Sodbrennen – so fing es an. Ein seltsames Gefühl, als würde Naturjoghurt den falschen Weg nehmen. Dazu ein leichtes Magengrummeln. Paul* war irritiert. Sodbrennen war für ihn ungewöhnlich, er deutete es als Stresssymptom und vereinbarte einen Termin beim HNO-Arzt. Er wollte Gewissheit. Doch sein Allgemeinzustand verschlechterte sich rasch. Die erste Annahme, dass seine Beschwerden nur von Stress herrühren, sollte sich bald als Fehleinschätzung erweisen.
Plötzlich wieder COVID-19-positiv
Kurzatmigkeit, ständige Müdigkeit – das konnte nicht nur Sodbrennen sein. Paul entschied sich für einen Corona-Test. Alte Tests waren aufgebraucht, neue mussten her. Trotz des abnehmenden Interesses an Tests in seinem Umfeld – “Machst du immer noch einen Corona-Test? Das macht doch keiner mehr!” – überwog seine Neugier. Aktuell ist jedoch jede sechste Atemwegserkrankung auf Covid zurückzuführen, was die Notwendigkeit, wachsam zu bleiben, unterstreicht.
Der Test zeigte zwei Striche: Treffer. Doch was hatte Sodbrennen damit zu tun? Drei Jahre zuvor hatte Paul bereits eine Corona-Infektion gehabt, damals mit Symptomen einer mittelschweren Erkältung und leicht geschwollenen Lymphknoten. Zudem war er dreimal geimpft und fühlte sich eigentlich sicher. Die erneute Infektion kam überraschend und warf Fragen auf, insbesondere angesichts der neuen, ungewöhnlichen Symptome.
Neue Symptome und schlaflose Nächte
Nun also wieder Corona-positiv. Seltsam. Paul hatte keine Ahnung, wo er sich angesteckt haben könnte. Eine schnelle Online-Suche nach “Sodbrennen und COVID-19” bestätigte: Es zählt inzwischen zu den Symptomen einer Corona-Erkrankung. Einerseits beruhigt, andererseits vom anhaltenden Reflux genervt, recherchierte er weiter, was diese neue Infektion noch für ihn bereithalten könnte. Die Liste war lang.
Obwohl er die 50 bereits überschritten hatte, machte er sich zunächst keine großen Sorgen, da er sich nicht zur Risikogruppe zählte. Doch im Freundeskreis kannte er einige, die es diesmal “richtig erwischt” hatte – tagelang mit grippeähnlichen Symptomen im Bett. Paul fragte sich, wie es ihm selbst ergehen würde. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Schlechter. Besonders die Nächte wurden zur Qual.
Am Wochenende lagen frische T-Shirts neben dem Bett; Schüttelfrost und Schweißausbrüche prägten die vermeintliche Nachtruhe. Paul hatte sich lange nicht mehr so schlecht gefühlt: „Abends bin ich vor Erschöpfung eingeschlafen und dann mitten in der Nacht wieder aufgewacht. Ohne Ibuprofen ging nichts mehr, aber an erneuten Schlaf war nicht zu denken.“ Gut, dass ein Arzttermin am Dienstag anstand – dachte er zumindest.
Herausforderungen bei der ärztlichen Versorgung
Am Montag klingelte das Telefon. Die Sprechstundenhilfe erkundigte sich nach seinem Befinden und ob Paul am morgigen Dienstag kommen würde. „Ja klar, mir geht es nicht gut, ich bin froh, dass ich den Termin habe.“ „Gibt es etwas Neues?“, fragte die Dame am Telefon. „Ja, ich bin gerade Corona-positiv.“ „Einen Moment“, tönte es aus dem Hörer, und eine Minute später: „Dann können wir Sie leider nicht behandeln. Rufen Sie uns an, wenn Sie wieder negativ sind.“
Der Spott eines Kollegen war ihm sicher: „Ich hab’s doch gesagt, der Corona-Test ist Blödsinn. Der Ehrliche ist der Dumme.“ Formal hatte er Recht, doch es ist eine Frage der Einstellung. Die Sprechstundenhilfe riet, die 116 117 anzurufen oder zum Hausarzt zu gehen. Das Problem war lediglich verlagert. Paul löste es schließlich mit einer Videosprechstunde über die TeleClinic. Die Ärztin war schnell und kompetent und schrieb ihn für drei Tage krank.
Genesung und wichtige Erkenntnisse
Zum Glück ging es ihm langsam besser, besonders die Nächte wurden ruhiger. Vor einigen Tagen holte er auch den Besuch beim HNO-Arzt nach. „Im Lymphbereich ist alles etwas geschwollen, aber immerhin keine bakterielle Infektion“, beruhigte der Arzt. Er verglich Corona mit dem Epstein-Barr-Virus, auch damit sei nicht zu spaßen. „Gerade die Aspekte mit Long-Covid sind nicht zu unterschätzen“, warnte er und verschrieb Paul ein kortisonhaltiges Medikament.
Auch das Sodbrennen überraschte den Arzt nicht. „COVID-19 wandert durch den ganzen Körper, und Magen und Darm sind sehr empfindlich. Wenn sich meine Kinder unwohl fühlen, ist meine erste Frage immer, wie es dem Magen geht.“ Und noch etwas hatte Paul vom Fachmann gelernt: „Wussten Sie, dass es auch eine Long-Grippe gibt?“, fragte der Arzt. Davon hatte Paul noch nie gehört. „Kommt aber selten vor.“ Diese Erkenntnisse unterstreichen, wie weitreichend die Auswirkungen von Virusinfektionen auf den Körper sein können.
Lehren aus der Erkrankung
Mit diesem unfreiwilligen Booster hatte Paul die Immunisierung für diesen Winter erhalten. Für das Jahr 2025 überlegt er sich jedoch, die Doppelimpfung gegen Grippe und Corona vornehmen zu lassen. Denn er hatte schon von einigen Fällen gehört, bei denen die Corona-Infektion nicht so glimpflich ausgegangen war. Panik wollte er nicht verbreiten, aber zur Wachsamkeit riet er. Vor allem die Long-Covid-Variante, die mit „Brain-Fog“-Symptomen (also Konzentrationsstörungen) einhergeht, brauche niemand. „Aber letztlich muss jeder selbst wissen, was er tut“, fasst Paul zusammen. „Ich habe mich jedenfalls schon lange nicht mehr so schlecht gefühlt.“ Seine persönliche Corona-Erfahrung dient als mahnendes Beispiel, wie wichtig es ist, auf den eigenen Körper zu hören und vorsichtig zu bleiben.
*Der richtige Name von Paul ist der Redaktion bekannt. Aufgezeichnet von Volker Tietz
