Bäckereipreise am Sonntag: Warum Brötchen und Gebäck teurer werden

Frisch gebackene Brötchen: "Dat Backhus" verlangt sonntags höhere Preise von den Kunden.

Die deutsche Backwarenlandschaft ist seit jeher ein fester Bestandteil der Kultur und des Alltags. Frisch gebackene Brötchen am Sonntagmorgen gehören für viele zum perfekten Start in den Tag. Doch dieser Genuss wird zunehmend teurer, und eine aktuelle Entwicklung bei der Hamburger Bäckereikette „Dat Backhus“ wirft ein Schlaglicht auf die steigenden Kosten, mit denen die Branche zu kämpfen hat. Es ist ein Trend, der Verbraucher und Bäckereibetriebe gleichermaßen beschäftigt und Fragen nach der Zukunft des traditionellen Bäckerhandwerks aufwirft.

Die Bäckereikette „Dat Backhus“ hat jüngst mit einer Preisanpassung für Aufsehen gesorgt: Sonntags müssen Kunden nun tiefer in die Tasche greifen. Das Unternehmen informierte seine Kundschaft per Aushang in den Filialen, dass alle Waren am Sonntag um 15 Prozent teurer verkauft werden. Während das Unternehmen auf Nachfrage die Preiserhöhung bestätigte, blieben detailliertere Erläuterungen aus. Ein Käsecroissant, das wochentags 2,20 Euro kostet, schlägt sonntags nun mit 2,50 Euro zu Buche – eine Steigerung von rund 14 Prozent. Auch der Preis für einen Amerikaner stieg von 2 Euro auf 2,15 Euro, was einer Teuerung von 7,5 Prozent entspricht. Die Ungleichheit der Preisanpassung bei einzelnen Produkten wurde vom Unternehmen nicht kommentiert.

Steigende Kosten als Hauptgrund

„Dat Backhus“ begründet diesen Preissprung mit signifikant höheren Kosten, die insbesondere an Sonntagen anfallen. Ein wesentlicher Faktor sind die Personalkosten: Für Sonntagsarbeit erhalten Angestellte gesetzlich vorgeschriebene Zuschläge, die im Fall von „Dat Backhus“ bei 65 Prozent liegen. Diese Zuschläge sind ein notwendiger Bestandteil der Lohnkosten im Bäckerhandwerk, um die Bereitschaft zur Sonntagsarbeit zu honorieren und faire Arbeitsbedingungen zu gewährleisten. Hinzu kommen die weiterhin enorm hohen Energie-, Rohstoff- und Betriebskosten, welche die gesamte Backbranche stark belasten. Vom Mehl über Butter bis hin zu Zucker – die Preise für grundlegende Zutaten sind in den letzten Monaten deutlich gestiegen. Auch die Energiepreise für den Betrieb von Backöfen, Kühlhäusern und Beleuchtung sind ein erheblicher Kostenfaktor, der direkt in die Produktpreise einfließt. Diese gestiegenen Aufwendungen werden nun an die Kunden weitergegeben.

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Frisch gebackene Brötchen: "Dat Backhus" verlangt sonntags höhere Preise von den Kunden.Frisch gebackene Brötchen: "Dat Backhus" verlangt sonntags höhere Preise von den Kunden.

Kund Reaktionen auf die Preiserhöhungen

Die Reaktionen der Kunden auf die Preispolitik von „Dat Backhus“ fallen unterschiedlich aus. Matthias Eicke, ein Produktmanager, der am Großneumarkt wohnt, gab an, die zusätzlichen 15 Prozent kaum bemerkt zu haben. Für ihn sind die Preise beim Bäcker ohnehin schon so enorm gestiegen, dass ein Unterschied von 30 Cent für ein Käsecroissant kaum noch ins Gewicht falle. Diese Perspektive spiegelt die allgemeine Akzeptanz höherer Preise wider, die viele Verbraucher aufgrund der inflationären Entwicklung in vielen Lebensbereichen notgedrungen entwickeln.

Ganz anders sieht dies Kirsten Schwenke aus St. Pauli. Sie hat die höheren Preise sehr wohl bemerkt und ihre Kaufentscheidungen entsprechend angepasst. Statt Mohn- oder Sesambrötchen greift sie nun zu den einfacheren Varianten, die sonntags knapp 70 Cent statt 60 Cent unter der Woche kosten. Den sonst obligatorischen Kaffee zum Mitnehmen hat sie dieses Mal weggelassen, da auch dieser um 15 Prozent teurer geworden ist. Schwenke sucht solche Backfilialen nur noch selten auf, da sie ihr schlichtweg zu teuer geworden sind. Dies zeigt eine deutliche Verschiebung im Konsumverhalten, bei der preisbewusste Kunden verstärkt auf günstigere Alternativen ausweichen. Wer für einen Kindergeburtstag eine besondere Käse-Sahne-Torte für Kindergeburtstage sucht, wird vielleicht trotzdem den Weg zum Bäcker finden, aber der alltägliche Einkauf wird neu bewertet.

