Die Fähigkeit, sich in einer komplexen und sich ständig wandelnden Gesellschaft zurechtzufinden, ist für junge Menschen von unschätzbarem Wert. In Deutschland gilt es als eine der Hauptaufgaben schulischer Bildung, Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragestellungen kritisch zu beurteilen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Dabei sollen sie ermutigt werden, aktiv für die grundlegenden Werte unserer Gesellschaft einzutreten: Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Sicherheit und Frieden. Diese umfassende Verpflichtung durchzieht alle Unterrichtsfächer, findet aber insbesondere in den gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen ihren Schwerpunkt und bildet die Basis für eine starke staatsbürgerliche bildung.
Die Kultusministerkonferenz (KMK), das zentrale Gremium der deutschen Bildungspolitik, spielt eine entscheidende Rolle bei der Förderung und Festigung der Demokratieerziehung in deutschen Schulen. Sie versteht Bildung als wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Demokratie und zur Prävention von Extremismus. Die KMK setzt sich kontinuierlich dafür ein, dass Schulen nicht nur Orte der Wissensvermittlung, sondern auch lebendige Lernorte für demokratische Teilhabe und Verantwortungsübernahme sind.
Historische Meilensteine und das Engagement der KMK
Das Bekenntnis zur Demokratieerziehung ist tief in der deutschen Geschichte verwurzelt. Im Jahr 2009, anlässlich bedeutender Jahrestage – des 90. Jahrestages der Weimarer Republik, der ersten praktizierten demokratischen Verfassung auf deutschem Boden, des 60. Jahrestages des Grundgesetzes und des 20. Jahrestages der Friedlichen Revolution in der DDR – bekräftigte die Kultusministerkonferenz die herausragende Bedeutung der Erziehung zur Demokratie in einer wegweisenden Erklärung. Diese Erklärung würdigte das demokratische Engagement im schulischen Kontext und unterstrich die Notwendigkeit, aus der Geschichte zu lernen und demokratische Werte aktiv zu leben. Im darauffolgenden Jahr wurde auch der 20. Jahrestag der Deutschen Einheit als Anlass genommen, diese Bedeutung nochmals hervorzuheben.
Als konkreten Startpunkt für weitere Initiativen fand vom 24. bis 25. Juni 2009 in Potsdam eine Fachtagung unter dem Leitthema “Demokratie in der Schule: Partizipation – Historisch-Politische Bildung – Werte” statt. Diese von den Ländern Brandenburg und Thüringen verantwortete Konferenz versammelte Expertinnen und Experten aus Bildung und Wissenschaft, um Wege zur Stärkung der Demokratie in der schulischen Praxis zu diskutieren. Die Ergebnisse und Materialien dieser Tagung lieferten wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Demokratieerziehung in deutschen Schulen.
Ein weiteres zentrales Anliegen der KMK war und ist die vertiefte Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Aus diesem Grund empfahl die Kultusministerkonferenz in ihrer 326. Sitzung im Juni 2009 die Einführung eines jährlichen Projekttages am 9. November für die Sekundarstufen I und II. Dieser Projekttag soll Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit bieten, sich intensiv mit den wechselhaften und oft herausfordernden Ereignissen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts auseinanderzusetzen. Die Bundeszentrale für politische Bildung, die Bundesstiftung Aufarbeitung und die damalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen entwickelten hierfür umfassende didaktische Materialien, die Lehrkräften bei der Gestaltung eines lebendigen und kritischen Geschichtsunterrichts unterstützen. Ein solches Engagement verdeutlicht die Relevanz einer fundierten gesellschaft für politische bildung für die Zivilgesellschaft.
Anpassung an aktuelle Herausforderungen: Empfehlungen im digitalen Zeitalter
Die Gesellschaft und ihre Herausforderungen entwickeln sich stetig weiter. Angesichts aktueller gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen sowie des rasanten Fortschreitens der Digitalisierung sah die Kultusministerkonferenz die Notwendigkeit, ihre Empfehlungen aus dem Jahr 2009 neu zu fassen. Am 11. Oktober 2018 verabschiedete sie eine aktualisierte Fassung unter dem Titel “Demokratie als Ziel, Gegenstand und Praxis historisch-politischer Bildung und Erziehung in der Schule”. Diese Neufassung trägt den veränderten Rahmenbedingungen Rechnung und integriert neue Aspekte wie Medienkompetenz, digitale Bürgerschaft und die Herausforderungen von Desinformation. Sie betont die Notwendigkeit, Partizipation und kritische Medienreflexion als integrale Bestandteile der Demokratieerziehung in deutschen Schulen zu verankern und die Kompetenzen der Lernenden in diesem Bereich zu stärken. Eine solche Herangehensweise ist essenziell für ein modernes institut für partizipation und bildung.
Kontinuierlicher Austausch und breite Unterstützung
Seit 2007 veranstaltet die Kultusministerkonferenz jährlich in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung Fachtagungen zu aktuellen Fragestellungen der Demokratiepädagogik. Diese regelmäßigen Treffen bieten eine wichtige Plattform für den Austausch von Best Practices, die Vorstellung innovativer Konzepte und die gemeinsame Entwicklung von Strategien zur Stärkung der Demokratie im schulischen Alltag. Die Dokumentationen dieser Tagungen auf der Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung belegen das kontinuierliche Engagement und die Dynamik dieses wichtigen Arbeitsfeldes. Es zeigt, wie vielfältig und dynamisch die Landschaft der soziale bildung ev in Deutschland ist.
Darüber hinaus unterstützt die Kultusministerkonferenz aktiv die Initiative “Demokratieerleben”, die von einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen getragen wird und unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht. Diese Initiative zielt darauf ab, Demokratie als etwas Lebendiges und Erfahrbares zu vermitteln und junge Menschen zur aktiven Teilhabe an der Gestaltung ihrer Gesellschaft zu motivieren.
Fazit
Die Demokratieerziehung in deutschen Schulen ist weit mehr als nur ein Bildungsauftrag; sie ist eine Investition in die Zukunft unserer freien und demokratischen Gesellschaft. Durch die konsequente Förderung von kritischem Denken, Partizipation und dem Eintreten für grundlegende Werte tragen Schulen maßgeblich dazu bei, junge Menschen zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern heranzubilden. Das umfassende Engagement der Kultusministerkonferenz, gestützt durch historische Reflexion, angepasste Empfehlungen und kontinuierliche Initiativen, sichert die Relevanz und Qualität dieser wichtigen Bildungsaufgabe und bildet eine Brücke zur bildung für erwachsene. Es ist ein fortwährender Prozess, der alle Beteiligten dazu aufruft, sich für die Werte unserer Demokratie einzusetzen und sie aktiv zu leben.
