Ingo Kindervater: Einblicke in die Rolle als Head of Performance im schottischen Badminton

Ingo Kindervater, eine prägende Figur im deutschen Badminton, teilt in diesem Interview exklusive Einblicke in seine aktuelle Position als Head of Performance bei Badminton Scotland in Glasgow. Er beleuchtet seinen vielschichtigen Alltag, den Übergang vom Leistungssportler zum Trainer und wie sein BWL-Studium seine heutige Arbeit beeinflusst. Ein faszinierender Blick hinter die Kulissen des professionellen Badmintonsports, der nicht nur für Fans des Spiels von Interesse ist, sondern auch für alle, die sich für Sportmanagement und die Entwicklung von Talenten begeistern.

Der Alltag eines Performance-Chefs im schottischen Badminton

Als Head of Performance und Cheftrainer in Glasgow pendelt Ingo Kindervater täglich zwischen seinem Schreibtisch und den Badmintonplätzen. Seine Aufgaben sind vielfältig: Neben der direkten Trainingsbeteiligung liegt sein Hauptaugenmerk auf der strategischen Planung, dem Management des Trainer- und Spielerteams sowie der Organisation von Trainingsmaßnahmen. Kindervater beschreibt seine Rolle als eine Mischung aus der Position des Sportdirektors und des Chef-Bundestrainers, vergleichbar mit den Rollen von Martin Kranitz und Detlef Poste im Deutschen Badminton-Verband, nur eben in einem kleineren System.

Das dreiköpfige Trainerteam teilt sich die Verantwortlichkeiten, wobei Kindervater selbst eine Disziplin hauptverantwortlich leitet. Seine Kollegen sind Robert Blair, der sich primär um die Doppel kümmert, und Alan Mcilvain, der die Einzel betreut. Kindervater selbst ist in beide Bereiche eingebunden und agiert zudem als Hauptcoach für Kirsty Gilmour, was sich als ideale Konstellation erweist. Die Zusammenarbeit mit Robert Blair, einem ehemaligen Konkurrenten, beschreibt Kindervater als sehr positiv und konstruktiv. Er hebt hervor, dass es dem Team gelungen ist, eine gute Atmosphäre und Kooperation zu schaffen, was von Anfang an ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit war. Das Kennenlernen neuer Perspektiven und die Integration in ein anderes System gestaltet sich für ihn als äußerst interessant.

Vom Spieler zum Trainer: Eine abrupte, aber lohnende Wende

Der Übergang vom aktiven Spieler zum Trainer erfolgte für Ingo Kindervater im Jahr 2014 sehr abrupt. Nach seinen letzten Turnieren Anfang 2014 fand er sich nur wenige Monate später bereits als Trainer in der Trainingsgruppe wieder. Dieser Plan wurde bereits gegen Ende seiner Karriere gemeinsam entwickelt, wobei er sich lediglich eine kurze Auszeit für seine Diplomarbeit im Bereich Betriebswirtschaftslehre (BWL) an der Fernuniversität Hagen erbat.

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Die Idee, Trainer zu werden, kam ihm eher plötzlich. Er rutschte gewissermaßen in diese Rolle hinein. Da er bei seinen letzten Turnieren oft der älteste Spieler war, half er häufig als Co-Trainer aus oder coachte seine Teamkollegen wie Marc Zwiebler, Michael Fuchs und Birgit Overzier. Diese Erfahrungen scheinen ihn für die Trainerrolle prädestiniert zu haben, denn er wurde gefragt, ob er sich eine Stelle als Trainer beim Militär vorstellen könne. Zuvor hatte er sich mit dieser Laufbahn wenig beschäftigt und eher mit einem Ausstieg aus dem Sport und dem BWL-Studium gerechnet. Letztendlich war es jedoch keine Entscheidung, die ihm schwerfiel – eine Bauchentscheidung, die jedoch auch von seinem Verstand unterstützt wurde.

