“ Am Deutschen Primatenzentrum wird zudem sorgfältig darauf geachtet, ob sich neue und unerwartete Eigenschaften bei den Viren entwickeln. Virus-Varianten können eine Vielzahl von Mutationen erwerben, beispielsweise bei langfristigen Infektionen von immungeschwächten Menschen. Solche Entwicklungen könnten auch bei zukünftigen Varianten drohen. „Es bleibt interessant und wichtig zu beobachten, wie sich die SARS-CoV-2-Viren in Zukunft verändern“, bekräftigt der Infektiologe.
Schützen die Corona-Impfungen weiterhin vor den neuen Varianten?
Die derzeit zugelassenen Corona-Impfstoffe bleiben voraussichtlich auch gegen Cicada, Nimbus und Stratus wirksam. Dies wurde unter anderem durch Tests mit Mäusen bestätigt. Die Nimbus-Variante weist zwar einige Spike-Mutationen auf, die es Antikörpern erschweren könnten, die Viren zu bekämpfen – ein Phänomen, das als Immunflucht bezeichnet wird. Virologe Henning Grüll erklärt: „Erste Laboruntersuchungen zeigen, dass die Antikörper eventuell etwas weniger aktiv gegen die Nimbus-Variante sein könnten.“ Die Immunflucht von Stratus sei im Vergleich zu Nimbus sogar noch geringfügig stärker ausgeprägt. „Die Unterschiede sind jedoch gering“, betont Grüll.
Vor allem auch vor schweren Verläufen sollten die Impfungen weiterhin gut schützen.
Dr. Henning Grüll, Virologe, Uniklinik Köln
Insgesamt ist davon auszugehen, dass die bisherigen Corona-Impfstoffe auch gegen Nimbus und Stratus wirksam sind. „Vor allem auch vor schweren Verläufen sollten die Impfungen weiterhin gut schützen“, sagt der Virologe. Auch die WHO geht von einem guten Impfschutz gegen schwere Erkrankungen bei den Varianten Stratus, Nimbus und Cicada aus. Ein bewusster Lebensstil, der auch auf eine ausgewogene Ernährung achtet, kann das Immunsystem zusätzlich stärken.
Welche Symptome verursachen Cicada, Stratus und Nimbus?
Typische Symptome einer Corona-Infektion können unter anderem sein:
- Fieber
- Husten
- Kopfschmerzen
- Halsschmerzen
- Muskelschmerzen
- Durchfall
- Allgemeine Abgeschlagenheit
Besondere, darüber hinausgehende Symptome wurden bei der relativ neuen Variante Cicada BA.3.2 bislang nicht berichtet. Auch Nimbus und Stratus zeigten größtenteils keine abweichenden Symptome, obwohl einige Erkrankte über rasierklingenartige Halsschmerzen klagten.
Die derzeit im Umlauf befindlichen Virus-Varianten ähneln sich zwar, aber Infektiologe Pöhlmann warnt: „Trotzdem können auch kleine Veränderungen grundsätzlich die Biologie und damit das Verhalten der Viren verändern.“
Schlagen Coronatests weiterhin an?
Henning Grüll zufolge sollten Schnelltests die Nimbus- und Stratus-Variante bei einer akuten Infektion aller Voraussicht nach gut erkennen können: „Die Tests untersuchen meist einen Bereich des Virus, der sich nicht sehr stark verändert, das sogenannte Nukleokapsid-Protein.“ Konkret gibt es bei der Nimbus-Variante nur einen einzigen Unterschied zu den zuletzt zirkulierenden Varianten.
Auch das Nukleokapsid-Protein von XFG (Stratus) weist eine sehr hohe Ähnlichkeit zum gleichen Protein in früheren Varianten auf. Die Datenlage hierzu ist zwar noch begrenzt, aber man kann davon ausgehen, dass Schnelltests eine akute Infektion mit Stratus ebenfalls gut nachweisen können.
WICHTIG: Auch wenn mancher wissen möchte, welcher Virus für den Atemwegs-Infekt verantwortlich ist – das Ergebnis des Schnelltests sagt nichts über die weitere Genesung aus. Man kann andere Menschen anstecken und muss sich in jedem Fall auskurieren – ganz gleich, ob es sich um Corona oder einen anderen Virus handelt. Das Bewusstsein für globale Gesundheitsentwicklungen wird auch am Weltgesundheitstag stets betont.
Fazit: Bleiben Sie informiert und geschützt
Die dynamische Entwicklung der Corona-Varianten Stratus, Nimbus und Cicada zeigt, wie wichtig es ist, wachsam zu bleiben und sich weiterhin an die Empfehlungen von Gesundheitsbehörden wie dem RKI und der WHO zu halten. Während die aktuellen Varianten in Deutschland gut kontrollierbar erscheinen und die Impfstoffe weiterhin Schutz vor schweren Verläufen bieten, ist die fortlaufende Forschung und Beobachtung unerlässlich. Bleiben Sie informiert über die aktuellen Entwicklungen und schützen Sie sich und Ihre Mitmenschen durch bewährte Maßnahmen.