Kirsten Schwenke geht unter der Woche mittlerweile zum Discounter, um ihre Backwaren zu kaufen, da diese dort deutlich billiger sind. Zwar hat der Discounter am Großneumarkt sonntags geschlossen, doch für den Wocheneinkauf bietet er eine attraktive Alternative. Die Präsenz von Discountern, die oft frische Backwaren zu deutlich niedrigeren Preisen anbieten, stellt für traditionelle Bäckereien eine erhebliche Konkurrenz dar und zwingt sie, ihre Preisstrategien genau zu überdenken.

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Der weitere Markt: Herausforderungen für das Bäckerhandwerk

In Hamburg scheint „Dat Backhus“ mit seinen rund 95 Filialen bislang noch allein mit einem so deutlichen Preisanstieg am Sonntag zu sein. Andere Bäckereiketten wie die „Schanzenbäckerei“ äußerten sich auf Nachfrage nicht zur Preisgestaltung. Gerd Hofrichter von der Bäckerei „Junge“ betonte, dass sein Familienunternehmen die zusätzlichen Kosten weiterhin selbst trage. Dies verdeutlicht die unterschiedlichen Ansätze innerhalb der Branche: Während große Ketten wie „Dat Backhus“, hinter denen Investoren stehen, eher dazu neigen, Kosten direkt an die Kunden weiterzugeben, versuchen Familienunternehmen oft, solche Belastungen so lange wie möglich intern abzufedern, um die Kundenbindung nicht zu gefährden.

Das traditionelle Bäckerhandwerk in Deutschland steht vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Neben den explodierenden Rohstoff- und Energiepreisen sowie den hohen Personalkosten spielt auch der Fachkräftemangel eine immer größere Rolle. Die Produktion von qualitativ hochwertigen Backwaren, sei es ein einfaches Brötchen, eine Haselnuss-Sahne-Torte oder eine kunstvolle Schoko-Sahnetorte, erfordert handwerkliches Können und Erfahrung, die schwer zu finden und entsprechend zu entlohnen sind. Viele kleine und mittelständische Bäckereien kämpfen ums Überleben, da sie nicht die Skaleneffekte großer Ketten nutzen können und stark vom lokalen Kundenstamm abhängen.

Die Entscheidung von „Dat Backhus“, einen Sonntagszuschlag einzuführen, ist somit nicht nur ein lokales Phänomen, sondern ein Symptom der tiefgreifenden wirtschaftlichen Veränderungen, die das deutsche Bäckerhandwerk durchläuft. Es ist ein Balanceakt zwischen der Sicherung der eigenen Existenz, der Wahrung der Produktqualität und der Berücksichtigung der Kaufkraft der Kunden. Für Liebhaber von Backwaren wie einer vegane Quark-Sahne-Torte oder einer klassischen Mandarinen-Käsesahnetorte bedeutet dies, dass der Sonntagsgenuss zunehmend zum Luxus wird, während die Suche nach preiswerteren Alternativen immer präsenter wird.

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Fazit und Ausblick

Die Preisanpassungen bei „Dat Backhus“ am Sonntag sind ein klares Zeichen für den anhaltenden Kostendruck, der auf deutschen Bäckereien lastet. Die Notwendigkeit, höhere Personal-, Energie- und Rohstoffkosten zu kompensieren, stellt viele Betriebe vor große Herausforderungen. Während einige Kunden die höheren Preise hinnehmen, suchen andere bereits nach preisgünstigeren Alternativen. Diese Entwicklung könnte langfristig zu einer weiteren Konsolidierung des Marktes führen, bei der kleinere Betriebe noch stärker unter Druck geraten. Das Bäckerhandwerk in Deutschland ist ein Kulturgut, dessen Erhalt sowohl von der Innovationsfähigkeit der Betriebe als auch von der Wertschätzung und Kaufbereitschaft der Verbraucher abhängt. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Preise in der Branche weiter entwickeln und welche Strategien Bäckereien finden werden, um sowohl wirtschaftlich zu bleiben als auch ihre Kunden weiterhin zu begeistern.