Studium und Leistungssport: Die Flexibilität des Fernstudiums

Ingo Kindervaters Studium der Betriebswirtschaftslehre absolvierte er vollständig als Fernstudium. Der Hauptgrund dafür war die damalige Beschränkung während seiner Bundeswehrzeit, die nur ein Fernstudium zuließ. Die Umstellung war signifikant, da es keinen festen Rahmen aus Vorlesungen und Klausuren gab. Stattdessen musste er sein Studium flexibel in seinen Turnierplan integrieren. Jeden Semester musste er dicke Ordner durcharbeiten. Doch sobald er sich eingelebt hatte, verlief das Studium gut.

Die Flexibilität des Fernstudiums war ein großer Vorteil. Er hatte seine Lernmaterialien stets dabei und konnte auch auf Reisen viel lernen. Kindervater berichtet, dass er auf einem zehnstündigen Flug nach Asien oft acht Stunden lang für sein Studium lernte. Gleichzeitig konnte er das Studium über seine gesamte Karriere strecken, um schließlich mit seinem Diplom abzuschließen. Seine sportliche Karriere hatte stets Priorität, doch er nutzte die freien Zeiten konsequent.

Belastung und Abwechslung: Studium neben Leistungssport und Bundeswehr

Die Kombination aus Fernstudium, Leistungssport und Bundeswehr war für Ingo Kindervater sowohl Belastung als auch willkommene Abwechslung. Insbesondere in den Phasen vor Klausuren war es wie für jeden Studenten eine Herausforderung. Er schaffte es jedoch gut, indem er frühzeitig Lerninhalte markierte und nicht aufschob. Er verpasste dadurch nie ein Training, musste aber eben ein größeres Paket stemmen. Es kam auch vor, dass er vormittags eine Klausur schrieb und nachmittags bereits bei den YONEX German Open auf dem Feld stand. Dies waren jedoch absolute Ausnahmen. Grundsätzlich, auch für sein eigenes Gewissen, war es gut, sich neben der Spielerkarriere strukturiert etwas aufzubauen.

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Die Relevanz des BWL-Studiums für die Trainerrolle

Die Inhalte seines BWL-Studiums kommen Ingo Kindervater in seiner jetzigen Position als Head of Performance zugute. Ein Studium bereitet selten exakt auf ein spezifisches Aufgabenfeld vor, doch das BWL-Studium deckt viele Bereiche ab, die für seine Tätigkeit relevant sind. Als Head of Performance hat er viel mit Budgets, kurz- und langfristigen Planungen, Management und der Führung des Trainingsteams zu tun. Diese wirtschaftlichen Inhalte sind ihm aus dem Studium vertraut.

Seine Diplomarbeit befasste sich mit dem Konsumentenverhalten. Dieser Bereich deckt sich stark mit seiner aktuellen Arbeit, indem er sich fragt, wie er bestimmte Verhaltensweisen und Entscheidungen bei den Athleten fördern und unterstützen kann. Hier gibt es zahlreiche Überschneidungen.

Erinnerungen an die Spielerkarriere: Erfolge und Teamgeist

Ingo Kindervater blickt gerne auf seine Spielerkarriere zurück, auch wenn es ihm schwerfällt, sich auf wenige Momomente zu konzentrieren. Besonders bedeutsam waren für ihn die Momente, in denen er sich selbst gesteckte Ziele erreichte oder übertraf. Dazu zählen seine erste EM-Medaille, die Olympiaqualifikation und auch sein erster deutscher Meistertitel, bei dem er seine Erwartungen übertroffen hatte.

Ebenso wichtig war für ihn der Teamgeist, der in Saarbrücken herrschte, und die gemeinsamen Einsätze im Thomas Cup. Diese Zeit war geprägt von vielen tollen Erlebnissen. Besondere Momente waren auch Siege gegen bestimmte Gegner, die ihm etwas bedeuteten, sei es frühere Idole oder einfach Top-10-Spieler, gegen die er und sein Team eine starke Leistung abrufen konnten.

Der Weg nach Saarbrücken: Vom Jugendspieler zum Profi

In seiner Jugend war Ingo Kindervater eher außerhalb des etablierten Systems. Bis zu seinem 18. Lebensjahr galt es bereits als großer Erfolg, sich für deutsche Meisterschaften und Ranglisten zu qualifizieren. Er erinnert sich an ein Spiel um Platz 11 bei den Jugendmeisterschaften U18. Sein Erfolg bei den U18-Meisterschaften, insbesondere im Halbfinale, war auch dem Glück zu verdanken, eine gute Mixedpartnerin gefunden zu haben.

Er strebte stets danach, sich in seinem Trainingsumfeld zu verbessern und der Beste zu sein. Er hatte das Glück, dass sein Trainingsumfeld stetig besser wurde. Als Sören Bredenkamp nach Hannover kam, trainierte Kindervater viel mit ihm und wurde dadurch besser. Eine weitere glückliche Fügung war die Änderung der Jahrgangsregelungen, wodurch er plötzlich der älteste Spieler in seiner Altersklasse war und viele andere Talente ausschieden.

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Detlef Poste gab ihm die Chance bei einem internationalen Jugendturnier, wo er im Halbfinale mit Sebastian Schmidt, dem größten Talent damals, das Halbfinale erreichte. Von da an stand er auf dem Zettel der Bundestrainer. Wenige Jahre später folgte sein erster deutscher Titel bei den Erwachsenen, was für ihn als Neuling in dieser Altersklasse ein besonderer Moment war. Nach der U19-Altersklasse wechselte er nach Bonn-Beuel, um sein Trainingsumfeld zu verbessern, bevor er schließlich nach Saarbrücken kam.

Rückblickend waren es eine Kombination aus Glück, seinem eigenen Antrieb und dem ständigen Willen, besser zu werden, sowie die Suche nach wachsenden Trainingsumfeldern, die ihn voranbrachten. Er beobachtete die Leistungen anderer in seinen Trainingsgruppen und versuchte, sie zu übertreffen.

Training in Corona-Zeiten: Herausforderungen und Anpassungen in Schottland

Die Trainingssituation während der Corona-Pandemie in Schottland war für Ingo Kindervater und seine Spieler eine extrem lehrreiche, herausfordernde und anstrengende Zeit. Der erste Lockdown dauerte vier Monate, in denen kein Training auf dem Feld möglich war und sich das Team nicht sehen konnte. Diese Phase war zäh, doch sie ermöglichte es dem Team, sich besser kennenzulernen. Durch Videoaustausch und Online-Trainingseinheiten wurde versucht, den Athleten einen halbwegs normalen Trainingsalltag zu bieten.

Nach den vier Monaten und auch während der zweiten Welle erhielt das Team eine Ausnahmeregelung, ist jedoch weiterhin eingeschränkt. Derzeit darf nur in Trainingsblasen von sechs Spielern trainiert werden, ohne Durchmischung und mit zeitlichen Abständen zwischen den Trainingseinheiten. Organisatorisch ist dies eine große Herausforderung, da alle Einheiten doppelt durchgeführt werden müssen, da nicht alle gleichzeitig mit dem nötigen Abstand in die Halle passen. Das Trainingsvolumen musste angepasst werden, aber es war auch interessant zu beobachten, wie eine höhere Intensität und Qualitätsanforderungen das geringere Volumen kompensieren können. Das Team experimentierte bewusst mit verschiedenen Trainingsansätzen, und es war faszinierend zu sehen, wie sich die Leistung der Spieler unter diesen Bedingungen entwickelte.

Dennoch sehnt sich das Team das Ende der Corona-Zeit herbei. Der gesamte Arbeitsaufwand, insbesondere für Kindervater mit der Organisation von Reisen und Maßnahmen, ist extrem hoch und zeitaufwendig.

Ingo, vielen Dank für die aufschlussreichen Einblicke und das Interview. Alles Gute für Ihre weitere Arbeit!